In dieser hausarbeit wird die soziale Stellung der russischen Frau im 17. Jahrhundert angesprochen. Diese fragestellung wird anhand der Aspekte Sexualität und Ehe untersucht
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Frau in der Ehe
2.1. Berichte europäischer Reisender über die Stellung der Frau in der Ehe
2.2. Die Ideale für die Ehe im Domostroj und in der Kirche
2.3. Eherealitäten
3. Die Sexualität der Frau
3.1. Eindrücke europäischer Reisender
3.2. Einfluss der Kirche und des Domostrojs auf das Sexualverhalten der Frau
3.3. Vergewaltigung der Frau
4.Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziale Stellung der Frau im vorpetrinischen Russland, mit einem besonderen Fokus auf die patriarchale Ständeordnung und die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Das Hauptziel besteht darin, anhand der Bereiche Ehe und Sexualität die Diskrepanz zwischen den in Quellen und Reiseberichten vermittelten Idealen und der realen Lebenswelt der Frauen zu analysieren.
- Stellung der Frau in der Ehe unter Einfluss von Kirche und Domostroj
- Kontrastanalyse zwischen europäischen Reiseberichten und zeitgenössischer Forschung
- Einfluss kirchlicher Normen auf das Sexualverhalten
- Rechtliche Situation und Schutz vor häuslicher Gewalt
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Ideale für die Ehe im Domostroj und in der Kirche
Im Domostroj sind einige Regeln für die Ehe aufgeführt. Beispielsweise in Kapitel 29: „Es geziemt dem Manne, sein Weib liebevoll und wohlüberlegt zu unterweisen. Die Frau befrage ihren Mann nach jeglichem Anstand, wie sie ihre Seele erretten, Gott und und dem Manne wohlgefällig dienen und ihr Haus in guter Ordnung halten soll. Sie sei ihrem Manne in allem gehorsam, nehme in Furcht und Liebe an, was er sie heißt und tue nach seiner Vermahnung.“ Der gewählte Textauszug zeigt ganz deutlich die Erwartungen der Gesellschaft an die Frau. Sie soll ihrem Mann gehorchen und hat seine Entscheidungen zu akzeptieren. Man sieht sehr deutlich, dass in diesem Ausschnitt ein Ideal des Zusammenlebens von Mann und Frau gezeigt wird.
Weitere Regeln finden sich im Domostroj. Wie beispielsweise in Kapitel 34, in dem die Frau sich vom Mann in „allen häuslichen Dingen“ seinen Rat holen soll. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Frau sich sogar in ihrem eigenen Aufgabenbereich besprechen muss.
Das letzte Beispiel, was ich aus diesem Hausbuch anführen werde, befindet sich ebenfalls im gleichen Kapitel des Buches. Es handelt sich hier um einen Brief von einem Vater an seinen Sohn. Zum Thema Frauen äußert sich der Vater auf Seite 122: „Vermahne sie stets unter vier Augen […]“. Der Mann hatte in der Ehe das Recht seine Frau nicht nur zu erziehen, sondern sie auch zu Recht zu weisen. Boškovska interpretiert in diese Aussage eine mögliche Gewaltanwendung des Mannes gegenüber seiner Frau. Auch wird aus diesem Textausschnitt ersichtlich, dass in jedem Falle „die glückliche Ehe“ vor der Gesellschaft vermittelt werden sollte. Auf die Ehe bezogen soll sie seine Anweisungen befolgen, darf beispielsweise keine alleinigen Entscheidungen treffen. Desweiteren soll sie ihre Aufgabe als Haushälterin erfüllen. Nur so kam die, wie Zeitgenossen sie beschreiben „eheliche Eintracht“ zu Stande.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation für die Themenwahl und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Quellenlage zur Stellung der Frau im vorpetrinischen Russland.
2. Die Frau in der Ehe: Dieses Kapitel untersucht die arrangierten Ehen, das Ideal der Gehorsamkeit gegenüber dem Ehemann sowie die Diskrepanz zwischen Reiseberichten und historischen Fakten zur Lebensrealität.
3. Die Sexualität der Frau: Der Abschnitt analysiert kirchliche Normen bezüglich des Sexualverhaltens, das öffentliche Badeverhalten sowie die Thematik der häuslichen Gewalt und Vergewaltigung.
4.Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Stellung der Frau stark von patriarchalischen und kirchlichen Strukturen dominiert war, wobei sich in adligen Kreisen dennoch individuelle Handlungsspielräume abzeichneten.
Schlüsselwörter
Vorpetrinisches Russland, Domostroj, Eheideal, Patriarchat, Sexualverhalten, Kirche, Frauenrolle, Reiseberichte, Terem, Häusliche Gewalt, Rechtslage, Historische Forschung, Geschlechterbeziehung, Soziale Ordnung, Unterordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Stellung und den Lebensbedingungen von Frauen in der patriarchalen Ständeordnung des vorpetrinischen Russlands.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Ehegestaltung sowie die Sexualität der Frau, unter besonderer Berücksichtigung zeitgenössischer Ideale und gesellschaftlicher Realitäten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die oft widersprüchlichen Aussagen europäischer Reiseberichte durch moderne historische Forschungen zu hinterfragen und ein differenzierteres Bild der Frau im 17. Jahrhundert zu zeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse von historischen Quellen, wie dem Domostroj und Reiseberichten, im Abgleich mit moderner geschichtswissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Eheidealen und deren Einhaltung sowie eine detaillierte Analyse der sexualmoralischen Vorgaben durch Kirche und Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Patriarchat, Domostroj, Eheideale, Sexualität der Frau, kirchliche Einflüsse und die historische Stellung der Frau im 17. Jahrhundert.
Was besagt die These zur rechtlichen Situation von Frauen bei Vergewaltigung?
Die Autorin stellt unter Berufung auf Boškovska fest, dass die juristische Situation bei Vergewaltigungen für Frauen überraschend günstig war, da die Todesstrafe für Täter vorgesehen war und Frauen selbst klagen konnten.
Wie bewerten die Historiker das Konzept des „Terem“?
Die moderne Forschung, wie die von Nada Boškovska, kritisiert den Begriff „Terem“ als teils historisch falsch angewandt, da er die faktische Einsperrung von Frauen in Reiseberichten überbetont und nicht den sozio-historischen Gegebenheiten der Zeit entspricht.
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- Elisabeth W. (Author), 2011, Die russische Frau im 17. Jahrhundert - wie sah ihre soziale Stellung in der Gesellschaft aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183219