Jugendliche sind faul, hängen in Gruppen herum und tun einfach nichts, außer vielleicht an Bushaltestellen vorbeigehende Passanten anzupöbeln. Sie sind unfreundlich zu Erwachsenen, beleidigen ihre Eltern, sprechen in ihrer eigenen Gossensprache, verbringen die Zeit, in der sie mal nicht Passanten anpöbeln entweder in ihren Zimmern und spielen Ballerspiele oder aber sie besaufen sich auf „Flatrate-Partys“. In der Schule machen sie Lehrern die Hölle heiß, mobben die Kleinen und verschmutzen den Schulhof. Sie haben zu nichts Bock und tragen dies auch gerne mit ihrer Null-Bock-Mine zur Schau. Schaut man sich ihre Kleidung an, so sind die weiblichen Jugendlichen so aufgetakelt, dass man gerade nicht weiß, ob sie auf dem Weg zu einer Modenschau oder auf dem Weg zur Schule sind. Die männlichen Jugendlichen hingegen sehen so aus, als seien sie gerade erst von der Couch aufgestanden mit ihren weiten Jogginghosen, bei denen der Schritt schon in den Kniekehlen hängt und ihre Unterwäsche deutlich zu sehen ist.
Das ist das Bild der Jugend im 21. Jahrhundert. Jedenfalls wenn man die großen und auch kleinen Schlagzeilen der Medien liest und denen unkritisch Glauben schenkt. Jugendliche jedoch sind zu Höchstleistungen fähig, man muss ihnen nur einen für sie geeigneten Rahmen schaffen, in dem sie diese Leistungen vollbringen können. Das ist die These von Hartmut von Hentig, die er in seinem Buch „Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein“ (2005), aufstellt und praxisorientiert ausarbeitet, so dass ein Konzept entsteht: das Bewährungskonzept. Dieses Konzept wird in seiner Grundidee in dieser Arbeit vorgestellt werden. Da Hartmut von Hentig sein Konzept für Jugendliche, die sich in der Adoleszenz befinden, entwickelte, sollen sie in einem zweiten Schritt besonders in den Blick genommen werden. Das Bewährungskonzept hat durch die Montessori- Oberschule in Potsdam in Form eines Landbauprojektes bereits praktische Umsetzung erfahren - diese wird hier im dritten Teil dieser Arbeit zur Geltung kommen. In einem abschließenden Fazit werden diese drei Elemente - die Theorie des Bewährungskonzeptes, dessen erste praktische Umsetzung als auch die Jugendlichen, um die sich das Konzept dreht - miteinander verbunden, sodass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema möglich werden kann. Die Frage, die hinter dieser kritischen Auseinandersetzung steht, lautet: Ist das Bewährungskonzept wirklich für Jugendliche, die sich mitten in der Adoleszenz befinden, geeignet?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der Bewährung– Hentigs Manifest
3. Die Besonderheiten des Jugendalters
3.1 Die Adoleszenz
3.1.1 Die Frühadoleszenz
3.1.2 Die mittlere bzw. eigentliche Adoleszenz
3.2 Was es bedeutet, in der heutigen Zeit Jugendlicher zu sein
4. Die Umsetzung des „Bewährungskonzeptes“ am Beispiel der Montessori- Oberschule in Potsdam
4.1 Die Montessori- Oberschule Potsdam
4.2 Das Projekt „Schlänitzsee“
4.2.1 Vorstellung des Projektes
4.2.2 Pädagogisches Konzept zum Projekt
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das von Hartmut von Hentig entwickelte „Bewährungskonzept“ und dessen praktische Anwendung im schulischen Kontext. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern dieses Konzept für Jugendliche in der Phase der Adoleszenz geeignet ist, um ihnen Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit außerhalb des regulären Unterrichts zu bieten.
- Das Bewährungskonzept nach Hartmut von Hentig
- Entwicklungspsychologische Aspekte der Adoleszenz
- Die Lebenswelt Jugendlicher im 21. Jahrhundert
- Praxisbeispiel: Das Landbauprojekt "Schlänitzsee"
- Kritische Auseinandersetzung mit der "entschulten Schule"
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Vorstellung des Projektes
Ein 3,6 ha großes Gelände nördlich von Potsdam, umgeben von Feldern und mit einer Seite am Schlänitzsee gelegen, auf dem sich die Natur zwischen alten, abbruchreifen „Bungalows“, einem ehem. völlig verfallenem Haupthaus und einem als Garage genutzten Gebäude unkontrolliert ausbreiten konnte. Überall, in dieser verwilderten Natur und den alten Baracken findet sich Müll (umher liegende Gerätschaften, altes Geschirr und Küchengeräte und anderer Unrat). So sah das in der ehemaligen DDR gelegene Gelände, welches von den Mitarbeitern der damaligen Staatssicherheit bis zum Jahr 1989 als Ferienobjekt genutzt wurde, aus, als die Schulleiterin der Montessori-Oberschule, Ulrike Kegler, das Areal erstmals betrat (vgl. Kegler, 2009, 224f.). Fast 20 Jahre hatte die Natur Zeit, sich dieses nun mehr zum Landschaftsgebiet degradierte Gelände zu Eigen zu machen. Fast 20 Jahre, in denen kein Mensch mehr Hand angelegt hat, um die Natur dem Menschen Untertan zu machen. Das soll jetzt anders werden.
Ulrike Kegler hat sich Ziele gesetzt. Sie will das Gelände wieder menschenfreundlich gestalten und beleben. Hierzu will sie „auf dem Gelände am Schlänitzsee einen funktionstüchtigen landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung, Landbau, verschiedenen Werkstätten, Unterkünften für SchülerInnen und eine Landwirtsfamilie sowie für Gäste und die Kinder der Montessori-Grundschule und die älteren Jugendlichen der Schule aufbauen.“ Dieses langfristige Ziel kann jedoch nur durch kleiner, vorangegangene (erreichte) „Etappensiege“ erzielt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die medial verzerrte Wahrnehmung von Jugendlichen und führt Hartmut von Hentigs Bewährungskonzept als theoretischen Gegenentwurf ein, um die Forschungsfrage nach dessen Eignung für Adoleszente zu begründen.
2. Das Konzept der Bewährung– Hentigs Manifest: Dieses Kapitel erläutert Hentigs Plädoyer für ein gemeinschaftsorientiertes Lernen außerhalb des herkömmlichen Schulsystems, das Jugendlichen durch reale soziale Projekte nützliche Erfahrungen ermöglichen soll.
3. Die Besonderheiten des Jugendalters: Hier erfolgt eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Begriffen Pubertät und Adoleszenz sowie eine Analyse der veränderten Lebensbedingungen heutiger Jugendlicher im Spannungsfeld zwischen Autonomiebedürfnis und ökonomischer Abhängigkeit.
4. Die Umsetzung des „Bewährungskonzeptes“ am Beispiel der Montessori- Oberschule in Potsdam: Das Kapitel stellt die Montessori-Oberschule Potsdam vor und detailliert das Landbauprojekt "Schlänitzsee" als praktisches Modell, das den Jugendlichen einen Raum für körperliche und geistige Bewährung bietet.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Bewährungskonzept eine sinnvolle Antwort auf die Entwicklungsbedürfnisse von Jugendlichen in der Adoleszenz darstellt, da es durch reale Verantwortungsbereiche Selbstwertgefühl stärkt und dem schulischen Systemzwang entgegenwirkt.
Schlüsselwörter
Bewährungskonzept, Hartmut von Hentig, Adoleszenz, Montessori-Pädagogik, Landbauprojekt, Schlänitzsee, Erdkinderplan, Schulkritik, Pubertät, Selbstwirksamkeit, Lebenswelt, soziale Verantwortung, Identitätssuche, Bildungsreform, Praxisbezug.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das von Hartmut von Hentig formulierte Bewährungskonzept und prüft, ob dieses Modell Jugendlichen während ihrer Adoleszenz zu einer sinnvollen Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft beitragen kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Pädagogik bei Hentig, entwicklungspsychologische Phasen der Adoleszenz sowie die praktische Schulpädagogik in Form von Reformkonzepten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Frage, ob das Bewährungskonzept als pädagogische Antwort auf die spezifischen Bedürfnisse und Krisen Jugendlicher in der Phase der Adoleszenz tatsächlich geeignet und umsetzbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die Literaturanalyse mit der Darstellung und kritischen Reflexion eines konkreten Praxisbeispiels (Montessori-Oberschule Potsdam) verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen des Bewährungskonzepts, die psychologischen Besonderheiten des Jugendalters und eine detaillierte Projektvorstellung des Landbauprojekts „Schlänitzsee“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Bewährungskonzept, Adoleszenz, Montessori-Pädagogik, Selbstwirksamkeit, Landbauprojekt und Schulkritik.
Welche Rolle spielt das Landbauprojekt „Schlänitzsee“?
Es dient als praxisnahes Fallbeispiel, an dem die Umsetzung der abstrakten Theorie von Hentig sowie des Erdkinderplans von Maria Montessori durch die Schüler in der Praxis untersucht wird.
Wie lautet das Fazit der Autorin zum Bewährungskonzept?
Die Autorin bewertet das Konzept als sinnvoll und umsetzbar, da es den Jugendlichen eine notwendige Alternative zum starren Schulalltag bietet und ihre Bedürfnisse nach Autonomie und realer Wirksamkeit ernst nimmt.
- Arbeit zitieren
- Tanja Hühne (Autor:in), 2010, Das Konzept der Bewährung auf dem Prüfstand, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183425