Jeder Mensch wird in eine Familie hineingeboren und erlebt sie je nach gegebenen Umständen unterschiedlich.
Nach der Familiensoziologin Nave-Herz sind Familien gekennzeichnet durch: (1.) ihre biologisch-soziale Doppelnatur (Reproduktions- und Sozialisationsfunktion), (2.) die Generationendifferenzierung (Großeltern/Eltern/Kinder), (3.) ein spezifisches Kooperations- und Solidaritätsverhältnis zwischen ihren Mitgliedern, wodurch ihnen bestimmte Rollen zukommen. (vgl. Huinink/Konietzka 2007, S. 25)
In unserer Umgebung können wir immer ausdifferenziertere Formen von Familien ausmachen: Eltern-Kind-Familien, Alleinerziehende, Familien bei denen die Eltern verheiratet sind oder nicht, Patchworkfamilien u.v.a
Unbestritten ist jedoch, dass im Normalfall die Heirat bzw. die Ehe als Legitimation einer Paarbeziehung und als Basis für eine Familie gesehen werden. Man heiratet, um eine Familie zu gründen und Kinder zu zeugen.
Die Ehe definiert Nave-Herz wie folgt: „Mit Ehe bezeichnet man (1.) eine durch Sitte und/oder Gesetz anerkannte, auf Dauer angelegte Form gegengeschlechtlicher sexueller Partnerschaft. Weiterhin ist (2.) ein wesentliches Strukturmoment aller Ehen, auch der heutigen, dass sie über das Paarverhältnis der Familie hinausweist.“ (zit. nach ebd. S. 32)
Heutzutage verzichten jedoch viele Paare auf die Eheschließung und leben sozial anerkannt ohne den Trauschein.
„Die Paarbeziehung ist als Beziehungsform durch eine exklusive dyadische Beziehung zwischen zwei Personen definiert. Eine weitergehende Definition bestimmt eine Paarbeziehung als enge, persönliche und intime, auf Dauer angelegte, exklusive Beziehung zwischen zwei erwachsenen Personen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts. Typischerweise zeichnet sich eine Paarbeziehung durch Liebe, persönliches Vertrauen und sexuelle Interaktion aus.“ (ebd. S. 30)
Allgemein lässt sich eine Tendenz ausmachen, dass weniger Menschen heiraten, viele Ehen wieder geschieden werden und immer weniger Kinder geboren werden. Doch wie lassen sich diese Entwicklungen erklären?
Um dies zu untersuchen, werde ich im Folgenden auf die Geschichte der Familie, Ehe und Paarbeziehung eingehen. Hierbei gliedere ich nach Epochen: Vor- und Frühgeschichte, Antike, Mittelalter, Neuzeit und Neueste Geschichte
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein historischer Überblick über Familie, Ehe und Paarbeziehung
2.1 Vor- und Frühgeschichte
2.2 Antike (6. Jh. v. Chr. – 5. Jh.)
2.3 Mittelalter (5. – 15. Jh.)
2.4 Neuzeit (16.- 19. Jh.)
2.5 Neueste Geschichte (20. - 21. Jh.)
3. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht den historischen Wandel von Ehe, Familie und Paarbeziehung, um Erklärungsansätze für die heutigen demografischen Entwicklungen, wie sinkende Heiratsraten und veränderte Familienformen, zu finden.
- Evolution der Familienstrukturen von der Frühgeschichte bis heute
- Einfluss kirchlicher und gesellschaftlicher Normen auf Sexualität und Ehe
- Übergang vom Produktionsort Familie zum privaten emotionalen Rückzugsort
- Entstehung des bürgerlichen Familienideals und dessen Wandel
- Individualisierungsprozesse und neue Formen des Zusammenlebens
Auszug aus dem Buch
2.4 Neuzeit (16.- 19. Jh.)
In der vorindustriellen Zeit „(...) hat es in West- und Mitteleuropa die Drei Generationen-Familie wegen der geringen Lebenswahrscheinlichkeit, wegen eines relativ späten Heiratsalters und aus ökonomischen Gründen viel seltener gegeben, als häufig angenommen wird (...)“ (Nave-Herz 2006, S. 37).
Nave-Herz (2006) unterscheidet in ihren Ausführungen über vorindustrielle Familienformen konsequent zwischen Familien mit Produktionsfunktion und denen ohne Produktionsfunktion. Die Familien mit Produktionsfunktion lebten eher in mehreren Generationen zusammen als die ohne Produktionsfunktion, weil es dort die Voraussetzungen für das Zusammenleben gab, bzw. dass der Unterhalt für drei Generationen ausreichte.
Ehen und Familien besaßen in der vorindustriellen Zeit immer einen instrumentellen Charakter. Eine Ehe wurde in Hinblick auf Kinder, also auf Reproduktion, eingegangen. Je nach Schicht sollte damit das Vermögen, der Name weitervererbt werden und auch um die Altersversorgung der Eltern abzusichern. Im Mittelpunkt der Familie stand der Haushalt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die begrifflichen Grundlagen der Familiensoziologie nach Nave-Herz ein und skizziert die Fragestellung nach den Gründen für den Wandel moderner Ehe- und Familienformen.
2. Ein historischer Überblick über Familie, Ehe und Paarbeziehung: Dieses Hauptkapitel analysiert chronologisch die Entwicklung familialer Strukturen, angefangen bei Jäger-und-Sammler-Gesellschaften bis hin zu den demografischen Veränderungen der Gegenwart.
3. Reflexion: Der Autor fasst die gewonnenen Erkenntnisse über den Übergang von ökonomisch motivierten Ehen hin zur heutigen romantischen Paarbeziehung zusammen und reflektiert über die Auswirkungen überhöhter Erwartungen an die Institution Ehe.
Schlüsselwörter
Familie, Ehe, Paarbeziehung, Wandel, Industrialisierung, Patriarchat, Produktionsfunktion, Reproduktion, Emotionalisierung, Individualisierung, Heiratsalter, Sexualität, Vorindustrielle Zeit, Bürgerliches Familienmodell, Demografischer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Betrachtung des Wandels von Ehe, Familie und Paarbeziehung im Laufe der Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung von Familienformen, den Einfluss von Kirche und Gesellschaft auf Ehe und Sexualität sowie den Wandel zur emotional geprägten Kleinfamilie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für heutige Entwicklungen wie sinkende Geburtenraten und die häufige Auflösung von Ehen durch eine historische Analyse besser erklärbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse soziologischer Fachliteratur zur Familien- und Ehegeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf historische Epochen, von der Vor- und Frühgeschichte über das Mittelalter bis zur Neuesten Geschichte, wobei die strukturellen und normativen Wandlungsprozesse detailliert beschrieben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Familiensoziologie, Industrialisierung, Individualisierungsprozess und das bürgerliche Familienmodell geprägt.
Welche Rolle spielte die Kirche im Mittelalter für die Familie?
Die Kirche übte im Mittelalter eine starke Kontrolle über das Sexualleben aus, indem sie Sexualität fast ausschließlich auf die Fortpflanzung innerhalb der Ehe begrenzte und außereheliche Verbindungen sowie Scheidungen stigmatisierte oder verbot.
Wie unterschied sich die proletarische von der bürgerlichen Familie im 19. Jahrhundert?
Während die bürgerliche Familie als Ideal der Privatheit und Emotionalität galt, war die proletarische Familie primär durch die Notwendigkeit der Existenzsicherung und das Fehlen einer abgeschlossenen Privatsphäre gekennzeichnet.
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- Carolin Kulp (Author), 2010, Ehe, Familie und Paarbeziehung im Wandel der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189209