Das Thema Menschenwürde erlebt derzeit in der Öffentlichkeit eine Renaissance. Wird das Geschehen um die Tötung von Osama Bin Laden am 02. Mai 2011 oder die Festnahme und anschließende Exekution am 30. Dezember 2006 von Saddam Hussein betrachtet, so wurde in den Medien von einer „menschenunwürdigen“ Behandlung gesprochen. Obwohl der Terroristenführer und der irakische Diktator viele grausame und barbarische Taten begangen haben, wird ihnen trotzdem durch die Medien und die Menschenrechtsaktivisten eine menschenwürdige Behandlung zugesprochen. Ein weiteres Beispiel, bei dem fast täglich die Menschenwürde in Bezug gebracht wird, ist der derzeitige Krieg im nordafrikanischen Staat Libyen. Machthaber Muammar al Gaddafi geht hier mit absoluter Grausamkeit und Brutalität gegen sein eigenes Volk vor. Da dieses Vorgehen von den Spitzen der Nato als menschenunwürdig erachtet wurde, beschlossen sie das Volk mit Hilfe militärischer Luftschläge im Kampf gegen das Regime zu unterstützen. Ein Großteil des libyschen Volkes, welches aus diesen Gründen versucht, auf schnellstem Weg das Land zu verlassen, landet mit Schiffen in Italien, wo sie vorerst in Flüchtlingslager untergebracht werden. Dies ist jedoch von Seiten der Europäischen Union (EU) nicht gewollt. „Bomben ja, Flüchtlinge nein. Das ist die Botschaft, die von der EU versandt wird.“ (Göweil 2011: 1). Dieses Verhalten wird wiederrum von den Medien als menschenunwürdige Politik gesehen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Menschenwürde
2.1. Historischer Exkurs
2.2. Inhaltliche Betrachtung
3. Autonomie
3.1. Historischer Exkurs
3.2. Inhaltliche Betrachtung
4. Menschenwürde und Autonomie in der Pflege
4.1. Philosophischer Ansatz
4.2. Würde in der Pflege
4.3. Situation in deutschen Altenheimen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen dem Konzept der Menschenwürde und der Autonomie, insbesondere im Kontext der pflegerischen Betreuung. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie die Autonomie und Würde von pflegebedürftigen Menschen, speziell bei Demenzerkrankungen, in einer institutionellen Umgebung gewahrt werden können, wenn die Selbstbestimmungsfähigkeit zunehmend eingeschränkt ist.
- Historische Entwicklung und philosophische Fundierung der Begriffe Menschenwürde und Autonomie.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Paternalismus und Selbstbestimmung im Pflegealltag.
- Diskussion der Auswirkungen von Fremdbestimmung in "totalen Institutionen" wie Altenheimen.
- Bedeutung von Bildung, Qualifikation des Personals und professionellem Berufsethos für die Bewohnerautonomie.
Auszug aus dem Buch
4.2. Würde in der Pflege
Ethik wird in der Pflege groß geschrieben, da Pflege die Pflegebedürftigkeit und somit ein Abhängigkeitsverhältnis voraussetzt. Entgegen der Autonomie, wie sie in der praktischen Philosophie beschrieben wird und von der gegenseitigen symmetrischen Anerkennung ausgeht, kann hier festgestellt werden, dass das Pfleger-Bewohner-Verhältnis im pflegerischen Sinn der Symmetrie nicht gerecht werden kann. Dieses asymmetrische Verhältnis, das aus der Hilfsbedürftigkeit der Bewohner resultiert, soll durch den in der Medizin Ethik entstandenen „informed concent“ ausgeglichen werden. Die Autonomie und die Selbstbestimmung der Patienten, die eine würdevolle Behandlung gewährleisten sollen, werden hier nicht nur als rechtliche Verankerung sondern auch als Maxime verstanden (vgl. Härle 2005: 228). Um die Selbstbestimmung der Patienten zu fördern, muss der paternalistische Gedanke bei der Handlungsplanung und der anschließenden Durchführung bewusst dementiert werden. Durch das unumgängliche Begeben in eine Abhängigkeitssituation kann in der Pflege nicht von vollständiger autonomer, eher von relativer Selbstbestimmung gesprochen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle öffentliche Relevanz der Begriffe Menschenwürde und Autonomie ein und definiert die Zielsetzung, den Zusammenhang beider Konzepte im pflegerischen Kontext zu beleuchten.
2. Menschenwürde: Dieses Kapitel betrachtet die historische Herleitung der Menschenwürde von der Antike über die christliche Prägung bis hin zum kategorischen Imperativ Kants und analysiert inhaltliche Definitionsansätze.
3. Autonomie: Das Kapitel erläutert den Autonomiebegriff historisch als politisches Gebilde und philosophisches Prinzip und diskutiert die heutige alltagssprachliche Verwendung im Gegensatz zur pflegerechtlichen Relevanz.
4. Menschenwürde und Autonomie in der Pflege: Hier wird das Spannungsfeld zwischen theoretischem Anspruch und pflegerischer Realität untersucht, wobei insbesondere auf die ethischen Dilemmata bei demenziell erkrankten Bewohnern und die institutionellen Strukturen von Altenheimen eingegangen wird.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit klarer rechtlicher und heiminterner Regelungen zusammen und betont die zentrale Bedeutung von Bildung und einer reflektierten Haltung des Pflegepersonals zur Wahrung der Autonomie.
Schlüsselwörter
Menschenwürde, Autonomie, Selbstbestimmung, Pflege, Paternalismus, Demenz, Altenheim, Berufsethos, Patientenverfügung, Ethik, Informed Consent, Personsein, Pflegemissstände, Freiheitsbegriff, Würde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die Wechselwirkungen zwischen dem Konzept der Menschenwürde und der Autonomie des Menschen, speziell im Bereich der professionellen Pflege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die philosophische und historische Herleitung der Begriffe, die ethische Problematik der Selbstbestimmung bei Pflegebedürftigkeit und die institutionelle Situation in Altenheimen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Strategien aufzuzeigen, wie trotz einer notwendigen Abhängigkeitssituation im Pflegealltag ein hohes Maß an Autonomie und Würde für Bewohner gewährleistet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die historische, philosophische und pflegewissenschaftliche Quellen verknüpft, um das Thema theoretisch und praxisorientiert zu durchdringen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und begriffliche Analyse der beiden Kernbegriffe sowie eine Anwendung dieser Theorien auf die pflegerische Praxis, unter Berücksichtigung empirischer Studienergebnisse zur Bewohnerautonomie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Menschenwürde, Autonomie, Selbstbestimmung, Paternalismus, Pflege und Demenz charakterisiert.
Warum ist der Begriff der "Post-Person" für die Argumentation relevant?
Der Begriff illustriert die Gefahr, dass hochdementen Menschen aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen ihr "Personsein" abgesprochen wird, was ethisch höchst problematisch ist und zur Aberkennung ihrer Menschenwürde führen kann.
Welchen Einfluss haben institutionelle Strukturen auf die Autonomie?
Institutionelle Strukturen, von Erving Goffman als "totale Institutionen" bezeichnet, können durch starre Regeln und Fremdbestimmung die Autonomie einschränken und den Verlust der Privatsphäre sowie der Identität der Bewohner begünstigen.
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- Andreas Fraunhofer (Author), 2011, Der Zusammenhang von Menschenwürde und Autonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184622