Auch nach dem Westfälischen Frieden kehrte im europäischen Mächtemächtesystem keine Ruhe ein. Die Zeit ab der Mitte des 17. Jahrhunderts war geprägt durch eine wachsende Herausforderung für das Reich und Europa in Form Ludwigs XIV. und seiner zahlreichen Eroberungskriege, die das sich allmählich herausbildende europäische Gleichgewicht gefährdeten. Nachdem Ludwig 1666 nach dem Tod Kardinal Mazarins die alleinige Regierung übernommen hatte, versuchte er in mehreren aufeinanderfolgenden Eroberungskriegen die Position Frankreichs in Europa zu verbessern. Die Gründe für diese aggressive Außenpolitik Ludwigs XIV. und deren Auswirkungen sollen Thema dieser Arbeit sein.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit sollen die frühen Kriege Ludwigs in den 70er und 80er Jahren des 17. Jahrhunderts stehen und speziell die Ziele, die Ludwig XIV. dadurch verwirklichen wollte, erläutert werden. Ich konzentriere mich dabei auf den Devolutionskrieg 1667/68, den Holländischen Krieg von 1672-1678 und die Reunionskriege bis zum Regensburger Stillstand von 1684.
Zunächst möchte ich die grundlegenden Züge der französischen Außenpolitik unter der Regierung Ludwigs XIV. und deren Ziele darlegen. Dabei soll auch auf die Beziehung zu Deutschland und die französischen Intentionen hinsichtlich des Reiches eingegangen werden. Es sollen weiterhin Verlauf und Ergebnisse der Eroberungskriege Ludwigs dargestellt werden. Außerdem möchte ich erläutern, inwieweit Ludwig im jeweiligen Krieg seine Expansionsziele in die Wirklichkeit umsetzen konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Außenpolitik Ludwigs XIV. und seine Beziehung zum Reich
3. Der Devolutionskrieg
4. Der Holländische Krieg 1672-78
5. Die Reunionspolitik Ludwigs XIV.
6. Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die aggressive Außenpolitik Ludwigs XIV. in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, insbesondere im Hinblick auf die Expansionsziele Frankreichs, deren rechtliche Legitimierung sowie die Auswirkungen auf das europäische Mächtesystem und das Heilige Römische Reich.
- Die grundlegenden Züge und Motive der französischen Außenpolitik unter Ludwig XIV.
- Analyse der frühen Eroberungskriege (Devolutionskrieg, Holländischer Krieg).
- Die Reunionspolitik als Instrument der territorialen Expansion.
- Die komplexe Beziehung zwischen dem französischen König und den deutschen Reichsständen.
- Die Wirksamkeit der diplomatischen und militärischen Strategien zur Hegemonieerlangung.
Auszug aus dem Buch
3. Der Devolutionskrieg
Aufgrund der veränderten machtpolitischen Realitäten kam es in der Mitte der 1660er Jahre zu einer Neuorientierung der außenpolitischen Ziele und Maximen Frankreichs. Während sich Frankreich zuvor nur durch eine einflussreiche Vermittlung zwischen den europäischen Staaten hervorgetan hatte, wollte Ludwig XIV. nun gezielt Macht und Reputation durch den Erwerb von Land und militärischen Ruhm gewinnen. Der Devolutionskrieg gilt als erster von insgesamt drei Offensivkriegen, die Frankreich zwischen 1667 und 1697 an seiner Ost- und Nordostgrenze führte und durch die die Ziele der Arrondierung des französischen Territoriums und die Verbesserung der französischen Position innerhalb der europäischen Mächtehierarchie erreicht werden sollten. Geographisch war der Angriff gegen die Spanischen Niederlande gerichtet, politisch ging es aber um die Vorherrschaft in Europa.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die aggressive Expansionspolitik Ludwigs XIV. nach dem Westfälischen Frieden und definiert den Untersuchungszeitraum sowie die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Die Außenpolitik Ludwigs XIV. und seine Beziehung zum Reich: Dieses Kapitel erläutert das Machtstreben Ludwigs, seine Berufung auf historische Rechtstitel zur Legitimation von Annexionen sowie seine Bemühungen, den kaiserlichen Einfluss im Reich zu schwächen.
3. Der Devolutionskrieg: Es wird der erste der drei großen Offensivkriege behandelt, bei dem Ludwig XIV. mittels brabantischen Privatrechts Ansprüche auf die Spanischen Niederlande erhob und militärisch durchzusetzen versuchte.
4. Der Holländische Krieg 1672-78: Das Kapitel analysiert die Vorbereitungen und den Verlauf des Krieges gegen die Niederlande, die Isolation Frankreichs durch die Bildung einer antifranzösischen Koalition und das Ergebnis der Friedensverhandlungen von Nijmwegen.
5. Die Reunionspolitik Ludwigs XIV.: Hier wird dargelegt, wie Frankreich durch gezielte Instrumente wie die Reunionskammern und das Souveränitätsprinzip seine Grenzen in Richtung Osten verschob und schließlich Straßburg annektierte.
6. Schlusswort: Das Schlusswort zieht ein Fazit über das diplomatische Geschick Ludwigs XIV., trotz militärischer Rückschläge Interessen zu wahren, und bewertet das Ende seiner Expansionsphase bis 1684.
Schlüsselwörter
Ludwig XIV., Außenpolitik, Eroberungskriege, Devolutionskrieg, Holländischer Krieg, Reunionspolitik, Frankreich, Heiliges Römisches Reich, Hegemonie, Expansion, Staatsräson, Merkantilismus, Westfälischer Friede, Diplomatie, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit den frühen Eroberungskriegen Ludwigs XIV. zwischen 1667 und 1684 und der zugrundeliegenden Expansionsstrategie, die darauf abzielte, die französische Hegemonie in Europa zu etablieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der französischen Außenpolitik, der rechtlichen Legitimierung von Kriegen durch den König sowie dem Spannungsfeld zwischen Frankreich, dem Kaiser und den deutschen Reichsständen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, mit welchen Zielen Ludwig XIV. seine aggressive Außenpolitik verfolgte, wie er seine militärischen Aktionen rechtlich untermauerte und inwieweit er seine Expansionsziele tatsächlich verwirklichen konnte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Auswertung von zeitgenössischen Quellen (wie den Memoiren Ludwigs XIV.) und relevanter Forschungsliteratur zur Geschichte des Absolutismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Devolutionskrieg, der Holländische Krieg und die spezifische Reunionspolitik sowie deren Auswirkungen auf die europäische Mächteverteilung detailliert dargestellt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Ludwig XIV., Hegemonie, Expansionspolitik, Reunionspolitik, Staatsräson, Frankreich und das Heilige Römische Reich.
Welche Rolle spielte das "droît de devolution" im Devolutionskrieg?
Dieses mittelalterliche Privatrecht wurde von französischen Juristen genutzt, um die Ansprüche der Frau Ludwigs XIV. auf die Spanischen Niederlande gegenüber anderen Erben zu legitimieren und somit militärische Aggression als Rechtsanspruch darzustellen.
Was war der "Regensburger Stillstand" von 1684?
Dabei handelte es sich um ein auf 20 Jahre angelegtes Stillhalteabkommen, das Ludwig XIV. infolge der Bedrohung durch die Türken vor Wien mit dem Kaiser schloss, um einen Krieg mit dem Reich zu vermeiden, während die völkerrechtliche Problematik der vorangegangenen Reunionen bestehen blieb.
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- Franziska Eichhorn (Autor:in), 2010, Die frühen Eroberungskriege Ludwigs XIV., München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184533