1.1 Problemstellung
Investmentfonds nehmen seit langem einen äußerst bedeutenden Platz in der deutschen Finanzwelt ein, 2009 hielten 9,7 Mio. deutsche Haushalte Investmentfonds in ihren Depots.
Auf der Suche nach dem passendem Investmentfonds achten die Anleger primär auf die historische Rendite der in Frage kommenden Fonds.1 Oft können jedoch die „Stars“ , d.h. Fonds mit sehr guter historischer Performance, die hohen Erwartungen der Investoren nicht langfristig erfüllen. Dieses Problem bezeichnet man als die fehlende Persistenz der Performance.
Doch warum fehlt den Renditen der Investmentfonds in der Regel langfristig die Konstanz? In diesem Zusammenhang stellt sich die zunächst einmal die grundlegende Frage, wie die Performance überhaupt risikoadjustiert gemessen werden kann. Weiterhin ist ein häufig angeführter Grund für die mangelnde Persistenz das Unvermögen der Fondsmanager, die hohen Zuflüsse nach erfolgreicher Performance genauso gewinnbringend anzulegen wie in der Vergangenheit. Aber kommt es überhaupt zu diesen Zuflüssen? Und welchen Einfluss haben die Suchkosten der Anleger?
Die Fondsmanager hingegen stehen vor dem Problem, neue Anlageideen zu generieren und gegebenenfalls ihr Portfolio zu diversifizieren. Hier stellt sich die Frage, ob und in welchem Grad diese Diversifikation tatsächlich stattfindet. Alternativ ist es denkbar, dass die Fondsmanager lediglich die bisherigen Anlagen aufstocken und die Portfoliozusammensetzung somit nicht ändern. Sind infolgedessen gar Skalenerträge möglich?
In diesem Kontext drängt sich zudem die Frage auf, inwiefern die Fondsperformance von den jeweiligen Managern abhängt. Spiegeln die individuellen Renditen der Fonds die Fähigkeiten ihrer Verwalter wider? Welchen Einfluss haben Wechsel im Management, sowohl bei den „Winner funds“ als auch bei den „Loser funds“? Und welche Rolle spielt die organisatorische Wirtschaftlichkeit einer Fondsgesellschaft?
1.2 Aufbau und Zielsetzung
Ziel dieser Arbeit ist es, die mangelnde Performance-Persistenz von Investmentfonds in Abhängigkeit von der Fondsgröße sowie verschiedene mögliche Erklärungsansätze für dieses Phänomen darzulegen. In diesem Zusammenhang findet sowohl die Performance-Zufluss-Beziehung als auch die Portfoliozusammensetzung wachsender Investmentfonds besondere Beachtung. Anhand der Ergebnisse werden dann abschließend mögliche Implikationen für Fondsgesellschaften, Manager und Anleger dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Zielsetzung
2. Grundlagen der Performancemessung von Investmentfonds
2.1 Externe Performancemessung
2.2 Interne Performancemessung
3. Performance-Persistenz bei Investmentfonds
3.1 Definition der Persistenz
3.2 Empirische Evidenz der Performance-Persistenz
3.3 Zusammenfassung
4. Erklärungsansätze für die mangelnde mittel- bis langfristige Performance-Persistenz von Investmentfonds
4.1 Performance-Zufluss-Beziehung
4.1.1 Empirische Evidenz der Performance-Zufluss-Beziehung
4.1.2 Auswirkungen der Zahlungsströme auf das Anlageverhalten
4.1.3 Auswirkungen der Zahlungsströme auf die Fondsperformance
4.2 Auswirkungen interner Faktoren
4.2.1 Hierarchiekosten
4.2.2 Veränderungen im Fondsmanagement
5. Zusammenfassung und Implikationen
5.1 Zusammenfassung
5.2 Implikationen
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Ursachen für die fehlende mittel- bis langfristige Performance-Persistenz bei Investmentfonds. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich Fondswachstum, Anlegerverhalten und interne Managementstrukturen auf die Rendite auswirken.
- Grundlagen der internen und externen Performancemessung
- Analyse der konvexen Performance-Zufluss-Beziehung
- Einfluss von Hierarchiekosten auf die Informationsverarbeitung
- Auswirkungen von Managerwechseln auf die Performance
- Konsequenzen für Anleger und Fondsgesellschaften
Auszug aus dem Buch
4.1 Performance-Zufluss-Beziehung
„On the most basic level, the flow-performance relationship is a good thing: it provides funds with an incentive to perform well.”39
Trotz dieser wichtigen Anreizfunktion sind die hohen Zuflüsse nach vergangener Outperformance, die Fondsmanager oft nicht ähnlich gewinnbringend anlegen können, ein häufig angeführter Grund für die mangelnde langfristige Konstanz in den Renditen von Investmentfonds. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Anleger überhaupt streng rational handeln, d.h. ob sie analog zur Investition in Gewinnerfonds konsequent aus einer Anlage bei Misserfolg aussteigen. Im Folgenden soll untersucht werden, inwiefern Ab- und Zuflüsse in der Realität stattfinden und welchen Beitrag diese Ströme zur Erklärung der fehlenden mittel- bis langfristigen Performance-Persistenz leisten können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, dass erfolgreiche Investmentfonds ihre Performance oft nicht langfristig halten können, sowie Festlegung der Zielsetzung.
2. Grundlagen der Performancemessung von Investmentfonds: Erläuterung klassischer externer Performancemaße (Treynor-Ratio, Sharpe-Ratio, Jensen's Alpha) und interner Instrumente wie dem Portfolio Change Measure.
3. Performance-Persistenz bei Investmentfonds: Definition der Persistenz und Analyse empirischer Studien, die eine kurzfristige Persistenz belegen, eine langfristige Konstanz jedoch meist ablehnen.
4. Erklärungsansätze für die mangelnde mittel- bis langfristige Performance-Persistenz von Investmentfonds: Untersuchung externer Faktoren wie der konvexen Performance-Zufluss-Beziehung und interner Faktoren wie Hierarchiekosten sowie Managerwechseln.
5. Zusammenfassung und Implikationen: Zusammenführung der Ergebnisse und Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für Fondsgesellschaften, Manager und Investoren.
Schlüsselwörter
Investmentfonds, Performance-Persistenz, Performancemessung, Performance-Zufluss-Beziehung, Mean Reversion, Fondswachstum, Hierarchiekosten, Fondsmanagement, Managerwechsel, Skalenerträge, Anlegerverhalten, Kapitalanlage, Portfolioanalyse, Fondsgröße, Investmentstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe, warum Investmentfonds oft keine langfristig konstante Performance erzielen können, obwohl sie kurzfristig erfolgreich sein können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Messung von Fondsperformance, die Reaktion von Anlegern auf vergangene Renditen (Zufluss-Beziehung) und interne Faktoren wie Hierarchiestrukturen oder Managementwechsel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die mangelnde Performance-Persistenz in Abhängigkeit von der Fondsgröße und anderen Einflussfaktoren zu erklären und Implikationen für die Praxis abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die auf den Ergebnissen zahlreicher empirischer Studien zur Performance von Investmentfonds aufbaut.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Performance-Zufluss-Beziehung, die Problematik abnehmender Skalenerträge sowie den Einfluss von Hierarchiekosten und Managerwechseln auf die Rendite.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Performance-Persistenz, Konvexe Zufluss-Beziehung, Mean Reversion, Fondsmanagement und Skalenerträge.
Was versteht man unter dem "hot hands"-Effekt?
Er beschreibt das Phänomen, dass Fonds, die in der Vergangenheit durch gutes Stockpicking glänzten, auch kurzfristig in der nächsten Periode überdurchschnittlich abschneiden.
Wie beeinflussen Hierarchiekosten die Performance?
Große Fondsgesellschaften haben Schwierigkeiten, sogenannte "softe Informationen" effizient zu verarbeiten, was die Generierung wertvoller Anlageideen erschwert und die Performance belastet.
Warum steigen Manager von Gewinnerfonds häufig aus?
Sie werden nach Outperformance oft abgeworben; ihr Ausscheiden führt bei den ursprünglichen Fonds häufig zu einer signifikanten Verschlechterung der Performance.
Warum halten Anleger an Verliererfonds fest?
Neben rationalen Gründen spielen psychologische Faktoren wie kognitive Dissonanz eine Rolle, weshalb Anleger sich Fehler nicht eingestehen und Fonds nicht rechtzeitig verkaufen.
- Arbeit zitieren
- Robert Czech (Autor:in), 2011, Einfluss der Fondsgröße auf Performance und Anlageverhalten von Investmentfonds, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184479