Linguistisch ist Italien als eine in sich stark differenzierte Sprachenlandschaft und durch eine große sprachl. Heterogenität zu beschreiben. Zum einen ist die Republik Italien ein Vielsprachenstaat, in dem über 2,5 Mio. Menschen eine nichtitalienische Muttersprache sprechen.Zum anderen stellt sich Italien aufgrund historischer Bedingungen diatopisch als ein recht heterogenes Sprachgebiet dar und ist damit bis heute „ein Eldorado für Dialektforscher“ geblieben.
Nicht nur die späte nationale Einigung Italiens, sondern auch die späte italienische Sprachnormierung, die sich über Jahrhunderte bis ins 19. Jh. hinzog, trugen zur bis heute existenten Sprachheterogenität bei.
In dieser Hausarbeit ist primär der Blick auf Italien als eine sich darstellende Dialektlandschaft gerichtet, wobei die Region Apulien und deren Mundarten sprachgeschichtlich genauer betrachtet werden. Dass der Gebrauch des Dialekts in Italien und im Besonderen in Apulien noch stark verbreitet ist, zeigt die Umfrage des wissenschaftlichen Instituts Doxa in Apulien von 1996.(...)
Generell sind die italienischen Dialekte noch immer je nach Region recht stark gegenwärtig, auch wenn das Prestige und die Verbreitung der Dialekte vor allem ab der zweiten Hälfte des 20. Jh. aufgrund der Standardisierung des Italienischen vor allem durch Schulreformen zurückgegangen ist.
Im Folgenden soll zum Einen erläutert werden, was genau unter dem Begriff „Dialekt“ zu verstehen ist und inwieweit man von „italienischen Dialekten“ sprechen kann. Zum Anderen erfolgt eine Darstellung über die Herausbildung der Dialekte, um anschließend die dialektale Gliederung Italiens sowie allgemeine sprachliche Charakteristika der Dialektgruppen beschreiben zu können. Im Anschluss daran wird dann die Region Apulien als Dialektlandschaft genauer beschrieben.(...)
Wenn im Folgenden die Rede von italienischen Dialekten ist, so sind damit nicht Varietäten des gesprochen Standarditalienisch gemeint, die allein dem Sprachsystem des Standarditalienisch unterliegen. Zudem sind auch nicht die Dialekte gemeint, die auf dem geografischen Territorium Italiens vorzufinden sind wie bspw. deutsche Mundarten. Vielmehr ist die Rede von Dialekten, die einem eigenen Sprachsystem im Vergl. zur italienischen Nationalsprache unterliegen.Es sind die Dialekte gemeint, die sich aus dem gesprochenen Latein zur Zeit der Romanisierung der heutigen Gebiete Italiens herausgebildet haben und damit der historischen Sprache Italienisch zugerechnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Italien als Dialektlandschaft
2.1. Sprache vs. Dialekt
2.2. Die Herausbildung der italienischen Dialekte
2.3. Die dialektale Gliederung Italiens
2.3.1. Die norditalienischen Dialekte
2.3.2. Die toskanischen Dialekte
2.3.3. Die mittel- und süditalienischen Dialekte
3. Die Dialektlandschaft Apuliens
3.1. Geschichtlicher Abriss der Region Apulien
3.2. Die dialektale Gliederung der Mundarten Apuliens
3.3. Literarische Textbeispiele apulischer und salentinischer Dialekte
3.3.1. Zwei Gedichte in apulischer Mundart
3.3.2. Zwei Textbeispiele in salentinischer Mundart
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Italien als eine sprachlich heterogene Dialektlandschaft mit einem besonderen Fokus auf die Region Apulien. Das primäre Ziel besteht darin, die sprachgeschichtliche Herausbildung und die dialektale Gliederung dieser Region zu analysieren, um die charakteristischen Merkmale der lokalen Mundarten im Kontext des romanischen Sprachraums einzuordnen.
- Sprachwissenschaftliche Abgrenzung zwischen Sprache und Dialekt.
- Entwicklungsgeschichte der italienischen Dialekte und deren historische Substrate.
- Detaillierte Analyse der apulischen Dialektlandschaft und ihrer Untergruppen.
- Untersuchung literarischer Textbeispiele zur Veranschaulichung dialektaler Besonderheiten.
- Gegenwärtiger Status und Gebrauch von Dialekten in der modernen italienischen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.3.2. Zwei Textbeispiele in salentinischer Mundart
Das folgende Sonett „Lu Eccellenza“139 stammt von Nicola G. De Donno, der 1920 in Maglie geboren ist:
„Lu Eccellenza
Natu nu ssuntu cu llu signursì,
malavintura mea! Scrittu a ccuscenza
e ccu llu sciummu de la riverenza
a lla spina deretu. Decusì
piacire nu lli pozzu a llu Ccellenza
ca lu nchinu li sale lipperlì,
pe stṛappina de fezzi e scintillì,
de nfunnu a lla memoria senza ppenza.
Li bbasta ssente ndoru de quatrinu,
li bbasta superiore d`acquasanta
cu sse cummove de intṛa llu ntistinụ
dichìḍḍicu de sciummu e llu taranta.
E ccomu vite ca jeu nu mme nchinu,
me sguarda ca me fùrmina e mme schianta.”140
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die sprachliche Heterogenität Italiens ein und erläutert die Relevanz der Dialektforschung unter Berücksichtigung historischer und politischer Faktoren, mit Fokus auf die Region Apulien.
2. Italien als Dialektlandschaft: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Abgrenzung zwischen Sprache und Dialekt und beschreibt die Entstehung der italienischen Dialekte durch Vulgärlatein sowie den Einfluss vorrömischer Substrate.
3. Die Dialektlandschaft Apuliens: Dieser Abschnitt bietet einen geschichtlichen Abriss der Region Apulien und analysiert die dialektale Gliederung sowie sprachliche Merkmale anhand von literarischen Textbeispielen.
4. Ausblick: Der Ausblick resümiert die dialektale Situation in Italien und Apulien und diskutiert den gegenwärtigen Sprachgebrauch zwischen Dialekt und Standarditalienisch im Alltag.
Schlüsselwörter
Dialektlandschaft, Apulien, Vulgärlatein, Sprachgeschichte, Isoglossen, Metaphonie, Substrat, Superstrat, Salento, Mundart, Linguistik, Phonetik, Sprachkontakt, Standarditalienisch, Dialektologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sprachliche Vielfalt Italiens mit einem spezifischen Fokus auf die dialektale Gliederung und die historische Entwicklung der Mundarten in der Region Apulien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Sprache und Dialekt, die Herausbildung der italienischen Dialekte durch lateinische Ursprünge und Substrateinflüsse sowie die regionale Spezifik apulischer Dialekte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines linguistischen Profils der Region Apulien, um die sprachlichen Charakteristika der lokalen Mundarten und deren historische Herleitung verständlich darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse historischer, morphologischer und phonetischer Daten, gestützt auf die Auswertung von Sprachatlanten und literarischen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine theoretische Beschreibung der italienischen Dialektlandschaft und eine detaillierte Untersuchung der apulischen und salentinischen Mundarten inklusive Textanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dialektlandschaft, Apulien, Vulgärlatein, Metaphonie, Substrat, Salento und Sprachkontakt.
Wie unterscheidet sich das Salentinische vom Apulischen?
Ein wesentlicher Unterschied ist die Assimilation von Konsonantenverbindungen und das Vokalsystem; zudem spielen im Salentinischen griechische Einflüsse aufgrund historischer Gegebenheiten eine besondere Rolle.
Welche Rolle spielt das Griechische in Apulien?
Das Griechische wirkte in der Region, besonders im Salento, als Substrat- und Superstratsprache und hinterließ bis heute prägende Einflüsse in der Lexik und in morphosyntaktischen Strukturen.
- Arbeit zitieren
- Milena Gutsch (Autor:in), 2011, Ein linguistisches Profil der Region Apulien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187610