Im Mittelpunkt dieser Ausarbeitung steht der Versuch, sich dem Begriff der Lebenswelt, wie Hans Blumenberg ihn fasst, anzunähern. Es wird gezeigt, wie er sich von den Naturzustandstheorien Hobbes' und Rousseaus abgrenzen lässt, inwieweit er mit ihnen vergleichbar ist, und was diese Differenzierung für eine Theorie der Lebenswelt zu leisten vermag.
Inhaltsverzeichnis
1. Essay zu Hans Blumenbergs „Theorie der Lebenswelt“
1.1 Lebenswelt und Naturzustand
1.1.1 Die Lebenswelt in Abgrenzung zu den Naturzustandskonzepten Hobbes' und Rousseaus
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Begriff der „Lebenswelt“ bei Hans Blumenberg und setzt ihn in ein kritisches Verhältnis zu den klassischen Naturzustandstheorien von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau. Ziel ist es, die spezifische Funktion der Lebenswelt als „Universum der Selbstverständlichkeit“ und als Bedingung der Möglichkeit von Theorie herauszuarbeiten sowie die Unterschiede in der methodischen Herangehensweise an diese Konzepte aufzuzeigen.
- Phänomenologische Analyse der Lebenswelt nach Blumenberg
- Abgrenzung der Lebenswelt gegenüber dem rousseauschen Naturzustand
- Funktionsweise der Lebenswelt als „Prämodalität“ und „Universum der Selbstverständlichkeit“
- Vergleich der lebensweltlichen Theorie mit der hobbesschen Naturzustandstheorie
- Die Rolle von Vorurteilen und Institutionen bei der Bewältigung von Selbstverständlichkeit
Auszug aus dem Buch
Die Lebenswelt in Abgrenzung zu den Naturzustandskonzepten Hobbes' und Rousseaus
Für Blumenberg legt eine Theorie der Lebenswelt den Vergleich mit den Theorien des Menschen im Naturzustand nah. Beide beschreiben einen Zustand, unter dessen Voraussetzungen ein Folgezustand eintritt. Wie sieht es mit dem Verhältnis zwischen dem rousseauschen Naturzustand und der Lebenswelt aus? Zunächst muss gesagt werden, dass jedwede Konstruktion eines Naturzustands ein rhetorisches Instrument ist. Hier offenbart sich schon der erste Unterschied zu einer Theorie der Lebenswelt. Ihr Zweck ist nicht Legitimation oder Kritik, sondern der Versuch, als Thema der Phänomenologie ein Phänomen verständlich zu machen. Für Naturzustandstheorien hingegen gilt, dass sie zweckorientiert sind und immer dem Versuch dienen, aus dem theoretischen Konstrukt eines Urzustandes, einen gesellschaftlichen Folgezustand zu legitimieren, zu etablieren oder zu kritisieren. Das heißt, dass die Prämisse „Urzustand“ weitgehend präjudiziert ist, durch die Schlussfolgerung, die man aus ihr ziehen möchte. Man muss so weit gehen zu sagen, dass die eigentliche Schlussfolgerung aus den Bedingungen des Naturzustandes und nicht aus den Umständen des Folgezustands zusammengesetzt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Essay zu Hans Blumenbergs „Theorie der Lebenswelt“: Einführung in die methodische Vorgehensweise und Klärung des Begriffs der Lebenswelt als nicht-wissenschaftlicher, intuitiver Grundschicht menschlichen Handelns.
1.1 Lebenswelt und Naturzustand: Untersuchung des Verhältnisses von Lebenswelt und Naturzustand, wobei die Lebenswelt als formale Bedingung für Theoriebildung und nicht als historisch-primitiver Zustand wie bei Rousseau oder Hobbes begriffen wird.
1.1.1 Die Lebenswelt in Abgrenzung zu den Naturzustandskonzepten Hobbes' und Rousseaus: Detaillierte Gegenüberstellung der phänomenologischen Lebenswelt-Konzeption mit den zweckorientierten Naturzustandsmodellen, um die Unterschiede zwischen der Legitimation von Gesellschaftsordnungen und der Beschreibung der Bedingungen menschlicher Erfahrung aufzuzeigen.
Schlüsselwörter
Lebenswelt, Hans Blumenberg, Naturzustand, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Phänomenologie, Selbstverständlichkeit, Vorurteil, Theoriebildung, Prämodalität, Anthropologie, Instinkt, Intellekt, Unmittelbarkeit, Gesellschaftsvertrag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Hans Blumenbergs „Theorie der Lebenswelt“ und kontrastiert diese mit den klassischen Naturzustandstheorien von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die phänomenologische Bestimmung der Lebenswelt, der Gegensatz zwischen unmittelbarer Erfahrung und theoretischer Reflexion sowie die Funktion von Vorurteilen im menschlichen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Begriff der Lebenswelt bei Blumenberg tiefer zu verstehen und aufzuzeigen, wie sich dieser von den zweckgebundenen Naturzustandskonstrukten der politischen Philosophie abgrenzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine essayistische, phänomenologische Herangehensweise, die das Thema durch eine „Tugend verminderter Strenge“ erschließt und dabei auf eine kritische Textanalyse der Primärquellen setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Unterschiede zwischen der „Prämodalität“ der Lebenswelt und den rhetorischen Instrumenten von Naturzustandstheorien sowie die Rolle von Institutionen bei der Kompensation verlorener Selbstverständlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lebenswelt, Selbstverständlichkeit, Naturzustand, Phänomenologie und das Verhältnis von Instinkt und Intellekt.
Inwiefern unterscheidet sich die Blumenbergsche Lebenswelt vom Paradies?
Obwohl die Lebenswelt Ähnlichkeiten mit einer paradiesischen Erfüllung aufweist, ist sie inhaltlich nicht mit einem Ort von „Milch und Honig“ gleichzusetzen, sondern als ein formaler Zustand der Unmittelbarkeit zu verstehen, in dem das Subjekt nicht zwischen sich und der Umwelt differenziert.
Warum ist das „Vorurteil“ für Blumenberg kein rein negativer Begriff?
Das Vorurteil fungiert als lebensdienliche Struktur, die es dem Menschen ermöglicht, in Situationen schnell und ohne theoretische Stagnation zu handeln, indem auf bereits vorhandene Denkmuster zurückgegriffen wird.
Welche Rolle spielt die „Kultur“ im Vergleich von Rousseau und Blumenberg?
Während Rousseau Kultur als „Entartung“ des Naturzustandes ansieht, untersucht Blumenberg die Lebenswelt als Bedingung, aus der sich eine theoretische Welteinstellung – und damit auch Kultur – überhaupt erst entwickelt.
Warum kann die Lebenswelt laut Blumenberg nicht „aufgehoben“ werden?
Die Lebenswelt kann nicht durch einen bewussten Akt beendet werden, da sie die grundlegende Basis jeder Erfahrung bildet; sie „zerstört sich selbst“, wenn theoretische Ansprüche oder Störungen die unmittelbare Weltbeziehung destabilisieren.
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- Jan Dominic Broich (Author), 2010, Lebenswelt und Naturzustand, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183815