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Wilhelm Tell - Beratschlagung und Befreiung

Titel: Wilhelm Tell - Beratschlagung und Befreiung

Forschungsarbeit , 1985 , 32 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Warum wieder Schiller? Es geht darum, ein Denkmal zu restaurieren, das mit Recht noch da steht Es geht darum, die Patina und den Dreck der Zeit abzuschmirgeln; denn was die Texte sagen, ist so gesagt, als sei es eigens uns gesagt. Brechts polemisch-hybrides Wort von den Klassikern, die im Krieg gestorben seien, ist halt schon im Literalsinn falsch : gestor¬ben sind faktisch auf dem Felde jene, die nicht in der Lage waren, die Lehre der Klassiker zu realisieren. Nicht die Klassiker haben versagt, sondern die, welche mit ihnen hätten etwas anfangen müssen.
Lehren ziehen aus dem Klassiker? Etwa diesen Kalibers: Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen . Antidemokratisch; monarchistisches, präfaschistisches Bewußt¬sein. Und nicht zu entschuldigen als Frühwerk, Jugendsünde. Spätestes Pro¬dukt, Unwiderrufbar. Ohne Kommentar ist dazuzusetzen: Gegenwärtiges. E. Wiedemann, 'Spiegel'-Reporter, schreibt am Ende eines Berichts über die Ereignisse im Iran:
"Wahr ist allerdings auch: Die Massen stehen trotz allem hinter Cho¬meini. Die Linken und Liberalen bringen zusammen selten mehr als 50 000 Demonstranten auf die Straße. Wenn aber Chomeini ruft, marschieren immer noch Millionen".
Prämisse der vorgelegten Analysen ist, daß - Autonomie hin, Form her - Dichtung in sich - geschichtliche Erfahrung hat, daß, erkennt man Dich¬tung, man erkennt, was der Mensch sei und was Geschichte. Wobei, schlimm daß man es sagen muß, Geschichte nicht die Zeitgeschichte des Autors ist: so als habe Schiller im 'Wallenstein' nacherzählt, was der französische Gene¬ral Dumouriez trieb, als er die Revolutionstruppen verließ und zum deutschen Feind überlief. Deshalb sind auch kluge Sätze, daß Schillers Dichtungen sich mit der Revolution auseinandersetzen, so klug wiederum nicht. Der Karis¬schüler brauchte die Revolution nicht, um zu merken, was Sache ist: die mundane, gesellschaftliche Verfassung der Menschheit, im Blick auf das, was die zeitgenössische Philosophie Kants als einen der Schlußsteine ihres Systems erarbeitet hatte: Freiheit Der 'Karlos', ebenso wie die anderen frühen Stücke, lange vor der Großen Revolution konzipiert und aufgeführt, verhandeln dies Problem poetisch vor dem Forum der Humanität.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Entstehung Tendenz - Historisches und Poetisches - Befreiung - Triadische Geschichtsauffassung

(1)

Antithetischer Gehalt der Lieder - Bedeutung der Naturszenerie - Eigentum - Not und Rettung - Tell als Held - Idylle und Bedrohung - Affektstruktur und Rechtsverhältnisse - Tragische Syndrome - Solidarisches Handeln und Einzelaktion - Terror und Beratung

(2)

Entwicklung des Feudalismus (Attinghausen und Rudenz) - Rettung der Freiheit mit Hilfe des konservativen Natur-Gesellschaft-Arguments - Zur Legitimation von Gewaltanwendung - Einzelhandlung und Gemeinschaft

(3)

Tell als Privatmann - Bertha/Rudenz-Szene als Muster gelingenden Gesprächs - ungerechte Güterverteilung - der Apfelschuß

(4)

Elegischer Eingang - Befreiung Tells - Apotheose des starken Individuums - Tell als Träger des polit. Programms der Schillerzeit - Antizipation demokratisch-menschlicher Verhältnisse - Begründung der Tötung Geßlers - Idylle als noch zu Schaffendes

(5)

Ein Drama der Freiheit - Theater als Forum der Gerechtigkeit - die Parricida-Szene - Tell als schuldloses Werkzeug der Nemesis - Rudenz als aufgeklärter Adliger - Schiller: ein revolutionärer Evolutionär?

(6)

Darstellung von Geschichte - Thematisch verbundene Handlungsrisiken - Bejahung von Gewalt im Einzelfall - B.v.Wiese versus H.G. Thalheim - Probleme der DDR-Deutung des Wilhelm Tell - Der Versuch einer Utopie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert Schillers „Wilhelm Tell“ als ein Werk, das die komplexe Dialektik zwischen historischer Notwendigkeit, moralischer Verantwortung und dem Streben nach politischer Freiheit thematisiert und dabei sowohl die Rolle des Einzelnen als auch die Kraft solidarischen Handelns untersucht.

  • Schillers poetische Stilisierung von Freiheit und Geschichte.
  • Das Spannungsfeld zwischen individuellem Widerstand und gemeinschaftlicher Solidarität.
  • Die ethische Legitimation von Gewaltanwendung in extremen politischen Situationen.
  • Der Wandel feudaler Strukturen und die Rolle des Adels in der Entwicklung zur „libera res publica“.
  • Die Funktion der Idylle als poetischer Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Bedrohung.

Auszug aus dem Buch

(1)

Goethe mag Recht haben, wenn er dem Freund nach Lektüre des ersten Aktes schreibt (13. Jan. 1804): Das ist denn freilich kein erster Akt, sondern ein ganzes Stück und zwar ein fürtreffliches ... und Schiller selbst wird das gewußt haben, wenn er dem Dresdner Freund Körner (am 12. Apr. 1804) mitteilt: Ich fühle, daß ich nach und nach des theatralischen mächtig werde.

So ist der Anfang mit den Liedern nicht bloße Einstimmung oder Milieuschilderung. Die hohe Meisterschaft zeigt sich, wenn man die Lieder genauer anblickt. Das Lied des Fischerknaben poetisiert die Bedrohung der Idylle, freilich nicht durch Menschen, sondern antithetisch zum Geschehen der Geschichte, durch die (dämonische) Natur, die den Menschen überwältigt, der ihrer Macht hilflos ausgesetzt ist. Das Lied des Hirten belegt, daß die Zeit als Vergänglichkeit in die idyllische Ruhe einbricht. Die blühenden Matten und sonnigen, auf die der Winter einziehen wird, müssen verlassen werden:

Der Senne muß scheiden,

Der Sommer ist hin. (V. 15f.)

Mit dem hingehenden Sommer ist an den nicht aufhaltbaren Fluß der Zeit erinnert und daran, daß der Mensch das Glück nicht festhalten kann. So ist auch antithetisch zu diesen sentimentalisch-düsteren Gemütslagen das Lied des Alpenjägers nötig, das die Macht des Menschen über die feindliche Natur zeigt: Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichem Weg (V. 26) - es ist freilich eine eisige, frühlingslose, menschenleere Natur.

Zusammenfassung der Kapitel

Entstehung Tendenz - Historisches und Poetisches - Befreiung - Triadische Geschichtsauffassung: Das einleitende Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte des Werks unter Berücksichtigung von Schillers Korrespondenz und den historischen sowie poetischen Anforderungen, die an das Drama gestellt wurden.

(1): Hier wird die Bedeutung der Lieder und der Naturszenerie als Spiegel für die Bedrohung der Idylle und die menschliche Not sowie die komplexe Affektstruktur der Figuren analysiert.

(2): Dieses Kapitel beleuchtet die feudale Hierarchie zwischen Attinghausen und Rudenz und diskutiert, wie Schiller das Natur-Gesellschaft-Argument nutzt, um die Legitimation von Gewalt und Gemeinschaftshandeln zu begründen.

(3): Der Fokus liegt auf Tell als Individuum, der Bertha/Rudenz-Szene als Beispiel für gelingende Kommunikation sowie der zentralen Problematik der Güterverteilung und dem Apfelschuss.

(4): Es wird die Befreiung Tells und seine Rolle als Träger des politischen Programms der Schillerzeit untersucht, einschließlich der Begründung für die Tötung Geßlers.

(5): Dieses Kapitel analysiert den „Tell“ als Drama der Freiheit, die Rolle der Parricida-Szene sowie die Frage nach Schillers Position als revolutionärer Evolutionär.

(6): Die abschließende Betrachtung widmet sich der Geschichtsdarstellung, der wissenschaftlichen Kontroverse (insbesondere DDR-Deutungen) und dem Scheitern bzw. dem Versuch einer Utopie.

Schlüsselwörter

Wilhelm Tell, Friedrich Schiller, Freiheit, Eidgenossenschaft, Feudalismus, Gewaltlegitimation, Idylle, Widerstand, Solidarität, Geschichtsauffassung, Selbsthilfe, Humanität, Attinghausen, Rudenz, Tyrannenmord.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Schillers Drama „Wilhelm Tell“ hinsichtlich seiner politischen, sozialen und ethischen Dimensionen und hinterfragt dessen Bedeutung für das Verständnis von Freiheit und Geschichte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen Individuum und Gemeinschaft, die Legitimität von Widerstand gegen Unterdrückung sowie die Transformation feudaler Verhältnisse durch aufklärerische Ideale.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller durch poetische Mittel die Notwendigkeit und Rechtlichkeit der Selbsthilfe reflektiert und dabei ein Modell für eine kampflose gesellschaftliche Veränderung entwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt werkimmanente Analyse, verknüpft mit geistes- und sozialgeschichtlichen Kontextualisierungen, um die Struktur des Dramas und die Absichten des Autors freizulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Akte, die Entwicklung der Charaktere, die Analyse der zentralen Symbole (Natur, Idylle, Hut) sowie die Einordnung in den literaturkritischen Diskurs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Freiheit, Solidarität, Widerstand, Recht, Legitimität, Feudalismus, Humanität und Selbsthilfe.

Wie bewertet der Autor Tells Tötung des Gessler?

Die Tötung wird als notgedrungene Selbsthilfe eines Vaters gewertet, die in einem „streng bestimmten Fall“ legitim ist, jedoch gleichzeitig als barbarisches Moment der Geschichte durch andere Handlungsebenen kontrastiert wird.

Welche Rolle spielt die Berta-Rudenz-Szene für die Struktur des Stückes?

Sie fungiert als Muster eines gelingenden Gesprächs und symbolisiert durch die Wandlung des Adligen Rudenz hin zum „Ersten unter den Freien“ eine idealistische Utopie friedlicher Verständigung und gesellschaftlicher Einheit.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wilhelm Tell - Beratschlagung und Befreiung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
sehr gut
Autor
Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1985
Seiten
32
Katalognummer
V184391
ISBN (eBook)
9783656092216
ISBN (Buch)
9783656092322
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller Wilhelm Tell Kommuikationstheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor:in), 1985, Wilhelm Tell - Beratschlagung und Befreiung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184391
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Leseprobe aus  32  Seiten
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