Schroer schreibt im Zuge der Globalisierung dem Internet eine Schlüsselrolle zu, da es die Möglichkeit eröffnet unabhängig von „geographischen, politischen und kulturellen Grenzen an jedem beliebigen Ort zu jeden Zeitpunkt“ (Schroer 2003, S.217) Informationen zu vermitteln und zu empfangen. Dadurch werden die Grenzen des Geschlechts, Alters und der eigenen Identität überwunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretische Einordnung
1.1 Globalisierung und die Rolle des Internets
1.2 Die Entgrenzung der Gesellschaft und das Cyberspace
2. Metaphern des Cyberspace
2.1 „Datenautobahn“
2.2 „Global Village“
2.3 „Digitale Stadt“
2.4 „Datenmeer“ und „Surfen“
3. Räumliche Dimensionen und Barrieren
3.1 Relationales Raumverständnis
3.2 Bilokalität und Zugangsbeschränkungen
3.3 Gated Communities und no-go-areas
4. Rituelle Strukturen im virtuellen Raum
4.1 Arnold van Gennep: Trennungs-, Schwellen- und Angliederungsriten
5. Soziale Implikationen und hybride Räume
5.1 Ausschlussmechanismen und digitale Ungleichheit
5.2 Wechselwirkungen zwischen Realem und Virtuellem
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation von Raumgrenzen im Kontext des Internets, indem sie die von Markus Schroer analysierten Konzepte der Entgrenzung, der virtuellen Raumproduktion und der damit einhergehenden sozialen Ausschlussprozesse kritisch hinterfragt.
- Interaktion zwischen realen und virtuellen Raumkonzepten
- Kritische Dekonstruktion gängiger Cyberspace-Metaphern
- Analyse von Ausschlussmechanismen wie "Gated Communities" und "no-go-areas"
- Anwendung ritueller Strukturen auf den Zugang zum virtuellen Raum
- Sozio-ökonomische Auswirkungen der digitalen Kluft und der "Bandbreiten-Benachteiligung"
Auszug aus dem Buch
Raumgrenzen in Bewegung - Zur Interpretation realer und virtueller Räume
Alle drei Metaphern sind raumorientiert, welche im Sinne des Cyberspace nicht zutreffend erscheinen. Schroer betont, dass es zu einem relationalen Raumverständnis gekommen ist. Viel entscheidender ist seines Erachtens jedoch die Frage, ob es sich beim Cyberspace überhaupt um einen Raum handelt. Weitere metaphern, die er ergründet sind die des „Datenmeers“ und des „Surfens“. Die Metapher des Meeres wird auch mit dem Möglichkeitsraum verknüpft. Das Meer als Metapher impliziert eine Welt ohne Zugangsbeschränkungen und außerhalb staatlicher Aktivitäten. Diesem „Raum der Freiheit“ steht der „Raum der Macht“ gegenüber. Laut Vinillio resultiert der Aufbau des elektronischen Raums „aus einer Krise des realen Raums“ (in Schroer 2003, S.226). Das Besondere am Cyberspace ist die „Bilokalität“, welche damit zu erklären ist, dass der User des Internets durch das Cyberspace an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Dieser grenzenlose Raum des Cyberspace ist jedoch nicht so grenzenlos, wie es scheint. Es sind „Gated Communities“ und „no-go-areas“ entstanden, die Passwörter, Eintrittsgebühren und Filtersoftwares verlangen. Daten und Räume können mit Hilfe von Firewalls und Intranet geschützt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und theoretische Einordnung: Dieses Kapitel verortet das Internet im globalen Kontext und thematisiert die theoretische Neudefinition von Identität und Grenze durch das Cyberspace.
2. Metaphern des Cyberspace: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten wie die „Datenautobahn“ oder das „Global Village“ analysiert, um zu verstehen, wie mediale und politische Akteure das Internet konzeptualisieren.
3. Räumliche Dimensionen und Barrieren: Das Kapitel diskutiert das relationale Raumverständnis und die Entstehung von Exklusionsräumen wie „Gated Communities“ im vermeintlich grenzenlosen Netz.
4. Rituelle Strukturen im virtuellen Raum: Unter Heranziehung von Arnold van Gennep wird untersucht, inwieweit Übergangsriten beim Betreten des virtuellen Raumes stattfinden oder durch den Zeitmangel im Netz ersetzt werden.
5. Soziale Implikationen und hybride Räume: Abschließend werden die Auswirkungen auf gesellschaftliche Randgruppen beleuchtet und die gegenseitige Beeinflussung von realem und virtuellem Raum als hybride Konstruktion aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Cyberspace, Raumgrenzen, Globalisierung, Virtueller Raum, Bilokalität, Entgrenzung, Soziale Exklusion, Datenautobahn, Gated Communities, Hybride Räume, Digitale Kluft, Internetsoziologie, Relationales Raumverständnis, Kommunikationstechnik, Netzgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziologische Bedeutung des Internets und wie dieses die Wahrnehmung von realen und virtuellen Grenzen verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Dekonstruktion von Cyberspace-Metaphern, räumliche Exklusion, soziale Ungleichheit im Netz und die Theorie der Bilokalität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der utopischen Vorstellung eines grenzenlosen Raumes und der tatsächlichen Einschränkung durch soziale und technische Barrieren aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Exzerpt-gestützten Auswertung soziologischer Fachliteratur, primär basierend auf den Schriften von Markus Schroer.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse von Raummetaphern, der Anwendung ritueller Kategorien nach van Gennep auf das Internet und der sozio-ökonomischen Differenzierung der Nutzer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Cyberspace, Entgrenzung, soziale Exklusion, hybride Räume und Bilokalität definieren.
Was versteht man im Kontext der Arbeit unter „Bilokalität“?
Bilokalität beschreibt die Fähigkeit des Nutzers, durch das Internet an zwei Orten – dem physischen und dem virtuellen – gleichzeitig präsent zu sein.
Welche Bedeutung haben „Gated Communities“ im digitalen Raum?
Sie repräsentieren Bereiche des Internets, die durch Passwörter oder Gebühren für die Allgemeinheit unzugänglich gemacht wurden, wodurch die Idee des freien Wissensaustauschs eingeschränkt wird.
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- Joana Lissmann (Author), 2009, „Raumgrenzen in Bewegung - Zur Interpretation realer und virtueller Räume“ von Markus Schroer, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184817