Die Kopfbehaarung hat seit jeher neben ihrer schützenden und schmückenden eine symbolische Bedeutung. Sie signalisiert kulturelle und soziale Zugehörigkeit und kann eine ideologische und religiöse Aussage in sich tragen. Das Haar ist ein zentrales Medium unserer Körpersprache und gilt als tertiäres Geschlechtsmerkmal. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit zwei unterschiedlichen Texten zum Thema Haare. Die britische Verhaltensforscherin Desmond Morris erforscht in ihrem Buch „Körpersignale: Vom Scheitel bis zum Kinn“ den menschlichen Körper und geht dabei im zweiten Kapitel auf die Thematik von Haaren ein. Im zweiten Text: „Lange Männerhaare als jugendkulturelles Zeichen nach 1945“ beschreibt die Sozialwissenschaftlerin Nicole Tiedemann die politische Bedeutung der Haare in den 50er und 60er Jahren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Desmond Morris: Die Bedeutung der Haare
2. Nicole Tiedemann: Lange Männerhaare als Jugendkulturelles Zeichen nach 1945
3. Gegenüberstellung der Texte
Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit zielt darauf ab, die symbolische und soziale Bedeutung von Haaren innerhalb der Modetheorie durch eine komparative Analyse zweier unterschiedlicher wissenschaftlicher Texte zu untersuchen und kritisch einzuordnen.
- Kulturanthropologische Bedeutung von Haar als Körpersignal
- Biologische Charakteristika des Haarwachstums und Haarausfalls
- Politische und soziale Symbolik von Frisuren (z.B. langer Männerhaare)
- Haar als Ausdruck von Rebellion, Jugendkultur und Identitätsbildung
- Methodische Gegenüberstellung von deskriptiven und analytischen Textformen
Auszug aus dem Buch
1. Desmond Morris: Die Bedeutung der Haare
Morris erklärt zuerst die biologischen Charakteristika des Haars. Ein menschliches Haar kann ungefähr sechs Jahre alt werden und einen Meter lang. Nach dieser Zeit geht das Haar in eine Ruhepause über und löst sich aus der Kopfhaut heraus. An dieser Stelle wächst ein neues Haar, das dann wieder sechs Jahre wächst. Ein Mensch besitzt ungefähr 100.000 Kopfhaare. 90 Prozent davon sind aktiv, während sich 10 Prozent in ihrer Ruhephase befinden. Je nach Haarfarbe, die von schwarz bis weiß reicht, variiert die Anzahl der Haare. Das Haarwachstum ist abhängig vom Alter und vom Gesundheitszustand. Ein Haar kann hohen Belastungen ausgesetzt werde. Morris bemerkt: „Chinesische Zirkusakrobaten waren dafür bekannt, dass sie Kunststücke vorführen, während sie, ohne übermäßiges Unbehagen zu verspüren, an ihren Haaren aufgehängt waren“.
Die körperliche Veranlagung eines Menschen trägt dazu bei, wie sich die Haare im Zeitablauf eines Menschen entwickeln. Bei Männern wird das Ausbleiben der Haare durch einen hohen Anteil an Geschlechtshormonen verursacht. Bei Frauen bleiben die Haare nicht aus, sondern werden mit den Jahren dünner. Anschließend geht die Autorin auf die verschiedenen Haartypen und -farben ein. Das Haar der Menschen lässt sich in drei Klassen einordnen: das krause Haar; das für die afrikanische Bevölkerung charakteristisch ist, das lockige Haar der Europiden und das glatte Haar, das bei den Mongoliden einzuordnen ist.
Danach geht Morris auf die kulturelle Bedeutung der Haare ein. Die Haarlänge ist kultur- und zeitabhängig und wird hauptsächlich durch das Geschlecht bestimmt. In einigen Kulturen galt langes Haar als Zeichen der persönlichen Freiheit. So wurde Sklaven und Gefangenen der Kopf geschoren, um sie nach außen als solche zu Kenzeichnen. Sogar noch nach dem Ende der deutschen Besatzung in Frankreich 1944 wurden Frauen, die sich mit Besatzungssoldaten eingelassen hatten, von ihren Landsleuten unter Zwang die Haare abgeschnitten und so gedemütigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Feld der Modetheorie und erläutert die Bedeutung von Haaren als zentrales Medium der Körpersprache und kulturelles Identitätsmerkmal.
1. Desmond Morris: Die Bedeutung der Haare: Dieses Kapitel behandelt die biologischen Grundlagen des Haarwachstums sowie die kulturübergreifende symbolische Bedeutung von Haarlänge und Haarausfall.
2. Nicole Tiedemann: Lange Männerhaare als Jugendkulturelles Zeichen nach 1945: Hier wird die politische Dimension von langen Haaren bei Männern in den 50er und 60er Jahren als Protestmittel gegen die Elterngeneration analysiert.
3. Gegenüberstellung der Texte: Der abschließende Teil vergleicht die Ansätze von Morris und Tiedemann hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Struktur, Quellenarbeit und inhaltlichen Fokussierung.
Literatur: Verzeichnis der in der Seminararbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Modetheorie, Kulturanthropologie, Haarsymbolik, Körpersprache, Jugendkultur, Haarausfall, Identität, Protestkultur, Desmond Morris, Nicole Tiedemann, Sozialwissenschaften, Geschlechtsmerkmal, Frisuren, Kulturgeschichte, Haarwuchs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Haaren als kulturelles und soziales Objekt innerhalb der Modetheorie, indem sie zwei spezifische Texte aus unterschiedlichen Fachrichtungen gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der biologischen Beschaffenheit des Haares, der soziokulturellen Symbolik von Frisuren sowie der historischen Entwicklung von Haaren als politisches Protestinstrument.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die wissenschaftliche Qualität und die unterschiedlichen Perspektiven der Texte von Desmond Morris und Nicole Tiedemann durch einen systematischen Vergleich herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Methode der komparativen Textanalyse, um die verschiedenen Zugänge zur Kulturanthropologie der Haare kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Zusammenfassung der biologischen und sozialen Thesen von Morris sowie die historische Analyse des jugendkulturellen Protests mittels Haarlänge bei Tiedemann.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Modetheorie, Körpersignale, Protestmittel, Identitätsbildung und der kulturwissenschaftliche Blick auf den menschlichen Körper.
Inwiefern unterscheiden sich die beiden analysierten Texte in ihrem Aufbau?
Während Morris' Text eher deskriptive Fakten ohne explizite Forschungsfrage liefert, arbeitet Tiedemann mit einer klaren chronologischen Gliederung, einer zentralen Fragestellung und einer fundierten Quellenlage.
Welche Rolle spielt die Modeindustrie laut der Autorin?
Die Modeindustrie wird als eine Instanz beschrieben, die oppositionelle Stilmerkmale – wie das lange Haar – entleert und durch die Kommerzialisierung als Trend ihrer ursprünglichen Protestfunktion beraubt hat.
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- Kerstin Kränzer (Author), 2008, Haare als Objekt der Modetheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188604