Im Folgenden werde ich die Undine-Figuren in den Werken Undine von Friedrich de la Motte Fouqué, Ondine von Jean Giraudoux und Undine geht von Ingeborg Bachmann analysieren.
Zunächst einmal möchte ich einen Überblick über die Geschichte der Undine geben, die eine lange Tradition hat. Dabei werde ich mich auf die beiden für meine Analyse wichtigsten Werke konzentrieren: die Staufenbergsage von Egenolf von Staufenberg und das liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et caeteris spiritibus des Paracelsus.
Im Anschluss daran erfolgt eine genauere Analyse der Werke von Fouqué, Giraudoux und Bachmann in chronologischer Reihenfolge. Dabei werde ich immer wieder auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Werke hinweisen.
Im letzten Kapitel werde ich noch einmal auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Werke eingehen und die Ergebnisse meiner Arbeit zusammenfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. UNDINES AHNFRAUEN
2.1 Die Staufenbergsage
2.2 Paracelsus: “Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandaris et de caeteris spiritibus“
3. FRIEDRICH DE LA MOTTE FOUQUÉ: UNDINE
3.1 Die Figur der Undine bei Fouqué
3.1.1 Die natürliche Undine
3.1.2 Die beseelte Undine
4. JEAN GIRAUDOUX: ONDINE
4.1 die Figur der Undine bei Giraudoux
4.1.1 die seelenlose Undine
4.1.2 Utopie der grenzenlosen Liebe
5. INGEBORG BACHMANN: UNDINE GEHT
5.1 Die Figur der Undine bei Bachmann
5.1.1 Undine als Geliebte
5.1.2 Emanzipation der Undine
5.1.3 Endgültiger Abschied oder neuer Anfang
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Wandlung der Undine-Figur in drei literarischen Werken von der Romantik bis zur Gegenwart, wobei der Fokus auf der Entwicklung vom seelenlosen Naturwesen zur emanzipierten Klägerin liegt, um die zugrunde liegende Gesellschaftskritik und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu verdeutlichen.
- Traditionelle Motivgeschichte der Wasserfrau
- Vergleichende Analyse der Werke von Fouqué, Giraudoux und Bachmann
- Bedeutung von Seelenerwerb und Paktbeziehungen
- Die Rolle der Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Normen
- Die Entwicklung von der Integration zur Emanzipation
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die natürliche Undine
Beginnen lässt Fouqué sein Märchen mit der Beschreibung eines arkadischen Landschaftsbildes, eben jener idyllischen Landzunge auf der Undine bisher mit ihren Pflegeeltern, einem alten Fischerpaar, allein gelebt hat.
Der grüne Boden, (…), streckte sich weit in einen großen Landsee hinaus, und es schien ebenso wohl, die Erdzunge habe sich aus Liebe zu der bläulich klaren, wunderhellen Flut, in diese hineingedrängt, als auch, das Wasser habe mit verliebten Armen nach der schönen Aue gegriffen,…11
Wasser und Erde befinden sich in einem harmonischen, liebevollen Zusammenspiel. Dies erweckt die Utopie, dass auch die Beziehung der Wasserfrau Undine mit dem Menschen Huldbrand glücken könne.
Das Motiv des Wassers durchzieht den gesamten Text, insbesondere durch die enge Verbundenheit Undines mit diesem Element. Diese Verbundenheit zeigt sich schon beim ersten Erscheinen Undines:
…als aber endlich ein ganzer Guss gegen die Scheiben flog, und durch den schlecht verwahrten Rahmen in die Stube herein sprudelte, stand er (der Fischer) unwillig auf, und rief drohend nach dem Fenster hin: Undine!12
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Undine-Figuren bei Fouqué, Giraudoux und Bachmann und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand der historischen Tradition des Motivs.
2. UNDINES AHNFRAUEN: Dieses Kapitel erläutert die literarische Tradition der Wasserfrau und identifiziert die Staufenbergsage sowie das Werk von Paracelsus als zentrale mythologische Vorläufer.
3. FRIEDRICH DE LA MOTTE FOUQUÉ: UNDINE: Der Fokus liegt auf der Beseelung der Wasserfrau durch die Heirat und ihre Schwierigkeiten bei der Integration in die menschliche Gesellschaft.
4. JEAN GIRAUDOUX: ONDINE: Analysiert wird die Neuinterpretation der Figur, bei der Undine bereits als vollkommener Mensch erscheint und die Welt der Menschen als seelenlos entlarvt wird.
5. INGEBORG BACHMANN: UNDINE GEHT: Untersucht wird die moderne Perspektive des Monologs, in dem Undine als Klägerin auftritt und sich von traditionellen Paktbeziehungen emanzipiert.
6. FAZIT: Das Fazit stellt die wesentlichen Wandlungen der Figur fest: vom Bemühen um Integration hin zur selbstbewussten Emanzipation unter Ablehnung der gesellschaftlichen Normen.
Schlüsselwörter
Undine, Mahrtenehe, Paracelsus, Fouqué, Giraudoux, Bachmann, Seelenerwerb, Wasserfrau, Emanzipation, Gesellschaftskritik, Geschlechterrollen, Motivgeschichte, Kunstmärchen, Paktbeziehung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die literarische Entwicklung und Transformation der mythologischen Figur der Undine über drei verschiedene Epochen hinweg.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Seelenerwerbs, die Paktbeziehung zwischen Mensch und Wasserfrau sowie die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Darstellung der Undine von einer sich anpassenden, beseelten Hausfrau zu einer emanzipierten, gesellschaftskritischen Figur gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um einen komparativen literaturwissenschaftlichen Vergleich, der die Werke in chronologischer Reihenfolge analysiert.
Was wird im Hauptteil inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Werke von Fouqué, Giraudoux und Bachmann, wobei insbesondere die Figurenzeichnung und die Kontextualisierung in ihre jeweilige Zeit im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Undine, Emanzipation, Seelenerwerb, Gesellschaftskritik und Motivgeschichte beschreiben.
Wie unterscheidet sich Bachmanns Undine von ihren Vorgängerinnen?
Bachmanns Undine ist keine Angeklagte oder Bittstellerin mehr, sondern eine selbstbewusste Klägerin, die das Leben der Menschen aktiv ablehnt und keine Integration mehr anstrebt.
Warum ist die Paktbeziehung für das Verständnis der Werke wichtig?
Die Paktbeziehung symbolisiert das Machtverhältnis und die Entfremdung; ihr Wegfall in Bachmanns Werk markiert einen zentralen emanzipatorischen Wendepunkt.
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- Kathrin Nasser (Author), 2008, Die Undine im Wandel der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188849