1 Einleitung
Atypische Beschäftigungsverhältnisse gewinnen auf dem deutschen Arbeitsmarkt an Bedeutung.
Im Gegensatz zum typischen unbefristeten Vollzeitbeschäftigungsverhältnis kennzeichnen
sich diese Erwerbsformen im Kern durch eine erhöhte Flexibilität des Arbeitsverhältnisses
aus. Auf der Arbeitgeberseite bieten diese Beschäftigungsformen vielerlei Möglichkeiten.
Einerseits können so beispielsweise die Arbeitskosten, wie die Lohnzusatzkosten, durch die
Einstellung von geringfügig Beschäftigten gesenkt werden.1 Andererseits bietet z.B. die zeitliche
Befristung eines Arbeitsverhältnisses die Möglichkeit, die Produktion in konjunkturellen
Boomphasen kurzfristig zu erhöhen, ohne den Arbeitnehmer nach dieser Phase weiter zu
beschäftigen. Auf der Arbeitnehmerseite bietet diese erhöhte Flexibilität eine bessere Anpassung
an das private und soziale Umfeld. Allerdings können atypische Beschäftigungsverhältnisse
für die Arbeitnehmer auch Risiken beinhalten, wie eine schlechtere Einkommenslage
oder ein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko.
Der wissenschaftliche Diskurs über atypische Beschäftigungsformen fußt dabei auf diesen
möglichen Risiken. Im Zentrum der Diskussion steht dabei die Frage, inwiefern atypische
Beschäftigungsverhältnisse als prekär anzusehen sind.
In der folgenden Darstellung soll diese Frage anhand eines Überblicks an empirischen Studien
zur Überprüfung des Prekaritätsrisikos von atypischen Erwerbsformen erläutert und geklärt
werden. Dabei wird unter Gliederungspunkt 2.1 auf die Formen und das Ausmaß atypischer
Beschäftigungsverhältnisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt eingegangen. Unter Gliederungspunkt
2.2 wird der Prekaritätsbegriff vorgestellt. Die empirischen Analysen zur Beziehung
zwischen Prekarität und atypischer Beschäftigung werden unter Gliederungspunkt 3
betrachtet. Ein Vergleich der Studien und deren Ergebnisse erfolgt unter Gliederungspunkt 4.
Das Fazit unter Gliederungspunkt 5 rundet die Darstellung ab.
2 Normalarbeitsverhältnis, atypische Beschäftigung und der Prekaritätsbegriff
In der Literatur bildet die negative Abgrenzung vom sogenannten Normalarbeitsverhältnis
üblicherweise die definitorische Basis atypischer Beschäftigungsverhältnisse.2 Demzufolge
kennzeichnen sich atypische Beschäftigungsverhältnisse dadurch aus, dass sie von einem
oder mehreren zentralen Merkmal(en) des Normalarbeitsverhältnisses abweichen.3
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Normalarbeitsverhältnis, atypische Beschäftigung und der Prekaritätsbegriff
2.1 Formen und Ausmaß atypischer Beschäftigungsverhältnisse
2.2 Der Prekaritätsbegriff und seine Bedeutung für die Arbeitswelt
3 Empirische Analysen
3.1 Stand der Forschung und Kategorisierung der ausgewählten Studien
3.2 Studie 1: Empirische Analyse der Prekaritätsrisiken von Zeitarbeitskräften
3.2.1 Datengrundlage und statistische Verfahren
3.2.2 Empirische Ergebnisse
3.3 Studie 2: Empirische Analyse über die Prekaritätsrisiken der Kernformen atypischer Beschäftigung
3.3.1 Datengrundlage und statistische Verfahren
3.3.2 Empirische Ergebnisse
3.4 Studie 3: Empirische Analyse über die sozioökonomischen Risiken von befristeter Beschäftigung, Zeitarbeit und Teilzeitarbeit
3.4.1 Datengrundlage und statistische Verfahren
3.4.2 Empirische Ergebnisse
3.5 Studie 4: Empirische Analyse zur Entlohnung befristeter Beschäftigungsverhältnisse
3.5.1 Datengrundlage und statistische Verfahren
3.5.2 Empirische Ergebnisse
4 Kritischer Vergleich der ausgewählten Studien
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, inwiefern atypische Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland als prekär einzustufen sind, indem sie aktuelle empirische Studien analysiert und deren Ergebnisse hinsichtlich verschiedener Prekaritätsindikatoren kritisch vergleicht.
- Strukturwandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt und Zunahme atypischer Erwerbsformen
- Konzeptualisierung des Prekaritätsbegriffs durch objektive und subjektive Dimensionen
- Empirische Untersuchung von Lohn, Beschäftigungsstabilität und Weiterbildungsmöglichkeiten
- Kritischer Vergleich ausgewählter ökonomischer Studien auf Basis des SOEP
- Evaluation des Prekaritätsrisikos für unterschiedliche Beschäftigtengruppen
Auszug aus dem Buch
3.2 Studie 1: Empirische Analyse der Prekaritätsrisiken von Zeitarbeitskräften
Die folgende Studie befasst sich mit einer empirischen Überprüfung des Prekaritätsrisikos von Zeitarbeitskräften mit Hilfe des Propensity-Score-Matching-Verfahrens. Dabei werden sieben Prekaritätsdimensionen definiert, anhand derer die Beschäftigungssituation von Zeitarbeitskräften und Normalbeschäftigten verglichen werden.
Die Datengrundlage der Studie bildet das deutsche sozioökonomische Panel (SOEP). Im Rahmen des auf Dauer angelegten SOEP werden jährlich, seit 1984, Daten zu soziologischen und ökonomischen Individuallebensbedingungen, wie z.B. individuelle Zufriedenheit oder Erwerbsstatus, anhand einer repräsentativen Stichprobe aus der deutschen Wohnbevölkerung erfasst. Seit den Haushaltsbefragungen in 2001 gibt das SOEP Auskunft darüber, ob eine Person in der Zeitarbeitsbranche tätig ist. Im Rahmen der empirischen Analyse werden Datensätze aus den Jahren 2006 und 2007 herangezogen. Des Weiteren werden nur Erwerbstätige aus Privathaushalten im Alter von 18-65 Jahren, die einer abhängigen Vollzeitbeschäftigung nachgingen, in die Analyse aufgenommen. Personen in beruflicher oder schulischer Ausbildung werden von der empirischen Überprüfung ausgeschlossen.
Auf Basis dieser Datengrundlage erfolgt unter Verwendung des Propensity Score Matching eine Analyse, ob Zeitarbeiter im Vergleich zu Normalbeschäftigten einem erhöhten Prekaritätsrisiko ausgesetzt sind. Ziel des Propensity Score Matching ist es, Selektionsverzerrungen zu verringern. Das Problem der Selektionsverzerrungen fußt dabei auf dem grundlegenden Evaluierungsproblem von Studien, nämlich der Unmöglichkeit ein und dieselbe Person (Person A) in zwei unterschiedlichen Zuständen (Person A als Zeitarbeiter oder Person A als Normalbeschäftigter) zu beobachten. Dieses Problem einer Unbeobachtbarkeit von zwei unterschiedlichen Zuständen kann bedingt durch die Bildung einer Teilnehmer- (Zeitarbeiter) und einer Kontrollgruppe (Normalbeschäftigte) gelöst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung atypischer Beschäftigung und Formulierung der zentralen Forschungsfrage zur Prekarität.
2 Normalarbeitsverhältnis, atypische Beschäftigung und der Prekaritätsbegriff: Definition der Kernformen atypischer Erwerbsarbeit und theoretische Herleitung des Prekaritätsbegriffs.
3 Empirische Analysen: Detaillierte Vorstellung vier verschiedener empirischer Studien, die unterschiedliche Aspekte von Prekaritätsrisiken anhand des SOEP untersuchen.
4 Kritischer Vergleich der ausgewählten Studien: Systematische Gegenüberstellung der methodischen Ansätze, Datenbasen und Ergebnisse der vorgestellten Studien.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion der Schwierigkeit, eine eindeutige Prekarität atypischer Erwerbsformen wissenschaftlich nachzuweisen.
Schlüsselwörter
Atypische Beschäftigung, Prekarität, Normalarbeitsverhältnis, Zeitarbeit, Teilzeitbeschäftigung, Befristete Beschäftigung, SOEP, Propensity Score Matching, Bruttostundenlohn, Beschäftigungsstabilität, Niedriglohn, Lohngerechtigkeit, Arbeitsmarkt Deutschland, Erwerbsbiographie, Sozioökonomische Risiken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob atypische Beschäftigungsverhältnisse – wie Zeitarbeit, Teilzeit oder Befristung – auf dem deutschen Arbeitsmarkt als prekär einzustufen sind, indem sie empirische Evidenz aus bestehenden Studien zusammenführt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von atypischer Beschäftigung, die theoretische Operationalisierung von Prekarität sowie die empirische Analyse von Einkommensnachteilen, Beschäftigungsstabilität und Aufstiegschancen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer Literaturanalyse zu prüfen, ob ein systematischer Zusammenhang zwischen atypischen Erwerbsformen und Prekaritätsrisiken besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem Literaturüberblick über verschiedene empirische Studien, die überwiegend Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) verwenden und statistische Verfahren wie Propensity Score Matching sowie Fixed-Effects-Regressionen anwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden vier spezifische empirische Studien vorgestellt, die unterschiedliche Dimensionen von Prekarität (Lohn, Stabilität, Weiterbildung) bei verschiedenen atypischen Beschäftigtengruppen analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Atypische Beschäftigung, Prekarität, Niedriglohn, Beschäftigungsstabilität und das SOEP-Panel.
Was ist das wichtigste Ergebnis zur Zeitarbeit?
Die Analyse zeigt, dass Zeitarbeit zwar oft mit Benachteiligungen bei Lohn und Stabilität verbunden ist, eine pauschale Einstufung als "prekär" jedoch aufgrund fehlender allgemeingültiger Kriterien wissenschaftlich schwer zu belegen ist.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Risiken?
Ja, die Studien zeigen, dass Männer und Frauen je nach Beschäftigungsform unterschiedliche Lohnabschläge und Instabilitätsrisiken erfahren, wobei die Befunde durch verschiedene Kontrollvariablen wie Bildungsabschluss und Wirtschaftszweig beeinflusst werden.
- Quote paper
- Sascha Wahl (Author), 2011, Sind atypische Beschäftigungsverhältnisse prekär? , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184215