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Theodor Fontanes Verständnis des Prinzips „Verklärung“

Title: Theodor Fontanes Verständnis des Prinzips „Verklärung“

Seminar Paper , 2011 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Ernest Mujkic (Author)

German Studies - Modern German Literature

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Realität ist das nicht zu leugnende einzelne faktum bzw. datum. Realismus dagegen scheint jedoch mehr zu sein oder, wie es Francis Bacon nahe legt, eine Haltung zu sein. Wenn stellt sich die Frage wozu? Wozu verhält sich ein Realist und warum? Auch in der Kunst scheint das Sich-Beziehen des Realisten gegenwärtig ein neu entdecktes Thema zu sein. In der Schilderung von Vladimir Brik, dem Protagonisten aus Aleksandar Hemons Roman "Lazarus", zeigt sich die Bezugsgröße des Realismus in kollektive Identitäten prägenden Gewissheiten, die als Wahrheiten geglaubt und für Realitäten gehalten werden. Der Realismus ist hier mehr als nur bloße Wirklichkeit, es ist eine künstliche geschaffene Wirklichkeit. Zielcke wiederum spielt mit seiner Kritik eines ‚Umschlagens’ des Idealismus in Realismus in der aktuellen Diskussion um den Roman "Axolotl Roadkill" von Hegemann auf die bereits in der Literaturepoche des deutschen, bürgerlichen Realismus vorgebrachten Einwände. Sowohl Zielcke als auch Vertreter des poetischen Realismus wenden sich gegen einen Realismus, der eingrenzt. Sie verlangen nach einem Realismus, der durch die Verklärung entgrenzt.

Verklärung, ein zentraler Begriff des poetischen Realismus, ist sowohl zeitlich als auch inhaltlich in der Zeit nach der Aufklärung zu verorten. Nicht die Emanzipation des Staates von der Religion, nicht die Fortsetzung des Kampfes um die Wahrheit zwischen wissenschaftlich fundiertem Wissen und religiösen Glauben erlangte in der Zeit von 1848-1900 literarische Bedeutung, sondern die Frage nach dem Beitrag der religiösen Institutionen und ihrer Vertreter in der zunehmend industrialisierten und urbanisierten Welt wurde zu einem wichtigen Thema. Der vorliegenden Arbeit liegt der Versuch zugrunde, die Bedeutung der Verklärung in Bezug auf ihre religiösen und ästhetischen Konnotationen bei Theodor Fontane darzustellen. Dies soll anhand seiner Äußerungen zur programmatischen Bedeutung des Begriffes Verklärung in seinen Essays und Briefen, als auch anhand der Betrachtungen über und Darstellung der Religion in seinem Werk "Der Stechlin" erfolgen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Fontanes Verklärungsbekenntnis

2. Verklärung – religiöses Glaubenselement?

3. Verklärung – ästhetisches Darstellungsinstrument!

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis des Prinzips „Verklärung“ im literarischen Werk von Theodor Fontane, insbesondere im Hinblick auf seine religiösen und ästhetischen Konnotationen im Kontext des poetischen Realismus.

  • Die ästhetische Funktion der Verklärung als Gestaltungsmittel bei Fontane
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der Sakralisierung von Kunst und Religion
  • Verklärung als Instrument zur Bewältigung von Wirklichkeit statt Flucht in das Jenseits
  • Die Synthese von Faktischem und Fiktionalem in Fontanes Romanwerk
  • Der Zusammenhang zwischen Verklärung und der Darstellung des „Schönen“ im „Hässlichen“

Auszug aus dem Buch

1. Fontanes Verklärungsbekenntnis

„So ist das Leben nicht und wenn es so wäre, so müßte der verklärende Schönheitsschleier dafür geschaffen werden. Aber dies ‚erst schaffen’ ist gar nicht nötig; die Schönheit ist da, man muß nur ein Auge dafür haben oder es wenigstens nicht absichtlich verschließen. Der echte Realismus wird auch immer schönheitsvoll sein; denn das Schöne, Gott sei dank, gehört dem Leben gerade so gut an wie das Häßliche. Vielleicht ist es noch nicht einmal erwiesen, daß das Häßliche präponderiert“7

Die Schlussvermutung Fontanes, dass das Schöne dem Hässlichen womöglich in seiner Wirkung voraus ist, und das sowohl im Leben als auch vor allem in der Kunst, könnte ein Hinweis darauf sein, dass Fontanes Verständnis hinsichtlich der Funktion der Literatur die Annahme zugrunde liegt, dass die Schönheit eine Notwendigkeit des Lebens darstellt, und dass dort, wo sie nicht erfasst, d.h., in und durch Erfahrung nicht erlebt werden kann, die Aufgabe der Literatur darin besteht, das Hässliche, Tragische und Traurige nicht zu leugnen, sondern über diese einen Schleier der Schönheit zu legen, bzw. dem Hässlichen, Tragischen und Traurigen das Schöne zu entlocken.8 Das Schöne zeigt sich demnach darin, dass es das „unerfreuliche, häßliche, brutale Faktum“ der alltäglichen Lebenswirklichkeit nicht zur Grundlage einer resignierenden Lebenshaltung werden bzw. verkommen lässt, sondern, diesem Faktum der das Individuum und mit diesem die Gesellschaft erdrückenden Verhältnisse zum Trotz, in und durch das „künstlerische Ordnungsprinzip“ der von Gansberg zutreffend bezeichneten, „Verklärungstendenz“, die Lebenskraft und den Lebenswillen des Einzelnen auch in seiner Unabhängigkeit, d.h., in seiner Freiheit und Möglichkeit, das Diesseits ohne die Notwendigkeit einer Flucht in jenseitige (religiöse) Erlösung zu zeigen.9

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Realismus-Begriffs ein und definiert die Forschungsabsicht, die Rolle der Verklärung bei Fontane zu untersuchen.

1. Fontanes Verklärungsbekenntnis: Dieses Kapitel analysiert Fontanes Auffassung, dass Literatur das Hässliche nicht verleugnen, sondern durch einen „Schönheitsschleier“ transformieren soll, um Lebenskraft zu erhalten.

2. Verklärung – religiöses Glaubenselement?: Der Abschnitt beleuchtet kritisch, ob Fontanes Verklärungsbegriff eine religiöse Dimension besitzt oder ob es sich primär um eine ästhetische Kategorie handelt.

3. Verklärung – ästhetisches Darstellungsinstrument!: Hier wird die Verklärung als bewusstes Instrument der Kunst betrachtet, das die Wirklichkeit verdichtet und das Individuum zu einer kritischen Weltwahrnehmung befähigen soll.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Verklärung bei Fontane ein Kunstgriff ist, um das empirisch-faktische Leben erfassbar zu machen, ohne in eine sakrale oder idealistische Flucht zu verfallen.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Poetischer Realismus, Verklärung, Ästhetik, Wirklichkeitsdarstellung, Literaturtheorie, Der Stechlin, Schönes, Hässliches, Idealisierung, Mimesis, Poesis, Religionskritik, Kunsttheorie, Empirie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das spezifische Verständnis von „Verklärung“ im Werk Theodor Fontanes und ordnet diesen Begriff innerhalb seines poetischen Realismus ein.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der ästhetischen Gestaltung, der Rolle des Schönen gegenüber dem Hässlichen und dem Verhältnis von Realismus zu Religion und Philosophie.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Fontanes Verklärungsbegriff kein religiöses Erweckungselement ist, sondern ein notwendiges Instrument der künstlerischen Wirklichkeitsbewältigung.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Fontanes Briefen, Essays sowie seines Romans „Der Stechlin“ und bezieht sich auf fachwissenschaftliche Theorien zum Realismus.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Fontanes eigenem Verständnis der Verklärung, eine kritische Prüfung auf religiöse Konnotationen und die Analyse der Verklärung als ästhetisches Instrument.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben „Verklärung“ vor allem „poetischer Realismus“, „Mimesis“, „Kunstschönes“, „Empirie“ und „Lebensgestaltung“.

Inwieweit spielt der Roman „Der Stechlin“ eine Rolle für das Verständnis der Verklärung?

„Der Stechlin“ dient als zentrales Textbeispiel, an dem Fontanes programmatische Verknüpfung von Faktischem und Fiktionalem sowie die kritische Distanz zu religiöser Sakralisierung aufgezeigt wird.

Wie grenzt Fontane laut der Arbeit den Realismus von der Romantik ab?

Fontane wendet sich gegen die romantische Sakralisierung des Glaubens und setzt auf eine diesseitsbezogene, durch Kunst vermittelte Wirklichkeitsdarstellung, statt in das Jenseits zu flüchten.

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Details

Title
Theodor Fontanes Verständnis des Prinzips „Verklärung“
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
Verklärung: Theorie und Praxis des bürgerlichen Realismus
Grade
1,3
Author
Ernest Mujkic (Author)
Publication Year
2011
Pages
22
Catalog Number
V188279
ISBN (eBook)
9783656119388
ISBN (Book)
9783656119777
Language
German
Tags
Verklärung Fontanes Verklärungsbegriff Bürgerlicher Realismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ernest Mujkic (Author), 2011, Theodor Fontanes Verständnis des Prinzips „Verklärung“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188279
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