Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit unterschiedlichen Aspekten der Prüfungs- und Beratungshonorare deutscher kapitalmarktorientierter Gesellschaften.
Die Honorare für die gesetzliche Abschlussprüfung sind aus der Sicht des Gesetzgebers ein Indikator für die Qualität der durchgeführten Prüfung. Ihre Höhe und ihre Struktur geben einen Hinweis darauf, ob der Abschlussprüfer die Grundsätze der Unbefangenheit und Unabhängigkeit (§ 43 Abs. 1 WPO) während der Prüfung befolgt hat.
Die Beurteilung der Angemessenheit der Prüfungs- und Beratungshonorare hat der Gesetzgeber in die Hände der Öffentlichkeit gelegt, indem er durch das Bilanzrechtsreformgesetz im Jahr 2004 die Pflicht zur Angabe der Honorare des Abschlussprüfers im Anhang für alle kapitalmarktorientierten Gesellschaften eingeführt hat. Das Bilanzrechtsmodernisie-rungsgesetz, welches am 01.01.2010 in Kraft getreten ist, hat diese Pflicht auf alle Kapitalgesellschaften erweitert.
Die gesetzlichen Neuerungen haben aber nicht nur die Beurteilung der Angemessenheit der Höhe der Prüfungs- und Beratungshonorare zum Zweck, sondern auch den Versuch die Zu-sammensetzung der Honorare transparenter zu gestalten. Denn nach wie vor, ist es für die Bilanzadressaten (Fremdkapitalgeber, Anteilseigner, Kreditinstitute usw.) schwierig nachzuvollziehen, welche Faktoren bei der Berechnung der Honorare eine Rolle spielen. Der Mangel an Transparenz in Bezug auf die Entstehung der Honorare erschwert auch die Vergleichbarkeit der Prüfungsaufwendungen unterschiedlicher Unternehmen miteinander.
Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es mit Hilfe verschiedener Methoden der deskriptiven Statistik einen Überblick über die Einflussfaktoren und die Modalitäten der Prüfungs- und Beratungshonorare deutscher kapitalmarktorientierter Gesellschaften zu schaffen sowie deren Entwicklung in den letzten fünf Jahren zu analysieren. Das erhobene Datenmaterial sowie die ausführliche Analyse und Interpretation der Ergebnisse sollen eine Orientierungshilfe sowohl für die prüfungspflichtigen Gesellschaften als auch für die Prüfungsgesellschaften selbst bieten. Darüber hinaus sollen auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse Handlungsempfehlungen für Abschlussprüfer und die Mandanten abgeleitet werden können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Definitionen und Grundlagen
1. Begriffsabgrenzung
2. Definition der Prüfungs- und Beratungshonorare
3. Akteure des Prüfungsmarktes
3.1. Angebotsseite: Prüfungsgesellschaften
3.2. Nachfrageseite: Unternehmen
4. Statistische Methoden
4.1. Regressions- und Korrelationsanalyse
4.2. Einfaktorielle Varianzanalyse
III. Analyse der Prüfungs- und Beratungshonorare
1. Einflussfaktoren
1.1. Unternehmensgröße der Mandanten
1.2. Branchenzugehörigkeit der Mandanten
1.3. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
1.4. Zusammenfassung
2. Interdependenzanalyse der Honorarkomponenten
2.1. DAX 30
2.2. MDAX
2.3. SDAX
2.4. Zusammenfassung
3. Prüfungs- und Beratungshonorare im Zeitverlauf
3.1. DAX 30
3.2. MDAX
3.3. SDAX
3.4. Zusammenfassung
IV. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Einflussfaktoren sowie die Struktur und Entwicklung von Prüfungs- und Beratungshonoraren deutscher kapitalmarktorientierter Gesellschaften in einem fünfjährigen Zeitraum, um Transparenz über die Honorarkalkulation zu schaffen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Analyse der Einflussfaktoren auf die Honorarhöhe (Unternehmensgröße, Branche, Prüfungsgesellschaft)
- Interdependenzanalyse zwischen Prüfungs- und Beratungshonoraren
- Untersuchung der Honorarentwicklung über einen Fünfjahreszeitraum
- Statistische Auswertung mittels Regressions-, Korrelations- und Varianzanalysen
- Evaluierung der Auswirkungen von Prüferwechseln auf die Honorarstruktur
Auszug aus dem Buch
1.3. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
Der Prüfungsmarkt ist ein besonderer Markt, in dem das Angebot und die Nachfrage nach einem bestimmten Gut, dem Bestätigungsvermerk eines Abschlussprüfers, zusammentreffen. Das Marktgleichgewicht wird durch die Bildung eines Preises, des Prüfungs- und Beratungshonorars, welches für alle Akteure ökonomisch vertretbar ist, erreicht. „Ein zentrales Merkmal dieses Marktes ist die Freiheit der Marktteilnehmer bei der Wahl ihrer Vertragspartner: Die Nachfrager von Prüfungsleistungen dürfen das Prüfungsunternehmen frei auswählen; die Anbieter von Prüfungsleistungen unterliegen keinem Kontrahierungszwang.“32
Der Prüfungsmarkt (in seiner vollkommenen Form) unterscheidet sich zu den anderen Märkte: Die treibende Kraft hier ist nicht der Preis, sondern die Qualität der Berichterstattung und der damit verbundene Schutz der Dritte (Bilanzadressate). Der beschriebene Marktmechanismus entspricht der Vorstellung des Gesetzgebers von einem idealen Prüfungsmarkt. Die Marktstruktur ist in der Realität jedoch nicht so harmonisch. Die Nachfrager der Prüfungsleistungen – die Mandanten – sehen in der Abschlussprüfung ein „weitgehend standardisiertes Produkt“33 und betrachten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften als Anbieter gleichwertiger Leistungen. Ferner stellt für sie die Abschlussprüfung eine lästige Pflicht dar, eine Bürde, die vom Gesetzgeber auferlegt ist, was die Attraktivität der angebotenen Prüfungsleistung extrem beeinträchtigt. Öfters wird von der Prüfung als „commodity“, die nur über den Preis gesteuert wird, gesprochen und ihre Funktion als „Anker“ für weitere Geschäfte betont. 34
Desweiteren ist die Konzentration auf dem Prüfungsmarkt sehr hoch und nimmt stetig zu. Einerseits erhöht sich die Anzahl der zu prüfenden Gesellschaften nur langsam, andererseits wächst die Zahl der Berufsträger – unter anderem auch durch Öffnung des Prüfungsmarktes für ausländische Gesellschaften – kontinuierlich an.35 Die dadurch entstehenden Überkapazitäten haben zur Folge, dass die Prüfungsgesellschaften sich ein „Gerangel um die Mandate“36 liefern. Ein zusätzlicher Druck wird durch die aktuelle Finanzkrise geschaffen. Infolgedessen hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen verschlechtert, einige Mandanten mussten Insolvenz anmelden. Der Wegfall von Prüfungsaufträgen und der dadurch entstehende Kostendruck führen zu einem aggressiven Kampf. Die Wirtschaftsprüfer unterbieten sich gegenseitig in den Preisen, was zur Folge hat, dass das Mandat oft zu quasi Selbstkostenpreisen vergeben wird. Die niedrigen Honorare sind aber nicht nur das Produkt der Preispolitik der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, sondern entstehen auch durch den erhöhten Preisdruck seitens der Kunden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Honorartransparenz bei Abschlussprüfungen ein und definiert das Ziel der Arbeit, mittels deskriptiver Statistik einen Überblick über Einflussfaktoren und Honorarmodalitäten zu geben.
II. Definitionen und Grundlagen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe definiert sowie die statistischen Methoden (Regressions-, Korrelations- und Varianzanalyse) erläutert, die im Hauptteil angewandt werden.
III. Analyse der Prüfungs- und Beratungshonorare: Dieser Hauptteil analysiert Einflussfaktoren auf die Honorarhöhe, untersucht die gegenseitige Abhängigkeit von Prüfungs- und Beratungshonoraren (Interdependenzanalyse) und beleuchtet die Honorarentwicklung über einen Fünfjahreszeitraum.
IV. Fazit und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und Handlungsempfehlungen für Mandanten (z.B. regelmäßiger Prüferwechsel) sowie für den Gesetzgeber (Forderung nach mehr Transparenz) abgeleitet.
Schlüsselwörter
Abschlussprüfung, Prüfungshonorar, Beratungshonorar, Wirtschaftsprüfer, DAX, MDAX, SDAX, Regressionsanalyse, Korrelationsanalyse, Varianzanalyse, Prüferwechsel, Selbstprüfungsverbot, Honorartransparenz, Konzernabschlussprüfung, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht die Prüfungs- und Beratungshonorare deutscher kapitalmarktorientierter Gesellschaften, um Transparenz in die Honorarkalkulation zu bringen und Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und Kosten zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Honorarstruktur, dem Einfluss der Unternehmensgröße, der Branchenzugehörigkeit und der Art der Prüfungsgesellschaft sowie der Abhängigkeit der Honorarkomponenten im Zeitverlauf.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über Einflussfaktoren und Modalitäten der Honorare zu schaffen sowie zu analysieren, wie sich diese über fünf Jahre entwickelt haben, um daraus Empfehlungen für Mandanten und Abschlussprüfer abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der deskriptiven Statistik, namentlich Regressions- und Korrelationsanalysen sowie die einfaktorielle Varianzanalyse (ANOVA), um die Zusammenhänge empirisch zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Honorarhöhe, eine Interdependenzanalyse zwischen Prüfungs- und Beratungshonoraren sowie eine Analyse der Honorarentwicklung im Zeitverlauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Abschlussprüfung, Prüfungshonorar, Beratungshonorar, Wirtschaftsprüfer, die untersuchten Börsenindizes (DAX, MDAX, SDAX) sowie statistische Analyseverfahren.
Welche Rolle spielt der "Prüferwechsel" in der Studie?
Ein Prüferwechsel wird als Faktor für eine häufige Senkung der Honorare identifiziert, wobei die Arbeit die anschließende Entwicklung der Kosten analysiert und vor aggressiven "Schnäppchenpreisen" der Anbieter warnt.
Warum wird das "Selbstprüfungsverbot" in der Arbeit thematisiert?
Das Selbstprüfungsverbot ist zentral für die Diskussion über die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers, insbesondere wenn neben der Pflichtprüfung auch lukrative Beratungsaufträge an denselben Prüfer vergeben werden.
- Quote paper
- Elena Rudnikevic (Author), 2010, Prüfungs- und Beratungshonorare deutscher kapitalmarktorientierter Gesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184668