Als generelle Ziele der Elternarbeit gelten „...die Herstellung, Erneuerung
bzw. Vertiefung des Kontaktes zwischen Eltern und Kind, die Aktivierung und Stützung eines Prozesses der Selbstbestimmung der Eltern, um sie zu neuen Einsichten in Bezug auf Eigenart, Eigenwert und die Erziehung des Kindes zu führen, sowie gemeinsames Erarbeiten neuer Erziehungswege und Erziehungspraktiken.“ (Brem-Gräser, 1975, S. 73)
Es ist jedoch schwierig, allgemeingültige Zielvorgaben für die Elternarbeit festzulegen, da sich die Zielsetzungen immer am Einzelfall orientieren müssen. Je nach der individuellen Problemstellung einer Familie müssen die Ziele definiert und entsprechende Lösungsstrategien entwickelt werden.
Deshalb möchte ich in dieser Arbeit aufzeigen, wie Eltern und Familienarbeit in der Heimerziehung unter Einbeziehung der Beteiligten aussehen kann und sollte. Hierbei wird auf die Formen der Eltern- und Familienarbeit eingegangen sowie auf die familiären Hintergründe und die Notwendigkeit dieser. Erforderliche Voraussetzungen und auch Hindernisse der Eltern- und Familienarbeit sollen anschließend näher beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung der Heimerziehung
2.1. Historische Entwicklung der Heimerziehung
2.2. Formen der Elternarbeit im Kontext der Heimerziehung (ausgewählte Beispiele)
2.2.1.Familientherapie
2.2.2.Elternberatung
2.2.3.Hausbesuche
3. Familiärer Hintergrund in der Herkunftsfamilie
3.1. Situation in der Herkunftsfamilie
3.2. Probleme der Kinder in der Familie
3.3. Unterstützende Netze
4. Bedeutung der Elternarbeit in der Heimerziehung
4.1. Notwendigkeit der Elternarbeit
4.1.1.Erhaltung der Bindung zwischen Eltern und Kind
4.1.2.Elternarbeit als Prävention
4.2. Voraussetzung für Elternarbeit
4.2.1.Einstellung und Qualifikation der Heimmitarbeiter
4.2.2.Struktur des Heims
4.2.3.Finanzierung
4.3. Hindernisse in der Elternarbeit
4.3.1.Mangelnde Einbeziehung der Eltern
4.3.2.Zeitprobleme und räumliche Distanz
4.3.3.Fehlende Kommunikation oder Verweigerung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Gestaltung der Elternarbeit in der stationären Heimerziehung für Kinder bis zum 10. Lebensjahr. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine systematische Einbeziehung der Herkunftsfamilien trotz der räumlichen Trennung gelingen kann, um Entwicklungschancen der Kinder zu verbessern und Rückführungen zu erleichtern.
- Historische Entwicklung und Vorurteile gegenüber der Heimerziehung
- Familiäre Belastungsfaktoren und deren Auswirkungen auf die Kinder
- Methoden der Eltern- und Familienarbeit (Beratung, Therapie, Hausbesuche)
- Strukturelle und personelle Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation
- Herausforderungen und Hindernisse bei der Zusammenarbeit mit Herkunftsfamilien
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Familientherapie
Eine der intensivsten Form der Arbeit mit der Familie und des Kindes stellt sicherlich die Familientherapie dar. In die Familientherapie werden die gesamte Familie bzw. die wichtigsten Bezugspersonen der Familie integriert. Alle Teilnehmer sind an der Lösung des Problems beteiligt.
Eine Definition von Familientherapie gestaltet sich sehr schwierig, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen und Formen dieser Arbeitsform gibt. Im Allgemeinen geht es nicht um die Veränderung einzelner Familienmitglieder, sondern um Veränderungen im familiären Kontext. In der Familientherapie kommen die Familienmitglieder an einem Ort zusammen und versuchen mit Hilfe des Therapeuten, Erneuerungen zu ergründen, damit die Familie wieder ohne fremde Hilfe miteinander leben kann.
Das Kind in der Einrichtung kann als Symptomträger oder identifizierter Patient gesehen werden. Durch die Fremdunterbringung des Kindes einer Familie in eine stationäre Einrichtung zeigt sich, dass eine Dysfunktion innerhalb des familiären Kontextes vorliegt (vgl. Minuchin 1997, S.133). Minuchin führt weiter aus, dass ein Mitglied in der Familie als Symptomträger bezeichnet oder hingestellt wird und das System Familie dazu beiträgt, dass diese Symptomatik weiter aufrechterhalten bleibt (ebd. S.133). Damit soll verdeutlicht werden, dass es bedeutend ist, das gesamte Familiensystem mit einzubeziehen und eben nicht nur dem Kind Hilfe zu unterbreiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Ziele der Elternarbeit als Prozess zur Stärkung der elterlichen Kompetenzen und begründet die Relevanz der Arbeit angesichts der notwendigen Einzelfallorientierung.
2. Entstehung der Heimerziehung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel von der Anstaltserziehung hin zu familienanalogen, professionellen Wohnformen nach und erläutert ausgewählte Methoden der Elternarbeit.
3. Familiärer Hintergrund in der Herkunftsfamilie: Hier werden die sozialen und ökonomischen Belastungen der Herkunftsfamilien beleuchtet und die Problemlagen der Kinder als Symptomträger des Familiensystems analysiert.
4. Bedeutung der Elternarbeit in der Heimerziehung: Dieser Hauptteil erörtert die Notwendigkeit, Voraussetzungen und strukturellen Bedingungen, beleuchtet jedoch auch die vielfältigen Hindernisse in der praktischen Umsetzung.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung plädiert für einen systemischen Ansatz, bei dem Eltern und Erzieher gemeinsam am Wohl des Kindes arbeiten, um die Trennung für alle Beteiligten konstruktiv zu bewältigen.
Schlüsselwörter
Elternarbeit, Heimerziehung, Herkunftsfamilie, stationäre Jugendhilfe, Familientherapie, Elternberatung, Symptomträger, Kooperation, systemischer Ansatz, Erziehungshilfe, Bindung, Prävention, Hilfeverlauf, Familiensystem, Ressourcenaktivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle der Elternarbeit innerhalb der stationären Heimerziehung und analysiert, warum die Einbeziehung der Herkunftsfamilie für einen erfolgreichen Hilfeverlauf essenziell ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung der Heimerziehung, die Analyse der familiären Ausgangslage betroffener Kinder sowie konkrete Methoden und Voraussetzungen der Kooperation zwischen Heim und Familie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte und methodisch strukturierte Elternarbeit die Entwicklung der Kinder gefördert und eine mögliche Rückkehr in die Herkunftsfamilie unterstützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene fachwissenschaftliche Ansätze und empirische Studien zur Praxis der Eltern- und Familienarbeit in der Heimerziehung zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der familiären Hintergründe, die Notwendigkeit und Voraussetzungen (Qualifikation, Struktur, Finanzierung) sowie die Auseinandersetzung mit Hindernissen wie Zeitmangel und Kommunikationsschwierigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Elternarbeit, Heimerziehung, systemischer Ansatz, Kooperation, Herkunftsfamilie, Ressourcenaktivierung und Hilfeverlauf.
Warum wird das Kind in der Heimerziehung oft als „Symptomträger“ bezeichnet?
Das Kind fungiert oft als Spiegel der familiären Missverhältnisse. Die Unterbringung im Heim macht deutlich, dass eine Dysfunktion im gesamten Familiensystem vorliegt, die nicht allein durch die Herausnahme des Kindes gelöst werden kann.
Welche Bedeutung kommt der finanziellen Ausstattung bei der Elternarbeit zu?
Die Arbeit betont, dass eine qualitativ hochwertige Elternarbeit zusätzliche personelle und zeitliche Ressourcen erfordert; mangelnde Finanzierung gefährdet die Effektivität und kann den Erfolg des gesamten Hilfeprozesses einschränken.
Welche Rolle spielt die räumliche Distanz zwischen Heim und Elternhaus?
Eine große räumliche Distanz erschwert die Kooperation erheblich, da sie regelmäßige Kontakte und Gespräche organisatorisch verkompliziert, was insbesondere in ländlichen Regionen ohne gut ausgebautes Verkehrsnetz eine Hürde darstellt.
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- Katharina Prügner (Author), 2011, Notwendigkeit der Elternarbeit in der Heimerziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189105