Das Essay befasst sich mit dem Reporter Egon Erwin Kisch, der einen großen Teil seiner Arbeit in der Zeit der Weimarer Republik vollbrachte. In dieser Zeit kam dort ebenfalls die Sensationspresse mehr und mehr auf, so dass sich die Frage nach einem Zusammenhang stellt.
Die These des Essays lautet, dass man Kisch als Sensationsreporter bezeichnen kann, der sich nicht an die Objektivität hielt um sensationelle Geschichten zu generieren.
Zuerst wird in diesem Essay kurz das Leben von Egon Erwin Kisch skizziert. Anschließend wird Kischs persönliche Reportagetheorie geschildert, die eine Grundlage seiner Arbeit bildete. Danach wird in einem kurzen Abriss über die Sensationspresse der Weimarer Republik und die zeitgenössische Kritik daran berichtet.
Als nächstes wird der Frage nach Objektivität oder Sensationslust im Werk Kischs nachgegangen.
Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die anfangs aufgeworfene Frage, ob Egon Erwin Kisch ein Sensationsreporter im eigentlichen Sinne war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben von Egon Erwin Kisch
3. Kischs Reportagetheorie
4. Kritik an der Sensationspresse in der Weimarer Republik
5. Objektivität oder Sensationslust bei Kisch?
6. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das journalistische Wirken von Egon Erwin Kisch vor dem Hintergrund der aufkommenden Sensationspresse in der Weimarer Republik und analysiert, ob Kischs literarische Arbeitsweise als Sensationsjournalismus klassifiziert werden kann oder ob andere Intentionen hinter seiner subjektiven Berichterstattung standen.
- Biografische Skizze des Lebens von Egon Erwin Kisch
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Kischs Reportagestil
- Kritik an der Boulevardisierung der Presselandschaft der Weimarer Republik
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Objektivitätsanspruch und subjektiver literarischer Gestaltung
- Bewertung von Kischs Rolle als Reporter versus Autor
Auszug aus dem Buch
3. Kischs Reportagetheorie
1918 tritt in Kischs Arbeiten der Begriff der „Reportage“ zu den vorher verwendeten „Feuilletons“, „Skizzen“, „Studien“ und „Artikeln“. Der Berichtscharakter der Reportage führt zu zwei zentralen Definitionspunkten. Der erste ist die Beschreibung von wirklichen Begebenheiten, die mehr oder weniger exakt sein kann. Dadurch besitzt die Reportage einen spezifischen Wahrheitsgehalt. Sie hat eine relative Wahrheit, wenn sie mit dem gewählten Lebensbereich im Ganzen und in den Details übereinstimmt.
Der zweite Definitionspunkt umfasst die Arbeit des Reporters, der als Vermittler des Berichts auftritt und dem von der Leserschaft ein gewisses Vertrauen gegenüber gebracht wird. Dieser tritt aufgrund der geforderten Objektivität hinter die Reportage zurück und benutzt Verallgemeinerungen und Beurteilungen nur in geringem Maße. Trotzdem beinhaltet die Reportage neben dem dokumentarischen Charakter auch einen Ausdruck der „Weltsicht […] eines Autors“.
Der Wert einer Reportage hängt ganz besonders von der Wahl und Darstellung eines bestimmten Lebensausschnitts ab. Kisch hebt dies in seinem Werk „Klassischer Journalismus“ besonders am Beispiel von Charles Dickens und Emile Zola hervor. Er wollte mit seinen Reportagen besonders an Zola anschließen und wie dieser das gewöhnliche Leben porträtieren.
Weiterhin beeinflusst der Autor durch das besondere Herausheben einzelner Fakten eine Wertung von Wirklichkeit. Bei Kisch war dies besonders der „pointierte Humor“. Durch seine Ironie prägte Kisch die Subjektivität seiner Reportagen, sodass kaum von einer objektiven Berichterstattung gesprochen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die zentrale Fragestellung, ob Egon Erwin Kisch als Sensationsreporter eingestuft werden kann, und gibt einen Überblick über den geplanten Aufbau der Arbeit.
2. Leben von Egon Erwin Kisch: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Kischs nach, von seiner Herkunft in Prag über seine militärischen Erfahrungen bis hin zu seiner Tätigkeit als Korrespondent und seiner Emigration.
3. Kischs Reportagetheorie: Hier wird analysiert, wie Kisch den Begriff der Reportage definierte und welche Rolle Subjektivität, Ironie und literarische Gestaltung in seiner Arbeit spielten.
4. Kritik an der Sensationspresse in der Weimarer Republik: Dieses Kapitel beleuchtet die zeitgenössische Kritik an der aufkommenden Boulevardpresse und deren Einfluss auf die Radikalisierung politischer Auseinandersetzungen.
5. Objektivität oder Sensationslust bei Kisch?: Der Abschnitt untersucht anhand konkreter Beispiele, wie Kisch die Wirklichkeit modellierte und seine Werke gezielt mit marktschreierischen Titeln vermarktete.
6. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Urteil, dass Kisch eher als Autor denn als klassischer Sensationsjournalist zu bewerten ist.
Schlüsselwörter
Egon Erwin Kisch, Reportage, Weimarer Republik, Sensationspresse, Objektivität, Journalismus, Boulevardpresse, Literarische Reportage, Faktizität, Fiktion, Hans-Albert Walter, Emil Dovifat, Publizistik, Medienkritik, Rasender Reporter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das journalistische Selbstverständnis und das Werk des Reporters Egon Erwin Kisch während der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Reportage als literarische Form, der Rolle der Boulevardpresse in den 1920er Jahren und dem Spannungsverhältnis zwischen Tatsachen und fiktionaler Gestaltung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Egon Erwin Kisch als Sensationsreporter einzustufen ist, der Objektivität zugunsten von Sensationen opferte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und medienwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung publizistischer Quellen und der Sekundärliteratur zu Kischs Reportagetheorie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung, die theoretische Definition der Reportage durch Kisch sowie eine kritische Analyse seiner Arbeitsweise im Vergleich zur damaligen Sensationspresse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Egon Erwin Kisch, Reportage, Sensationspresse, Objektivität sowie das Spannungsfeld zwischen Journalismus und Literatur.
Wie bewertet die Arbeit Kischs Wandel nach seiner Sowjetunion-Reise?
Der Aufenthalt in der Sowjetunion wird als einschneidendes Erlebnis gewertet, das Kisch dazu bewegte, Objektivität zugunsten einer klaren politischen Positionierung und einer stärkeren literarischen Gestaltung aufzugeben.
Warum wird Kisch als „Reporter, der keiner war“ bezeichnet?
Dieser Titel spiegelt wider, dass Kisch die Grenzen zwischen Tatsachenbericht und literarischer Fiktion bewusst zugunsten einer höheren ästhetischen Wirkung verschwimmen ließ.
Was unterscheidet Kisch von der damaligen Boulevardpresse?
Obwohl Kisch in Boulevardmedien veröffentlichte und ähnlich sensationsorientierte Titel wählte, unterschieden sich seine Reportagen durch die literarische Intention und das bewusste Modellieren der Wirklichkeit vom rein profitorientierten Sensationsjournalismus.
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- Fabian Hartl (Author), 2010, Egon Erwin Kisch - ein Sensationsreporter?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187679