Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Der Ausspruch ist den meisten Menschen in dieser oder einer ähnlichen Form weitgehend bekannt und findet in einer aufgeklärten Gesellschaft wohl ohne große Widerworte Akzeptanz. Das subjektive Empfinden von Schönheit oder Hässlichkeit ist ebenso unumstritten wie der subjektive Ansatz in der gegenwärtigen psychologischen Wissenschaft im Problembereich der Stressforschung.
Stress wird von jeder Person unterschiedlich wahrgenommen, weshalb jeder Mensch anders auf Stress reagiert und diesen zu bewältigen versucht. Dieser hervorgebrachte Ansatz mag in seiner oberflächlichen Formulierung und nach dem heutigen Erkenntnisstand der Psychologie trivial erscheinen, wurde jedoch nicht seit jeher vertreten. Der Pionier auf dem Feld der psychologischen Stressforschung, der sich erstmalig auf das Individuum konzentrierte, war Richard Stanley Lazarus. Das von ihm entwickelte „transaktionale Stressmodell“ revolutionierte die Forschung der Stresssituationen und leitete die so genannte kognitive Wende ein.
Der nachfolgende Essay wird zunächst einen biografischen Abriss über den Psychologen Lazarus offerieren um anschließend auf das von ihm entwickelte Stressmodell Bezug nehmen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur Person: Richard Stanley Lazarus
3 Historischer Hintergrund der psychologischen Stressforschung
4 Das transaktionale Stressmodell
4.1 Bewertungsprozesse
4.2 Experiment über interindividuelle Reizbewertungen und deren Konsequenzen anhand eines Filmes über Beschneidungsrituale
4.2 Bewältigungsprozesse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das von Richard Stanley Lazarus entwickelte transaktionale Stressmodell detailliert vorzustellen und dessen Bedeutung für die psychologische Stressforschung aufzuzeigen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie kognitive Bewertungsprozesse und individuelle Bewältigungsstrategien maßgeblich dazu beitragen, ob eine Situation als stressend wahrgenommen wird.
- Biografischer Abriss zu Richard Stanley Lazarus
- Historische Entwicklung der Stressforschung von der militärischen Anwendung bis hin zum kognitiven Ansatz
- Erläuterung der Phasen des transaktionalen Stressmodells (Bewertung und Bewältigung)
- Empirische Fundierung durch klassische Experimente (z.B. Kastrationsfilm-Studie)
- Differenzierung zwischen primärer, sekundärer Bewertung und Neubewertung
Auszug aus dem Buch
4.1 Bewertungsprozesse
Das transaktionale Stressmodell wurde von Lazarus in den sechziger Jahren entwickelt und stellt auf Grundlage seiner Experimente an Studierenden eine modellhafte Erklärung für das Zustandekommen von Stressreaktionen dar. In den nachfolgenden Jahrzehnten kam es häufig zur Überarbeitung des Modells, das schließlich zu Beginn der neunziger Jahre in der Entwicklung einer kognitiven Emotionstheorie mündete.
Im vorangegangen Kapitel wurde zunächst herausgearbeitet, dass eine Stresssituation nicht allein von dem Stressreiz, sondern darüber hinaus von der Person, welche dem Stressreiz ausgesetzt wird, abhängig ist. Stress entsteht demzufolge durch die wechselseitige Beziehung einer sich verändernden Situation mit einer denkenden, fühlenden und handelnden Person. Stress ist demnach erst dann gegeben, wenn die betroffene Person die vorliegende Situation als stressend bewertet. Diese dynamische Wechselwirkung zwischen Situation und Person wird Transaktion bezeichnet.
Die nachfolgenden Erläuterungen sollen nun klären, welche kognitiven Prozesse in der betroffenen Person ablaufen, dass eine Situation als Stress empfunden wird und wie die Person versucht jene Situation zu bewältigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die subjektive Natur des Stressempfindens ein und stellt Richard Stanley Lazarus als Pionier der kognitiven Stressforschung vor.
2 Zur Person: Richard Stanley Lazarus: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Überblick über das Leben und die akademische Laufbahn von Richard Stanley Lazarus.
3 Historischer Hintergrund der psychologischen Stressforschung: Das Kapitel beschreibt den Übergang von behavioristischen Stresskonzepten zu Lazarus' kognitivem Ansatz, basierend auf frühen Experimenten zur Reizbewertung.
4 Das transaktionale Stressmodell: Dieses zentrale Kapitel erläutert die verschiedenen Phasen der Bewertung (primär, sekundär, Neubewertung) sowie die Rolle von Bewältigungsprozessen (Coping) bei der Stressverarbeitung.
5 Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Bedeutung des Modells für das Verständnis der Eigenständigkeit des Individuums im Umgang mit stressreichen Umweltsituationen.
Schlüsselwörter
Richard Stanley Lazarus, Transaktionales Stressmodell, Stressforschung, Kognitive Wende, Bewertungsprozesse, Primary Appraisal, Secondary Appraisal, Coping, Bewältigungsstrategien, Neubewertung, Stressreaktion, Psychologie, Reizbewertung, Emotionstheorie, Stressbelastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Bewältigung von Stress aus der Sicht des Psychologen Richard Stanley Lazarus und seinem transaktionalen Stressmodell.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Stressforschung, die Bedeutung der kognitiven Bewertung einer Situation und die verschiedenen Mechanismen des Copings.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Paradigmenwechsel durch Lazarus aufzuzeigen, der Stress als dynamische Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt definierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Herleitung verwendet?
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Analyse psychologischer Fachliteratur und der Darstellung klassischer empirischer Experimente, wie der Untersuchung interindividueller Reizbewertungen mittels Filmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Bewertungsprozesse (primär, sekundär, Neubewertung) und die anschließende Analyse der Bewältigungsstrategien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Transaktionales Stressmodell, Kognitive Bewertung, Coping und Dynamische Person-Umwelt-Interaktion.
Wie unterscheidet sich die primäre von der sekundären Bewertung?
Bei der primären Bewertung geht es um die Einschätzung der Situation als stressrelevant, während die sekundäre Bewertung die Prüfung der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten umfasst.
Was zeigt das Experiment mit dem Film über Beschneidungsrituale?
Das Experiment belegt, dass die Bewertung der Bedrohlichkeit eines Reizes durch äußere Kommentare beeinflusst werden kann und somit maßgeblich die physiologische Stressreaktion steuert.
Was ist mit dem Begriff „Neubewertung“ gemeint?
Die Neubewertung beschreibt einen Prozess, bei dem eine Person aufgrund neuer Informationen oder Erfahrungen ihre Einschätzung einer Situation revidiert.
Wie definiert Lazarus den Begriff des „Coping“?
Coping bezeichnet alle Anstrengungen einer Person, mit einer stressrelevanten Situation fertig zu werden, um das eigene Wohlbefinden wiederherzustellen.
- Quote paper
- Tobias Knecht (Author), 2011, Das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187558