In dieser Arbeit werde ich verstärkt auf die Sexualethik der
christlichen Kirche eingehen und mögliche Quellen dazu erörtern und interpretieren. Diese Arbeit
sollte einen kleinen Überblick über die damalige Einstellung zum Sexualtrieb des Menschen geben
und ihn in ein zeitliches Korsett schnüren. Ich hoffe, dass mir dies gelungen ist und auch die
zitierten Quellen einen besseren Gesamteindruck generieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sexualität im Mittelalter – eine kurze Zusammenfassung
2.1 Der Kirchlicher Grundstandpunkt zum Thema „Geschlechtsverkehr“ im Mittelalter
2.2 Kirchliche Sexualmoral
3 Quellen zu „Sex im Mittelalter“
3.1 Bußbücher
3.2 leges barboarorum und Lex Baiuvariorum
3.3 Minnedichtung und Fabilaux
3.4 Gerichts- und Inquisitionsprotokolle
3.5 Briefe
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einstellung zur Sexualität im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der kirchlichen Sexualmoral. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich der mittelalterliche Diskurs über Sexualität aus den verfügbaren Quellen rekonstruieren lässt und inwiefern kirchliche Moralvorstellungen das reale Sexualverhalten beeinflussten.
- Sexualethik der christlichen Kirche im Mittelalter
- Analyse kirchlicher und profaner Quellengattungen
- Das Spannungsfeld zwischen Reproduktionszwang und sinnlichem Vergnügen
- Die Rolle der Bußbücher, Inquisitionsprotokolle und Privatbriefe
- Der Einfluss gesellschaftlicher Tabus auf die Überlieferung
Auszug aus dem Buch
3.1 Bußbücher
Die ergiebigsten Quellen für Sex im Mittelalter die sogenannten Bußbücher, auch als Pänitentialien bezeichnet, welche aber leider durch normative Texte nur Vorstellungen und Ahnungen vom realen Sexleben der Bevölkerung im Mittelalter zulässt.
Ich möchte nun aber näher auf die Bußbücher eingehen. Dabei handelt es sich um grob umschriebene Beicht-Manuale, sozusagen eine Beichtanleitung für Sünden im sexuellen Kontext. Die ältesten Bußbücher sind seit dem 6. Jahrhundert bekannt und bilden jeweils ein Raster nach Art des sexuellen Vergehens, dem sozialen Status des Sünders (Geistlicher oder Laie) und der sexuellen Bindung des Unzüchtigen (verheiratet oder unverheiratet). Obwohl von Klerikern geschrieben, bieten diese Bücher einen erstaunlich detaillierten Überblick über die vielen sündhaften Varianten des Beischlafs, angefangen mir allerlei Möglichkeiten der Masturbation bis zur genauen Erklärung von Sodomie im mittelalterlichen Verständnis.
In den Büchern finden sich unter anderem mehrere Arten der verbotenen Orgasmusmöglichkeiten wie ,,retro" (vaginal bei Bauchlage der Frau), ,,in tergo" (anal), ,,in os" (oral), ,,coitus in femoribus" (Schenkelverkehr) und ,,coitus in manu" (Masturbation).
Da die Beschreibungen des Verbotenen meist sehr genau war und kein Detail ausließ wurden die Bußbücher als Anleitungen zum sündhaften Sexualleben missbraucht, weshalb das Lesen der Lektüre durch Nicht-Geistliche von Papst Nikolaus I. 866 n.Chr. verboten wurde und schließlich auf verschiedensten regionalen Konzilen komplett abgeschafft wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein und nutzt einen zeitgenössischen Brief von Erzherzog Maximilian als Impuls für die Untersuchung der mittelalterlichen Sexualethik.
2 Sexualität im Mittelalter – eine kurze Zusammenfassung: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische und soziale Bedeutung der Ehe sowie die dominierende Rolle der Kirche bei der Unterdrückung außerehelicher Sexualität.
2.1 Der Kirchlicher Grundstandpunkt zum Thema „Geschlechtsverkehr“ im Mittelalter: Hier werden die theologischen Begründungen für das Misstrauen gegenüber sinnlichen Freuden und die Beschränkung des Beischlafs auf die Reproduktion dargelegt.
2.2 Kirchliche Sexualmoral: Das Kapitel analysiert die chronologische Entwicklung der kirchlichen Standpunkte von den frühen Kirchenlehrern bis in das späte Mittelalter.
3 Quellen zu „Sex im Mittelalter“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Überlieferungslage und die Schwierigkeit, authentische Sexualität jenseits kirchlicher Normierung zu finden.
3.1 Bußbücher: Es wird die Funktion der Pänitentialien als Beicht-Manuale und deren Rolle bei der Kategorisierung sündhafter Sexualpraktiken untersucht.
3.2 leges barboarorum und Lex Baiuvariorum: Dieses Kapitel beleuchtet germanische Rechtsaufzeichnungen als Quellen für Bestrafungen bei Sexualvergehen.
3.3 Minnedichtung und Fabilaux: Hier wird der Gegensatz zwischen kirchlicher Moral und der profanen Literatur des hohen Mittelalters dargestellt.
3.4 Gerichts- und Inquisitionsprotokolle: Die Untersuchung der Protokolle von Jacques Fournier zeigt am Beispiel von Montaillou seltene Einblicke in das tatsächliche Privatleben der Bevölkerung.
3.5 Briefe: Dieses Kapitel wertet private Korrespondenzen als Zeugnisse für einen möglicherweise entspannteren Sexualkodex aus.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass aufgrund der quellenkritischen Diskrepanzen keine einheitliche Theorie der mittelalterlichen Sexualität möglich ist.
Schlüsselwörter
Sexualität, Mittelalter, Kirche, Sexualmoral, Bußbücher, Inquisitionsprotokolle, Ehe, Reproduktion, Sünde, Erotik, Quellenkritik, Beischlaf, Fabliaux, Sexualethik, Gesellschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einstellung zur Sexualität während des Mittelalters und analysiert, wie kirchliche Moralvorstellungen das Leben und die Wahrnehmung von Sexualität prägten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der kirchliche Sexualdiskurs, der Reproduktionszwang, die Kategorisierung von Sünden sowie die Differenzierung zwischen kirchlichen und profanen Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die damalige Einstellung zum menschlichen Sexualtrieb zu geben und die Quellenlage hinsichtlich ihrer Aussagekraft über das mittelalterliche Sexualleben kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenorientierte Analyse durchgeführt, bei der verschiedene Gattungen (Bußbücher, Rechtstexte, Literatur, Protokolle und Briefe) historisch-kritisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die kirchlichen Grundsätze, die rechtlichen Aspekte, literarische Darstellungen und zeigt anhand von Prozessakten und Briefen, wie Menschen im Alltag mit den geltenden Moralvorstellungen umgingen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Sexualmoral, Kirche, Bußbücher, Mittelalter und Quellenkritik charakterisieren.
Warum sind Bußbücher eine ambivalente Quelle?
Obwohl sie detaillierte Informationen über sexuelle Praktiken liefern, handelt es sich um normative Texte, die eher die Vorstellungen der Kleriker abbilden als das tatsächliche, gelebte Verhalten der Laien.
Was zeigt das Beispiel von Montaillou in den Inquisitionsprotokollen?
Das Beispiel verdeutlicht, dass in bestimmten Gemeinschaften ein liberaleres Verständnis von Sexualität existieren konnte als es die strikte kirchliche Lehre offiziell vorsah.
- Quote paper
- Alexander Erhard (Author), 2011, Sexualität im Mittelalter - mit besonderer Fokussierung auf Kirchliche Sexualmoral und Quellen mittelalterlicher Sexualität/Erotik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183367