Das Zitat von Berger und Luckmann „Die Wirklichkeit der Alltagswelt ist nicht nur voll von Objektivationen, sie ist vielmehr nur wegen dieser Objektivationen wirklich“ (Berger/Luckmann, 2010: 37), weist auf einen enormen Einfluss der Objektivationen in der Gesellschaft hin. Vor diesem Hintergrund soll die folgende Diskussion den Begriff Objektivation näher erklären und die Wirkung der Objektivationen in der Gesellschaft beschreiben. Im Mittelpunkt des Essays steht somit die Forschungsfrage: Was sind Objektivationen, wie funktionieren sie und was bewirken diese?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Objektivation nach Berger und Luckmann
2.1 Definition von Objektivationen
2.2 Die Bedeutung von Zeichen
2.2.1 Gestische Zeichensysteme
2.2.2 Mimische Zeichensysteme
2.2.3 Systeme von Körperbewegungen
2.2.4 Systeme von Artefakten
2.3 Die Sonderrolle der Sprache
3. Erweiterung der Perspektive: Nicht-sprachliche Objektivationen
4. Gebrauchsgegenstände als Objektivationen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Essays ist die theoretische Durchdringung des Begriffs der Objektivation im Kontext der Wissenssoziologie von Berger und Luckmann, um zu verdeutlichen, wie subjektive menschliche Empfindungen durch gesellschaftliche Prozesse für andere Akteure fassbar und dauerhaft gemacht werden.
- Theoretische Fundierung des Objektivationsbegriffs nach Berger und Luckmann.
- Analyse verschiedener Zeichensysteme (gestisch, mimisch, Körperbewegungen, Artefakte).
- Untersuchung der Sonderstellung der Sprache als Medium der Wirklichkeitskonstruktion.
- Erweiterung der soziologischen Betrachtung auf nicht-sprachliche Objektivationen und Gebrauchsgegenstände.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung von Zeichen
Als besondere Form der Objektivationen beschreiben Berger und Luckmann das Zeichen. Das Zeichen wird nach den Autoren als ausdrücklicher Hinweis auf subjektiv Gemeintes definiert. Hinzuzufügen ist, dass das Zeichen in einer Gesellschaft institutionalisiert sein muss, damit es als Objektivation gesehen werden kann. Denn durch die Institutionalisierung erhalten Objektivationen, und dem entsprechend auch Zeichen, einen Sinn. (vgl. ebd.: 99) Nach Berger und Luckmann werden vier Arten von Zeichensystemen, nämlich das gestische und das mimische Zeichensystem, die Systeme von Körperbewegungen und Artefakten (vgl. ebd. 38) unterschieden, welche im nachstehenden Text aufgezählt werden und durch Ideen des Autors ergänzt werden:
Das gestische Zeichensysteme: z. B. das Signal eines Schiedsrichters durch die rote Karte. Diese Geste stellt einen ausdrücklichen Hinweis auf subjektiv Gemeintes dar, wird von Jedermann verstanden, die eine gemeinsame Geschichte der gestischen Zeichensysteme haben und reicht über die Vis-à-vis-Situation hinaus. Somit kann das gestische Zeichen als Objektivation gesehen werden.
Mimische Zeichensysteme, das Mienenspiel der Gesichtsoberfläche: Hier sprechen die Augen und das Gesicht. Ein langweiliger Blick oder ein Staunen lassen den Gefühlszustand des Gegenübers zwar erahnen, jedoch stellt sich hier die Frage, inwieweit das Erkennen der Gefühle des Vis-à-vis tatsächlich gegeben ist. Ein langweiliger Blick könnte auch ein Ausdruck für Müdigkeit, oder für Überforderung einer Situation darstellen, also ein Abschalten der Impulse zur Aufnahmefähigkeit der Vis-à-vis-Situation. In diesem Zusammenhang weist der Autor auf die gegebene Vis-à-vis-Situation der mimischen Zeichensysteme hin und hinterfragt, inwiefern das mimische Zeichensystem tatsächlich eine Objektivation darstellt. Hat das mimische Zeichensystem allein in gezeichneter Form die Kraft der Objektivation? Um das Problem zu klären, ist hier auf das Zitat von Berger und Luckmann hinzuweisen: Das Zeichen ist objektiv erfassbar und „für den Zeichengeber selbst ist es ein objektives >>Andenken<< an die ursprüngliche Absicht“ (ebd.:38). Auf Grund dessen kann im Sinne eines mimischen Zeichensystems von einer Objektivation ausgegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Bedeutung von Objektivationen für die Wirklichkeit der Alltagswelt ein und definiert die Forschungsfrage des Essays.
2. Der Begriff der Objektivation nach Berger und Luckmann: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Basis der Objektivation als Indikator subjektiver Empfindungen und analysiert verschiedene Zeichensysteme.
3. Erweiterung der Perspektive: Nicht-sprachliche Objektivationen: Hier wird argumentiert, dass auch nicht-sprachliche Erzeugnisse menschlicher Tätigkeit als wichtige Komponenten der Wirklichkeitskonstruktion gelten.
4. Gebrauchsgegenstände als Objektivationen: Das Kapitel untersucht, wie alltägliche Objekte durch die Vergegenständlichung von subjektiven Empfindungen zu gesellschaftlich relevanten Objektivationen werden.
5. Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel reflektiert die Rolle der Objektivation als theoretische Grundlage für soziologisches Denken und die wissenschaftliche Arbeit der Autoren.
Schlüsselwörter
Objektivation, Wissenssoziologie, Berger und Luckmann, Wirklichkeitskonstruktion, Alltagswelt, Zeichen, Zeichensysteme, Institutionalisierung, Interaktion, Subjektivität, Vergegenständlichung, Sprache, Artefakte, Soziologie, Sozialkonstruktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit dem soziologischen Begriff der Objektivation, wie er von Peter L. Berger und Thomas Luckmann in ihrem Standardwerk "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" eingeführt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Verwandlung subjektiver Empfindungen in dauerhafte, objektivierbare Indikatoren, die Analyse verschiedener Zeichensysteme und die Rolle von Alltagsgegenständen in der Gesellschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Was sind Objektivationen, wie funktionieren sie und was bewirken sie für das Verständnis unserer sozialen Realität?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse auf Basis soziologischer Grundlagenwerke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Zeichen und Objektivationen, differenziert zwischen verschiedenen Zeichensystemen (mimisch, gestisch, Artefakte) und erweitert die Perspektive um nicht-sprachliche Aspekte des Alltagslebens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Objektivation, Wissenssoziologie, Wirklichkeitskonstruktion, Zeichen, Subjektivität und soziale Institutionalisierung.
Inwiefern unterscheiden sich sprachliche und nicht-sprachliche Objektivationen?
Während Sprache als ein multiples System fungiert, das Ereignisse außerhalb des "Hier und Jetzt" speichert, manifestieren sich nicht-sprachliche Objektivationen häufig in Artefakten und Erzeugnissen, die zwar historisch gewachsen sind, aber für ihr Verständnis oft einen kulturellen Kontext benötigen.
Warum spielen Gebrauchsgegenstände eine Rolle für die Objektivation?
Der Autor argumentiert, dass Gebrauchsgegenstände wie Werkzeuge oder Möbelstücke nicht nur funktionale Nutzen haben, sondern ursprünglich subjektive Empfindungen (z.B. Bedürfnis nach Sicherheit oder Gemütlichkeit) verkörpern und somit als doppelte Objektivationen fungieren.
- Arbeit zitieren
- Master of Arts in Social Sciences (MA) Tanja Alexa (Autor:in), 2011, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187870