Das Skript dieses im Herbstsemester gehaltenen Vortrags im Rahmen der Ringvorlesung "Risiko - Vom Umgang mit dem Ungewissen" behandelt die Bedeutung der Versicherungswirtschat aus volkswirtschaftlicher und sozialpolitischer Sicht, gibt einen Ueberblick über den Stand von Erst- und Rückversicherung Ende 2010, zeichnet die Entstehung des modernen Versicherungswesens nach, beschäftigt sich ausführlich mit den Kriterien der Versicherbarkeit von Risiken und schliesst mit einem Ausblick über die Innovationsfähigkeit der Versicherungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Versicherungswirtschaft
Entwicklung der Versicherung
Die Versicherbarkeit von Risiko
Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Versicherungswirtschaft im Kontext der modernen "Risikogesellschaft", beleuchtet deren historische Entwicklung sowie die ökonomischen und mathematischen Kriterien der Versicherbarkeit von Risiken.
- Bedeutung der Privatassekuranz in der globalen Volkswirtschaft
- Historische Genese von Versicherungskonzepten
- Mathematische und marktbedingte Kriterien der Versicherbarkeit
- Grenzen privater Versicherungsmodelle bei neuartigen Risiken
- Das Verhältnis von privater Versicherung und staatlicher Intervention
Auszug aus dem Buch
Die Versicherbarkeit von Risiko
Wir sind damit bei der Versicherbarkeit von Risiko angelangt.
Wie wir gesehen haben, kann Versicherung wohlstandsfördernd wirken. Versicherung ist deshalb aus einer volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Perspektive wünschbar. Allerdings stellen sich für die private Assekuranz bei der Versicherbarkeit oft zwei Probleme: einerseits, geht man von einem alltagssprachlichen, breiten Risikobegriff aus, sind eigentlich nur sehr wenige Risiken versicherbar. Krieg, Hunger, der Klimawandel, aber auch private Katastrophen wie eine Ehescheidung – gegen diese Risiken gibt es heute keine Versicherung. Andererseits, rein mathematisch, wissenschaftlich und theoretisch wären eigentlich mehr Risiken versicherbar, als dann auch tatsächlich versichert werden. Die Versicherungsindustrie macht immer wieder die Erfahrung, dass Versicherung gegen bestimmte Risiken keinen Absatz findet. Ein gutes Beispiel dafür ist der Ausbruch des isländischen Vulkans Ejyafjallajökull. Wie Sie sich gewiss erinnern, beeinträchtigte dieser Ausbruch den Flugverkehr für mehrere Wochen, legte ihn zum Teil völlig lahm. Seitens der Airlines wurde schnell der Ruf nach Versicherungsdeckung für Betriebsausfälle in solchen Situationen laut. In der Tat boten die allerwenigsten Versicherer zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs Policen für solche Ereignisse an. Die deutsche Allianz warf aber nach wenigen Wochen ein Produkt auf den Markt. Sie blieb darauf sitzen. Zum einen war zu diesem Zeitpunkt der Flugbetrieb bereits wieder aufgenommen und die Kunden sahen offenbar die Gefahr, dass es demnächst wieder zu einem ähnlichen Ereignis kommen würde, als gering an. Zum anderen wurde das Produkt generell als zu teuer bemängelt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der "Risikogesellschaft" ein und veranschaulicht den Risikomanagement-Prozess sowie die gesellschaftliche Bedeutung des Umgangs mit dem Ungewissen.
Die Versicherungswirtschaft: Hier wird die Bedeutung der privaten Versicherungswirtschaft als Arbeitgeber, Investor und psychologischer Stabilitätsfaktor für die Volkswirtschaft analysiert.
Entwicklung der Versicherung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von solidarischen Risikogemeinschaften hin zur mathematisch fundierten, kommerziellen Versicherung im Industriezeitalter nach.
Die Versicherbarkeit von Risiko: Der Abschnitt erläutert die Kriterien, nach denen Risiken versicherbar sind, und diskutiert die Grenzen der privaten Assekuranz bei komplexen Gefahrenlagen.
Ausblick: Das Schlusskapitel reflektiert das Paradoxon der zunehmenden Sicherheit bei gleichzeitig steigender Furcht und die Herausforderungen für die Innovationsfähigkeit der Versicherungsbranche.
Schlüsselwörter
Risikogesellschaft, Versicherungswirtschaft, Privatassekuranz, Risikomanagement, Versicherbarkeit, Prämienvolumen, Versicherungsdichte, Rückversicherung, Katastrophenereignisse, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Moral Hazard, Assekuranz, Schadenspotenzial, Cyberrisiken, Obligatorium
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen der modernen Risikogesellschaft, in der alles als Risiko gemanagt wird, und der tatsächlichen Fähigkeit privater Versicherer, diese Risiken abzudecken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Bedeutung der Versicherungswirtschaft, der historischen Evolution des Versicherungsgedankens sowie der detaillierten Analyse der Kriterien für die Versicherbarkeit von Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, warum Versicherung wohlstandsfördernd ist, wo ihre ökonomischen Grenzen liegen und warum der Staat in bestimmten Fällen als Versicherer intervenieren muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen Vortrag, der soziologische Konzepte (z.B. Risikogesellschaft nach Ulrich Beck) mit ökonomischen Analysen und versicherungsmathematischen Kriterien verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Versicherungsmarktes, eine historische Herleitung der Assekuranz sowie eine tiefgehende Prüfung der Kriterien für die Versicherbarkeit, ergänzt um aktuelle Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Risikogesellschaft, Privatassekuranz, Versicherbarkeit, Prämienvolumen und das Verhältnis zwischen privater und staatlicher Risikoabsicherung.
Warum sind viele moderne Risiken wie der Klimawandel kaum privat versicherbar?
Da viele dieser Risiken nicht die mathematischen Kriterien wie statistische Messbarkeit, Unabhängigkeit der Schadensereignisse oder ein moderates Schadenpotenzial erfüllen, ist eine kommerzielle Kalkulation oft unmöglich.
Welche Rolle spielt der Staat im Versicherungssektor?
Der Staat agiert als Regulator, aber oft auch als Anbieter von Versicherungen (z.B. Arbeitslosenversicherung) oder als Rückgarant in Pool-Lösungen, wenn private Märkte aufgrund zu hoher Risiken oder zu geringer Nachfrage versagen.
Was ist das "moralische Risiko"?
Das moralische Risiko, auch "moral hazard" genannt, beschreibt die Gefahr, dass ein Versicherungsnehmer sein Verhalten leichtsinniger gestaltet, weil er durch die Versicherung finanziell gegen die Folgen abgesichert ist.
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- Dr. phil. hist. Rolf Tanner (Author), 2011, Risiko versichern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184766