Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche grammatischen Funktionen die Reduplikation in der Deutschen Gebärdensprache hat und ob es sich dabei um ein grammatikalisiertes Phänomen handelt.
Es werden die einzelnen morphosyntaktischen Bereiche dargestellt (Aspekt, Numerus, Reziprokmarkierung) und erläutert. Anhand von Grammatikalisierungstheorien zu den Lautsprachen werden erste Überlegungen auf die Deutsche Gebärdensprache übertragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen zur Reduplikation
3. Reduplikation in Laut- und Gebärdensprachen
4. Reduplikation in der Deutschen Gebärdensprache
4.1 Aspekt
4.1.1 Aspektmarkierung in der Deutschen Gebärdensprache
4.1.1.1 Der temporale Aspekt
4.1.1.1.1 Der Durativ
4.1.1.1.2 Der Iterativ
4.1.1.1.3 Der Habituativ
4.2 Numerus
4.2.1 Plural in der Deutschen Gebärdensprache
4.2.1.1 Der morphologische Plural
4.2.1.2 Der morphosyntaktische Plural
4.2.1.2.1 Flexionsklassen in der Deutschen Gebärdensprache
4.2.1.2.2 Klassifikatoren in der Deutschen Gebärdensprache
4.2.1.2.3 Die Bildung des morphosyntaktischen Plurals
4.2.1.2.3.1 Pluralbildung mit einfachen Verben
4.2.1.2.3.2 Pluralbildung mit Ortskongruenzverben
4.2.1.2.3.3 Pluralbildung mit Personenkongruenzverben
4.2.2 Dual und Paukal in der Deutschen Gebärdensprache
4.3 Reziprokmarkierung
5. Reduplikation in DGS – ein grammatikalisiertes Verfahren?
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Funktion und Ausprägung der Reduplikation in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) mit dem Ziel zu klären, ob es sich dabei um ein grammatikalisiertes Gebärdenbildungsverfahren handelt.
- Analyse der Reduplikation als morphologischer Prozess in Gebärdensprachen
- Untersuchung der Aspektmarkierung (Durativ, Iterativ, Habituativ)
- Untersuchung der Numerusmarkierung (Plural, Dual, Paukal)
- Untersuchung der Reziprokmarkierung
- Diskussion der Grammatikalisierungstheorie im Kontext der DGS
Auszug aus dem Buch
4.1.1.1.1 Der Durativ
Der durative Aspekt kann in DGS auf unterschiedliche Weise gebärdet werden. Die Darstellung erfolgt entweder dadurch, dass das Verb mehrmals hintereinander gebärdet (redupliziert) wird, einmal gebärdet und dann gestoppt (eingefroren) oder gedehnt wird (Happ & Vorköper 2006: 145f.). Es handelt sich dabei nicht um arbiträre Markierungen, sondern um verschiedene Ausdrucksformen, die jeweils davon abhängig sind, welche Silbenstruktur dem jeweiligen Verb zugrundeliegt. Hinsichtlich des vorliegenden Themas stellt sich nun die Frage, wann und unter welchen Bedingungen die Verben redupliziert werden. Hierbei handelt es sich nur um die Verben der Deutschen Gebärdensprache mit der Silbenstruktur HM oder HMH. Was bedeutet das aber?
Um diese Frage zu beantworten, muss ein wichtiges phonologisches Modell zur Beschreibung der Silbenstruktur in Gebärdensprachen vorgestellt werden – das Movement-Hold-Modell.
Liddell (1982, 1984b, 1990b) und Liddell & Johnson (1989 [1985]) entwickelten dieses Modell anhand der Amerikanischen Gebärdensprache. Sie unterscheiden dabei die beiden Basissegmente Movement (M) und Hold (H), welche gleichzusetzen sind mit den lautsprachlichen Segmenten Vokal (V) und Konsonant (C) (Liddell 1982: 396). Movement bedeutet, dass eine Handbewegung (besser: Pfadbewegung) stattfindet, wobei Handform und Handstellung gleichbleiben. Hold meint, dass keine Pfadbewegung stattfindet, sondern die artikulierende Hand/die artikulierenden Hände sich an einer bestimmten Ausführungsstelle befinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Status der DGS und die Bedeutung der Reduplikation als linguistisches Untersuchungsthema.
2. Definitionen zur Reduplikation: Erläuterung theoretischer Konstrukte und Definitionen der Reduplikation mit Fokus auf deren Anwendbarkeit auf Laut- und Gebärdensprachen.
3. Reduplikation in Laut- und Gebärdensprachen: Gegenüberstellung verschiedener Sprachen hinsichtlich ihrer Nutzung von Reduplikationsprozessen.
4. Reduplikation in der Deutschen Gebärdensprache: Detaillierte Untersuchung morphosyntaktischer Kategorien wie Aspekt, Numerus und Reziprokmarkierung in der DGS.
5. Reduplikation in DGS – ein grammatikalisiertes Verfahren?: Diskussion der Forschungsfrage, ob Reduplikation in der DGS ein grammatikalisiertes Verfahren darstellt, basierend auf Grammatikalisierungstheorien.
Schlüsselwörter
Deutsche Gebärdensprache, DGS, Reduplikation, Morphologie, Morphosyntaktische Markierung, Aspektmarkierung, Numerusmarkierung, Reziprokmarkierung, Movement-Hold-Modell, Grammatikalisierung, Plural, Dual, Paukal, Sprachwissenschaft, Gebärdenraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Reduplikation in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) als grammatisches Verfahren zur Markierung verschiedener linguistischer Kategorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Aspektmarkierung, die Numerusmarkierung (Plural, Dual, Paukal) und die Reziprokmarkierung mittels Reduplikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Analyse dieser Prozesse, um die übergeordnete Forschungsfrage zu beantworten, ob die Reduplikation in der DGS als ein grammatikalisiertes Verfahren betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Arbeit, die auf Basis bestehender Literatur und theoretischer Modelle (wie dem Movement-Hold-Modell) eine Analyse der morphologischen und syntaktischen Strukturen der DGS durchführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der ausführlichen Beschreibung und Kategorisierung der verschiedenen Formen der Reduplikation (einfache, Seitwärts-, Rückwärts- und simultane Reduplikation) bei Aspekt, Numerus und Reziprozität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DGS, Reduplikation, Morphosyntax, Grammatikalisierung, Aspekt, Numerus, Reziprozität und das Movement-Hold-Modell.
Wie unterscheidet sich die Pluralbildung bei Nomen?
Die Wahl der Strategie (einfache Reduplikation, Seitwärtsreduplikation oder Nullmarkierung) hängt maßgeblich von den phonologischen Eigenschaften des zugrundeliegenden Nomens ab, insbesondere vom Artikulationsort und dem Grad der Bewegung.
Welche Bedeutung haben Klassifikatoren für die Numerusmarkierung?
Klassifikatoren ermöglichen bei bestimmten Verben (insbesondere bei Verben mit direktem Objekt) eine Pluralmarkierung, indem sie physikalische Eigenschaften der referierten Objekte im Gebärdenraum ausdrücken.
Warum ist die Grammatikalisierungsfrage nicht abschließend zu beantworten?
Es gibt theoretische Ungereimtheiten; während die Produktivität für eine Grammatikalisierung spricht, stellt die Unmöglichkeit der Anwendung des Unidirektionalitätsprinzips auf die DGS ein wesentliches Gegenargument dar.
- Arbeit zitieren
- Henriette Ast (Autor:in), 2011, Reduplikation in der Deutschen Gebärdensprache - ein grammatikalisiertes Gebärdenbildungsverfahren?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183802