Richard Sennett, amerikanischer Soziologe, der selbst im Armenviertel Cabrini Green in Chicago aufwuchs, beleuchtet in seinem Buch „Civitas Die Großstadt und die Kultur des Unterschieds“ die städtebaulichen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Kultur der Gesellschaft. Er beleuchtet die zunehmende Neutralisierung der Stadt, die Verbannung des Inneren in den Raum, die damit einhergehende Abgrenzung von Funktionen und die damit in Zusammenhang stehende Kultur der Gesellschaft. Einführend werde ich einen kurzen Überblick über sein Buch geben, hierauf aufbauend möchte ich die von Sennett angesprochenen Gestaltungsmöglichkeiten beleuchten und anschliessend Wien anhand einiger konkreter Gebäude analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtliche Entwicklung der Kultur des Unterschieds
3 Gestaltungsmechanismen
4 Analyse des heutigen Stadtbildes Wien
4.1 Gitternetz
4.2 1. Bezirk
4.3 Wohnbauinitiative „Rotes Wien“
4.4 Symbole
4.5 13. Bezirk Werkbundsiedlung Lainz
4.6 Wohnpark Alt Erlaa
4.7 Hundertwasserhaus
4.8 Gasometercity
4.9 Sonstige
5 Schluss:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich mit den städtebaulichen Theorien von Richard Sennett auseinander, insbesondere mit seinem Werk „Civitas – Die Großstadt und die Kultur des Unterschieds“. Das primäre Ziel ist es, die Konzepte der Neutralisierung der Stadt, der funktionalen Abgrenzung und der Bedeutung von Gestaltung als Ausdruck gesellschaftlicher Kultur zu erläutern und diese theoretischen Ansätze anhand von konkreten Wiener Bauprojekten und Siedlungsstrukturen kritisch zu analysieren.
- Historische Entwicklung der städtischen Kultur und der Rolle der „Innerlichkeit“
- Gestaltungsmechanismen in der Architektur und ihre gesellschaftliche Wirkung
- Analyse Wiener Stadtentwicklungsmodelle (z.B. „Rotes Wien“, Werkbundsiedlung, Alt Erlaa)
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Inklusion und Exklusion
- Bewertung von Wohnzufriedenheit und Identifikationsmöglichkeiten im modernen Wohnbau
Auszug aus dem Buch
4.6 Wohnpark Alt Erlaa
Der erste Block, Block A, des Wohnpark Alt Erlaa ist zwischen 1973 und 1976 gebaut worden, geplant wurde das Projekt seit 1970 vom Architekturkonsortium Glück – Hlawenicka – Requat – Reinthaler. Die weiteren Blöcke B und C sind 1978 bzw. 1985 fertiggestellt worden. Zu der Anlage gehören zusätzlich ein Kaufpark und eine Wohnpark-Kirche. Die Wohnanlage befindet sich im Eigentum der Alt Erlaa Aktiengesellschaft, jeder Mieter ist gleichzeitig Aktionär dieser Gesellschaft, 33% der Aktien werden von Mietern gehalten, restliche 67% werden von der sozialen Wohnbaugesellschaft GESIBA gehalten, die auch bauausführende Gesellschaft war.
Damit ist das Projekt auch ein gemeinnütziges Projekt und betrifft geförderten Wohnraum. Das besondere an der Gestaltung der Gebäude sind seine unglaublichen Höhen von ca. 60m, sowie der parabolisch verbreiterte Fuss der Blöcke. In den drei Blöcken befinden sich ca. 1.300 Wohnungen. Wenn man davor steht, wird man geradezu erschlagen von der Mächtigkeit der Hochhäuser. Die Gestaltung des Gebäudes ist sachlich neutral. Angesichts der jedoch üppig dekorierten Terrassen des 1. bis 14. Stockwerkes kann man jedoch eine Belebung des Areals verspüren. Und was die Architektur nicht wett macht, bringen die Infrastruktureinrichtungen innerhalb der „Wohngemeinschaft“ zutage.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in Richard Sennetts Werk und die Zielsetzung, dessen städtebauliche Theorien auf Wiener Beispiele anzuwenden.
2 Geschichtliche Entwicklung der Kultur des Unterschieds: Darstellung der Entwicklung von der Antike über die christliche Tradition bis zur Industrialisierung hinsichtlich der Trennung von Innen und Außen.
3 Gestaltungsmechanismen: Analyse architektonischer Mittel wie das Gittermodell und die Lesbarkeit der Stadt als Ausdruck gesellschaftlicher Kontrolle und Identität.
4 Analyse des heutigen Stadtbildes Wien: Praktische Anwendung der Theorie auf Wiener Bauwerke, vom 1. Bezirk über das „Rote Wien“ bis hin zu modernen Wohnparks.
5 Schluss: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung von Architektur für die Wohnzufriedenheit und gesellschaftliche Integration.
Schlüsselwörter
Richard Sennett, Civitas, Stadtsoziologie, Wiener Stadtbild, Rotes Wien, Alt Erlaa, Architekturtheorie, Wohnbau, Urbanisierung, Neutralisierung, Lesbarkeit, Identität, Inklusion, Exklusion, Gemeindebau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen städtebaulicher Gestaltung und der Kultur der Gesellschaft basierend auf den Theorien von Richard Sennett.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Trennung von öffentlichem und privatem Raum, der Bedeutung von architektonischen Gestaltungsmustern und deren Auswirkung auf das soziale Miteinander.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Sennetts soziologische Konzepte über die „Kultur des Unterschieds“ durch eine Analyse spezifischer Wiener Bauwerke auf ihre heutige Anwendbarkeit zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretisch-analytische Methode angewandt, bei der soziologische Fachliteratur mit der empirischen Beobachtung und Analyse konkreter städtebaulicher Beispiele in Wien kombiniert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Gestaltungsmechanismen (wie das Gitternetz oder die Lesbarkeit) als auch diverse Wiener Wohnbaubeispiele wie der Karl-Marx-Hof oder der Wohnpark Alt Erlaa im Detail analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem Autor Richard Sennett vor allem Stadtsoziologie, soziale Inklusion, Architekturtheorie und die historische Entwicklung des sozialen Wohnbaus.
Warum wird dem Wohnpark Alt Erlaa besondere Aufmerksamkeit geschenkt?
Alt Erlaa dient als Fallbeispiel für eine autarke „Wohngemeinschaft“, bei der die komplexe Infrastruktur und die hohe Wohnzufriedenheit untersucht werden, um Inklusionsmechanismen aufzuzeigen.
Welche Rolle spielt das „Rote Wien“ in der Argumentation?
Das „Rote Wien“ wird als historischer Versuch angeführt, durch spezifische Wohnbauformen Schutz und Identität für die Arbeiterklasse zu schaffen, was im Kontext der Sennett’schen Theorie diskutiert wird.
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- Monika Wittke (Author), 2010, Gestaltungsmechanismen im Städtebau und deren kulturelle Entwicklung , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183796