Politikverdrossenheit hat Konjunktur. Insbesondere seit den 1990er Jahren ist in den Sozialwissenschaften eine breite Diskussion über die Frage entbrannt, was unter Politikverdrossenheit zu verstehen sei, woher sie komme und ob es sie überhaupt gibt, um nur einige der Diskussionspunkte herauszugreifen.
Ziel dieser Arbeit ist es, das „Phänomen Politikverdrossenheit“ zu untersuchen. Zunächst wird eine kritische Auseinandersetzung mit der Begrifflichkeit „Politikverdrossenheit“ gehen. Das ist hilfreich, weil der Begriff Politikverdrossenheit ein weit verbreiteter Überbegriff für eine Diskussion ist, in der viele unterschiedliche Erklärungsansätze in der Diskussion sind und Politikverdrossenheit nur einer für ähnliche Phänomene ist.
Den Hauptteil dieser Arbeit wird die kritische Diskussion von Symptomen und Ursachen sowie eine Bewertung einnehmen. Dazu werden unterschiedliche Studien und Aufsätze herangezogen.
In den meisten dieser Studien und Veröffentlichungen geht es bei der Untersuchung explizit um Einstellungen von Jugendlichen. Allein das unterstellt bereits, dass es sich um eine Politikverdrossenheit vor allem unter Jugendlichen handle. Daher soll in dieser Hausarbeit der Frage nachgegangen werden, ob diese Annahme richtig ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
a. Begriffsklärung und Vorbemerkung
b. Symptome
c. Ursachen
3. Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „Politikverdrossenheit“ kritisch, um zu klären, ob es sich dabei tatsächlich um ein spezifisches Jugendproblem handelt oder ob breitere gesellschaftliche Tendenzen zugrunde liegen.
- Definition und begriffliche Einordnung von Politikverdrossenheit
- Analyse empirischer Symptome wie politisches Interesse und Wahlbeteiligung
- Untersuchung von Ursachen, insbesondere der Parteienverdrossenheit
- Kritische Bewertung der aktuellen Debatte um die politische Kultur
Auszug aus dem Buch
2. Symptome
Politikverdrossenheit wird vor allem an vier Indikatoren gemessen: politisches Interesse, Wahlbeteiligung, Vertrauen in Institutionen, Bereitschaft zu Engagement. Es gibt darüber hinaus noch weitere, die genannten sind aber die Wesentlichen. Im Folgenden soll kurz ein Überblick über empirische Studien für die jeweiligen Bereiche gegeben werden.
Bei 20 % der Befragten 16-29-jährigen liegt das politische Interesse nach DJI-Jugendsurvey 1997 wie auch 2003 bei etwa 20%. Auffällig sind ein starkes Ost-West-Gefälle und die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Vergleicht man diese Werte mit dem politischen Interesse der über 30järigen, dann kann man im Wesentlichen keine großen Unterschiede finden, was gegen eine generelle „Jugend-Politikverdrossenheit“ spricht. Erst Anfang der neunziger Jahre tendieren die Kurven der 18-19jährigen und der über 30jährigen immer stärker auseinander und erreichen z.B. 1998 eine Differenz von 10%, die vor 1990 nur einmal (1977) seit Messungszeitraum erreicht wurde. Ob sich daraus die Annahme bestätigen lässt, dass die heutige Jugend politikverdrossen ist, wird später diskutiert.
Die Wahlbeteiligung kann ebenfalls als wichtiger Indikator angesehen werden. Hier lässt sich seit Ende der siebziger Jahre eine anhaltende abnehmende Tendenz beobachten. 2009 wurde mit nur 70,8% die geringste Beteiligung seit dem Bestehen der Bundesrepublik gemessen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert das Ziel der Untersuchung und hinterfragt die Annahme, dass Politikverdrossenheit primär ein Phänomen unter Jugendlichen sei.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert zunächst den Begriff der Politikverdrossenheit, analysiert empirische Indikatoren wie Wahlbeteiligung und Parteienengagement und beleuchtet mögliche Ursachen wie Entideologisierung und gesellschaftliche Modernisierungsprozesse.
3. Bewertung: Das abschließende Kapitel bewertet die untersuchten Ansätze kritisch und betont die Notwendigkeit einer sachlichen Debatte zur Repolitisierung, statt sich in alarmistischen Szenarien zu verlieren.
Schlüsselwörter
Politikverdrossenheit, Parteienverdrossenheit, Politikdistanz, politisches Interesse, Wahlbeteiligung, Jugendliche, Institutionenvertrauen, informeller Politiksektor, Entideologisierung, Demokratie, Repolitisierung, gesellschaftlicher Wandel, empirische Studien, Engagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Politikverdrossenheit und hinterfragt kritisch, ob dieses als reines Jugendphänomen zu betrachten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition, die empirische Messung von Symptomen wie Wahlbeteiligung und Parteienengagement sowie die Untersuchung möglicher Ursachen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die in Studien oft unterstellte Annahme einer spezifischen Politikverdrossenheit unter Jugendlichen zutreffend ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich auf eine kritische Diskussion und Auswertung bereits vorhandener empirischer Studien, Datenerhebungen und politikwissenschaftlicher Aufsätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, eine Analyse von Symptomen anhand konkreter Indikatoren und eine Untersuchung der zugrunde liegenden Ursachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Politikverdrossenheit, Wahlbeteiligung, Parteienverdrossenheit, politisches Interesse und Demokratie.
Wie interpretieren die herangezogenen Studien das geringe politische Interesse bei Jugendlichen?
Einige Forscher wie Hoffmann-Lange interpretieren dies eher als lebenszyklisch bedingt, da politisches Interesse erst erlernt werden müsse.
Warum zeigt sich laut der Arbeit eine Parteienverdrossenheit besonders deutlich?
Sie korreliert mit dem Wunsch nach weniger Verbindlichkeit und einer allgemeinen Entideologisierung, weshalb der informelle Politiksektor attraktiver erscheint.
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- Jann Lossdörfer (Author), 2012, Keine Lust auf Politik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188560