Die vorliegende Arbeit beinhaltet die Konzeption sowie die Erstellung eines Prototyps eines österreichischen Patentatlanten. Die Priorität der Ausführungen liegt vor allem darin, den Leser und Anwender insofern zu sensibilisieren, als dass Auswertungen und Interpretationen von Patentdaten mit großer Sorgfalt vorzunehmen sind. Hintergrund dafür ist nicht nur das zum Teil undurchsichtige Patentsystem an sich, sondern auch die Auswahl der Patentdaten, auf Basis derer Ergebnisse und Empfehlungen entstehen.
Zunächst erfolgt eine wissenschaftliche Aufbereitung des Themekomplexes. Durch Darstellung diverser Publikationen der Patentliteratur und den damit verbundenen Unschärfen und Einschränkungen wird schon zu Beginn der Arbeit deutlich, dass eine uneingeschränkte Anwendbarkeit von Patentanalysen nicht möglich ist. Es entsteht somit die Frage, ob Patentdaten überhaupt als Datengrundlage für diverse Ausarbeitungen geeignet sind. Eine ausführliche Literaturstudie soll daher die sehr gegensätzlichen Ansichten zum Ausdruck bringen. Eine fundiertes Herausarbeiten der Vor- und Nachteile von Patentdaten runden diesen Themenbereich ab.
Basierend auf den Erkenntnissen aus der Literatur wird in weiterer Folge ein Konzept für einen österreichischen Patentatlanten entworfen. Dabei werden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt und kritisch betrachtet. Zum Teil finden dabei Vorschläge aus der Literatur Anwendung, aber auch eigene Überlegungen fließen ein.
Auf Basis der definierten Prinzipien wird daraufhin der Patentatlas erstellt. Nach der Präsentation der Datenauswertungen erfolgen diverse Analysen und Vergleiche, die zum einen die Validität der Daten prüfen sollen und zum anderen Aufschluss über die möglichen Anwendungen geben. Auch hierbei wird stets auf die Sensibilität der Daten hingewiesen, wobei speziell Vergleiche äußerst problematisch sind, da zum Teil völlig unterschiedliche Konzepte zur Anwendung kommen. Im Zuge der angestellten Vergleiche und Analysen wird versucht, diverse Forschungsfragen zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Kritischer Überblick über die Forschungslage
1.2 Problemstellungen und Forschungsfragen
2 Aufbau und Methodik der Arbeit
3 Grundlagen für Patentanalysen
3.1 Was ist ein Patent?
3.2 Wie wird ein Patent angemeldet?
3.3 Wann wird ein Patent veröffentlicht bzw. erteilt?
3.4 Was beinhaltet eine Patentschrift?
3.5 Welche Motive liegen Patenten zu Grunde?
3.6 Patente als einziger Schutz vor Imitation?
4 Eignung von Patentdaten für informetrische Analysen
4.1 Indikatorfunktion von Patenten - Störfaktoren
4.2 Einfluss der Störfaktoren auf die Ergebnisse der Patentanalysen
5 Der deutsche Patentatlas
5.1 Allgemeines
5.2 Kriterien und Methodik
5.3 Auswertungen und Erkenntnisse
6 Literaturanalyse von Studien auf Basis des deutschen Patentatlanten
6.1 Problemformulierung
6.2 Literatursuche
6.3 Literaturauswertung
6.4 Analyse und Interpretation der Literatur
6.4.1 Patentdaten als Outputfaktor
6.4.2 Patentdaten als Inputfaktor
6.4.3 Weitere Anwendungsgebiete
6.5 Präsentation der ausgewählten Literatur
7 Konzeptionelle Überlegungen zu einem österreichischen Patentatlanten
7.1 Grundlagen
7.1.1 Zeitraum
7.1.2 Datumskriterium
7.1.3 Patentstatus
7.1.4 Patentfamilien
7.1.5 Quelldaten
7.1.6 Prinzipien der Zuteilung der Patentanmeldungen
7.1.7 Geografische Differenzierung
7.1.8 Anmelderkategorien
7.1.9 Technische Inhalte
7.2 Datenbereinigung
7.3 Übersicht und Evaluierung der Konzepte
8 Datenbeschaffung und –aufbereitung
8.1 Auswahl der Daten
8.2 Bereinigung und Aufbereitung der Daten
8.3 Zuordnung zu geografischen Einheiten
8.4 Identifizierung von Patentfamilien und Optimierung der Datenzuordnung
8.5 Zuordnung der technischen Kategorie
8.6 Bewertung der Anmeldungen
8.7 Anwendung der Kriterien anhand konkreter Beispiele
9 Datenauswertung – Ein österreichischer Patentatlas
9.1 Allgemeines zum Patentatlas
9.2 Geografische Einheiten
9.3 Technische Bereiche
9.4 Zeitliche Entwicklungen
9.5 Weitere Auswertungen
10 Analysen zu den Auswertungen des Patentatlanten
10.1 Unternehmen im Hintergrund
10.2 Anwendung der Erkenntnisse für F&E-Förderungen
10.3 Einfluss der Universitäten auf die Innovationsleistung
10.4 Vergleich mit den Daten des österreichischen Patentblattes
10.5 Vergleich mit den Daten des deutschen Patentatlanten
10.6 Vergleiche mit internationalen Patentdaten
11 Resümee und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Konzeption und Erstellung eines Prototyps eines österreichischen Patentatlanten, um eine fundierte Datenbasis für nationale Innovationsanalysen zu schaffen und die Vergleichbarkeit sowie Transparenz im Bereich der Patentdatenaufbereitung zu erhöhen. Dabei wird insbesondere untersucht, inwiefern Patentdaten als Datengrundlage für informetrische Analysen geeignet sind und welche methodischen Herausforderungen bei deren Aufbereitung bestehen.
- Kritische Analyse der Eignung von Patentdaten als Innovationsindikator
- Entwurf eines methodischen Konzepts zur Erstellung eines nationalen Patentatlanten
- Untersuchung der regionalen und technischen Verteilung von Innovationen in Österreich
- Vergleich der österreichischen Innovationsleistung mit internationalen Daten und dem deutschen Patentatlas
- Ableitung strukturpolitischer Handlungsempfehlungen auf Basis der Datenauswertungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Was ist ein Patent?
Ein Patent stellt ein Monopolrecht für den oder die Anmelder dar, das zeitlich begrenzt ist. Damit werden Dritte von der Nutzung und Verwertung der Erfindung ausgeschlossen. Als Voraussetzung für die Erteilung eines Patentes müssen drei Faktoren erfüllt sein:
Neuheit: Darunter versteht man nicht nur, dass die Erfindung für das jeweilige Land oder Patentamt neu sein muss, vielmehr darf die Innovation weltweit noch nirgendwo in dieser oder ähnlicher Form vorgekommen bzw. angemeldet worden sein.
Erfinderische Tätigkeit: Damit ist in erster Linie gemeint, dass die Erfindung nicht trivial sein darf. Die Bedingung ist dann erfüllt, wenn neue, nicht augenscheinliche Elemente gegeben sind. Diese Voraussetzung erscheint auf den ersten Blick überflüssig, hat aber durchaus eine fachliche Daseinsberechtigung. Hintergrund ist der, dass etwas Neues hervorgebracht werden muss, dass über das Auffinden von etwas Gegebenem hinausgeht. Es ist dabei häufig die Erklärung „die Lösung darf nicht nahe liegend sein“ zu finden.
Gewerbliche Anwendbarkeit: Schließlich muss die Erfindung so anwendbar sein, dass damit ein wirtschaftlicher Nutzen verbunden ist. Ob mit der Innovation ein Prozess beschleunigt wird oder ein neues Spielzeug gebaut werden kann, spielt dabei keine Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz von Patentanalysen und Definition der zentralen Forschungslücke in Österreich.
2 Aufbau und Methodik der Arbeit: Darstellung der verwendeten Forschungsmethoden Prototyping und Review bei Literaturanalyse zur wissenschaftlichen Fundierung.
3 Grundlagen für Patentanalysen: Vermittlung essenzieller Kenntnisse über das Patentsystem und die Definition von Patenten als Basis für weitere Ausführungen.
4 Eignung von Patentdaten für informetrische Analysen: Kritische Untersuchung von Störfaktoren bei der Verwendung von Patentdaten als Innovationsindikator.
5 Der deutsche Patentatlas: Vorstellung des deutschen Patentatlanten als Referenz für Methodik und Aufbau.
6 Literaturanalyse von Studien auf Basis des deutschen Patentatlanten: Systematische Aufarbeitung existierender Studien, um Erkenntnisse für den österreichischen Prototypen zu gewinnen.
7 Konzeptionelle Überlegungen zu einem österreichischen Patentatlanten: Detaillierte Definition der Kriterien und Prinzipien für die Erstellung des österreichischen Patentatlanten.
8 Datenbeschaffung und –aufbereitung: Dokumentation der technischen Prozesse zur Erstellung der Datenbasis unter Anwendung der zuvor definierten Kriterien.
9 Datenauswertung – Ein österreichischer Patentatlas: Präsentation der Ergebnisse der Datenauswertung nach geografischen und technischen Dimensionen.
10 Analysen zu den Auswertungen des Patentatlanten: Vertiefende Analysen zu Unternehmen, Universitäten und internationalen Vergleichen auf Basis der gewonnenen Daten.
11 Resümee und Ausblick: Zusammenfassende kritische Betrachtung der Ergebnisse und Ideen für zukünftige Weiterentwicklungen.
Schlüsselwörter
Patentatlas, Patentdaten, Innovation, Erfindungsleistung, Prototyping, informetrische Analysen, Österreich, Patentanmeldung, Technologiecluster, Patentfamilien, Innovationspolitik, Indikatoren, Datenaufbereitung, Forschungsnetzwerke, Innovationskraft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Erstellung eines Prototyps für einen österreichischen Patentatlanten, um die Innovationsleistung des Landes auf Basis von Patentdaten messbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die Eignung von Patenten als Innovationsindikator, die methodische Datenaufbereitung sowie die Analyse der regionalen und technischen Verteilung von Innovationen in Österreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Schaffung einer fundierten Datenbasis, die als einheitliches Instrument für zukünftige struktur- oder technologiepolitische Analysen und Entscheidungen dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet das Prototyping als Kernmethode der Wirtschaftsinformatik sowie eine Literaturanalyse in Form eines Reviews nach Fettke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Literaturanalyse des deutschen Modells, eine detaillierte Konzeption für Österreich, die praktische Datenaufbereitung und die konkrete statistische Datenauswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind Patentdaten, Innovation, Patentatlas, Erfindersitzprinzip, Innovationsindikatoren und Technologieklassifikation.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des österreichischen Patentatlanten vom deutschen Modell?
Im Gegensatz zum deutschen Modell, das auf dem Veröffentlichungsdatum basiert, nutzt der österreichische Ansatz das Prioritätsdatum, um der tatsächlichen Erfindungsleistung näherzukommen.
Welche Rolle spielen "Störfaktoren" bei der Interpretation von Patentdaten?
Störfaktoren wie unterschiedliche Patentierstrategien, Branchenbesonderheiten oder zeitliche Verzögerungen müssen bei der Interpretation beachtet werden, um Fehlinterpretationen der Innovationskraft zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Michael Kuhn (Autor:in), 2011, Ein Prototyp für einen österreichischen Patentatlas, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184119