Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Politischen Islam und nimmt sich zweierlei vor;
einerseits sollen die Wurzeln des Politischen aufgedeckt werden. Dazu werden die ideologischen Vordenker des Politischen Islam betrachtet (Ibn Taimîya, Abû l-A'lâ Maudûdi).
Anschließend werden von der Moslem-Bruderschaft und ihrem Vordenker Saiyid Qutb ausgehend modernere Versionen des Politischen Islam bis hin zur Al Qaida dargestellt und in einem abschließenden Fazit die Ergebnisse der Arbeit ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung des „politischen Islam“: Die Vordenker der heutigen Islamisten und deren geistiger Einfluss auf islamistische Bewegungen
2.1. Ältere Einflüsse
2.2. Ibn Taimîya
2.3. Abû l-A'lâ Maudûdi
2.4. Die Entstehung Moslem-Bruderschaft
3. Das theoretische Grundgerüst des „politischen Islam“
3.1. Der theoretische Beitrag des Moslem-Bruders Saiyid Qutb zur Ideologie des „politischen Islam“
3.2. Die ideologische Struktur des „politischen Islam“
3.3. „Politischer Islam“ und der Kampf gegen den „Westen“
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, eine Einführung in die Entstehung sowie das theoretische Grundgerüst des politischen Islam zu geben, die über gängige mediale Sichtweisen hinausgeht und die historischen sowie ideologischen Wurzeln islamistischer Bewegungen analysiert.
- Historische Vordenker und deren Einfluss auf den politischen Islam.
- Die ideologische Bedeutung von al-hâkimîya und jahilîya.
- Die Rolle der Moslem-Bruderschaft als Initiator islamistischer Bewegungen.
- Saiyid Qutbs Beitrag zur Radikalisierung der islamistischen Theorie.
- Das Spannungsfeld zwischen der islamischen Welt und dem Westen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Der theoretische Beitrag des Moslem-Bruders Saiyid Qutb zur Ideologie des „politischen Islam“
„Saiyid Qutb“ (Ayubi: 198; diese Schreibweise wird es sein, an die ich mich im Folgenden halten werde) (1906-1965), dessen Vorname in der Literatur auf unterschiedliche Arten geschrieben wird, z.B. „Sayyid Qutb“ (Ayoob: 16) oder auch „Sayid Qutb“ (Tibi: 27) kann als der bedeutendste islamistische Theoretiker der Neuzeit bezeichnet werden. Der junge ägyptische Lehrer Qutb nahm anfangs noch eine eher kritische Position gegenüber den Vorstellungen der Moslem-Brüder ein, gleichwohl er Sympathisant und Befürworter der Idee des Islamismus im Allgemeinen war. Ähnlich wie andere islamistisch orientierte Denker richtete sich sein Denken in erster Linie gegen den Säkularismus in arabischen Gesellschaften und gegen den Import der kulturellen Moderne, als dessen Ausdruck und verlängerter Arm insbesondere die despotischen arabischen Regime der damaligen Zeit verstanden wurden.
Qutbs Radikalisierung erfolgte zum Einen nach einem zweijährigen U.S.-Aufenthalt, währenddessen sich seine anti-westlichen Ressentiments intensivierten und er zu der Idee einer Rückkehr zum Islam inspiriert wurde und zum Anderen nach den Ereignissen, die auf die ägyptische Revolution im Jahre 1952 folgten. Als sich nämlich die Hoffnung Qutbs, dass sich der islamische Flügel im Zuge der Revolution einen Teil der politischen Macht würde sichern können, nicht erfüllte, trat Qutb schließlich der Bruderschaft bei und wurde schnell zu einem ihrer führenden Ideologen (vgl. Ayubi: 197; Tibi: 27).
So radikal Maudûdi mit seinen Vorstellungen von al-hâkimîya und jahilîya auch war, Qutb war es, der diesen beiden Begriffen ihren endgültigen radikal islamistischen Charakter verlieh. Das besonders radikale Moment in Qutbs Schriften war sein unvergleichlich starker Aufruf zum heiligen islamischen Krieg (jihâd) zur Erreichung des Ziels der Herstellung einer islamischen Gesellschaft (vgl. Ayoob: 74). Dieser Aspekt des Qutbischen Denkens, also der Aufruf zum heiligen Krieg zur Umwandlung des politischen Systems, kann als das spezifisch politische Moment in seiner Ideologie benannt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Wahrnehmung des politischen Islam als reale Gefahr und definiert das Ziel der Arbeit, eine fundierte Analyse der Entstehung und Theorie dieses Phänomens zu bieten.
2. Die Entstehung des „politischen Islam“: Die Vordenker der heutigen Islamisten und deren geistiger Einfluss auf islamistische Bewegungen: Dieses Kapitel arbeitet die historischen Wurzeln durch einflussreiche Denker wie Ibn Taimîya und Abû l-A'lâ Maudûdi sowie die Entstehung der Moslem-Bruderschaft heraus.
3. Das theoretische Grundgerüst des „politischen Islam“: Hier wird Saiyid Qutbs zentraler Beitrag zur Ideologie analysiert sowie der ideologische Kampf gegen den Westen und die Bedeutung der Begriffe al-hâkimîya und jahilîya dargelegt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die ideologische Geschlossenheit und den antiemanzipatorischen Charakter des politischen Islam zusammen und fordert zur kritischen Auseinandersetzung und islamischen Aufklärung auf.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur- und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Politischer Islam, Islamismus, Saiyid Qutb, al-hâkimîya, jahilîya, Moslem-Bruderschaft, jihâd, Fundamentalismus, Radikalisierung, Westen, Kolonialismus, Säkularismus, Ideologie, Naher Osten, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ideologischen Ursprüngen und dem theoretischen Grundgerüst des politischen Islam, mit besonderem Fokus auf dessen Entwicklung im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historischen Vordenker wie Ibn Taimîya und Maudûdi, die Rolle der Moslem-Bruderschaft sowie die Radikalisierung der Ideologie durch Saiyid Qutb.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Einführung in die Entstehung und Theorie des politischen Islam, die über oberflächliche mediale Darstellungen hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale theoretische Schriften und politikwissenschaftliche Analysen vergleichend auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Vordenker, die Entstehung der Moslem-Bruderschaft, die ideologische Struktur sowie das Verhältnis zum Westen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Politischer Islam, al-hâkimîya, jahilîya, Radikalisierung und die geopolitische Auseinandersetzung mit westlichen Werten.
Was bedeutet der Begriff „al-hâkimîya“ im Kontext der Arbeit?
Er beschreibt das von Denkern wie Maudûdi und Qutb propagierte Prinzip der absoluten Souveränität Gottes, das menschliche Gesetzgebung als illegitim ablehnt.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis der Islamisten zum Westen?
Der Autor zeigt auf, dass der politische Islam den Westen als Feindbild konstruiert, welches auf historischen Konflikten, Kolonialismus und der Ablehnung westlicher Werte wie Demokratie und Säkularismus basiert.
- Arbeit zitieren
- Murat Karaboga (Autor:in), 2009, Der Politische Islam, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188632