Der Zweite Weltkrieg zog in Deutschland und in anderen Ländern viele Veränderungen nach sich. Das Land und seine Bevölkerung mussten eine militärische Niederlage, die Fremdbesat-zung und eine Massenbewegung an Flüchtlingen bewerkstelligen. Schließlich setzte Anfang der 1950er Jahre eine wirtschaftliche Erholung ein, die Deutschland wieder zu neuem Auf-trieb verhalf. Doch stellt sich die Frage, ob sich in Folge all dieser historischen Ereignisse ein Wandel in der sozialen Schichtung und Mobilität Deutschlands vollzog und falls dies der Fall ist, wie sich dieser äußerte. (vgl. Janowitz 1958, S. 1)
Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigten Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhun-derts beispielsweise Karl M. Bolte und Morris Janowitz. Ihre beiden Untersuchungen zählen zu den bekanntesten und bedeutendsten in diesem Bereich und zu dieser Zeit.
Im Folgenden werde ich ihre beiden Untersuchungen zur Berufsprestigemobilität einander gegenüber stellen. Dabei lege ich zunächst das jeweilige Forschungsinteresse, die Vorge-hensweise und letztlich noch die Untersuchungsergebnisse dar. Anschließend werde ich die einzelnen Übereinstimmungen und Differenzen der beiden Studien offen legen.
Inhaltsverzeichnis
1 Themeneinführung
1.1 Einleitende Gedanken
1.2 Begriffsklärungen
1.2.1 Der Begriff „Mobilität“ und seine Facetten
1.2.2 Der Begriff der sozialen Schichten
2. Die Studie zum sozialen Auf- und Abstieg in Schleswig-Holstein von Karl M. Bolte
2.1 Das Forschungsinteresse von Bolte
2.2 Die Vorgehensweise von Bolte
2.3 Ergebnisse der Studie von Bolte
3. Die Studie der sozialen Schichtung und Mobilität in Westdeutschland von Morris Janowitz
3.1 Das Forschungsinteresse von Janowitz
3.2 Die Vorgehensweise von Janowitz
3.3 Ergebnisse der Studie von Janowitz
4 Gegenüberstellung der beiden Studien
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede
5 Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, zwei wegweisende soziologische Studien zur Berufsprestigemobilität in der frühen Bundesrepublik Deutschland von Karl M. Bolte und Morris Janowitz vergleichend gegenüberzustellen, um ihren Beitrag zur Erforschung des sozialen Wandels nach dem Zweiten Weltkrieg zu analysieren.
- Historischer Kontext der sozialen Schichtung nach 1945
- Methodische Ansätze zur Messung von vertikaler und horizontaler Mobilität
- Vergleich der zentralen Untersuchungsergebnisse von Bolte und Janowitz
- Analyse der Bedeutung von Vertriebenenstatus und Religion für Aufstiegschancen
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Vorgehensweise von Bolte
Die Erhebung von Karl M. Bolte umfasste im Wesentlichen 3 Phasen: 1) eine Befragung der männlichen und weiblichen Stadtbevölkerung bezüglich der Prestigeskala ausgewählter Männerberufe, 2) eine Befragung männlicher Landbewohner über die Prestigeskala bestimmter Männerberufe, 3) eine Befragung männlicher und weiblicher Stadtbevölkerung über die Prestigeskala typischer Frauenberufe. (vgl. Bolte 1959, S. 31)
Dabei lautete die Grundfrage dieser Erhebung, ob in der Bevölkerung eine einheitliche Vorstellung über die Prestigezuordnungen von Berufen existiert und falls dies der Fall ist, wie diese aussieht. Es wurden insgesamt 1612 Personen befragt, die ausschließlich in Norddeutschland, vorwiegend in Schleswig-Holstein wohnten. Insgesamt wurden die zu Befragenden, um eine willkürliche Auswahl zu vermeiden, innerhalb bestimmter genau abgegrenzter Merkmalsgruppen erfasst und wenn möglich vollzählig befragt. Die zu befragenden setzten sich zusammen aus 100 Studenten der Berufsschulpädagogik und Nationalökonomie, 103 Männern über 20 Jahre aus drei Dörfern eines bestimmten ländlichen Gebietes, 133 Erwachsenen aus Klein- und Großstädten in Schleswig-Holstein, 92 Studenten der Nationalökonomie der Uni Kiel, 83 Schüler/innen der höheren Klassen einer kaufmännischen Berufsschule in Hamburg und schließlich 1101 Schüler/innen der höheren Klassen einer Kieler Berufsschule. Diesen Untersuchungspersonen wurde eine Auswahl von 38 Berufen vorgelegt, die zum einen in Norddeutschland häufig vorkamen und zum anderen grundsätzlich bekannte Berufe waren (bzw. sind), wie zum Beispiel Arzt, Bauer, Schriftsteller, Seemann usw.. Diese Berufe sollten innerhalb von 25-30 Minuten nach ihrem jeweiligen Berufsprestige geordnet werden. (vgl. Bolte 1959, S. 32-34)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Themeneinführung: Hinführung zum historischen Kontext der Nachkriegszeit und Definition soziologischer Schlüsselbegriffe wie Mobilität und soziale Schichten.
2. Die Studie zum sozialen Auf- und Abstieg in Schleswig-Holstein von Karl M. Bolte: Analyse der Untersuchung von Karl M. Bolte, die sich auf das Gebiet Schleswig-Holstein konzentriert und mittels einer Prestigeskala die Stabilität der Sozialstruktur untersucht.
3. Die Studie der sozialen Schichtung und Mobilität in Westdeutschland von Morris Janowitz: Darstellung der repräsentativen Studie von Morris Janowitz, die soziale Mobilität im gesamten Bundesgebiet unter Einbeziehung von Korrelaten wie Religion und Herkunft analysiert.
4 Gegenüberstellung der beiden Studien: Systematischer Vergleich der methodischen Konzepte, Gemeinsamkeiten in der Ergebnisstruktur und methodische Differenzen der beiden Pionierarbeiten.
5 Abschließende Gedanken: Resümee über die Bedeutung der Studien für das Verständnis der Mobilitätsstrukturen im Kontext des Wirtschaftswunders und Ausblick auf aktuelle Mobilitätstrends.
Schlüsselwörter
Soziale Mobilität, Berufsprestige, Karl M. Bolte, Morris Janowitz, Schichtung, Bundesrepublik, Nachkriegszeit, Aufstieg, Abstieg, Inter-Generationen-Mobilität, Intra-Generationen-Mobilität, Sozialstruktur, Westdeutschland, Berufsgruppen, soziale Schichten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht zwei der bedeutendsten empirischen Mobilitätsstudien der frühen Bundesrepublik Deutschland und stellt diese gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die soziale Schichtung, die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Berufsstruktur sowie die Messbarkeit von sozialem Auf- und Abstieg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Forschungsansätze von Bolte und Janowitz zu vergleichen und aufzuzeigen, wie sie die Veränderungen der Sozialstruktur in der Nachkriegszeit interpretierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf den Primärquellen der soziologischen Studien aus den 1950er Jahren basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Analyse der Studien von Bolte und Janowitz sowie deren direkten methodischen und inhaltlichen Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie soziale Mobilität, Berufsprestige, Schichtung, Aufstieg und Abstieg sowie der historische Kontext der jungen Bundesrepublik stehen im Fokus.
Wie unterschied sich die Untersuchungseinheit bei Bolte von der bei Janowitz?
Bolte beschränkte sich räumlich auf Schleswig-Holstein und Hamburg, während Janowitz ein repräsentatives Sample für das gesamte westdeutsche Bundesgebiet wählte.
Welche Rolle spielte die Religion bei Janowitz’ Analyse?
Janowitz untersuchte Religion als Korrelat der Mobilität und stellte fest, dass Katholiken im Vergleich zu Protestanten schichtungstechnisch benachteiligt waren.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Julia Erdmann (Author), 2010, Gegenüberstellung zweier früher Mobilitätsstudien für die BRD nach dem zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188056