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Die Jungfrau von Orleans - Eine romantische Tragödie (1802)

Muster innerweltlicher Askese

Titel: Die Jungfrau von Orleans - Eine romantische Tragödie (1802)

Forschungsarbeit , 1985 , 23 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Warum wieder Schiller? Es geht darum, ein Denkmal zu restaurieren, das mit Recht noch da steht Es geht darum, die Patina und den Dreck der Zeit abzuschmirgeln; denn was die Texte sagen, ist so gesagt, als sei es eigens uns gesagt. Brechts polemisch-hybrides Wort von den Klassikern, die im Krieg gestorben seien, ist halt schon im Literalsinn falsch : gestor¬ben sind faktisch auf dem Felde jene, die nicht in der Lage waren, die Lehre der Klassiker zu realisieren. Nicht die Klassiker haben versagt, sondern die, welche mit ihnen hätten etwas anfangen müssen.
Lehren ziehen aus dem Klassiker? Etwa diesen Kalibers: Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen . Antidemokratisch; monarchistisches, präfaschistisches Bewußt¬sein. Und nicht zu entschuldigen als Frühwerk, Jugendsünde. Spätestes Pro¬dukt, Unwiderrufbar. Ohne Kommentar ist dazuzusetzen: Gegenwärtiges. E. Wiedemann, 'Spiegel'-Reporter, schreibt am Ende eines Berichts über die Ereignisse im Iran:
"Wahr ist allerdings auch: Die Massen stehen trotz allem hinter Cho¬meini. Die Linken und Liberalen bringen zusammen selten mehr als 50 000 Demonstranten auf die Straße. Wenn aber Chomeini ruft, marschieren immer noch Millionen "
Prämisse der vorgelegten Analysen ist, daß - Autonomie hin, Form her - Dichtung in sich - geschichtliche Erfahrung hat, daß, erkennt man Dich¬tung, man erkennt, was der Mensch sei und was Geschichte. Wobei, schlimm daß man es sagen muß, Geschichte nicht die Zeitgeschichte des Autors ist: so als habe Schiller im 'Wallenstein' nacherzählt, was der französische Gene¬ral Dumouriez trieb, als er die Revolutionstruppen verließ und zum deutschen Feind überlief. Deshalb sind auch kluge Sätze, daß Schillers Dichtungen sich mit der Revolution auseinandersetzen, so klug wiederum nicht. Der Karis¬schüler brauchte die Revolution nicht, um zu merken, was Sache ist: die mundane, gesellschaftliche Verfassung der Menschheit, im Blick auf das, was die zeitgenössische Philosophie Kants als einen der Schlußsteine ihres Systems erarbeitet hatte: Freiheit Der 'Karlos', ebenso wie die anderen frühen Stücke, lange vor der Großen Revolution konzipiert und aufgeführt, verhandeln dies Problem poetisch vor dem Forum der Humanität.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

(1) Erfahrung von Geschichte als zentrale Thematik - Korff: dichterische Behandlung der Geschichte - Johanna als ideale Gestalt mit göttlicher Sendung oder als von Notwendigkeiten deformierter Mensch?

(2) Prolog: Aufriß des Problems - Beginn: Zerstörung der Idylle - Erweckung der Heldin (Helm-Motiv) - Ergreifung der geschichtlich notwendigen Aufgabe: Kampf gegen den äußeren Feind - Arbeit für den inneren Frieden - Zeitgeschichte im klassischen Text - himmlische Sendung als historische Notwendigkeit - Ruf des Geistes - der furchtbar bindende Vertrag - Deformation des Menschen: Tötungsgebot und Liebesverbot - Johanna als erhabene Heroine - tragische Strukturierung - Weg in die Vollendung? - Geschichtsphilosophie: Arkadien-Geschichte-Elysium als problematische Projektion

(3) Zum ersten Aufzug: Retardation - Nebenmotive: Dichter und Herrscher - Traum von der Idylle

(4) Bemerkungen zur Methode der Analyse: Entmythologisierung - Oberflächenstruktur des Textes - Stilisierung - Selbstverständnis der Heldin - Urteilsenthaltung

(5) Zum zweiten Aufzug: Streit und Versöhnung - Idealisierung des Historischen - Johanna als Vernichtende - Johannas Gott: Ares - Technik antithetischer Positionierung von Motiven

(6) Zum dritten Aufzug: Feier der Versöhnung - Bedeutung der Gestik - Problematisierung des Liebesverbots - Krieg vs. Liebe - Nihilismus als Folge der sich vernichtenden Extreme - Hamaritia der Heldin

(7) Zum vierten Aufzug: Selbstreflexion Johannas - mundane Ausrichtung - hellenische Diesseitigkeit - Beschuldigung durch den Vater: Entzweiung in der Familie - Bedeutung der Nichtverteidigung

(8) Schicksal als geschichtlich Geschicktes - tragische Strukturierung - Gesetzlichkeit des Geschehens - Funktion der Gefangennahme - Notwendigkeit ihres Todes - poetische Struktur des Schlusses

(9) Noch einmal: Methode - Geschichtstheoretische Deutung - Mangel der vorhandenen Interpretationen - Vorwurf: Stil statt Wahrheit - von Schiller eingeführte poetische Motive

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Schillers Drama "Die Jungfrau von Orleans" als eine geschichtstheoretisch fundierte Auseinandersetzung mit der Deformation des Menschen durch die in der Welt herrschenden Bedingungen. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, Johannas Handeln nicht als religiös motivierte Sendung, sondern als notwendige, wenn auch tragische Reaktion auf die historische Wirklichkeit des Krieges zu interpretieren.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der traditionellen "Sendungs"-Interpretation Johannas
  • Analyse der tragischen Struktur: Die unauflösbare Einheit von Krieg und Liebe
  • Entmythologisierung der romantischen Elemente im Drama
  • Betonung der mundanen Ausrichtung und der geschichtlichen Notwendigkeit des Geschehens

Auszug aus dem Buch

Erfahrung von Geschichte als zentrale Thematik

H. A. Korff ist noch immer zuzustimmen, wenn er die dichterische Behandlung der Geschichte als das zentrale Thema der Schillerschen Dramatik beschreibt. Die Stücke nähren sich an dem großen Stoffe der Geschichte, können in poetischer Vertextung freilich vom Historischen nur die allgemeinste Form in den Ausdruck bannen, doch ist ihr Symbolwert verhältnismäßig durchsichtig. Richtig ist auch noch, wenn er die Idee der Totalität: das Menschenschicksal im ganzen darzustellen als Schillersehe Intention nennt. Es geht dem Klassiker in der Jungfrau tatsächlich um die Exemplifizierung der als nicht möglich gedachten allseitigen Realisation menschlicher Bedürfnisse. Richtig ist schließlich, daß das Geschichtliche zentral als Kampf (Das Wesen des Lebens ist daher der Kampf) bestimmt wird.

Ungenauer aber wird Korff, wenn er Johanna die erste ganz ideale Gestalt nennt. Damit verstärkt er einen Deutungstopos, der zentral ist für die Jungfrau-Interpretation in der Literaturwissenschaft (bis auf wenige Ausnahmen, die Analyse von Storz gehört hierher, wird die Hauptfigur einseitig positiv aufgefaßt). Er gerät damit in Widerspruch zu dem, was er auch sieht: daß Johanna sich durch den mörderischen Fanatismus ihrer grausamen Kriegsführung auszeichnet. Zu kritisieren ist, daß Korff dies nicht als Widerspruch erlebt und aufdeckt: die reine Hingabe an die Idee, was Johanna zur Heiligen mache, kann nicht vorliegen, wenn gnadenlos Krieg geführt wird. Weder ist die Hingabe rein noch ist es eine Idee: beides dürfte in sich das Negative nicht mehr haben. Es ist die Akzeptierung der historischen Notwendigkeit: auf den Angriff mit den gleichen Waffen reagieren zu müssen. Schiller stilisiert die brutale Wirklichkeit, der Text muß ex negativo verstanden werden: was im Stück passiert - auch alles, was Johanna tut - dürfte nicht sein. Deshalb erfüllt sie schon gar nicht eine Sendung, bestände die doch dann in der Bestätigung des Kampfes. Sie löst eine Aufgabe, wobei die Lösung nur tragisch möglich ist: das gute Ziel, die Freiheit, ist nur durch Mittel, die Leid verursachen, durch Opfer zu verwirklichen.

Zusammenfassung der Kapitel

(1) Erfahrung von Geschichte als zentrale Thematik: Die Einleitung etabliert die dichterische Behandlung der Geschichte als zentrales Thema und kritisiert die einseitige, idealisierende Sicht auf Johanna.

(2) Prolog: Aufriß des Problems: Der Prolog schildert die Idylle, die durch den Krieg zerstört wird, und führt das Helm-Motiv als Zeichen für die Ergreifung der geschichtlich notwendigen Aufgabe ein.

(3) Zum ersten Aufzug: Der erste Aufzug dient durch die Darstellung des Hoflagers der Retardation und betont durch Nebenmotive die politische Relevanz der Dichtung.

(4) Bemerkung zur Methode der Analyse: Dieser Abschnitt unterstreicht die Notwendigkeit einer entmythologisierenden Deutung, um Schillers Stilisierung der Wirklichkeit kritisch zu erfassen.

(5) Zum zweiten Aufzug: Der Aufzug thematisiert Entzweiung und Versöhnung im Kontext der Realität des Kampfes und zeigt Johanna als allegorische Figur.

(6) Zum dritten Aufzug: Die Versöhnung steht im Zentrum, wobei die Problematisierung des Liebesverbots und der Nihilismus als Folge extremer Gegensätze hervorgehoben werden.

(7) Zum vierten Aufzug: Johanna reflektiert über ihren "furchtbaren Beruf" und wird durch die Anklage ihres Vaters in die tragische Beschuldigungssituation gebracht.

(8) Zum Fünften Aufzug: Das Ende des Dramas wird als Scheitern und Notwendigkeit interpretiert, wobei der Tod der Heldin als Ausdruck ihrer Partialität und der tragischen Struktur gedeutet wird.

(9) Noch einmal: Methode: Das Schlusskapitel fasst die geschichtstheoretische Methode zusammen und verteidigt Schillers Stilisierung gegen Vorwürfe des bloßen Stils.

Schlüsselwörter

Schiller, Die Jungfrau von Orleans, Geschichte, Tragödie, Idealismus, Realität, Stilisierung, Johanna, Historische Notwendigkeit, Entmythologisierung, Krieg, Liebe, Freiheit, Interpretation, Hamartia

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine neue Interpretation von Schillers "Die Jungfrau von Orleans", indem sie das Werk als geschichtstheoretisches Drama analysiert, statt den Fokus auf eine religiöse Überhöhung der Heldin zu legen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Deformation des Menschen durch historische Zwänge, die stilisierte Darstellung von Gewalt im Krieg sowie der notwendige, aber tragische Konflikt zwischen menschlichen Bedürfnissen und staatlichen Erfordernissen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Johanna als tragische Figur zu verstehen ist, deren Handeln nicht durch eine gottgegebene Sendung, sondern durch die unerbittliche Logik historischer Notwendigkeit bestimmt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine geschichtstheoretisch ausgerichtete Analyse, die den poetischen Text als stilisierte Wiedergabe historischer Strukturen liest und dabei eine kritische Distanz zur tradierten Literaturwissenschaft einnimmt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die Aufzüge des Dramas, wobei insbesondere die Motive des Krieges, der Versöhnung, der Selbstreflexion Johannas und die Funktion der Schlusssequenz detailliert beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen: Schiller, Tragödie, Geschichtstheorie, Entmythologisierung, Stilisierung und die Auseinandersetzung mit der "Sendung" Johannas.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der "Sendung" Johannas?

Die Arbeit verwirft die Deutung Johannas als "Gesandte Gottes". Stattdessen wird die Vision als subjektive Wahrnehmung interpretiert, während das objektive Handeln der Heldin als "historische Notwendigkeit" zur Selbstverteidigung gesehen wird.

Warum wird die Talbot-Szene im Kontext der Arbeit als wichtig erachtet?

Die Szene mit Talbot dient dem Autor als Beleg für das nihilistische Moment im Drama, welches das Gegengewicht zu Johannas idealistischen Visionen bildet und die Brutalität der historischen Realität verdeutlicht.

Welche Bedeutung kommt dem Ende des Dramas zu?

Das Ende wird als Bruch zwischen den gesprochenen Worten (Verklärung) und der Gestik (Sinken der Fahne) interpretiert, was Schillers subtile Kritik an der Unmöglichkeit, das Absolute in der Welt zu realisieren, unterstreicht.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Jungfrau von Orleans - Eine romantische Tragödie (1802)
Untertitel
Muster innerweltlicher Askese
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
sehr gut
Autor
Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1985
Seiten
23
Katalognummer
V184436
ISBN (eBook)
9783656092407
ISBN (Buch)
9783656092537
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jungfrau orleans eine tragödie muster askese
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor:in), 1985, Die Jungfrau von Orleans - Eine romantische Tragödie (1802), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184436
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Leseprobe aus  23  Seiten
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