Wie kaum ein Philosoph seines Zeitalters hat der am 15.10.1844 in Röcken geborene Friedrich Wilhelm Nietzsche eine polarisierende Wirkung auf seine Exegeten. Die Meinungen oszillieren zwischen Abstoßung und Bewunderung. Seine Biographie und sein Werk übten einen großen Einfluss auf Literatur, Philosophie und die Psychologie aus. In der Literatur inspirierte er u.a. Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Heinrich Mann, Thomas Mann, Gottfried Benn und Hermann Hesse. Unter den Philosophen erstreckte sich sein Einfluss auf u.a. Martin Heidegger und Karl Jaspers, wie auch auf die Psychologen Sigmund Freud, Ludwig Klages und Carl Gustav Jung. Der Grund warum Nietzsche so umstritten ist, liegt in erster Linie in seiner Wirkungsgeschichte. Die Nationalsozialisten griffen seine Gedanken vom „Willen zur Macht“, der „Herrenmoral“ missbräuchlich auf und politisierten diese in propagandistischer Weise.
Systematisch betrachtet lässt sich seine Philosophie in drei Phasen einteilen [...].
Die vorliegende Arbeit hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kritik Nietzsches an der metaphysischen Moral aus der Formel Gott ist tot! herauszuarbeiten und zu überprüfen, ob der daraus resultierende Immoralismus konsistent durchdacht ist.
Hierzu wird im ersten Schritt die oben erwähnte Demontage der Moral in Nietzsches Spätschriften "Jenseits von Gut und Böse" (1886) und "Zur Genealogie der Moral" (1887) dargestellt. Da die Kritik am Christentum ein wichtiger Bestandteil für die Kritik an der metaphysischen Moral ist, wird im folgenden Kapitel darauf Bezug genommen werden. Nachstehend widmet sich die vorliegende Arbeit der Kritik der metaphysischen Moral selbst. Den drei zentralen Gedanken „ewige Wiederkehr“, „Wille zur Macht“ und „Übermensch“ kann kein Platz eingeräumt werden, da sonst der Rahmen dieser Ausarbeitung gesprengt werden würde. Was jedoch unbedingt für das Verständnis Nietzsches mit in die vorliegende Erörterung in Betracht gezogen wird, ist der Gedanke der „ewigen Wiederkehr“. Dieser bildet m.E. das konstruktive Zentrum, respektive das Fundament Nietzsches Philosophie und wird daher ein Unterkapitel dieser Arbeit bilden. Im letzten Kapitel – der Schlussbetrachtung – werden abschließend die vorherigen Ausarbeitungen evaluiert werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Demontage der Moral
II. Nietzsches Kritik am Christentum
III. Nietzsche und die Metaphysik
III. 1 Das konstruktive Zentrum: „Die ewige Wiederkehr des Gleichen“
III. 2 Nietzsches Abkehr von der Metaphysik
III. 3 Nietzsche und der Tod Gottes
III. 4 Nihilismus als Konsequenz aus Gottes Tod
IV. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kritik Nietzsches an der metaphysischen Moral aus der Formel „Gott ist tot!“ herauszuarbeiten und zu überprüfen, ob der daraus resultierende Immoralismus konsistent durchdacht ist.
- Radikale Demontage der christlichen Moral und Entlarvung ihrer Entstehungsbedingungen.
- Analyse der metaphysischen Fundamente und deren Überwindung durch das Konzept der ewigen Wiederkehr.
- Kritik am Christentum als Ausdruck von Ressentiment und décadence.
- Untersuchung der Konsequenzen des „Todes Gottes“ und des daraus resultierenden Nihilismus.
Auszug aus dem Buch
I. Die Demontage der Moral
Die Moralitätskritik zählt ohne Zweifel zu den Hauptthemen Friedrich Nietzsches. Diesem Thema sind zwei seiner Spätschriften zu Gänze gewidmet4 und auch in seinen früheren Schriften finden sich ausgedehnte Passagen zu diesem Problem. Sämtliche diesbezügliche Schriften folgen der Generallinie einer Entlarvungsstrategie. Moral, so die kurz gefasste Hauptthese, ist nicht, was sei zu sein scheint, denn sie ist ausschließlich an amoralischen Zwecken der Individuen ausgerichtet. Jeder Anschein von Altruismus könne, so Nietzsche, auf einen grundlegenden Egoismus zurückgeführt werden. Es ist jedoch nicht allein die Entlarvung der Moralität als Maske eines egozentrischen Triebgeschehens , die ihn umtreibt. Wäre moralisches Handeln wirklich das effektivste Mittel egoistischer Bestrebungen und träfe dies für alle Menschen in gleichem Maße zu, so wäre es immerhin denkbar, dass eine Entdeckung wie die Nietzsches in der menschlichen Lebenswelt praktisch folgenlos bliebe.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Nietzsches Denken, seine Philosophiephasen und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Kritik an der metaphysischen Moral.
I. Die Demontage der Moral: Analyse der Entlarvungsstrategie, mit der Nietzsche die Moral als Instrument egoistischer Triebe und Hindernis für die menschliche Höherentwicklung aufdeckt.
II. Nietzsches Kritik am Christentum: Untersuchung des Christentums als Ausdruck des Ressentiments und des Realitätshasses, der in der paulinischen Theologie gipfelt.
III. Nietzsche und die Metaphysik: Rekonstruktion des Konzepts der „ewigen Wiederkehr“ als Gegenentwurf zur Metaphysik sowie Erörterung des „Todes Gottes“ und des Nihilismus.
IV. Schlussbetrachtung: Evaluierung der Nietzscheschen Kritik und kritische Prüfung der Konsistenz seines Immoralismus und seines Versuchs, antimetaphysisch zu denken.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Moralitätskritik, Metaphysik, Christentum, Wille zur Macht, ewige Wiederkehr, Tod Gottes, Nihilismus, Übermensch, Ressentiment, Entlarvungsstrategie, Immoralismus, Diesseitigkeit, abendländische Philosophie, Werteumwertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der fundierten Moralkritik Friedrich Nietzsches und deren Bezug zur Metaphysik sowie zum Christentum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Demontage der Moral, die Kritik am christlichen Glauben, die metaphysische Dimension des „Todes Gottes“ und die Auseinandersetzung mit dem Nihilismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, Nietzsches Kritik an der metaphysischen Moral aus seiner berühmten Formel „Gott ist tot!“ abzuleiten und zu hinterfragen, ob seine daraus entwickelten Schlussfolgerungen, insbesondere der Immoralismus, in sich konsistent sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, die sich auf Nietzsches Spätschriften stützt und seine Argumentationslinien psychologisch sowie historisch nachvollzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Entlarvung der Moral, die scharfe Religionskritik, das konstruktive Konzept der ewigen Wiederkehr sowie die nihilistische Krise als Folge des Wegfalls göttlicher Sinnstiftung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Nietzsche vor allem die Umwertung der Werte, das Ressentiment, der Übermensch und die antimetaphysische Denkhaltung.
Warum spielt der „Wille zur Macht“ eine so entscheidende Rolle für Nietzsche?
Für Nietzsche ist der Wille zur Macht das zentrale, treibende Prinzip des Lebens, das als expansive Kraft jedem Handeln zugrunde liegt und moralische Systeme als bloße Instrumente entlarvt.
Inwiefern stellt die „ewige Wiederkehr“ ein Problem für die Konsistenz dar?
Der Autor argumentiert, dass Nietzsche durch die Idee der ewigen Wiederkehr und das Ziel des „Übermenschen“ unbewusst einen neuen Telos, also ein teleologisches Endziel, einführt, was seinem eigenen antimetaphysischen Anspruch widerspricht.
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- M.A. Hasret Faßbender, geb. Akman (Author), 2002, Nietzsches Kritik an der metaphysischen Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187835