Gliederung:
Einleitung
Teil A: Die Düsseldorfer Schule
1. Geschichte der Düsseldorfer Schule
2. Ziele der „Düsseldorfer Schule“
3. Themen der Diskurse
4. Arbeit mit Textkorpora
5. Arbeitsmethoden
5.1 Schlüsselwörter
5.2 Metaphernanalyse
5.3 International vergleichende Diskurs- und Argumentationsanalyse
Teil B: Eine Begriffsgeschichte am Beispiel des Wortes "Hartz-IV"
1. Die Entstehung des Begriffes Hartz-IV
2. Etablierung des Begriffes in der Gesellschaft
2.1 Hartz-IV-Komposita
2.1.1 Geschichte der Hartz-IV-Komposita
2.1.2 Neutrale Komposita
2.1.3 Komposita mit negativer Bedeutung des Begriffes
2.2 Hartz-IV als Wort des Jahres
3. Hartz-IV-Umbenennung
Fazit
Literaturverzeichnis
Teil A
Teil B
Gesamtlänge: 31 Seiten
Textauszug:
2.1.1 Geschichte der Hartz-IV-Komposita
Die Verbindung zweier Wörter zu einem Begriff ist besonders im Zusammenhang mit dem Wort Hartz-IV weit verbreitet. Eine solche Wortneuschöpfung erlaubt es dem Redner spezifische Inhalte zu vermitteln und sein Ziel der möglichst genauen Wiedergabe seiner Gedanken möglichst schnell zu erreichen. Die Verwendung der Komposita ist also eine Frage der Sprachökonomie.
Solche Komposita wurden von der Presse bereits zum Beginn des Diskurses um die Reform des Arbeitslosengeldes im Jahr 2002 eingeführt. Dabei waren Komposita wie Hartz-Gesetze oder Hartz-Plan noch wertfrei und bezeichneten objektiv einen Themengegenstand.
Nachdem ab dem 01.01.2005 die finanzielle Unterstützung von Nicht-Erwerbstätigen in Form des Arbeitslosengeldes II anlief, häuften sich die Kritiken zu der Reform und es kam zu einem breit angelegten Diskurs in der Öffentlichkeit. Zu geringe Regelsätze für die Betroffenen, zu große Belastungen für den Bundeshaushalt und zu aggresive Eingriffe des Staates in die Privatsphäre der Bevölkerung, wenn es etwa um die Berechnung des individuellen Regelsatzes ging, führten zu zahlreichen Protesten. Natürlich beeinflussten die Medien dieses öffentliche Streitthema mit ihren Berichterstattungen. Zum ersten Mal kritisiert der Spiegel im Oktober das Hartz-Debakel (auch: Hartz-Desaster) und das kaum überschaubare Geflecht der Hartz-IV-Töpfe unter der Überschrift „Das Spiel mit den Armen - Wie der Sozialstaat zur Selbstbedienung einlädt."
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil A: Die Düsseldorfer Schule
1. Geschichte der Düsseldorfer Schule
2. Ziele der „Düsseldorfer Schule“
3. Themen der Diskurse
4. Arbeit mit Textkorpora
5. Arbeitsmethoden
5.1 Schlüsselwörter
5.2 Metaphernanalyse
5.3 International vergleichende Diskurs- und Argumentationsanalyse
Teil B: Eine Begriffsgeschichte am Beispiel des Wortes "Hartz-IV"
1. Die Entstehung des Begriffes Hartz-IV
2. Etablierung des Begriffes in der Gesellschaft
2.1 Hartz-IV-Komposita
2.1.1 Geschichte der Hartz-IV-Komposita
2.1.2 Neutrale Komposita
2.1.3 Komposita mit negativer Bedeutung des Begriffes
2.2 Hartz-IV als Wort des Jahres
3. Hartz-IV-Umbenennung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeitsweise und Forschungsschwerpunkte der „Düsseldorfer Schule“ der Diskursanalyse. Ziel ist es, den Ansatz der Sprachgeschichte als Zeitgeschichte darzustellen und diesen methodischen Rahmen anhand der Begriffsgeschichte von „Hartz-IV“ exemplarisch auf seine gesellschaftliche Relevanz und den Bedeutungswandel im öffentlichen Sprachgebrauch zu prüfen.
- Methoden der „Düsseldorfer Schule“ (Schlüsselwort- und Metaphernanalyse)
- Sprachgeschichte als Zeitgeschichte nach 1945
- Entstehung und Etablierung des Begriffs „Hartz-IV“
- Negative Konnotation und soziale Stigmatisierung durch Komposita
- Diskurs um die Umbenennung von „Hartz-IV“ in der politischen Praxis
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Komposita mit negativer Bedeutung des Begriffes
Mittlerweile finden sich zahlreiche Komposita in den öffentlichen Medien wieder, die einen Sachverhalt mit dem Begriff Hartz-IV verbinden und damit auf bestimmte Gegenstände referieren und diese reflektieren. Erfolgt eine solche Reflexion, ist die implizierte Meinung zu dieser Thematik ausschließlich negativ, wie die nun aufgeführten Beispiele verdeutlichen sollen:
(1) Der Hartz-Horror - In der Bundesagentur für Arbeit bahnt sich das größte Finanzdebakel seit der deutschen Einheit an. Die von einer Allparteien-Koalition verabschiedete Hartz-Reform führt zu Mehrkosten, die den Bildungsetat deutlich übersteigen. Neue Arbeitsplätze sind nicht entstanden - außer in der Bürokratie.
23.05.2005, Der Spiegel
(2) Hartz-IV-Schande - Arbeitsverweigerung, Verschwendung, Schlamperei - Noch nie mussten so viele Stütze-Empfänger bestraft werden.
18.04.2011, Bild-Zeitung
(3) Alleinerziehende in der Hartz-IV-Falle - Die Politik hofiert die Alleinerziehenden und verspricht ihnen Hilfe - doch die wirklichen Probleme packt sie nicht an. Denn das Fehlen eines Elternteils ist das größte Armutsrisiko in Deutschland. 42 Prozent der Alleinerziehenden leben von staatlicher Fürsorge. Anreize für Berufstätigkeit fehlen in vielen Fällen
24.04.2010, Welt Online
Zusammenfassung der Kapitel
Geschichte der Düsseldorfer Schule: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Forschungszweigs durch Georg Stötzel, der Sprachgeschichte konsequent als Zeitgeschichte unter Einbeziehung sozialhistorischer Aspekte definierte.
Ziele der „Düsseldorfer Schule“: Hier wird dargelegt, wie die Linguisten den Einfluss von Sprache auf das Bewusstsein und die Meinungsbildung der Gesellschaft aufzeigen und erforschen wollen.
Themen der Diskurse: Dieses Kapitel beschreibt die zeitliche Abgrenzung des Forschungsgegenstandes auf die Zeit nach 1945 und nennt Kriterien für die Auswahl untersuchter Debatten.
Arbeit mit Textkorpora: Hier wird erläutert, wie ein Textkorpus als zentrales Untersuchungsobjekt zusammengestellt wird und warum eine Auswahl von Printmedien notwendig ist.
Arbeitsmethoden: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Anwendung von Schlüsselwort- und Metaphernanalyse sowie international vergleichende Ansätze in der Diskursforschung.
Die Entstehung des Begriffes Hartz-IV: Dieses Kapitel dokumentiert die Genese des Begriffs aus den Reformgesetzen der Ära Schröder und dessen mediale Verbreitung.
Etablierung des Begriffes in der Gesellschaft: Hier wird die Verankerung des Begriffs durch die mediale Nutzung von Komposita und seine Wahl zum „Wort des Jahres“ analysiert.
Hartz-IV-Umbenennung: Dieses Kapitel thematisiert die politischen Versuche, den negativ besetzten Begriff „Hartz-IV“ durch neutralere Bezeichnungen wie „Basisgeld“ zu ersetzen.
Schlüsselwörter
Diskursanalyse, Düsseldorfer Schule, Hartz-IV, Sprachgeschichte, Zeitgeschichte, Metaphernanalyse, Schlüsselwörter, Sprachgebrauch, Bedeutungswandel, Komposita, Medien, Politik, Sozialstaat, Stigmatisierung, Korpusanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die linguistische Methode der „Düsseldorfer Schule“, welche Sprachgeschichte als Teil der Zeitgeschichte begreift und diese analytische Perspektive auf den Begriff „Hartz-IV“ anwendet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretische Fundierung der Diskursanalyse nach 1945, die methodischen Ansätze wie die Metaphernanalyse sowie die Begriffsgeschichte im politischen und medialen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den Forschungsansatz der Düsseldorfer Linguisten zu geben und exemplarisch den Bedeutungswandel und die soziale Stigmatisierung durch den Begriff „Hartz-IV“ aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative diskurshistorische Analyse, insbesondere die Untersuchung von Schlüsselwörtern, Metaphern und die Auswertung von Printmedien-Textkorpora.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Düsseldorfer Schule (Teil A) und eine detaillierte Fallstudie zur Begriffsgeschichte von „Hartz-IV“ (Teil B).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diskursanalyse, Hartz-IV, Sprachgeschichte, Metaphern, Komposita und sozialer Bedeutungswandel.
Warum wurde ausgerechnet der Begriff „Hartz-IV“ für die Analyse gewählt?
Der Begriff dient als exemplarisches Praxisbeispiel, da er eine starke mediale Präsenz aufweist, einen deutlichen Bedeutungswandel durchlief und im öffentlichen Diskurs zu einer negativen Konnotation führte.
Welche Rolle spielen Komposita bei der Stigmatisierung von Hartz-IV-Empfängern?
Komposita wirken als „Eye-Catcher“ in den Medien und verknüpfen den Begriff mit negativen Attributen wie „Horror“ oder „Schande“, wodurch die Empfänger gesellschaftlich herabgewürdigt werden.
Warum sind Versuche zur Umbenennung des Begriffs laut Arbeit gescheitert?
Der Begriff ist bereits zu tief in den allgemeinen Sprachgebrauch eingedrungen und ökonomisch sowie kommunikativ zu „praktisch“ in der Verwendung, als dass er sich leicht durch neutrale Kunstbegriffe ersetzen ließe.
- Quote paper
- Tina Hellwig (Author), 2011, Die Diskursanalyse der Düsseldorfer Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184334