Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema, ob Schüler und Schülerinnen (im Folgenden der Einfachheit wegen: SuS), die im Unterricht Dialekt sprechen, vor allem bei der Vergabe der mündlichen Noten, benachteiligt sind. Anstöße zu diesem Thema existieren in umfangreichem Maße bereits seit den 1970er Jahren, weswegen die Arbeit folgenderweise gegliedert sein soll: In einem ersten Schritt soll der Begriff Dialekt besprochen und ein historischer Abriss über die Entwicklung verschiedener Dia- und Soziolekte gegeben werden. In einem zweiten Schritt sollen die soziolinguistischen Konzepte, die sich vor allem mit Dialektsprechern beschäftigen, diskutiert sowie die Phrase ‚Dialekt als Sprachbarriere‘ besprochen werden. In einem nächsten Schritt sollen dann die bereits angesprochenen Untersuchungen, die sich mit den negativen Einflüssen des Dialekts in der Schule beschäftigen, wiedergegeben werden, woraufhin im Anschluss neuere Erkenntnisse den schon älteren entgegengesetzt werden. Schließlich erfolgt die Konstruktion der Fragebögen, mittels derer eine konkrete Befragung von SuS und Lehrern und Lehrerinnen in einer Schule durchgeführt werden soll. Die Auswertung dieser Bögen zur Bestätigung oder Falsifizierung der Hypothese, ob das Sprechen von Dialekt im Unterricht den einzelnen / die einzelne SuS zum einen an der mündlichen Beteiligung hindert sowie die Qualität des Beitrags aufgrund extralinguistischer Ressentiments gegenüber dem Dialekt von Seiten des Lehrers und der Lehrerin abwertet, soll den Kern der Arbeit bilden. Ein kurzes Fazit, mit dem die Ergebnisse zusammengefasst werden, schließt die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dialekt: Definition und historischer Überblick
2.1 Dialekt: Ein Definitionsversuch
2.2 Dialekt: Ein historischer Abriss
3. Soziolinguistische Konzepte
3.1 Dialekt, soziale Schicht und Bildungsniveau
3.2 Dialekt als Sprachbarriere
4. Dialekt und Schule
4.1 Untersuchungen der 1970er Jahre
4.2 Neuere Erkenntnisse zum Thema ‚Dialekt und Schule‘
5. Befragung an einem Trierer Gymnasium
5.1 Das ‚Trierer Platt‘
5.2 Konstruktion der Fragebögen
5.3 Auswertung der Fragebögen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht Dialekt sprechen, bei der Vergabe mündlicher Noten benachteiligt werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob der Dialektgebrauch die mündliche Beteiligung sowie die Wahrnehmung der Beitragsqualität durch Lehrkräfte negativ beeinflusst.
- Soziolinguistische Einordnung des Dialektbegriffs und seiner historischen Entwicklung
- Analyse des Konzepts „Dialekt als Sprachbarriere“ in schulischen Kontexten
- Auswertung bestehender Forschungsansätze seit den 1970er Jahren bis zur Gegenwart
- Empirische Untersuchung mittels einer Befragung an einem Trierer Gymnasium
- Untersuchung von Lehrereinstellungen zum Dialektgebrauch im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 Dialekt als Sprachbarriere
Das Thema ‚Dialekt als Sprachbarriere‘ hat im Zuge der verstärkten Dialektforschung in den 1970er Jahren einen sehr starken Auftrieb erfahren. Gemeint ist mit diesem Terminus ‚Dialekt als Sprachbarriere‘ „dass es (im deutschen Sprachgebiet) Personen gibt, die nur Dialekt und keine andere Sprachvarietät sicher beherrschen, und dass diese Personen kommunikativ, sozial – und wenn es sich um Kinder handelt – schulisch gehandikapt sind. Nur wenn beide Bedingungen erfüllt sind, ist die Rede vom Dialekt als Sprachbarriere…“ Löffler betrachtet außerdem noch die Tendenz, dass Dialektsprecher eben häufiger einen niedrigeren Sozialstatus haben und eher vom Land denn aus der Stadt stammen. Die so hinzukommenden sozialen und psychologischen Barrieren fasst er als polykausale Sprachbarriere zusammen, die mit dem Dialektgebrauch einhergeht.
Während diese Definitionen schon sehr konkret sind, lautete der Forschungsstand in der 70er Jahren, dass der Dialekt allein deshalb schon eine Sprachbarriere darstelle, weil er eine reibungslose Kommunikation nur innerhalb eines umrahmten Gebiets ermögliche. „Es handelt sich also um eine kommunikative Barriere im engeren Sinn“. Der Idee, dass der Dialekt als Sprachbarriere fungiert, weist Bausinger ein hohes Potential zu: „Für ihre Potenz spricht im Übrigen auch die Tatsache, dass die Thematik der Sprachbarrieren auf viele Nachbarbereiche übergegriffen hat: auf die Pädagogik etwa…“. Löffler, der in seinen Aufsätzen die Sprachbarriere schon in den beginnenden 70er Jahren als regio-kulturelle Barriere bezeichnet hat, merkt an, dass die Sprachbarriere gleichwohl humaner sei und im politischen Kontext daher brauchbarer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der möglichen Benachteiligung dialektsprechender Schüler durch die Bewertung mündlicher Leistungen ein und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Dialekt: Definition und historischer Überblick: Dieses Kapitel definiert den Begriff Dialekt und beleuchtet dessen historische Entwicklung sowie die soziolinguistische Bedeutung im Wandel der Zeit.
3. Soziolinguistische Konzepte: Hier werden die Zusammenhänge zwischen Dialekt, sozialer Schicht und Bildungsniveau sowie das Konstrukt der „Sprachbarriere“ theoretisch fundiert.
4. Dialekt und Schule: Dieses Kapitel arbeitet den Forschungsstand zu den Auswirkungen des Dialektgebrauchs auf schulische Leistungen auf, angefangen bei Studien der 1970er Jahre bis hin zu neueren Erkenntnissen.
5. Befragung an einem Trierer Gymnasium: Der Hauptteil beschreibt die Konzeption und Durchführung einer empirischen Befragung am Humboldt-Gymnasium-Trier und wertet die Ergebnisse hinsichtlich der Lehrereinstellungen aus.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, die darauf hindeutet, dass Dialekt heute kaum noch als massive Sprachbarriere fungiert, jedoch weiterhin einen Einfluss auf die Beurteilungssituation haben kann.
Schlüsselwörter
Dialekt, Sprachbarriere, Schule, mündliche Noten, Soziolinguistik, Trierer Platt, Bildungsniveau, Leistungsbeurteilung, Sprachgebrauch, Lehrerbefragung, Sprachdidaktik, regionale Identität, Schulsprache, Standarddeutsch, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Schüler, die Dialekt sprechen, im schulischen Alltag und bei der Benotung ihrer mündlichen Beiträge benachteiligt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziolinguistische Theoriebildung zum Dialekt, das Konzept der Sprachbarriere sowie die Einstellung von Lehrkräften zum Dialektgebrauch im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob die Hypothese einer negativen Korrelation zwischen Dialektgebrauch und der Notenvergabe durch Lehrer Bestand hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führte eine empirische Befragung mittels Fragebögen unter Lehrkräften an einem Trierer Gymnasium durch und wertete diese qualitativ und quantitativ aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung soziolinguistischer Konzepte sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der durchgeführten Befragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Dialekt, Sprachbarriere, Schule, Leistungsbeurteilung, Soziolinguistik und Trierer Platt.
Welche Rolle spielt das „Trierer Platt“ in dieser Untersuchung?
Das Trierer Platt dient als regionales Fallbeispiel, anhand dessen die theoretischen Thesen zur Sprachbarriere konkret auf ihre aktuelle Relevanz in der Schulpraxis geprüft werden.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor in seinem Fazit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Dialekt heute weniger als massive Sprachbarriere wahrgenommen wird als in den 1970er Jahren, wenngleich er im schulischen Kontext weiterhin als ein Faktor für die Leistungsbeurteilung relevant bleiben kann.
Wie reagieren die befragten Lehrkräfte in der Studie auf Dialektfehler?
Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich; sie reichen von einer toleranten Haltung bis hin zu expliziten Korrekturmaßnahmen oder der Vermutung, dass Dialektsprecher einen eingeschränkteren Wortschatz besitzen.
Gibt es im Anhang weiterführende Informationen?
Ja, der Anhang enthält das Schreiben an das Gymnasium, die genutzten Fragebögen für Lehrkräfte und Schüler sowie eine tabellarische Auswertung der Ergebnisse.
- Quote paper
- Simon Jakobs (Author), 2011, Dialekt als ‚Sprachbarriere‘. Die Korrelation von Dialektgebrauch in der Schule und der Vergabe mündlicher Noten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188301