Mit Ausnahme des Finnischen, des Ungarischen, Baskischen und des Türkischen sind alle heute noch lebenden europäischen Sprachen indogermanischen Ursprungs, das heißt sie gehen alle auf dieselben sprachlichen Wurzeln zurück. Darüber hinaus gehören außerhalb Europas die Hauptsprachen des indischen Subkontinents, Hindi und Urdu, sowie das Armenische und das Persische der indogermanischen Sprachenfamilie an. (Schmidt, W. 1996. Geschichte der deutschen Sprache, S.32) Wenn eine die verschiedenen Kulturen verbindende indogermanische Sprache angenommen wird, aus der sich, die heute erkennbaren Sprachfamilien entwickelt haben, so ist natürlich auch ein ursprüngliches Volk anzunehmen, das diese Sprache gesprochen haben muss. Für ein solches einheitliches Volk der Indogermanen gibt es weder archäologische, noch biologische, erst recht keine schriftlichen Beweise. Dennoch werden wissenschaftliche Theorien aufgestellt um das Leben und die Sprache der Indogermanen zu rekonstruieren. Der Wellentheorie von Johannes Schmidt zufolge waren die Indogermanen ursprünglich in Mittel- oder Südasien beheimatet, von wo aus sie zwischen 4000 und 1000 v.Chr. in mehreren, zeitlich weit auseinander liegenden Wellen nach Europa und Asien einwanderten. Die zeitliche Abstufung erklärt, wie aus einer gemeinsamen Ausgangssprache die späteren, deutlich unterscheidbaren Sprachfamilien entstehen. (Ebd, S.37) Alle diese modernen Sprachen haben untereinander Strukturen mit dem Sanskrit - das vor immerhin 2300 Jahren ausstarb -, mit dem Altgriechischen und sogar dem Hethitischen (um 1200 v. Chr. untergegangen) gemeinsam.
Manche Wörter, die in mehreren indogermanischen Sprachen vorkommen, sind heute frappierend ähnlich, und wie nahe sich die deutsche und die indische Grammatik sind, wird deutlich, wenn man sie mit der japanischen, einer indianischen oder afrikanischen Sprache vergleicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Indogermanische Sprachfamilie
2. Das Indogermanische
2.1. Lexikalische Gemeinsamkeiten
2.2. Morphologische Gemeinsamkeiten
2.2.1. Nominalformen
2.2.1.1. Vokalische Klassen
2.2.1.2. Konsonantische Klassen
2.2.2.Verbalfomen
2.3. Ablaut
2.4.Wortakzent
3. Germanisch
3.1. Lautbestand
3.1.1. Germanische Lautverschiebung
3.1.2. Das Vernersche Gesetz und der Grammatische Wechsel
3.1.3. Vokalische Veränderungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachhistorische Entwicklung vom Indogermanischen zum Germanischen, um die wesentlichen strukturellen Besonderheiten und lautlichen Verschiebungen in diesem Übergangsprozess aufzuzeigen.
- Indogermanische Sprachfamilie und ihre Ursprünge
- Lexikalische und morphologische Übereinstimmungen
- Der Ablaut als morphologisches Instrument
- Die erste germanische Lautverschiebung (Grimmsches Gesetz)
- Das Vernersche Gesetz und der Grammatische Wechsel
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Germanische Lautverschiebung
Von der ersten bzw. germanischen Lautverschiebung, welche von Jakob Grimm erstmals beschrieben wurden, sind die indogermanischen Verschlusslaute betroffen. Der Zeitpunkt und die Ursachen dieser lautlichen Entwicklung sind unklar, sie muss jedoch schon bereits in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v.u.Z. zum Abschluss gekommen sein, bevor die Germanen mit den Römern in Berührung traten, denn kein einziges lat. Lehnwort im Germanischen ist von der ersten Lautverschiebung betroffen worden. Der Lautwandel von b, d, g zu p, t, k muss später erfolgt sein, da die durch sie entstandenen Laute nicht den alten p, t, k weiterverschoben wurden. (Schmidt, W. (1996), S.45)
Beispiele:
• I.: aind: pitār-, gr. pater, lat. pater; got. fadar, engl. father, ahd. fater (Vater)
• II.: trayas, gr. treis, lat. tres, got. threis; engl. three; as. thria (drei)
• III.: gr. kardio, lat. cord, cordis; got. hairtō, engl. heart (Herz)
Die genannte Verschiebung von p, t, k ist in den Verbindungen sp, st, sk unterblieben
• lat.spuere – got. speiwan (speien); lat. Stella – got. stairno (stern); lat. Scabere – got. skaban (Schaben)
Ebenso bleibt t nach k und p unverschoben
• lat. Octo – got. ahtau (acht); lat. Neptis – ahd. Nift (Enkelin)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Indogermanische Sprachfamilie: Dieses Kapitel erläutert die Herkunft der indogermanischen Sprachen und die wissenschaftliche Rekonstruktion ihrer Entwicklung.
2. Das Indogermanische: Es werden die lexikalischen und morphologischen Merkmale des Indogermanischen, inklusive Nominal- und Verbalformen sowie Ablaut und Wortakzent, detailliert beschrieben.
3. Germanisch: Dieses Kapitel analysiert die Abspaltung des Germanischen und konzentriert sich auf lautliche Entwicklungen wie die Lautverschiebung und das Vernersche Gesetz.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen lautlichen und strukturellen Wandelprozesse zusammen, die zur Herausbildung der germanischen Sprache führten.
Schlüsselwörter
Indogermanisch, Germanisch, Lautverschiebung, Ablaut, Sprachfamilie, Morphologie, Vernersches Gesetz, Grammatischer Wechsel, Etymologie, Sprachgeschichte, Indogermanistik, Vokalismus, Konsonantismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historischen Entwicklungsprozesse und linguistischen Merkmale beim Übergang von indogermanischen Sprachstufen zur germanischen Sprachform.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lautlehre, insbesondere die Lautverschiebungen, die morphologische Struktur (Nomina/Verba) sowie die historische Einordnung der germanischen Sprachstämme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen sprachlichen Besonderheiten und Entwicklungsstufen zu identifizieren, die das Germanische aus seinem indogermanischen Ursprung hervorgehen ließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-vergleichende sprachwissenschaftliche Untersuchung, die auf etablierter Fachliteratur (z.B. W. Schmidt) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der indogermanischen Grundlagen und die detaillierte Untersuchung der germanischen Neuerungen im Lautbestand und morphologischen System.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Indogermanisch, Germanisch, Lautverschiebung, Ablaut und Sprachgeschichte definieren.
Was besagt das Vernersche Gesetz in diesem Kontext?
Es erklärt lautliche Ausnahmen der ersten Lautverschiebung, indem es zeigt, wie stimmlose Reibelaute in Abhängigkeit von der Akzentuierung sonorisiert wurden.
Welche Rolle spielt der Ablaut für die germanische Sprache?
Der Ablaut dient als zentrales morphologisches Mittel zur Bildung von Wortformen und Tempus, welches aus dem Indogermanischen übernommen und im Germanischen weiter ausgebaut wurde.
- Arbeit zitieren
- Rouzbeh Khosrojerdi (Autor:in), 2010, Besonderheiten der gemeingermanischen Sprachform, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188175