In dieser Arbeit werden zunächst die Gründe aufgeführt, die für ein frühes Fremdsprachenlernen sprechen. Der darauffolgende Überblick über die historische Entwicklung des frühen Fremdsprachenunterrichts soll verständlich machen, welche
politischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu dessen Etablierung geführt haben und welche didaktischen Konzepte diskutiert worden sind, bevor der Fremdsprachenunterricht in den deutschen Grundschulen flächendeckend und verbindlich eingeführt wurde. Nachdem die grundlegenden fremdsprachendidaktischen Prinzipien erläutert wurden, wird dargelegt, welche Ziele der Englischunterricht in der Grundschule verfolgt und an welchen Inhalten diese festgemacht werden können. Da eine umfassende Darstellung der didaktischen Möglichkeiten zur Gestaltung des Unterrichts den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, konzentriert sich diese auf die Methode des storytellings, welche meiner Ansicht nach mehrere zentrale Aspekte des Fremdsprachenlernens auf ideale Weise vereint. Den ausführlichen Erläuterungen zum gezielten Einsatz von authentischer Kinderliteratur im Englischunterricht der Grundschule folgt die Beschreibung einer praktischen Unterrichtseinheit, die die Möglichkeiten dieser Methode exemplarisch aufzeigen soll. Die Durchführung der Unterrichtsstunden erfolgte in einer bilingualen dritten Klasse der St.-Anna-Volksschule in Augsburg.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gründe für den Frühbeginn
2.1 Erkenntnisse aus der Spracherwerbsforschung
2.1.1 Zu den Begriffen Muttersprache, Zweitsprache und Fremdsprache
2.1.2 Spracherwerb und Sprachenlernen
2.1.3 Die Critical Period Hypothesis
2.2 Bildungspolitische Gründe
3 Die Entwicklung des frühen Fremdsprachenunterrichts
3.1 Anfänge in den 20er Jahren
3.2 Die erste Hochphase des Frühbeginns in den 60er und 70er Jahren
3.3 Neue Entwicklungen seit den 90er Jahren: „Lernen für Europa“
3.4 Didaktische Konzepte des Fremdsprachenunterrichts
3.4.1 Das Immersionskonzept
3.4.2 Begegnung mit Fremdsprachen
3.4.3 Das systematische Lehrgangskonzept
3.5 Die aktuelle Situation in Deutschland
4 Prinzipien eines grundschulgemäßen Fremdsprachenunterrichts
4.1 Kindorientierung
4.2 Handlungsorientierung
4.3 Authentizität
5 Inhalte und Ziele des frühen Fremdsprachenunterrichts
5.1 Sprachliche Fertigkeiten
5.1.1 Hörverstehen
5.1.2 Sprechen
5.1.3 Lesen und Schreiben
5.1.4 Language awareness
5.2 Cultural awareness
5.3 Affektive und motivationale Ziele
6 Storytelling
6.1 Die Bedeutung des storytellings für das frühe Fremdsprachenlernen
6.2 Kriterien zur Auswahl geeigneter Geschichten
6.3 Semantisierungshilfen
6.4 Techniken des storytellings
6.5 Phasen des storytellings
6.5.1 Die pre-storytelling-Phase
6.5.2 Die while-storytelling-Phase
6.5.3 Die post-storytelling-Phase
7 Praktische Unterrichtseinheit zum Thema storytelling
7.1 Schulprofil
7.2 Klassenprofil
7.3 Sachanalyse
7.4 Lehrplanbezug
7.5 Allgemeine didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
7.6 Didaktisch-methodische Überlegungen zu den einzelnen Unterrichtsstunden
7.6.1 Die erste Unterrichtsstunde: Vorentlastung
7.6.2 Die zweite Unterrichtsstunde: storytelling Teil 1
7.6.3 Die dritte Unterrichtsstunde: storytelling Teil 2
7.6.4 Die vierte Unterrichtsstunde: Ergebnissicherung
7.7 Reflexion der Unterrichtseinheit
7.7.1 Reflexion der ersten Unterrichtsstunde
7.7.2 Reflexion der zweiten Unterrichtsstunde
7.7.3 Reflexion der dritten Unterrichtsstunde
7.7.4 Reflexion der vierten Unterrichtsstunde
7.7.5 Auswertung der Feedbackbögen
7.7.6 Abschließende Reflexion der gesamten Unterrichtseinheit
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die didaktische Relevanz des frühen Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule und setzt den Schwerpunkt auf die Methode des Storytellings. Ziel ist es, durch die Analyse theoretischer Grundlagen und eine praktische Unterrichtseinheit aufzuzeigen, wie authentische Kinderliteratur erfolgreich zur Förderung sprachlicher, interkultureller und motivationaler Kompetenzen eingesetzt werden kann.
- Spracherwerbstheoretische Grundlagen des Frühbeginns.
- Entwicklung und didaktische Konzepte des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule.
- Prinzipien eines grundschulgemäßen Unterrichts (Kindorientierung, Handlungsorientierung, Authentizität).
- Die Methode des Storytellings: Potenziale und Phasenmodell.
- Exemplarische Durchführung und Reflexion einer Unterrichtseinheit mit einem englischen Bilderbuch.
Auszug aus dem Buch
6.2 Kriterien zur Auswahl geeigneter Geschichten
Bevor mit dem storytelling begonnen werden kann, müssen erst gewisse Bedingungen erfüllt sein und eine Reihe von Vorbereitungen getroffen werden. Der erste Schritt besteht darin, ein geeignetes Kinderbuch auszuwählen. Arbeitet man im Unterricht mit authentischer Literatur (was sich dringend empfiehlt), gestaltet sich die Suche nach einem passenden Buch nicht immer ganz unproblematisch, da häufig eine Diskrepanz zwischen dem Sprachniveau des Buchs und den alterspezifischen Interessen der Schüler besteht, denn die englischsprachige Literatur ist für diese sprachlich meist zu anspruchsvoll. Diese zwei Faktoren gilt es also bei der Wahl des Buchs in jedem Fall zu bedenken.
Länge und Sprachniveau der Geschichte sollten auf die Klasse abgestimmt sein, d. h. der Text sollte aus einfachen, kurzen Sätzen bestehen und eine angemessene Menge an unbekanntem Vokabular enthalten, das anhand des Kontextes erschlossen werden kann. Wiederholungen von Satzpattern sind für die Schüler ideal, da sie als Verständnisstütze dienen, zum Mitsprechen anregen und die Entschlüsselung von Satzstrukturen ermöglichen, was die Grundlage für die eigene Sprachproduktion liefert. Zudem wird durch wiederholende Muster auch die Anwendung von Hörverstehensstrategien erleichtert, da der weitere Handlungsverlauf besser vorhergesehen werden kann. Viele Kinderbücher, insbesondere Märchen, sind nach diesem Prinzip aufgebaut und eignen sich daher besonders gut für die Verwendung im Englischunterricht.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Auswahl geeigneter Literatur ist das Verhältnis von Bild und Text. Für das storytelling im Englischunterricht sind Bilderbücher ideal, bei denen die Illustrationen zum Text kongruent sind, d. h. den Handlungsverlauf in visueller Form wiedergeben und so die Schüler in ihrem Hörverstehensprozess unterstützen. Je präziser und detaillierter die Geschichte illustriert ist, desto anspruchsvoller kann der Text sprachlich gestaltet sein, da den Schülern durch die Abbildungen bereits der kontextuelle Rahmen vorgegeben wird, der ihnen dabei hilft, den Bedeutungsinhalt des Textes zu erschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung diskutiert die bildungspolitische Kontroverse um den frühen Fremdsprachenunterricht und begründet die Notwendigkeit einer fachdidaktischen Aufarbeitung.
2 Gründe für den Frühbeginn: Dieses Kapitel erläutert spracherwerbstheoretische und bildungspolitische Begründungen für einen frühen Beginn des Fremdsprachenlernens.
3 Die Entwicklung des frühen Fremdsprachenunterrichts: Ein historischer Abriss der Entwicklung in Deutschland, von den Anfängen in den 1920er Jahren bis zur heutigen Institutionalisierung.
4 Prinzipien eines grundschulgemäßen Fremdsprachenunterrichts: Vorstellung der zentralen Säulen Kindorientierung, Handlungsorientierung und Authentizität für den Unterricht in der Primarstufe.
5 Inhalte und Ziele des frühen Fremdsprachenunterrichts: Systematisierung der sprachlichen, kulturellen und affektiven Ziele, die den Englischunterricht in der Grundschule leiten.
6 Storytelling: Detaillierte Darstellung der Methode des Storytellings, ihrer Bedeutung für den Spracherwerb, Auswahlkriterien für Literatur und das dreiphasige Vorgehensmodell.
7 Praktische Unterrichtseinheit zum Thema storytelling: Beschreibung und Reflexion einer durchgeführten Unterrichtseinheit an der St.-Anna-Volksschule in Augsburg mit dem Bilderbuch "Room on the Broom".
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der praktischen Ergebnisse und Plädoyer für einen intensiveren fremdsprachlichen Input in der Grundschule.
Schlüsselwörter
Früher Fremdsprachenunterricht, Grundschule, Storytelling, Fremdsprachendidaktik, Sprachaneignung, Hörverstehen, Kindorientierung, Handlungsorientierung, Authentizität, Sprachbewusstsein, Interkulturelle Kompetenz, Sprachlernmotivation, Bilderbuch, Englischunterricht, Grundschulenglisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens und untersucht insbesondere, wie die Methode des Storytellings durch den Einsatz authentischer Kinderliteratur zur Gestaltung eines effektiven Englischunterrichts in der Grundschule beiträgt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zentrale Themen sind die spracherwerbstheoretischen Grundlagen des frühen Lernens, die historische Entwicklung der didaktischen Konzepte in Deutschland sowie die spezifischen Prinzipien, die einen kindgerechten Fremdsprachenunterricht ausmachen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die didaktische Eignung von Storytelling zu belegen und exemplarisch aufzuzeigen, wie Schüler durch den gezielten Einsatz von englischsprachigen Kinderbüchern ihre Hörverstehens- und Sprechkompetenzen sowie ihr interkulturelles Bewusstsein erweitern können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und einem handlungsorientierten, empirischen Ansatz in Form einer Fallstudie (Unterrichtseinheit), die sie kritisch reflektiert und auswertet.
Was umfasst der Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil erstreckt sich von der historischen Einordnung und den didaktischen Prinzipien über die Definition der Ziele bis hin zur detaillierten Dokumentation und Reflexion einer praktischen Unterrichtseinheit an einer Grundschule.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Storytelling", "Sprachaneignung", "Handlungsorientierung", "Frühbeginn" und "Sprachbewusstsein".
Warum wurde das Bilderbuch "Room on the Broom" für die Unterrichtseinheit gewählt?
Das Buch wurde ausgewählt, da es inhaltlich die Interessen der Altersstufe trifft, eine klare Text-Bild-Kongruenz aufweist, komplexe Sprachstrukturen in Rhythmus und Reimform bietet und somit sowohl leistungsstärkere als auch schwächere Schüler motiviert.
Welche Rolle spielt die "bilinguale Klasse" im praktischen Teil?
Die Klasse dient als Forschungsumfeld, um zu zeigen, dass auch Kinder in einer bilingualen Lernumgebung von einer gezielten didaktischen Aufarbeitung durch Storytelling profitieren und ihre Sprachkompetenz über das reguläre Maß hinaus festigen können.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des "Schriftbildes" im frühen Englischunterricht?
Die Autorin erkennt an, dass das Schriftbild als Gedächtnisstütze und zur Vermeidung fehlerhafter Eigenkreationen ("invented spelling") notwendig ist, betont jedoch eine progressive Heranführung, um nicht durch orthografische Diskrepanzen vom Primat des Mündlichen abzuweichen.
Was sind die zentralen Erkenntnisse aus der Reflexion?
Die Reflexion zeigt, dass das Storytelling die Schülermotivation massiv steigert, auch wenn organisatorische Aspekte (wie die Gruppeneinteilung oder die Komplexität der Aufgaben) einer stetigen Feinabstimmung bedürfen, um die Lernziele bestmöglich zu erreichen.
- Quote paper
- Simona Lau (Author), 2011, Die Bedeutung des frühen Fremdsprachenunterrichts und der Methode des storytellings in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184791