In den letzten Jahren hat sich der Klettersport rasant entwickelt. Handelte es sich am Anfang noch um einen Nischensport, verdeutlichen die aktuell hohe Zahl der aktiven Kletterer sowie die Anzahl der Kletterhallen den Einzug des Kletterns in den Trend- und Breitensport. Aber auch in Therapie und Pädagogik sind in den letzten Jahren verschiedene Ansätze entwickelt worden, die sich die Besonderheiten des Kletterns zu Eigen machen. Therapieansätze, die auf den Grundlagen der Kletterbewegung aufbauen, finden heutzutage vor allem in der Physiotherapie Anwendung. Allerdings liegen zur Wirksamkeit des therapeutischen Kletterns bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse vor, sondern lediglich Erfahrungsberichte und Beobachtungen. Eben diese argumentieren jedoch, dass gerade Kindern mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) vom Klettern als Förder¬möglichkeit profitieren, da von einer Verbesserung der Konzentration und der Wahrnehmungsfähigkeit ausgegangen werden kann. Zudem wird eine Verbesserung der sensorischen Integration sowie der neuronalen Vernetzungen im Gehirn vermutet.
Einen Zusammenhang zwischen der ADHS und der sensorischen Integration wird von mehreren wissenschaftlichen Autoren vermutet, da Kinder mit einer ADHS häufig Wahrnehmungsstörungen aufweisen. Eine Förderung der sensorischen Integration durch das Klettern könnte zu einer Verbesserung von und Entwicklung in speziellen Wahrnehmungsbereichen führen. Der Fokus dieser Arbeit liegt daher auf dem Prozess der sensorischen Integration, unter dem das Ordnen und Verarbeiten von Wahrnehmungsinformationen verstanden wird. Eine Vielzahl von Sinnesreizen wird im Gehirn gefiltert, verknüpft und bildet die Grundlage der Wahrnehmung und Bewegung.
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die
„Auswirkungen des therapeutischen Kletterns auf die sensorisch Integration - Untersuchung der visuellen Wahrnehmung bei Kindern mit ADHS“
zu untersuchen. Im Zentrum galt es, der Frage nachzugehen, ob und inwiefern sich das Klettern auf die sensorische Integration auswirken kann. Hierzu wurden über einen Zeitraum von sechs Wochen, 4 Kinder im Alter zwischen 6 und 8 Jahren, bei denen eine ADHS vorliegt, im Rahmen von 8 Fördereinheiten mit dem Schwerpunkt „Klettern“ gefördert. Auswirkungen auf die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit wurden mittels eines standardisierten Testverfahrens überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Klettern
2.1 Historischer Überblick
2.2 Verschiedene Kletterdisziplinen
2.3 Klettertechniken
2.3.1 Grundtechniken
2.3.2 Spezielle Techniken
2.4 Klettern in der Schule
2.5 Klettern als Therapie
3 Wahrnehmung
3.1 Wahrnehmungsprozess
3.2 Neurophysiologische Grundlagen der Wahrnehmung
3.3 Einteilung der Sinnesmodalitäten
3.3.1 Nahsinne
3.3.2 Fernsinne
3.4 Sensorische Integration nach Ayres
3.4.1 Entwicklung der sensorischen Integration
3.4.2 Anpassungsreaktionen
3.5 Förderung der Wahrnehmung
3.6 Förderung der Basissinne durch das Klettern
4 Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung
4.1 Erscheinungsbild der ADHS
4.2 Diagnostik und Klassifikation nach DSM-IV und ICD-10
4.3 Ätiologie
4.3.1 Psychosoziale Faktoren
4.3.2 Genetische Faktoren
4.3.3 Immunologische Faktoren
4.3.4 Neurologische Faktoren
4.4 Integratives Modell
4.5 Wahrnehmung und ADHS
4.6 Wirkfaktoren des Kletterns bei Kindern mit einer ADHS
5 Zielsetzung und Fragestellung
6 Methodisches Vorgehen
6.1 Datenerhebung
6.1.1 Verwendetes Testverfahren
6.1.2 Relevante Bereiche der visuellen Wahrnehmung für den FEW-2
6.1.3 Auswahl der Subtests
6.2 Beschreibung der Stichprobe
6.4 Beschreibung und Ablauf der Untersuchung
6.4.1 Unterrichtseinheiten
6.4.2 Auswahl und Begründung der Fördermaßnahmen
6.4.3 Gerätearrangements
6.5 Inhalte und Ziele der einzelnen Interventionseinheiten
7 Präsentation der Ergebnisse
7.1 Ergebnisse des Pretests
7.1.1 Laura
7.1.2 Manuel
7.1.3 Thomas
7.1.4 Matthias
7.1.5 Entwicklungshöhe von Laura, Manuel, Thomas und Matthias
7.2 Beobachtungen aus den Unterrichtseinheiten
7.2.1 Bewegungsverhalten der Kinder an den Gerätearrangements
7.2.2 Bewegungsverhalten der Kinder an der Boulderwand
7.2.3 Bewegungsverhalten der Kinder an der Kletterwand
7.3 Vergleich der Ergebnisse des Pre- und Posttests
7.3.1 Laura
7.3.2 Manuel
7.3.3 Thomas
7.3.4 Matthias
8 Zusammenfassende Beschreibung und Interpretation der Beobachtungs- und Testergebnisse
9 Fazit
10 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern therapeutisches Klettern die sensorische Integration und insbesondere die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit bei Kindern mit einer diagnostizierten Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) positiv beeinflussen kann.
- Zusammenhang zwischen ADHS und Störungen der sensorischen Integration
- Einsatz von Klettern als ganzheitliche Fördermethode
- Überprüfung der visuellen Wahrnehmung mittels FEW-2 Testverfahren
- Bedeutung motorischer Anpassungsreaktionen für die neuronale Vernetzung
- Analyse von Fallbeispielen im Rahmen eines sechs-wöchigen Förderprojekts
Auszug aus dem Buch
3.6 Förderung der Basissinne durch das Klettern
Dem Klettern kommt eine einzigartige Bedeutung zu, da eine Vernetzung des vestibulären, des taktilen und des propriozeptiven Wahrnehmungssystems besonders in der Kletterbewegung erforderlich ist und somit gefördert wird (Kittsteiner & Neumann, 2008). Die Kletterbewegung ermöglicht eine Aktivierung der Basissinne und fördert die Vernetzung über motorischen Anpassungsreaktionen. Die Wahrnehmung und die Kletterbewegung bedingen sich dabei wechselseitig. Die Bewegungsumwelt während des Kletterns muss zuvor wahrgenommen werden, um geeignete Kletterbewegungen ausführen zu können (Köstermeyer & Tusker, 1997).
Das Spüren und Fühlen von Haltepunkten während des Kletterns an Geräten sowie die zahlreichen Formen von Griffen und Tritten an der Boulderwand liefern klare taktile Informationen, die zum Klettern benötigt werden (Krick, 2001). Unterschiedliche Haltepunkte und Griffe sowie die verschiedensten Unterstützungsflächen und Tritte der Füße bieten mehr oder weniger Stabilität. Das taktile Wahrnehmungssystem liefert somit die sensorischen Informationen, um eine stabile Ausgangslage einnehmen und eine weitere Kletterbewegung ausführen zu können. Ebenfalls werden die sensorischen Informationen des vestibulären Wahrnehmungssystems gefördert. In der Kletterbewegung, muss das Gleichgewicht beim Greifen oder Treten aber auch beim Finden der stabilen Ausgangslage (Kap. 2.3.1) fortwährend kontrolliert und gehalten werden (Krick, 2001; Klein & Schunk, 2005).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Klettersports ein und erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen von Klettern auf die sensorische Integration von Kindern mit ADHS.
2 Klettern: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Kletterns, stellt verschiedene Disziplinen vor und beleuchtet die pädagogischen sowie therapeutischen Möglichkeiten dieses Sportangebots.
3 Wahrnehmung: Hier werden die Grundlagen der Wahrnehmungspsychologie, die Neurophysiologie und die sensorische Integration nach Ayres detailliert dargelegt.
4 Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung: Dieses Kapitel beschreibt das Erscheinungsbild, die Diagnostik und die Ätiologie der ADHS und diskutiert deren Bezug zu Wahrnehmungsstörungen.
5 Zielsetzung und Fragestellung: Das Kapitel präzisiert das Forschungsinteresse, die Hypothesenbildung und die methodische Herangehensweise zur Untersuchung der Wirksamkeit von Klettern.
6 Methodisches Vorgehen: Hier wird der Untersuchungsaufbau, das verwendete Testverfahren (FEW-2), die Stichprobe sowie der Ablauf der einzelnen Interventionseinheiten beschrieben.
7 Präsentation der Ergebnisse: Dieses Kapitel analysiert und vergleicht die Pre- und Posttestergebnisse der teilnehmenden Kinder und dokumentiert die Beobachtungen aus dem Fördertraining.
8 Zusammenfassende Beschreibung und Interpretation der Beobachtungs- und Testergebnisse: Die Ergebnisse werden hier zusammengeführt, interpretiert und im Kontext der sensorischen Integration bewertet.
9 Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse, diskutiert die Limitationen der Studie und gibt Ausblicke auf zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Klettern, ADHS, Sensorische Integration, Wahrnehmung, Wahrnehmungsförderung, Basissinne, motorische Anpassungsreaktion, visuelle Wahrnehmung, psychomotorische Förderung, FEW-2, Kindesentwicklung, therapeutisches Klettern, Konzentration, Koordination, Gleichgewichtssinn.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von therapeutischem Klettern auf die sensorische Integration bei Kindern mit ADHS.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Kletterpädagogik, die Wahrnehmungspsychologie, die klinische Beschreibung der ADHS sowie die motorische Entwicklungsförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Kletterbewegungen durch Förderung der Basissinne die sensorische Integration und die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie kombiniert teilnehmende Beobachtung während der Fördereinheiten mit einer quantitativen Überprüfung mittels des standardisierten Testverfahrens FEW-2 (Pre- und Posttest-Design).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Förderkonzeption und eine Präsentation sowie Interpretation der Untersuchungsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Klettern, ADHS, sensorische Integration, Basissinne und visuelle Wahrnehmungsfähigkeit.
Warum spielt die vestibuläre Wahrnehmung beim Klettern eine so zentrale Rolle?
Die vestibuläre Wahrnehmung ist für das Gleichgewicht im Raum essenziell. Beim Klettern muss das Gehirn ständig Reize aus den Basissinnen verknüpfen, was die Konzentrationsfähigkeit und die motorische Kontrolle bei Kindern mit ADHS fördert.
Warum wurde der FEW-2 als Testverfahren gewählt?
Der Frostig Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (FEW-2) ermöglicht eine differenzierte Beurteilung spezifischer Teilbereiche der visuellen Wahrnehmung, die bei Kindern mit ADHS häufig auffällig sind.
Welche Bedeutung hat das "Integrative Modell" nach Döpfner?
Es dient dazu, die multifaktoriellen Ursachen der ADHS (genetisch, neurologisch, psychosozial) hierarchisch darzustellen und die komplexen Zusammenhänge von Symptomen und komorbiden Störungen zu veranschaulichen.
- Arbeit zitieren
- Florian Weber (Autor:in), 2011, Auswirkungen des therapeutischen Kletterns auf die sensorische Integration, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188597