Jeder, der sich einmal in seinem alltäglichen Leben auf die mehr oder weniger verbreiteten Werbemethoden konzentriert, wird sich neben den zahlreichen anderen Formen besonders von einer ständig umgeben sehen: den Flyern.
Unabhängig davon, ob wir durch eine städtische Einkaufspassage oder einzelne Geschäfte flanieren, ob wir in einer Imbissbude einkehren oder Abends ins Kino gehen, überall haben wir bewusst oder unbewusst Kontakt mit den bunt bedruckten Zetteln.
Aber was genau ist ein Flyer und welche Eigenschaften machen ihn aus beziehungsweise unterscheiden ihn von anderen altbekannten Werbeträgern, wie zum Beispiel dem Katalog oder der Broschüre? Die
Vielzahl und Varianz an kleinen bunten Handzetteln ist so gewaltig, dass man davon ausgehen müsste, dass sie sich nach gewissen Kriterien
kategorisieren und in Subklassen einteilen lassen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesen Fragen und soll versuchen sie zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
I. Der Begriff „Flyer“
I.1. Erste Einordnung
I.2. Fliegende Schriften
I.3. Das historische Flugblatt
I.4. Die Geburt der Flyer
I.5. Moderne Flyer
II. Flyer als Werbephänomen
II.1. Der Begriff „Werbung“
II.2. Ziele der Werbung
II.3. Flyer als Werbemittel ?
II.4. Sprache in der Werbung
III. Suche nach dem Prototyp
III.1. Eine Umfrage
III.2. Aufbau und Art der Umfrage
III.3. Was ist ein Flyer
III.4. Wie „groß“ ist ein Flyer?
III.5. Wofür wirbt ein Flyer
III.6. Woher bekommt man Flyer
III.7. Flyer versus Flugblatt?
III.8. Merkmale des Flyer-Prototyps
IV. Ein gesammeltes Corpus
IV.1. Art und Zusammenstellung
IV.2. Das Flyer-Kontinuum
IV.3. Corpusauswertung
IV.4. Sprachliche Besonderheiten des Corpus
IV.5. Ergebnisse
V. Analysemethoden
V.1. Funktionsweisen und Elemente von Party-Flyern
V.2. Bimedialität
V.3. Analysebeispiel eines Party-Flyers
V.4. Analysebeispiel anderer Flyertypen
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werbephänomen „Flyer“ unter linguistisch-funktionalen Aspekten, um eine präzise Definition und Kategorisierung dieser ubiquitären Werbeform in der heutigen Medienlandschaft zu etablieren.
- Historische Entwicklung des Handzettels vom Flugblatt zum modernen Flyer.
- Empirische Ermittlung eines „assoziativen Prototyps“ durch Umfragen.
- Analyse der sprachlichen und visuellen Gestaltungselemente anhand eines Flyercorpus.
- Untersuchung der Kompositionsprinzipien und bimedialen Textstrukturen von Flyern.
- Identifikation der Diskrepanz zwischen theoretischen Modellen und der praktischen Anwendung in der Werbung.
Auszug aus dem Buch
I.5. Moderne Flyer
Dieser relativ klaren Eingrenzung steht ein enorm verwaschener Bereich gegenüber, wenn es heutzutage um den Terminus ‚Flyer’ geht. Fest steht, dass die Verwendung dieses Mediums heute stärker vertreten ist denn je und dementsprechend viele Werbefirmen und Druckereien bieten den Entwurf und die Herstellung des (meist) papiernen Informationsträgers an. Doch je größer das Angebot, desto größer scheint auch die Anzahl der unterschiedlichen Verwendungsweisen des Begriffs zu sein.
Die Firma Scali Copy Shop beispielsweise erklärt: „Der Begriff umfasst Prospekte, Rundschreiben, Produktblätter, Broschüren, ja sogar Kundenblätter und Newsletter.“ (Website Scali Copy Shop, 05.08.2009). Hier scheint der Terminus also schlicht als Hyperonym zu fast jeder Form der schriftlichen Werbung zu gelten. „Ein Flyer (dt. Flugblatt) ist ein Werbemittel zur Verbreitung von Informationen über Veranstaltungen (Zeitraum, Ort,). […] Die Gestaltung eines Flyers ist immer so gestaltet, dass er sofort auffällt.“ (Website Printarius, 05.08.2009). Diese Erklärung einer anderen Druckerei fokussiert den Begriff vollkommen auf die Varianten, die über Tanzveranstaltungen informieren und dafür werben, also exakt so, wie es die ersten Flyer der House-Bewegung getan haben. Die gleiche enge Eingrenzung des semantischen und funktionalen Inhalts macht auch der Kommunikationswissenschaftler JANNIS ANDROUTSOPOULOS, wenn er schreibt:
„Typologisch lassen sich Flyer als thematisch und sozial spezifizierte Flugblatt-Variante einstufen. Als Werbeform für Partys und Konzerte mit einem jungen Publikum waren Handzettel schon in den 60-er und 70-er Jahren im Einsatz.“ (ANDROUTSOPOULOS 2000b: 345) .
Aus den genannten Beispielen wird ersichtlich, dass der Begriff ‚Flyer’ je nach konsultierter Quelle unterschiedlich eng oder weit definiert wird. Diese stillschweigende Reduktion des Inhalts von Flyern kommt den heutigen Verwendungszwecken allerdings kaum nahe.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der Begriff „Flyer“: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung vom Flugblatt zur modernen Werbeform und die Schwierigkeiten bei einer einheitlichen Definition.
II. Flyer als Werbephänomen: Hier werden Flyer in werbewissenschaftliche Schemata eingeordnet und die Grundlagen der Werbesprache sowie die Rolle als „werbeträgerfreies“ Medium diskutiert.
III. Suche nach dem Prototyp: Auf Basis einer Online-Umfrage wird das prototypische Bild eines Flyers (Format, Wortanzahl, Verbreitung) aus Sicht der Konsumenten erarbeitet.
IV. Ein gesammeltes Corpus: Dieses Kapitel präsentiert die empirische Auswertung eines selbst erstellten Flyercorpus und ordnet die Objekte in einem Kontinuum nach ihrem Informationsgehalt ein.
V. Analysemethoden: Vorstellung von Modellen zur Untersuchung der bimedialen Textstruktur und Kompositionsprinzipien sowie deren Anwendung auf verschiedene Flyertypen.
VI. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, die die Inhomogenität des Begriffs „Flyer“ bestätigen und zukünftige Forschungsdesiderate aufzeigen.
Schlüsselwörter
Flyer, Flugblatt, Handzettel, Werbung, Werbesprache, Bimedialität, Prototypensemantik, Party-Flyer, Werbeträger, Empirische Untersuchung, Kommunikation, Visuelle Gestaltung, Textsorte, Marketing, Medienanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Flyer als modernes Werbephänomen und versucht, eine linguistisch-funktionale Einordnung sowie eine präzise Definition für das schwer abgrenzbare Werbemedium zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die historische Herleitung des Begriffs, die werbewissenschaftliche Einordnung, die empirische Erhebung von Nutzerassoziationen und die Analyse konkreter Gestaltungspraktiken ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen einer engen, akademischen Sichtweise auf „Party-Flyer“ und der weiten, inhomogenen Realität des Werbemittels zu analysieren und ein assoziatives Prototypenmodell zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autor setzt auf eine Kombination aus Literaturanalyse, einer empirischen Online-Umfrage mit 89 Teilnehmern sowie einer detaillierten Korpusanalyse von 177 Flyern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Begriffsbestimmung, die Auswertung der Umfragedaten, die Erstellung eines „Flyer-Kontinuums“ zur Kategorisierung sowie die Anwendung von Kompositionsanalysen auf verschiedene Flyertypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Werbephänomen, Flyer-Prototyp, Bimedialität, Werbesprache und die Distribution von Werbemitteln.
Inwiefern unterscheiden sich „Flyer“ und „Flugblatt“ in der Wahrnehmung?
Obwohl historisch verwandt, assoziieren viele Befragte das Flugblatt heute stärker mit politischen Botschaften, während der Flyer primär als kommerzielles oder eventbezogenes, kurzlebiges Werbemedium wahrgenommen wird.
Was ergab die Analyse der „unvollständigen Sätze“ in den Flyern?
Entgegen der Erwartung, dass Flyer aufgrund ihrer Knappheit fast nur unvollständige Sätze nutzen, wiesen viele untersuchte Exemplare – besonders bei textreicheren Foldern – syntaktisch vollständige Sätze auf.
- Arbeit zitieren
- M.A. Alexander Windeck (Autor:in), 2009, Werbephänomen - Flyer und ihre Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187680