Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.
Heraklit
Schon Heraklit hatte dieses Einsehen, was im Laufe von nahezu zweieinhalb tausend Jahren wieder verloren gegangen sein muss. Die Kritik an der deutschen Bildungspolitik ist laut und harsch zugleich. Geschossen wird dabei mit allerlei Argumenten aus den unterschiedlichsten Reihen. Zu starr und unflexibel seien die gegenwärtigen Strukturen. Zu segregativ und selektiv in viel zu jungen Jahren der Schülerschaft. Nicht integrativ und sowieso schon mal gar nicht fördernd (vgl. SpiegelOnline, 2007).
Richtig „angefeuert“ wurden diese ständigen Debatten durch den ersten PISA-Test im Jahre 2000. Das Land der „Dichter und Denker“ wurde degradiert und deplatziert. Die OECD hat, nach eigenen Maßstäben, bisher nicht erkannte schwer wiegende Diskrepanzen zu Tage gefördert und Nationen damit überrascht, erfreut und erschreckt.
Von diesem Zeitpunkt an, wurde fast buchstäblich der Begriff der Bildung neu gedacht. Viele Länder haben es sich seit 2000 zur Aufgabe gemacht, ihre Bildungssysteme zu reformieren und den sich verändernden Voraussetzungen einer stetig globaleren Weltgemeinschaft anzupassen.
Dabei war eine Variable von vornherein als gesetzt zu betrachten, nämlich die des Bildungsbegriffes. Fraglich bleibt ob man unter Bildung in England, Deutschland, den USA, Japan, China, Südafrika, Brasilien und viele andere Staaten, das gleiche versteht. Zudem ist ein weiterer fragwürdiger Gedanke, wie die OECD diesen Terminus näher bestimmt. Denn erst auf Grundlage einer deckungsgleichen Begrifflichkeit, kann und sollte ein adäquater Vergleich stattfinden. Bei den unzähligen Projekten, die sich innerhalb der OECD mit dem Thema Bildung beschäftigen, ist es umso interessanter, ob eben diese wenigstens das gleiche (Gesamt-)Ziel verfolgen.
In der vorliegenden Arbeit soll es genau darum gehen. Der Bildungsbegriff im Allgemeinen, spezieller auf Deutschland bezogen, und der von der OECD sollen betrachtet werden, nachdem im ersten Teil ein kurzer Abriss über die OECD und ihre Beschäftigung im Bildungssektor dargestellt wurde. Im sich anschließenden Teil sollen dann vier Instrumente (Erhebungen) näher vorgestellt werden, um im letzten Teil ein Resümee zu ziehen, ob sich eine Verbindung zwischen den beiden Bildungsbegriffen finden lässt und wenn ja, wie sie aussieht. Doch zunächst soll wie angesprochen, die OECD näher vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer ist die OECD?
2.1 Allgemein
2.2 Bildungsebene
3. Bildungsbegriff
3.1 Allgemein
3.2 OECD
4. Konstrukte
4.1 PISA
4.1.1 Allgemeines
4.1.2 Ziele
4.1.3 Methoden
4.1.4 Ergebnisse
4.1.5 Ausblick
4.2 TALIS
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Ziele
4.2.3 Methoden
4.2.4 Ergebnisse
4.2.5 Ausblick
4.3 No more Failures. Ten Steps to Equity in Education
4.3.1 Allgemeines
4.3.2 Ziele
4.3.3 Methoden
4.3.4 Ergebnisse
4.4 Schooling for Tomorrow
4.4.1 Allgemeines
4.4.2 Ziele
4.4.3. Methoden
4.4.4 Ergebnisse
4.4.5 Ausblick
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den von der OECD geprägten Bildungsbegriff und analysiert, inwieweit dieser mit dem allgemeinen deutschen Bildungsbegriff korreliert. Dabei wird der instrumentelle Diskurs der Organisation im Bildungssektor kritisch hinterfragt, wobei insbesondere die ökonomische Ausrichtung der OECD-Bildungspolitik und deren Fokus auf Humankapitalbildung im Zentrum steht.
- Analyse des offiziellen OECD-Bildungsbegriffs und dessen ökonomische Pragmatik.
- Untersuchung von PISA und TALIS als internationale Messinstrumente zur Qualitätssicherung.
- Bewertung von Projekten zur Bildungsgerechtigkeit wie "No more Failures".
- Diskussion von Zukunftsszenarien im Rahmen von "Schooling for Tomorrow".
- Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen Bildungsanspruch und wirtschaftlicher Zweckgebundenheit.
Auszug aus dem Buch
3.2 OECD
Bildungskreativität statt funktionaler Kompetenz und statisch reproduziertem Wissen, ist die Devise und Forderung der OECD. Die Effektivität wird der Sache dabei nicht abgesprochen, doch die Methode wird in Frage gestellt. Verstaubte und antiquirte Curricula müssen entsorgt und Platz geschaffen werden für Bildungsstandards. Es geht nicht darum vom Regen in die Traufe zu laufen, sondern einen Maßstab zu errichten, der Auskunft darüber gibt was gute Leistung ausmacht. Das was soll vorgegeben werden, doch das wie wird aufgebrochen.
Die Lehrer sind in ihren Entscheidungen frei und fern von knebelartigen Vorgehensweisen. Es obliegt ihnen einen Unterricht zu gestalten der individuell auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt und zudem auch noch kreativ, ansprechend und bereichernd ist. Klingt nach einer schier unlösbaren Aufgabe und das ist sie auch, wenn man die besagten restriktiven Curricula zu Grunde legt. Im Zuge der freien Gestaltbarkeit soll auch der Lehrer zum Spaß an seinem Beruf zurückfinden, um die steigenden Zahlen des Burn-Out-Syndrom zu unterbinden.
Schüler, ganz gleich mit welchen Defiziten, müssen aktiv in den Unterricht eingebunden werden, für ein partizipatives Lernen. Jeder Teil der Gemeinschaft, in diesem Fall Klasse, trägt zur Zielerreichung bei. Individualität ist das Stichwort was überall auftaucht. Der Mensch muss wieder als Individuum betrachtet werden, als etwas Einzigartiges, das gilt für Lehrer und Schüler gleichermaßen und weg von der Subsumierung unter dem ökonomischen Aspekt. So lässt sich die Haltung der OECD zum Thema Bildung wohl am besten mit einem Individualisierten Bildungsbegriff beschreiben (vgl. reticon, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik am deutschen Bildungssystem, die durch die PISA-Tests forciert wurde, und stellt die Forschungsfrage nach dem Bildungsbegriff der OECD.
2. Wer ist die OECD?: Dieses Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Entstehung der Organisation aus der OEEC und beschreibt ihre heutige Rolle und Themengruppen.
3. Bildungsbegriff: Hier wird der theoretische Bildungsbegriff in Deutschland der OECD-Perspektive gegenübergestellt, wobei die Spannung zwischen ganzheitlicher Bildung und ökonomischem Pragmatismus deutlich wird.
4. Konstrukte: Der Hauptteil analysiert detailliert vier OECD-Projekte (PISA, TALIS, No more Failures, Schooling for Tomorrow) hinsichtlich ihrer Ziele, Methoden und Ergebnisse.
5. Schlussbetrachtungen: Das Fazit stellt fest, dass alle analysierten OECD-Projekte letztlich auf eine ökonomische Verwertbarkeit von Bildung und die Anhäufung von Humankapital abzielen.
Schlüsselwörter
OECD, Bildung, Bildungsbegriff, PISA, TALIS, Humankapital, Bildungsökonomie, Schulleistung, Bildungsgerechtigkeit, Pragmatismus, Kompetenzerwerb, Qualitätssicherung, Schulentwicklung, Schulversager, Bildungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht den instrumentellen Diskurs des Bildungsbegriffs der OECD und prüft, inwieweit dieser die bildungspolitischen Ansätze der Organisation in den untersuchten Projekten bestimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung des Bildungsbegriffs, die Analyse von internationalen Bildungsstudien sowie die Strategien der OECD zur Steigerung von Bildungsgerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit von Schulsystemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob es eine konsistente Verbindung zwischen dem OECD-Bildungsbegriff und den in den Projekten angewandten Zielen gibt oder ob ein Widerspruch zwischen Anspruch und ökonomischem Pragmatismus existiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Darstellung von ausgewählten Projekten und Erhebungen der OECD im Bildungsbereich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier spezifische Konstrukte der OECD – PISA, TALIS, "No more Failures" und "Schooling for Tomorrow" – jeweils in Bezug auf Allgemeines, Ziele, Methoden und Ergebnisse vorgestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie OECD, Bildungsbegriff, Humankapital, Bildungsgerechtigkeit und internationale Leistungsvergleiche charakterisieren.
Wie unterscheidet sich der OECD-Bildungsbegriff vom allgemeinen deutschen Verständnis?
Während der deutsche Bildungsbegriff stärker auf die Dimension der menschlichen Entfaltung und Individualität zielt, ist der OECD-Begriff primär durch einen rigiden Pragmatismus zur Anhäufung von Humankapital und wirtschaftlicher Verwertbarkeit geprägt.
Was ist das wesentliche Ergebnis bezüglich der Projekte PISA und TALIS?
Die Projekte sind grundsätzlich darauf ausgelegt, Schwächen und Probleme in Schulsystemen unmittelbar zu identifizieren, um darauf basierend datengestützte Optimierungen zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Tobias Engfer (Autor:in), Christiane Grunewald (Autor:in), 2011, Bildung und OECD, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184990