Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wandelte sich der Landsknecht des 16. in den Söldner des 17. Jahrhunderts. Nach dieser sehr langen, militärischen Konfrontation vollzog sich ein einschneidender Wandel im europäischen Heerwesen. Die Großmächte jener Zeit gingen von der Söldnerwerbung im Kriegsfall zur Haltung stehender Heere über, was im Falle Brandenburgs durch Kurfürst Friedrich Wilhelm etabliert wurde. 1733 legalisierte Friedrich Wilhelm I. mit dem Kantonsreglement offiziell die bereits bestehende Praxis der Rekrutierung von Kantonisten und sanktionierte damit ein bis dato völlig neuartiges System zur Rekrutengestellung. Diese Wandlung im Militärwesen leistete eine solide Rekrutierungsgrundlage und ermöglichte die Aufstellung großer Heereskontingente, womit sich auch ein bedeutender gesellschaftlicher Wandel in den Preußischen Landen vollzog.
In der folgenden Arbeit soll die Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden des Söldnerwesens des 17. Jahrhunderts und der Heeresverfassung zur Zeit des „Solda-tenkönigs“ erörtert werden, die eine Vorstufe der allgemeinen Wehrpflicht darstellte.
Besonderes Interesse sei hierbei auf Themenfelder wie das soziale Milieu und die Mobi-lität, das Sozialprestige, die Rolle des Offizierskorps und der Umfang der Dienstzeit, die Funktion des Adels in der Armee, die Bindung an den Dienstherrn, die Rekrutierungsform und die Finanzierung des Heeres gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Soziales Milieu und Mobilität der Söldner
3. Organisation und Funktion des Offizierskorps
4. Das preußische Kantonsreglement von 1733
5. Vergleich der Rekrutierung und Finanzierung
6. Fazit und Gegenüberstellung der Heeresverfassungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem mitteleuropäischen Söldnerwesen des 17. Jahrhunderts und der Heeresreform Friedrich Wilhelms I. durch das Kantonsreglement von 1733. Dabei wird analysiert, wie sich der Übergang von privatrechtlich organisierten Söldnerheeren hin zu einem staatlich gelenkten Militärsystem unter preußischer Herrschaft vollzog.
- Soziale Herkunft und Mobilität der Soldaten
- Strukturen und Finanzierung des Militärwesens
- Die Rolle des Offizierskorps im Wandel
- Rechtliche Stellung und Gerichtsbarkeit
- Die Entstehung eines staatlich organisierten stehenden Heeres
Auszug aus dem Buch
Das mitteleuropäische Söldnerwesen im 17. Jahrhundert im Vergleich zum preußischen Kantonssystem von 1733
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wandelte sich der Landsknecht des 16. in den Söldner des 17. Jahrhunderts. Nach dieser sehr langen, militärischen Konfrontation vollzog sich ein einschneidender Wandel im europäischen Heerwesen. Die Großmächte jener Zeit gingen von der Söldnerwerbung im Kriegsfall zur Haltung stehender Heere über, was im Falle Brandenburgs durch Kurfürst Friedrich Wilhelm etabliert wurde. 1733 legalisierte Friedrich Wilhelm I. mit dem Kantonsreglement offiziell die bereits bestehende Praxis der Rekrutierung von Kantonisten und sanktionierte damit ein bis dato völlig neuartiges System zur Rekrutengestellung.
Diese Wandlung im Militärwesen leistete eine solide Rekrutierungsgrundlage und ermöglichte die Aufstellung großer Heereskontingente, womit sich auch ein bedeutender gesellschaftlicher Wandel in den Preußischen Landen vollzog. In der folgenden Arbeit soll die Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden des Söldnerwesens des 17. Jahrhunderts und der Heeresverfassung zur Zeit des „Soldatenkönigs“ erörtert werden, die eine Vorstufe der allgemeinen Wehrpflicht darstellte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in den historischen Wandel vom Söldnerwesen zur staatlich organisierten Armee ein und definiert die zentrale Forschungsfrage.
2. Soziales Milieu und Mobilität der Söldner: Es wird die soziale Zusammensetzung der Söldnerheere und deren Status als gesellschaftliche Randgruppe beleuchtet.
3. Organisation und Funktion des Offizierskorps: Hier wird die Rolle der Obristen als Kriegsunternehmer und die fehlende Bindung der Offiziere an den Staat analysiert.
4. Das preußische Kantonsreglement von 1733: Dieses Kapitel erläutert die Einführung der Wehrpflicht für Untertanen und die damit verbundene staatliche Kontrolle.
5. Vergleich der Rekrutierung und Finanzierung: Es wird dargelegt, wie die Abhängigkeit von Ständen im Söldnerwesen durch ein festes steuerliches Fundament in Preußen abgelöst wurde.
6. Fazit und Gegenüberstellung der Heeresverfassungen: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Unterschiede in der Bindung zum Dienstherrn, der Rekrutierungsweise und der staatlichen Souveränität zusammen.
Schlüsselwörter
Söldnerwesen, Kantonsreglement, Friedrich Wilhelm I., Preußen, Heerwesen, Militärgeschichte, Rekrutierung, Offizierskorps, Soldatenkönig, Landesherrschaft, Staatsverwaltung, stehendes Heer, Dienstpflicht, Kriegsunternehmer, Sozialstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das privatrechtliche Söldnerwesen des 17. Jahrhunderts mit dem staatlich organisierten preußischen Kantonssystem von 1733.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen soziale Mobilität, die Rolle des Adels, Finanzierungsformen der Armee, Gerichtsbarkeit und die Bindung zum Dienstherrn.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die strukturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen zwei Militärsystemen sowie den Übergang zum „staatlichen“ Militärwesen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Auswertung militärgeschichtlicher Fachliteratur und Quellenquellen zur preußischen Heeresreform.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die Rekrutierungspraktiken, die rechtliche Stellung der Soldaten, die Rolle der Offiziere als „Privatunternehmer“ und die Zentralisierung der Verwaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Söldnerwesen, Kantonsreglement, Soldatenkönig, Heeresverfassung und die Entwicklung zum modernen Staat.
Warum war das Söldnerwesen im 17. Jahrhundert so instabil?
Die Instabilität resultierte aus der Abhängigkeit von privatem Kapital der Obristen und der Finanzierung durch Stände, die nur im Kriegsfall Geld bewilligten.
Welche Rolle spielte der "Soldatenkönig" bei der Heeresreform?
Friedrich Wilhelm I. entmachtete die Stände durch ein zentralisiertes Steuersystem und schuf mit dem Kantonsreglement eine verlässliche, landeseigene Rekrutierungsgrundlage.
Unterschieden sich die Soldaten beider Systeme in ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung?
Ja, beide Gruppen genossen wenig Sozialprestige, jedoch war der Söldner eine gesellschaftliche Randfigur, während der Kantonist weiterhin in seine Heimatgemeinde eingebunden blieb.
- Arbeit zitieren
- Stefan Rudolf (Autor:in), 2008, Das mitteleuropäische Söldnerwesen im 17. Jahrhundert im Vergleich zum preußischen Kantonssystem von 1733, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183709