Familien als Zielgruppe von Pflege zu erkennen und diese auf systemischem und relationalem Wege in die Gesundheitsversorgung mit einzubeziehen, findet sich im angloamerikanischen Raum in der Literatur seit den 70er Jahren und werden dort, je nach Kontext der Pflegepraxis, unter den Synonymen Family Nursing, Family Systems Nursing, Family Health Care Nursing, Family focused practice, Family centered practice und Family Health Nursing verwandt.
Der Begriff Family (Systems) Nursing wurde maßgeblich durch die beiden kanadischen Pflegewissenschaftlerinnen Lorraine Wright und Maureen Leahey geprägt. Deren theoretisches Gerüst von Family (Systems) Nursing, welches zum Zweck der Unterstützung von Familien mit Gesundheitsproblemen entwickelt wurde und von Wright, Watson und Bell durch das Illness Beliefs Modell (IBM) und das Trinity Modell (TM) erweitert wurde, betrachtet die Familieneinheit und nicht das Individuum als Bezugspunkt von Pflege und basiert auf Ansätzen der Familienforschung und Familientherapie.
In verschiedensten Studien, die meist an der Family Nursing Unit (FNU) an der Calgary Universität durchgeführt wurden, zeigt sich der Nutzen in der Anwendung dieser Modelle.
Eine Vielzahl von Fakultäten und Pflegeschulen in Canada, Nordamerika, Australien, Schweden, Dänemark, Finnland, Island, England, Schottland, Neuseeland, der Schweiz, Spanien, Portugal, Japan, Korea, Thailand, China, Taiwan, Nigeria, Brasilien und Chile haben diese systemischen Modelle aufgrund ihrer Bewährtheit in der Praxis übernommen und implementiert.
Diese Literaturarbeit stellt die Entwicklung von Family (Systems) Nursing dar. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung von Family (Systems) Nursing und dessen mögliche Anwendungsbereiche in der pflegerischen Praxis.
Folgende Frage leitet die Bearbeitung der Arbeit: Welcher Nutzen zeigt sich in der Anwendung von Family (Systems) Nursing in der pflegerischen Praxis?
Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der Methodenwahl. Im darauffolgenden Teil werden die unterschiedlichen Ebenen von Family (Systems) Nursing erklärt. Der gemeinsame konzeptionelle Rahmen wird erläutert. Im Anschluss daran erfolgt die Beschreibung und Darstellung von Family Nursing mit den Calgary Modellen als Instrumente der generalisierten Pflegepraxis sowie deren Anwendungsbereiche. Darauf folgen die spezialisierte Pflegepraxis und ebenfalls deren Anwendungsbereiche. Ergebnisse und Diskussion bilden den Abschluss
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodenwahl
3. Family (Systems) Nursing: Definition, Ebenen und Unterschiede
3.1. Der gemeinsame konzeptionelle Rahmen von Family (Systems) Nursing
3.1.1. Allgemeine Systemtheorie
3.1.2. Kybernetik
3.1.3. Kommunikationswissenschaft
3.1.4. Veränderungstheorie
3.1.5. Biologische Erkenntnistheorie
3.1.6. Postmoderne
3.2. Family Nursing – Calgary Modelle als Instrumente der generalistischen Praxis
3.2.1. Das Calgary Familien-Assessment-Modell (CFAM)
3.2.1.1. Die strukturale Einschätzung
3.2.1.2. Die Einschätzung der Entwicklung
3.2.1.3. Die funktionale Einschätzung
3.2.1.4. Indikatoren und Kontraindikatoren zur Nutzung des Modells
3.2.2. Das Calgary Familien-Interventions-Modell (CFIM)
3.2.2.1. Interventionsorientierte Fragen
3.2.2.2. Interventionen zur Veränderung im kognitiven Bereich
3.2.2.3. Interventionen zur Veränderung im affektiven Bereich
3.2.2.4. Interventionen zur Veränderung im verhaltensbezogenen Bereich
3.2.3. Anwendungsbereiche von Family Nursing (FN)
3.3. Family Systems Nursing als Advanced Nursing Practice
3.3.1. Das Illness Beliefs Modell (IBM)
3.3.2. Das Trinity Modell (TM)
3.3.3. Anwendungsbereiche von Family Systems Nursing (FSN)
4. Ergebnis
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das systemische Pflegekonzept "Family (Systems) Nursing". Ziel ist es, die Entwicklung der Modelle darzustellen und der Frage nachzugehen, welchen konkreten Nutzen diese Ansätze in der pflegerischen Praxis bei der Versorgung von Familien mit gesundheitlichen Herausforderungen bieten.
- Theoretische Grundlagen des Family (Systems) Nursing (Systemtheorie, Kybernetik, etc.)
- Einführung und Analyse des Calgary Familien-Assessment-Modells (CFAM)
- Einführung und Analyse des Calgary Familien-Interventions-Modells (CFIM)
- Spezialisierte Pflegepraxis durch das Illness Beliefs Modell (IBM) und das Trinity Modell (TM)
- Anwendungsbereiche in der klinischen Pflegepraxis und deren therapeutischer Nutzen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Das Calgary Familien-Assessment-Modell (CFAM)
Das Calgary Familien-Assessment Modell (CFAM) ist ein multidimensionales und strukturgebendes Konzept, dass die Hauptkategorien Struktur, Entwicklung und Funktion beinhaltet. Mit Hilfe dieser Kategorien können Pflegende eine grobe Einschätzung der Probleme, aber auch Stärken einer Familie vornehmen. Jede dieser Kategorien teilt sich wiederum in verschiedene Subkategorien. Pflegende, die mit diesem Beurteilungsmodell arbeitet, müssen entscheiden, welche der Subkategorien geeignet und relevant erscheint, um zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Familie untersuchen und einschätzen zu können. Dies kann auch bedeuten, dass verschiedene Subkategorien nicht bei der ersten Begegnung abgefragt werden, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt, manche hingegen nie. Pflegende sollten sich auch die Frage stellen, welche Intention hinter der Einsetzung des CFAM steht, bspw. ob das Beurteilungsmodell als Familien-Assessment oder als Konzept zur Erstellung einer Struktur in der klinischen Arbeit genutzt werden soll, um einer Familie bei der Bewältigung eines gesundheitlichen Problems zu helfen. Beim Familien-Assessment werden allen Familienmitgliedern Fragen zu ihrer jetzigen Situation gestellt, um so eine Momentaufnahme der Struktur, Entwicklung und der Funktion der Familie zu bekommen. Das CFAM dient somit der Entwicklung von Interventionen zur Lösung von gesundheitlichen Problemen in einer bestimmten Familie und um die Funktionsfähigkeit der Familie zu stärken. (Wright & Leahey 2009, S. 69-71).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung und die Bedeutung des Family (Systems) Nursing als systemischen Pflegeansatz ein und definiert die zentrale Forschungsfrage.
2. Methodenwahl: Dieses Kapitel erläutert die systematische Literaturrecherche in medizinischen und pflegewissenschaftlichen Datenbanken sowie die ergänzende Handsuche.
3. Family (Systems) Nursing: Definition, Ebenen und Unterschiede: Dieser umfangreiche Hauptteil differenziert zwischen Family Nursing und Family Systems Nursing und arbeitet die theoretischen Fundamente sowie die spezifischen Calgary- und Advanced-Practice-Modelle detailliert aus.
4. Ergebnis: Das Ergebniskapitel wertet die Anwendungsmöglichkeiten und den Nutzen der vorgestellten Modelle für verschiedene Patientengruppen und pflegerische Kontexte aus.
5. Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse kritisch, thematisiert institutionelle Voraussetzungen für die Implementierung und identifiziert den Bedarf an weiterführender Forschung.
Schlüsselwörter
Family Nursing, Family Systems Nursing, Calgary Familien-Assessment-Modell, CFAM, CFIM, Systemtheorie, Kybernetik, Illness Beliefs Modell, Trinity Modell, Pflegepraxis, Familienzentrierte Pflege, Gesundheitsversorgung, Advanced Nursing Practice, Krankheitsbewältigung, Familieninteraktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und dem praktischen Nutzen des systemischen Pflegeansatzes "Family (Systems) Nursing".
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die systemtheoretischen Grundlagen, die Calgary-Modelle (CFAM/CFIM) für die generalistische Pflege sowie weiterführende spezialisierte Modelle für die Advanced Nursing Practice.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den konkreten Nutzen der Anwendung von Family (Systems) Nursing in der pflegerischen Praxis darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche in Datenbanken wie CINAHL, MEDLINE und Science Direct durchgeführt, ergänzt durch eine Handsuche in Fachzeitschriften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Konzepte, die detaillierte Vorstellung der Assessment- und Interventionsinstrumente sowie die Anwendungsbereiche in verschiedenen klinischen Settings.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Family Systems Nursing, systemische Pflege, Krankheitsbewältigung, Familienassessment, therapeutische Konversation und Advanced Nursing Practice.
Wie unterscheidet sich Family Nursing von Family Systems Nursing?
Family Nursing fokussiert entweder auf das Individuum im Kontext der Familie oder die Familie im Kontext des Individuums, während Family Systems Nursing die Familie als einheitliches Gesamtsystem betrachtet.
Welche Rolle spielen "therapeutische Briefe" und "One Question Questions"?
Diese Instrumente werden spezifisch im Illness Beliefs Modell eingesetzt, um Überzeugungen im Heilungsprozess zu reflektieren und alternative Sichtweisen zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Gabriele Weydert-Bales (Autor:in), 2011, Family (Systems) Nursing: Anwendungsbereiche und dessen Nutzen in der Pflegepraxis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184863