Noch nie hatten Kinder so leicht Zugang zu elektronischen Medien wie in der heutigen Zeit und noch nie verbrachten sie damit so viel freie Zeit. Sogar im Leben von Kleinkindern spielen Medien bereits eine wichtige Rolle und sind ein fester Bestandteil des organisierten Familienalltags. Das Fernsehen steht bei den Nutzungsdauern an erster Stelle und ist ein wichtiger Sozialisationsfaktor (Röbe 2008, S. 3). Um negative Medienwirkungen im Kleinkindalter so gering wie möglich zu halten, ist die Erziehung zum „richtigen“ Umgang mit Medien eine zentrale Aufgabe für eine zeitgemäße Erziehung.
Im Mittelpunkt des ersten Teils dieser Arbeit stehen daher die theoretischen Grundlagen der Medienerziehung. Es soll aufgezeigt werden, welche unterschiedlichen Ziele Medienerziehung verfolgen kann, was den „richtigen“ Umgang mit Medien ausmacht sowie welche Fähigkeiten ein medienkompetentes Kind auszeichnen.
Der zweite Teil dieser Arbeit umfasst eine Analyse der neuen Medienwelt des Baby TV. Auf diese noch relativ neue, aber vielfach umstrittene Thematik stoßen Eltern, die auf der Suche nach möglicherweise geeigneten Sendungen für Kleinkinder sind. Im Zusammenhang einer Auseinandersetzung mit dem Thema der Medienerziehung, welches der erste Teil der Arbeit vorstellt, stellen sich Eltern nämlich unweigerlich auch die Frage, ob sie ihr Kleinkind bereits Fernsehen lassen wollen. Dann stoßen sie auf Baby TV, dessen Programme speziell für Kleinkinder zwischen dem 0. und 3. Lebensjahr konzipiert wurden. Seit Dezember 2005 ist der Sender Baby TV für 1,1 Millionen Haushalte im Kabelnetz Baden-Württembergs frei empfangbar. Baby TV will tagsüber Kinder zu Aktivitäten motivieren und nachts soll es mit ruhiger Musik und Farbflächen den Schlaf der Kinder fördern. Speziell wird suggeriert, dass Baby TV die Entwicklung der Kleinkinder fördert.
Durch diese Arbeit sollen die Themen „Medienerziehung“ und „Fernsehen in früher Kindheit“ miteinander verbunden werden, sodass ersichtlich wird, welche auf das Fernsehen bezogene Form der Medienerziehung nicht sinnvoll erscheint.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Medienerziehung
2.1 Definitionen
2.1.1. Medienpädagogik
2.1.2. Medienerziehung
2.2 Verständnis von Erziehung
2.3 Der „richtige“ Umgang mit Medien
2.4 Zielkategorien der Medienpädagogik
2.4.1. Bewahren
2.4.2. Informieren
2.4.3. Sensibilisieren
2.4.4. Aktivieren
2.4.5. Emanzipieren
2.4.6. Funktionalisieren
2.4.7. Medienkompetenz als primäre Zielstellung
3 Die neue Medienwelt des Baby TV
3.1 Hintergründe
3.1.1. Grundidee des Baby TV
3.1.2. Entstehung
3.2 Medienkonsum von Kleinkindern
3.3 Programmanalyse
3.4 Kritische Studie „Baby Einstein“
3.4.1. Das Problem des Erkennens
3.4.2. Das Problem der Modalität
3.4.3. Das Problem der Repräsentation
3.4.4. Das Problem der Sprache
3.4.5. Das Problem des abstrakten Denkens
3.4.6. Ernstzunehmende Kritik
4 Auswirkungen von Fernsehen auf Babys und Kleinkinder
5 Konsequenzen für Eltern
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Medienerziehung sowie die spezifischen Auswirkungen des Fernsehkonsums von Kleinkindern, insbesondere mit Blick auf kommerzielle Angebote wie „Baby TV“ und „Baby Einstein“, um daraus Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Medienerziehung abzuleiten.
- Theoretische Fundierung der Medienerziehung und Medienpädagogik.
- Analyse der Intentionen und Programme von „Baby TV“.
- Kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Bildschirmmedien für Kleinkinder.
- Untersuchung der negativen Auswirkungen auf die geistige Entwicklung und Sprachentwicklung.
- Aufzeigen der elterlichen Verantwortung im Umgang mit Medien.
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Das Problem des Erkennens
Die gezeigten Bilderszenen kann ein Kind nur erkennen, wenn es diese Phänomene bereits in der Wirklichkeit erfahren hat. Ohne jedoch einen solchen Hintergrund an konkreter Erfahrung zu besitzen, bleiben die Bilder beliebige Spielereien mit Farben und Formen (Schäfer 2007, S. 72).
Kinder brauchen viel Zeit, um konkret gemachte Erfahrungen in allen Einzelheiten zu erfassen. Auf der DVD werden ihnen aber Bilder in Sekundenschnelle vorgeführt, weshalb sie nicht in der Lage sind, den Gehalt dieser Bilder in der kurzen Zeit zu entziffern (Vgl. Schäfer 2007, S. 73).
Kinder mögen zwar beim Betrachten der Bilderszenen aufmerksam erscheinen, jedoch gilt diese Aufmerksamkeit lediglich der Abwechslung auf dem Bildschirm, wobei die Inhalte unerschlossen bleiben (Schäfer 2007, S. 73).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Mediennutzung bei Kleinkindern ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, Medienerziehung und die Analyse von „Baby TV“ zu verknüpfen.
2 Medienerziehung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Medienpädagogik, das moderne Bild des Kindes als Akteur und definiert zentrale Zielkategorien wie Medienkompetenz.
3 Die neue Medienwelt des Baby TV: Hier werden die Hintergründe des Senders „Baby TV“ beleuchtet, das Programm analysiert und eine kritische Auseinandersetzung anhand der „Baby Einstein“-Reihe durchgeführt.
4 Auswirkungen von Fernsehen auf Babys und Kleinkinder: Dieses Kapitel präsentiert aktuelle Studien, die belegen, dass exzessiver Fernsehkonsum die Sprachentwicklung und geistige Leistungsfähigkeit bei Kleinkindern negativ beeinflusst.
5 Konsequenzen für Eltern: Basierend auf den wissenschaftlichen Ergebnissen wird Eltern dringend empfohlen, die Fernsehzeit zu begrenzen und stattdessen die kognitive Entwicklung durch Vorlesen und gemeinsame Aktivitäten zu fördern.
6 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Bildschirmmedien für Kleinkinder nicht förderlich sind und die Versprechen der Industrie als pädagogisch kontraproduktiv einzuordnen sind.
Schlüsselwörter
Medienerziehung, Medienpädagogik, Baby TV, Medienkompetenz, Kleinkinder, Fernsehkonsum, Sprachentwicklung, Baby Einstein, Bildschirmmedien, Erziehungswissenschaft, kognitive Entwicklung, Mediennutzung, Elternverantwortung, Medienwirkung, Kindesentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Medienerziehung im frühen Kindesalter und speziell mit dem Angebot von „Baby TV“ und ähnlichen Produkten auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Definition und Ziele der Medienpädagogik, die Analyse von Baby-Fernsehprogrammen sowie die Auswirkungen von Bildschirmmedien auf die frühkindliche Entwicklung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin untersucht, ob Sendungen wie „Baby TV“ die Entwicklung von Kleinkindern tatsächlich fördern oder ob sie eher negative Auswirkungen haben, und welche Rolle die elterliche Medienerziehung dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Studienanalyse, bei der aktuelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zur frühkindlichen Mediennutzung zusammengetragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Medienerziehung dargestellt, gefolgt von einer detaillierten Programmanalyse des Senders „Baby TV“ und der kritischen Betrachtung von „Baby Einstein“-DVDs anhand lernpsychologischer Probleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medienerziehung, Medienkompetenz, Baby TV, Sprachentwicklung und frühkindliche Medienwirkung charakterisiert.
Was besagt die „Baby Einstein“-Studie konkret?
Die Studie zeigt auf, dass Kinder die Welt durch haptische Erfahrungen begreifen müssen. Bilder auf dem Bildschirm, die ohne Kontext und zu schnell gezeigt werden, können von Babys nicht verarbeitet werden und bleiben ohne Lerneffekt.
Welche Empfehlungen gibt die Autorin Eltern?
Die Autorin rät Eltern dazu, auf das Fernsehen als „Babysitter“ zu verzichten, die Fernsehzeit stark zu begrenzen und die geistige Entwicklung durch Vorlesen und direkte soziale Interaktion aktiv zu unterstützen.
- Quote paper
- Sara Mix (Author), 2011, Medienerziehung im Kindesalter und die Bedeutung der neuen Medienwelt des Baby TV für Kleinkinder , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189225