Sandro und seine Kumpels ziehen durch die Straßen. Von einigen Flaschen Alkohol angetrieben suchen sie nach „Action“. Ob friedlicher Discobesuch oder Schlägerei; sie sind für alles offen. Als die Jugendlichen in einer Straßenbahn zwei Punks sichten hört Sandro gerade einen Rechtsrock Song, der sich über das Leben dieser anderen Subkultur auslässt. Vom Inhalt des Textes angestachelt, öffnet Sandro die Tür und lacht provokativ in das Abteil hinein. Bei der anschließenden Schlägerei, nutzen die drei Skinheads ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus (vgl. Elverich/Glaser/Schlimbach 2009, 55).
Im Zuge dieser Arbeit soll untersucht werden, was diese Musik, die Sandro hört, ausmacht, wie sie entstanden ist und welche Funktionen sie innerhalb ihrer größten Fangemeinde, den Skinheads, hat. Um die Auswirkungen und Bedeutungen für die Skinheadszene zu analysieren, soll zunächst der Begriff der Jugendkultur untersucht werden. Anschließend folgt ein geschichtlicher Überblick über die Entwicklungen von Skinheads und die Verbreitung des Kults in Gebiete außerhalb des Ursprungslands England. Hier steht vor allem die Ausbreitung der Subkultur in Deutschland im Vordergrund.
Um die Faszination an der Rechtsrockszene verstehen zu können, soll nun über die aktuelle Musikszene und Konzerte berichtet werden. Hierbei wird ein weiterer Fokus auf die Textmerkmale der Songs und deren Bedeutung für Identifikationsmöglichkeiten der Jugendlichen gelegt. Auch die Relevanz des Internets, dem ein großer Einfluss auf die Verbreitung rassistischen Gedankenguts nachgesagt wird, soll vor allem im Hinblick auf die Verbreitung von Musik untersucht werden.
Als abschließende Fragestellung, soll zusammenfassend aus den bisherigen Kapiteln untersucht werden, in wieweit Musik als einstiegsbegünstigendes Mittel gesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jugendkulturen
3 Die geschichtlichen Grundlagen des Rechtsrocks
3.1 Die Skinheads als Ursprung des Rechtsrocks
3.2 Entwicklungen in Deutschland
3.3 S.H.A.R.P.
4 Die Musik der Skinheads
4.1 Musikalische Entwicklung
4.2 Die Musikszene heute
4.3 Textmerkmale des Rechtsrocks
4.4 Konzerte
4.5 Bedeutung des Internets
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Rechtsrocks, seine historische Entstehung im Kontext der Skinheadszene und seine heutige Funktion als Medium zur Verbreitung rechtsextremistischer Ideologien. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit Musik als Einstiegsdroge in die rechtsradikale Szene fungiert und welche Rolle Konzerte sowie das Internet für die Vernetzung und Mobilisierung der Szene spielen.
- Historische Wurzeln und Entwicklung der Skinhead-Subkultur
- Musikalische Entwicklung und Bedeutung der Oi-Musik
- Analyse rechtsextremer Textmerkmale und Feindbilder
- Funktion von Konzerten als Vernetzungsinstanz
- Rolle des Internets als Informations- und Propagandaplattform
Auszug aus dem Buch
Die geschichtlichen Grundlagen des Rechtsrocks
Die Wurzeln des Rechtsrocks sind in England zu suchen. Sie sind eng verstrickt mit der Entstehung und Entwicklung der Skinheads. Ende der 60er Jahre kam es in den englischen Arbeitervierteln zu großen Veränderungen und Umbrüchen. In dieser Zeit vollzog sich ein starker Wandel in der Gesellschaft, indem die industrielle und wirtschaftliche Produktivität gesteigert wurde und ein Anheben des Wohlstandes mit sich brachte. Es erfolgte eine Sanierung und Modernisierung der verwahrlosten Arbeiterviertel, sodass die neu formierten und finanzkräftigen Mittelschichten sich in die aufgewertete Wohnbezirke drängten.
Die bis dahin wohnhaften Arbeiterfamilien wurden gezwungen in die immer noch heruntergekommen und nicht sanierten Viertel zu ziehen. Der Wohnraum in diesen Vierteln war sehr umkämpft, denn auch Gruppierungen der Einwanderer aus Pakistan, Indien oder Afrika wohnten in diesen Unterkünften. Durch mangelnde Integrationsversuche seitens der Regierung zwang man die Einwanderer sich selbst zu helfen. Es entstanden geschlossene Gruppen mit eigenen Bars, Kneipen und speziellen Versammlungspunkten, mit der Folge, dass die Arbeiter sich in ihrer weißen Homogenität gestört fühlten. Es entwickelte sich ein Gefühl der Verfremdung im eigenen Land das zum Identitäts- und Gemeinschaftsverlust führte und die Immigranten als Konkurrenz präsentierte.
Dies war die Geburtsstunde der Skinheads. Diese Gruppierung kann als multikulturelle Synthese von Elementen der Rude-Boys (jamaikanische Jugendgangs) und der Mods (Gangs der britischen Arbeiterjugend) gesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und umreißt die Fragestellung bezüglich der Rolle von Musik als Einstieg in die rechtsextremistische Szene.
2 Jugendkulturen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Jugendkultur und erläutert deren Entstehung als Reaktion auf gesellschaftliche Normensysteme.
3 Die geschichtlichen Grundlagen des Rechtsrocks: Hier wird die Entstehung der Skinheadszene in England sowie ihre Entwicklung und Ausdifferenzierung in Deutschland beleuchtet.
4 Die Musik der Skinheads: Dieser Hauptteil analysiert die musikalische Entwicklung, die heutige Szene, inhaltliche Textmerkmale sowie die Rolle von Konzerten und dem Internet.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die These der Musik als Einstiegsdroge kritisch unter Einbeziehung weiterer Sozialisationsfaktoren.
Schlüsselwörter
Rechtsrock, Skinheads, Jugendkultur, Rechtsextremismus, Musik, Konzerte, Internet, Ideologie, Propaganda, Identität, Subkultur, Böhse Onkelz, Neonazismus, Radikalisierung, Szenevernetzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Rechtsrock und untersucht dessen historische Entwicklung innerhalb der Skinheadszene sowie seine heutige Bedeutung als Medium rechtsextremistischer Ideologievermittlung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Entstehung der Skinhead-Kultur, die musikalische Entwicklung der Szene, die Analyse von Textinhalten, die Organisation von Konzerten und die Bedeutung des Internets für die rechtsextreme Vernetzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Untersuchung gilt der Frage, wie Musik als identitätsstiftendes Mittel wirkt und ob sie als Einstiegsdroge in die rechtsradikale Szene betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Darstellung der Entwicklung von Jugendkulturen und Musikstilen im Kontext des Rechtsextremismus.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Entstehungsgeschichte der Skinheads, die Analyse von Texten und Symbolen, die Rolle von rechtsradikalen Netzwerken bei der Konzertorganisation sowie die Mobilisierungsstrategien im Internet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechtsrock, Skinheads, Jugendkultur, Rechtsextremismus, Propaganda und Szenevernetzung maßgeblich geprägt.
Welche Bedeutung haben Konzerte für die rechte Skinheadszene?
Konzerte dienen als zentrales Forum für den Informationsaustausch, die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und die Vernetzung der Szene, oft unter konspirativen Bedingungen, um staatliche Repressionen zu umgehen.
Warum wird im Text die Band „Böhse Onkelz“ als Fallbeispiel angeführt?
Die Band wird genutzt, um die Ambivalenz zwischen rassistischen Texten, dem Image als Neonazi-Band und der späteren Abgrenzung der Musiker von politisch rechten Ideologien exemplarisch zu analysieren.
- Arbeit zitieren
- Janosch Bülow (Autor:in), 2010, Rechtsrock - Geschichte und Bedeutung für die Szene, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188530