1. Einleitung
Diese Arbeit soll das Verhältnis der Gewalt zum Islam untersuchen. Dabei wird die Aufmerksamkeit besonders auf den sogenannten „Heiligen Krieg“ gerichtet. Dem Verfasser ist bewusst, dass es zu diesem Thema sehr vielfältige Meinungen gibt. Sie schwanken von einem Extrem zum anderen. Einerseits ist vom Islam als eine von Grund auf gewaltsame Religion die Rede, andererseits wird die Gewalt im Islam als eine Verirrung einiger weniger fundamentalistischer Individuen beschrieben. Zudem kommt noch das Problem der Politisierung der Religion hinzu, welches in allen Religionen bedacht werden muss. So ist die Herangehensweise einer Untersuchung von Gewalt in den Religionen sehr unterschiedlich und zudem überaus prekär. Obwohl man als Wissenschaftler oder beim Versuch, einer zu sein, objektiv bleiben sollte, ist wohl nie zu vermeiden, dass die subjektiven Annahmen mit im Spiel sind. Daher lege ich gleich offen, dass ich in Bezug auf die Religionen sehr wohlgesinnt bin und annehme, dass allen Religionen die Bemühung eines besseren Verständnisses der Welt und eines friedlichen Miteinanderlebens zu Eigen ist. Doch diese Annahmen stoßen allenthalben auf Widerstand und daher sehe ich mich gezwungen, diese meine Annahmen zum Teil zurückzunehmen. Liegt es etwa an den falschen Zeugen auf die man sich beruft? Es gibt so viele! Alle sind sie der Meinung, richtig recherchiert und das Material wahrheitsgemäß widergegeben zu haben. Wollte man dem entgehen und eigenständig die Quellen befragen, ergeben sich Fragen wie: Wurde die Quelle verfälscht? Wenn nicht, ist diese Quelle nicht selbst eine Widergabe eines Menschen? Man kann, ad fontes, die heiligen Schriften und ihre frühesten Kommentare studieren oder man lässt sich auf die jüngste Vergangenheit ein und analysiert zudem die Gegenwart. Außerdem kann man die ganze Geschichte einer Religion studieren (Religionsgeschichte). Hier zeichnen sich bereits Spezialisierungen von Wissenschaften ab, die in der Religionswissenschaft alle miteinbezogen werden müssen. Hinzu kommen noch die Religionspsychologie, Religionssoziologie und Religionsethnologie, um nur die wichtigsten zu nennen. Ein weites Feld ...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Bedeutung des Wortes Gewalt
2.2. Welche Gewalt kennzeichnet die Religionen?
2.3. Definition eines Heiligen Krieges
2.4. Überlegungen über die Herkunft der Meinung eines kriegerischen Islam
2.5. Bedeutung des Wortes Dschihad
2.6. Dschihad allein zur Verteidigung
2.7. „Es gibt keinen Zwang in der Religion.“
2.8. Alamiyyat al-islam
2.9. Staat und Religion
2.10. Vergleich: Gewalt im Christentum
3. Aussichten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Religion und Gewalt, wobei der Fokus gezielt auf dem Islam und dem Konzept des sogenannten „Heiligen Krieges“ liegt, um ein differenziertes Verständnis jenseits von Extremen zu ermöglichen.
- Die begriffliche Differenzierung von Gewalt und ihre Legitimation in monotheistischen Religionen
- Die kritische Analyse des Dschihad-Begriffs und dessen historische sowie theologische Einordnung
- Die Auseinandersetzung mit der Politisierung der Religion und der Theorie des „Heiligen Krieges“
- Ein religionsvergleichender Blick auf Gewaltphänomene im Christentum und Islam
Auszug aus dem Buch
2.5. Bedeutung des Wortes Dschihad
Nach Reza Aslan wäre es richtig, das Wort dschihad als „Anstrengung“, „Streben“ oder „Einsatz“ zu bezeichnen. Ebenso schreibt auch Hans Küng in seinem Buch „Der Islam – Wesen und Geschichte“:
„Das eine arabische Wort gihad meint nicht die beiden deutschen Worte „Heiliger Krieg“, sondern deckt ein weites Bedeutungsfeld ab. Es bedeutet zunächst nur „Anstrengung“ und wird an manchen Stellen des Koran als moralisches „Sichabmühen“ auf dem Weg Gottes verstanden.“
So lautet z.B. die Sure 22, 78: „Und setzt euch für Gott ein, wie der richtige Einsatz für Ihn sein soll. Er hat euch erwählt.“
Oder Sure 9, 41: „Rückt aus, ob leicht oder schwer, und setzt euch mit eurem Vermögen und mit eurer eigenen Person auf dem Weg Gottes ein. Das ist besser für euch, so ihr Bescheid wißt.“
Hier wird deutlich, dass ein Einsatz nach Gottes Willen gefordert wird, der einen Vorrang vor dem menschlichen Willen und damit eine Zurücknahme des menschlichen Willens gegenüber des herrschaftlichen Willens Gottes bedeutet. So kann eine solche Anstrengung sowohl eine innere, gegen die eigenen Triebe und Willensneigungen, aber auch eine äußere Anstrengung in Form von Gewalt sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor führt in die Problematik der Gewaltuntersuchung im Kontext des Islam ein und betont die Notwendigkeit, trotz subjektiver Sichtweisen objektiv die Quellen zu befragen.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert theoretische Begriffsdefinitionen von Gewalt, vergleicht islamische und christliche Ansichten dazu und untersucht spezifisch den Dschihad sowie die historische Entwicklung der Theorie vom „Heiligen Krieg“.
3. Aussichten: Das abschließende Kapitel plädiert für ein „mehrwertiges Denken“ und eine Auslegung des Dschihad als innere Bemühung, um ein friedliches Miteinander in der heutigen Welt zu fördern.
Schlüsselwörter
Islam, Gewalt, Dschihad, Heiliger Krieg, Koran, Religion, Christentum, Friede, Schutzbefohlene, Dhimmis, Glaube, Macht, Potestas, Vis, Fundamentalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung des Verhältnisses von Gewalt zur islamischen Religion und dem damit oft assoziierten „Heiligen Krieg“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Gewalt, die religionsvergleichende Perspektive, der korrekte Begriff des Dschihad sowie die historische Entwicklung von Kriegslegitimationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis des Themas zu gewinnen, das die Einseitigkeit der Sichtweise auf den Islam als grundsätzlich gewaltsame Religion in Frage stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine methodisch-religionswissenschaftliche Analyse, die sowohl theologische Quellentexte als auch religionsgeschichtliche und -soziologische Ansätze einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die Begriffe wie Gewalt und Dschihad definieren, das Verhältnis von Staat und Religion beleuchten und den Islam mit dem Christentum hinsichtlich gewaltsamer Auseinandersetzungen vergleichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Islam, Dschihad, Gewalt, Heiliger Krieg, Koran und der Vergleich mit dem Christentum.
Wie unterscheidet der Autor zwischen legitimer Gewalt und Willkür-Gewalt?
Der Autor greift auf die lateinischen Begriffe „potestas“ (amtsbefugte, rechtliche Gewalt) und „vis“ (Gewalt mittels Zwang oder Gewalttätigkeit) zurück, um diese Differenzierung zu verdeutlichen.
Welche Bedeutung kommt dem Dschihad-Begriff laut der Arbeit zu?
Die Arbeit betont, dass Dschihad primär „Anstrengung“ oder „Streben“ bedeutet und nicht zwangsläufig mit „Heiligem Krieg“ übersetzt werden darf, wenngleich er historisch auch als kriegerischer Kampf interpretiert wurde.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Abe Jarron (Autor:in), 2007, Heiliger Krieg im Islam, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188600