Wird der Remninbi eine Leitwährung? Diese Arbeit analysiert das Internationalisierungspotential der chinesischen Währung nach ökonomischen und politischen Determinanten. Dies ist insofern notwendig, als die Währungspolitik im Mittelpunkt der chinesischen Wachstumsstrategi steht, die auch ein Streben nach Autonomie vom Dollarbasierten Weltwährungssystem ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Weltwährungssystem im Wandel
2.1 National: Erosion des staatlichen Entscheidungsprimats
2.2 International: Auf dem Weg zur Multipolarität
3. Vor- und Nachteile des Leitwährungsstatus
4. Theorie der Leitwährung
4.1 Funktionen
4.2 Determinanten
4.2.1 Ökonomisch
4.2.2 Politisch
5. Das Potential des Renminbi als Leitwährung
5.1 Indirekter Kanal: Marktpräferenzen
5.1.1 Vertrauen
5.1.2 Liquidität
5.1.3 Netzwerkexternalitäten
5.2 Direkter Kanal: Autonomie und Einfluss
5.3 Zusammenfassung
6. Der Renminbi als regionale Währung
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Internationalisierungspotenzial des chinesischen Renminbi unter Berücksichtigung sowohl ökonomischer als auch machtpolitischer Determinanten, um zu bewerten, inwiefern die Währung das Potenzial hat, eine globale oder regionale Leitwährungsrolle einzunehmen.
- Analyse der ökonomischen Determinanten (Vertrauen, Liquidität, Netzwerkexternalitäten)
- Untersuchung machtpolitischer Einflussfaktoren und monetärer Autonomie
- Bewertung der chinesischen Währungspolitik und ihrer Strategie
- Rolle des Renminbi als regionale Währung in Asien
- Perspektiven auf eine langfristige Internationalisierung bis zum Jahr 2020
Auszug aus dem Buch
2.1 National: Erosion des staatlichen Entscheidungsprimats
Traditionell lag das Entscheidungsprimat in vielen Politikfeldern in staatlicher Hand. Mitunter ist dies bis heute der Fall, zum Beispiel in der Sicherheitspolitik. In Währungsfragen hat Cohen jedoch eine Erosion des staatlichen Primats festgestellt. Denn während in Vergangenheit die währungspolitische Willensbildung den nationalen Regierungen oblag und in multilateralen Konferenzen ihren Ausdruck fand, sei es zu einer „evolution of customs and usage among a growing number of autonomous agents“ gekommen. Private Interessen hätten in letzter Zeit gegenüber staatlichen zunehmend an Einfluss gewonnen. Währungspolitik sei folglich keine souveräne Entscheidung nationaler Regierungen mehr, sondern unterliege zunehmend marktwirtschaftlichen Kriterien, wohingegen Regierungen den trade-off zwischen ökonomischen und weiteren Kriterien berücksichtigen müssten, beispielsweise Stabilität, Frieden oder Machterhalt.
Diese Divergenz privater und staatlicher Interessen in Währungsfragen lässt sich an Russland verdeutlichen. Im Juni 2010 hat Präsident Dmitri Medvedev den Wunsch geäußert, den Rubel als globale Leitwährung zu etablieren. Gleichzeitig findet der Renminbi im Osten Russlands zunehmend zur Abwicklung des Handelsverkehrs mit China Verwendung, was die Stellung des Rubels indirekt untergräbt. Cohen beschreibt diese Entwicklung als „leaderless diffusion of power“ – ein Machtverlust traditioneller staatlicher Autoritäten zugunsten einer Vielzahl von Akteuren, die jedoch nicht selbstständig das WWS beeinflussen können. Angesichts dieser vielschichten Interessenslage können weder marktwirtschaftliche noch politische Faktoren vernachlässigt werden, wenn es um die Wahl der globalen Leitwährung geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse am Internationalisierungspotenzial des Renminbi und führt die Verknüpfung ökonomischer mit machtpolitischen Determinanten als Analyseansatz ein.
2. Das Weltwährungssystem im Wandel: Dieses Kapitel beschreibt die Erosion staatlicher Kontrolle in Währungsfragen sowie die zunehmende Fragmentierung und Multipolarität im globalen Währungssystem.
3. Vor- und Nachteile des Leitwährungsstatus: Hier werden die ökonomischen und politischen Chancen und Risiken einer Leitwährung analysiert, insbesondere im Kontext von Seigniorage, Handlungsspielräumen und Abhängigkeiten.
4. Theorie der Leitwährung: Das Kapitel definiert die Funktionen einer Leitwährung und erläutert die ökonomischen (Vertrauen, Liquidität, Netzwerkexternalitäten) sowie politischen Bestimmungsfaktoren.
5. Das Potential des Renminbi als Leitwährung: Dies ist das Kernkapitel, welches die Marktpräferenzen sowie direkte politische Strategien Chinas hinsichtlich der Internationalisierung des Renminbi detailliert untersucht.
6. Der Renminbi als regionale Währung: Hier wird diskutiert, warum eine Rolle als Regionalwährung in Asien wahrscheinlicher ist als eine sofortige globale Dominanz.
7. Ausblick: Der Ausblick fasst zusammen, dass eine vollständige Internationalisierung noch Jahrzehnte dauern könnte und das Jahr 2020 als plausibler Horizont für eine stärkere regionale Bedeutung gilt.
Schlüsselwörter
Renminbi, Leitwährung, Weltwährungssystem, Währungspolitik, Finanzkrise, Monetäre Autonomie, Kapitalverkehrskontrollen, Liquidität, Netzwerkexternalitäten, Dollardominanz, Devisenreserven, Multipolarität, Finanzmärkte, Wechselkurs, Asien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob der chinesische Renminbi das Potenzial hat, eine internationale Leitwährung zu werden, und welche ökonomischen und politischen Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorie der Leitwährungen, die Strukturveränderungen des globalen Währungssystems, die chinesische Währungs- und Devisenpolitik sowie die Rolle Chinas im regionalen und globalen Handel.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Internationalisierungspotenzial des Renminbi zu bewerten, indem untersucht wird, ob China seine ökonomischen Rahmenbedingungen verbessern kann und wie es seine monetäre Macht strategisch einsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikökonomische Analyse, die bestehende Theorien, insbesondere die von Benjamin Cohen und Eric Helleiner, auf die aktuelle chinesische Strategie anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei ökonomischen Schlüsseldeterminanten (Vertrauen, Liquidität, Netzwerkexternalitäten) sowie den direkten Kanal politischer Einflussnahme durch chinesische Devisenreserven und Reformbemühungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Renminbi, Leitwährung, monetäre Autonomie, Kapitalverkehrskontrollen, Dollardominanz und die regionale Integration in Asien.
Warum wird der Renminbi bisher nur eingeschränkt als Leitwährung genutzt?
Der Renminbi unterliegt noch immer rigiden Kapitalkontrollen und einer staatlich kontrollierten Wechselkurspolitik, was die freie Verfügbarkeit und Attraktivität für internationale Anleger einschränkt.
Welche Rolle spielen die chinesischen Devisenreserven bei der Internationalisierung?
Die Reserven dienen primär der Sicherung der monetären Autonomie und der Stabilität des exportbasierten Wachstumsmodells; eine aggressive Nutzung dieser Reserven zur Machtausübung wird als riskantes "stumpfes Schwert" bewertet.
- Arbeit zitieren
- Niklas Manhart (Autor:in), 2010, Die Internationalisierung des Renminbi, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188996