In diesem Kurzessay begegnen sich zwei Künstler mit scheinbar unvereinbaren Gegensätzen. Johannes Hucke bringt Licht ins Dunkle und zeigt erstaunliche Gemeinsamkeiten auf!
Inhaltsverzeichnis
1. Meese und Raabe: Die Liste der sich einander gegenläufig verhaltenden Merkmale ist lang.
2. Raabes Werk für sich eint in vielfacher Hinsicht der Aspekt des Mit- oder Nebeneinanders der Geschichte.
3. Das „woher“ und „warum“ des „Apokalypsen“-Entwurfs in „Das Odfeld“ prägt den (literarischen) Diskurs hier im Speziellen.
4. Mit Blick auf sein Gesamtwerk – man denke beispielsweise die „Chronik der Sperlingsgasse – nimmt hier Raabe als Schriftsteller eine Mittlerfunktion ein.
5. Zwei der weiteren Vergleich mit Jonathan Meese entscheidende Prämissen führt Jacob in seiner Konklusion auf.
6. Der „Bestsellerprofessor“ ECO könnte – er ist ebenfalls Verfasser historischer Romane – mit seinem 2009 erschienenen Werk „Die unendliche Liste“ einen weiteren Mosaikstein zur Erklärung des bei Raabe angewandten Verfahrens beisteuern.
7. Ganz ähnlich, wohl aber in gesteigerter Radikalität, Intensität und Härte wie Raabe den Geschichtsdiskurs versinnbildlicht auf einem Schlachtfeld austrägt, tut dies Meese – in Puls und Unmittelbarkeit der Postmoderne.
8. Meese gilt – der Filmausschnitt bestätigt diesen Eindruck – „(...) als einer der „Partisanen der Utopie“.
9. Laut Richter ist Meese in diesem Zusammenhang für seine „katalysierende(n) Fähigkeiten“ bekannt, mit denen er sich die Beurteilung der Bedeutung von Geschichte zu seinem elementaren Betrachtungsgegenstand macht.
10. Überträgt man die Raabe von Jacob attestierte „Teilhabe an (...) Kultur und (...)Geschichte (...) von innen heraus“ lebensnah in die Jetzt-Zeit, erschließen sich in gewisser Weise Übereinstimmungen mit Meese im Sinne von Geschichte als Vorwärtsbewegung.
11. Aktiv sein im Sinne eines produktiven Schaffensprozess (darauf kommt es Meese auch im vorigen Zitat an), den Schaffensprozess selbst auszustellen, ist für Meese elementarer Bestandteil seiner Arbeit.
12. Zwei Künstler – ein Gedanke!
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend das künstlerische Schaffen von Wilhelm Raabe und Jonathan Meese im Hinblick auf deren Umgang mit Geschichte und dem kollektiven Gedächtnis. Dabei wird analysiert, wie beide Künstler durch unterschiedliche mediale Ansätze – Raabe als Schriftsteller und Meese als zeitgenössischer Künstler – komplexe historische Diskurse strukturieren und die Rolle des Individuums innerhalb der Geschichte reflektieren.
- Intertextualität und historische Collage im Werk von Wilhelm Raabe.
- Die "Diktatur der Kunst" und die postmoderne Ästhetik von Jonathan Meese.
- Theorie der "unendlichen Liste" und ihre Anwendung als Ordnungssystem in der Kunst.
- Vergleichende Analyse der Geschichtsrezeption bei Raabe und Meese.
- Das Konzept der "Partisanen der Utopie" als verbindendes Element.
Auszug aus dem Buch
Ganz ähnlich, wohl aber in gesteigerter Radikalität, Intensität und Härte wie Raabe den Geschichtsdiskurs versinnbildlicht auf einem Schlachtfeld austrägt, tut dies Meese – in Puls und Unmittelbarkeit der Postmoderne.
Auf großen Leinwand-Schlachtfeldern, durch Bronzestatuen, Installationen und Theaterbühnen. Meese wirkt wie im Wahn, wenn er von der „Diktatur der Kunst“ spricht, die er mit Ausstellungen wie „Erzstaat Atlantis“ oder im Film begleiteten New Yorker Vernissage verkörpert. Sein Werk greift Motive wie das Eiserne Kreuz, den vielfach in seinen Installationen ausgestellten Hitlergruß und das omnipräsente Phalussymbol auf. Mythos, Heldensagen, Mutterkult – wie Leitmotive ziehen sich diese Themen durch Meeses Werk. Einiges deutet darauf hin, Meese als einen „Kunst-Chaot(en) mit Geheimsprache“, einzuordnen, wie es Magazin Spiegel tut. Ist der Künstler eine geduldete Ausnahmeerscheinung, ein großes Kind, das mit Kunst spielt oder ist da weit mehr; eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit hochaktuellen Fragestellungen des 21. Jahrhunderts wie der Frage nach der Funktionsweise von Geschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung in die unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen von Meese und Raabe.
Kapitel 2: Untersuchung von Raabes literarischem Umgang mit historischen Ereignissen und Erzählinstanzen.
Kapitel 3: Analyse der intertextuellen Bezüge und der „Apokalypsen“-Struktur in Raabes „Das Odfeld“.
Kapitel 4: Erörterung von Raabes Rolle als Mittler im kulturellen Gedächtnis.
Kapitel 5: Darlegung der theoretischen Prämissen von Jacob zum Prozess des Erinnerns.
Kapitel 6: Einordnung von Umberto Ecos Konzept der „unendlichen Liste“ als Werkzeug zur Wissensordnung.
Kapitel 7: Vergleich der Ästhetik zwischen Raabes literarischer Geschichtsdarstellung und Meeses visueller Radikalität.
Kapitel 8: Charakterisierung Meeses als „Partisan der Utopie“ im zeitgenössischen Kontext.
Kapitel 9: Evaluation von Meeses katalysierenden Fähigkeiten und seinem Verständnis von Geschichte als Vorwärtsbewegung.
Kapitel 10: Synthese der Konzepte von Geschichte als aktiver Gestaltungsprozess bei beiden Künstlern.
Kapitel 11: Diskussion über die Notwendigkeit des aktiven Schaffensprozesses bei Meese.
Kapitel 12: Abschließende Reflexion über die Verbindung beider Künstler durch den gemeinsamen Gedanken der Auseinandersetzung mit Geschichte.
Schlüsselwörter
Wilhelm Raabe, Jonathan Meese, Geschichte, Geschichtsdiskurs, Das Odfeld, Umberto Eco, Intertextualität, Kulturelles Gedächtnis, Diktatur der Kunst, Postmoderne, Partisanen der Utopie, Erinnerungskultur, Erzählformen, Kunsttheorie, Literaturdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht vergleichend die unterschiedlichen künstlerischen Strategien von Wilhelm Raabe und Jonathan Meese im Umgang mit dem Konzept der Geschichte.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die literarische Geschichtsverarbeitung, das kulturelle Gedächtnis, postmoderne Kunstästhetik und die Theorie der Wissensordnung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten im Umgang mit Geschichte trotz grundverschiedener Epochen und künstlerischer Ausdrucksmittel aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literatur- und Kunstbetrachtung, gestützt auf intertextuelle Analysen und kunsttheoretische Einordnungen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Struktur von Raabes Werken, Ecos Theorie der Listen sowie Meeses Installationen und dessen „Diktatur der Kunst“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschichtsdiskurs, Intertextualität, Erinnerungskultur und den Vergleich zwischen Literatur und visueller Kunst definieren.
Wie bewertet der Autor Raabes Umgang mit der Geschichte?
Raabe wird als Schriftsteller wahrgenommen, der historische Fakten und Fiktion zu einem komplexen Netz verwebt, um das kollektive Gedächtnis kritisch zu reflektieren.
Was bedeutet Jonathan Meeses Konzept der „Diktatur der Kunst“?
Es beschreibt einen radikalen, unmittelbaren künstlerischen Schaffensprozess, der sich von traditionellen historischen Belastungen löst und die Kunst als treibende Kraft voranstellt.
- Quote paper
- Johannes Hucke (Author), 2010, Über Meese und Raabe - Zwei Künstler – ein Gedanke?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184082