Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Möglichkeiten außerschulischen
Lernens im Rahmen des Geschichtsunterrichts auseinander. Verschiedene
Aspekte außerschulischer Lernorte und Lernens werden hierbei exemplarisch
an den Möglichkeiten eines Besuches des Jüdischen Deportations- und
Widerstandsmuseums in Mechelen, Belgien, vorgestellt.
Zunächst werden in gegebener Kürze Aspekte außerschulischen Lernens
dargelegt. Anhand der Begriffsdefinition der historischen Exkursion soll
aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten das Aufsuchen unterschiedlicher
Lernorte im Geschichtsunterricht bietet. Die Lernorte Gedenkstätte und
Museum werden hierbei im Weiteren fokussiert. Unter Einbeziehung des
Kernlehrplans für die Sekundarstufe I wird im Folgenden das Konzept des
gelenkten entdeckenden Lernens untersucht.
Daran anschließend wird die Gedenkstätte Jüdisches Deportations- und
Widerstandsmuseum bezüglich ihrer institutionellen Geschichte, der
Dauerausstellung, des Gedenkens in der Ausstellung und ihres Archivs
vorgestellt. Abschließend wird exemplarisch ein museumspädagogisches
Angebot für SchülerInnengruppen beim Besuch des Museums untersucht.
Dieses bezieht das Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens mit ein und
arbeitet mit einem biografischen Ansatz, indem es den Besuch und die Arbeit
in der Ausstellung anhand von persönlichen Biografien strukturiert.
Die Darstellung der Aspekte außerschulischer Pädagogik wird im weitesten aus
gedenkstättenpädagogischer Perspektive beleuchtet.1 Jedoch ist darauf zu
verweisen, dass trotz didaktisch-methodischer Ausführungen, Hinweise, Tipps
und Annahmen die Entwicklung einer breiten in sich konsistenten Theorie nach
wie vor aussteht. Für die Ausführungen zur Arbeit des Jüdischen Deportationsund
Widerstandsmuseums wurde vornehmlich die Eigenpublikation
„Didaktischer Leitfaden für den Besuch des Jüdischen Deportations- und
Widerstandsmuseum“ benutzt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Außerschulische Lernorte
1.a. Der Begriff der historischen Exkursion
1.b. Gedenkstätten und Museen als außerschulische Lernorte
1.c. Gelenktes entdeckendes Lernen in Gedenkstätten
2. Das Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum (JMDV)
2.a. Inhalt der Dauerausstellung
2.b. Das Gedenken in der Ausstellung
2.c. Das Archiv
3. Das JMDV als Lernort für SchülerInnen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Potenziale außerschulischen Lernens im Geschichtsunterricht am Beispiel des Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums (JMDV) in Mechelen. Ziel ist es, das Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens in Verbindung mit einem biografischen Ansatz kritisch zu beleuchten und für die schulische Praxis nutzbar zu machen.
- Didaktik der historischen Exkursion und außerschulische Lernorte
- Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens
- Institutionelle Geschichte und Arbeit des JMDV
- Biografisches Lernen am Beispiel von Simon Gronowski
- Vermittlung von Holocaust-Thematiken in der Sekundarstufe I
Auszug aus dem Buch
c. Gelenktes entdeckendes Lernen
Die Herausbildung von Handlungskompetenz gehört nach dem Kernlehrplan für das Fach Geschichte zu den wesentlich herauszubildenden Kompetenzen in der Sekundarstufe I. Ziel ist hierbei die Befähigung, erworbene Wissensbestände, methodische Fertigkeiten und Urteilskompetenzen für /Re-)Konstruktions- oder Dekonstruktionsaufgaben einzusetzen, Zusammenhänge explizit in Beziehung zu setzen zu Gegenwart und Zukunft und so für eine lebensweltliche Anwendung und historische Orientierung zu nutzen.
Insbesondere an außerschulischen Orten kann durch das Erleben von Realerfahrungen handlungsorientiert und erfahrungsbezogen gearbeitet werden. Realerfahrungen bieten Gedenkstätten und Museen in mehrfacher Hinsicht. Zum einen durch die Begegnung mit dem authentischen Ort der Gedenkstätte, zum anderen aber auch mit den Realien in den Ausstellungen von Museen. In einigen Fällen besteht auch die Verzahnung von Ausstellung, Gedenkort mit einer übergreifenden Dokumentation, die auch Archivalien beinhalten kann. Auch ein Archiv kann somit Begegnung mit authentischen Dokumenten schaffen.
Eine Handlung im schulischen wie außerschulischen Kontext beinhaltet stets mehrere Komponenten in der Bearbeitung einer Thematik: a) Kognition in den Phasen des Überlegens, Planens, der Steuerung der Durchführung sowie bei der Bewertung der Ergebnisse, b) Identifikation der Teilnehmenden, c) Ergebnisorientierung, so dass am Ende der Einheit ein Ergebnis präsentiert werden kann. Dies geschieht zumeist als Form des entdeckenden Lernens, das eng verknüpft mit der Handlungsorientierung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit erläutert die Möglichkeiten außerschulischen Lernens im Geschichtsunterricht unter Einbezug der Gedenkstättenpädagogik und des JMDV.
1. Außerschulische Lernorte: Es werden theoretische Grundlagen zur historischen Exkursion, zur Rolle von Museen und Gedenkstätten sowie zum Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens dargelegt.
2. Das Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum (JMDV): Das Kapitel stellt die Geschichte des ehemaligen Sammellagers Mechelen, die Dauerausstellung sowie die Archivarbeit des Museums vor.
3. Das JMDV als Lernort für SchülerInnen: Hier wird untersucht, wie museumspädagogische Angebote, insbesondere durch den biografischen Ansatz, gezielt in der schulischen Bildung eingesetzt werden können.
Fazit: Die Schlussbetrachtung würdigt die Bedeutung des Lernortes für die Erinnerungskultur und reflektiert die pädagogischen Herausforderungen bei Besuchen von Schülergruppen.
Schlüsselwörter
Außerschulisches Lernen, Geschichtsunterricht, JMDV, Gedenkstättenpädagogik, Historische Exkursion, Entdeckendes Lernen, Holocaust, Mechelen, Biografisches Lernen, Simon Gronowski, Handlungskompetenz, Erinnerungskultur, NS-Zeit, NS-Sammellager, Menschenrechtsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Nutzung außerschulischer Lernorte, speziell des Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums in Mechelen, für den Geschichtsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gedenkstättenpädagogik, der Definition historischer Exkursionen und dem konkreten museumspädagogischen Einsatz von Biografien im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, wie das Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens dazu beitragen kann, historische Ereignisse wie den Holocaust für SchülerInnen erfahrbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachdidaktische Literaturanalyse und die Auswertung museumspädagogischer Leitfäden des JMDV.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben theoretischen Definitionen zu außerschulischen Lernorten werden die Geschichte des JMDV und die praktische Umsetzung von Unterrichtseinheiten, etwa am Beispiel von Simon Gronowski, detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind außerschulisches Lernen, Gedenkstättenpädagogik, Holocaust, biografisches Lernen und Handlungskompetenz.
Warum ist das Beispiel von Simon Gronowski für die Pädagogik so bedeutend?
Sein Schicksal ermöglicht eine individuelle und empathische Annäherung an die Zeit des Nationalsozialismus, da es Schülern hilft, komplexe historische Zusammenhänge durch ein konkretes Einzelschicksal zu begreifen.
Wie unterscheidet sich das JMDV von rein musealen Ausstellungen?
Als authentischer Ort eines ehemaligen NS-Sammellagers verbindet das JMDV die Funktion einer Gedenkstätte mit der Archivarbeit und einer expliziten pädagogischen Zielsetzung, die über bloße Wissensvermittlung hinausgeht.
- Quote paper
- Philipp Erbslöh (Author), 2010, Außerschulisches Lernen im Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum in Mechelen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184348