Die Symbolfigur des Geschenkebringers zu Weihnachten ist in vielen verschiedenen Ländern weltweit vertreten. Während man größtenteils den Weihnachtsmann (samt der landesüblichen Namensgebung) vorfindet, bringen in anderen Ländern die Heili-gen Drei Könige, die Dreizehn Weihnachtszwerge oder der Nikolaus die Geschenke. Viele dieser Figuren haben ihren Ursprung in der vorchristlichen, auf jeden Fall aber der vorschriftlichen Zeit. Als ein Beispiel dafür ist ‚Väterchen Frost’ im russischen Weihnachtfest zu nennen, dessen Ursprünge auf die Personifikation des Winters zu-rückgehen. Als Waldgeist oder Waldgott bezeichnet, war er für Schnee, Kälte und Eis verantwortlich. Gesicherte Quellen lassen sich für diesen Volksglauben lediglich in Aufzeichnungen von mündlich überlieferten Bräuchen und Übertragungen in mündlich überlieferten Märchen finden. Ersteres beschreibt Dmitrij Zelenin in ‚Rus-sische (Ostslavische) Volkskunde’. Darin heißt es, man lade „auch den Frost zur Kutja ein, wobei sie [die Feiernden] an die Wand klopfen, das Fenster öffnen und dazu sagen: […] (Frost! komm die Kutja essen, willst du es aber nicht, so komm gar nicht!).“ Neben der überlieferten Tradition zum Fest findet man die personifizierte Version des Frostes im russischen Märchen. Darin übernimmt der Frost eine Rolle im Initiationsritus zweier junger Mädchen.
Diese Arbeit wird die Fragen klären, worum es sich bei einem Initiationsritus handelt, welche Rolle er in der Märchenforschung und insbesondere in den Urmotiven einiger Märchen spielt und inwieweit die Figur des späteren ‚Väterchen Frost’ darin involviert ist. Dabei arbeite ich exemplarischen an drei Versionen der gleichen Geschichte: ‚Der Frostmann’, ‚Junker Frost’ und ‚Der gestrenge Frost’.
1 Einleitung ......................................... 2
2 Der Ursprung des Märchens und seiner Motive ........ 3
2.1 Märchenforschung ......................... 3
2.2 Das Motiv des Initiationsritus ........... 5
3 Das Motiv des Initiationsritus im Märchen .......... 7
4 Schlusswort ........................................ 10
5 Anhang ............................................. 11
5.1 Literaturverzeichnis ..................... 11
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Ursprung des Märchens und seiner Motive
2.1 Märchenforschung
2.2 Das Motiv des Initiationsritus
3 Das Motiv des Initiationsritus im Märchen
4 Schlusswort
5 Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion des Initiationsritus innerhalb des russischen Volksmärchens. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit das Motiv der Initiation – verstanden als Übergangsritus vom Kind zum Erwachsenen – die Struktur bestimmter Märchen prägt und in welcher Beziehung die Figur des ‚Väterchen Frost‘ zu diesen Riten steht.
- Grundlagen der Märchenforschung und Motivanalyse
- Transformation von Riten in literarische Märchenmotive
- Der Initiationsritus als strukturbildendes Element
- Vergleichende Analyse der Märchenversionen um ‚Väterchen Frost‘
- Die symbolische Rolle des Frostes als Aufgabensteller und Initiator
Auszug aus dem Buch
3 Das Motiv des Initiationsritus im Märchen
Im Folgenden soll der Initiationsritus anhand einer Märchenvariation bewiesen werden. Ich verwende hierbei drei verschiedene Fassungen des Märchens von Väterchen Frost. Besonders wichtig ist der Vergleich unter der Berücksichtigung der Veränderung dieser Erzählungen – hauptsächlich durch die historischen Abwandlungen und besonders durch die Übersetzung vom Russischen in das Deutsche. Die Verwendung von drei verschiedenen Fassungen gewährleistet das tatsächliche Vorhandensein des beschriebenen Motivs - Immerhin wäre es möglich, dass man bei der Verwendung einer einzigen Quelle eine stark veränderte Form benutzt, deren Motiv nichts mit dem in anderen Versionen der Erzählung gemein hat.
Der Inhalt der Versionen ‚Junker Frost’ und ‚Der gestrenge Frost’ gleicht sich annähernd völlig. Am Anfang steht eine Familie, bestehend aus einem Vater und seiner Tochter, sowie der neu angeheirateten Frau und ihrer Tochter. Grundlegend ist die familiäre Feindschaft, ausgehend von der Stiefmutter, mit der Tochter des Mannes. Ähnlich dem Aschenputtel-Motiv muss besagte Tochter putzen und den Haushalt regeln, während die Stiefmutter und die Stieftochter nichts tun, außer die Arbeitende zu beschimpfen und zu bestrafen. Im Laufe der Handlung verlangt die Stiefmutter, der Vater möge seine Tochter doch bei Frost in den Wald bringen, sie wolle das Kind nicht mehr im Hause haben. Unter Tränen folgt der Mann dieser Anweisung und bringt seine Tochter im Winter in den Wald, lässt sie dort zurück. Die Personifikation des Frostes, dargestellt als wertneutraler Waldgeist, tritt auf und stellt dem Mädchen drei Mal die Frage, ob sie friere, während er ihr immer näher kommt. Drei Mal verneint das Mädchen höflich und sagt, ihr sei war. Der Frost empfindet Mitleid mit ihr, hüllt sie in Pelz und Decken und beschenkt sie reich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Symbolfigur des Geschenkebringers und Zielsetzung der Arbeit bezüglich des Initiationsritus im russischen Märchen.
2 Der Ursprung des Märchens und seiner Motive: Theoretische Auseinandersetzung mit der Märchenforschung und der Definition des Initiationsritus als mögliches Grundelement der Zaubermärchen.
3 Das Motiv des Initiationsritus im Märchen: Exemplarische Analyse dreier Märchenvarianten von ‚Väterchen Frost‘ im Hinblick auf ihre strukturellen Gemeinsamkeiten und den Initiationscharakter.
4 Schlusswort: Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Reflexion der Schwierigkeiten bei der Erforschung volkskundlicher Ursprünge.
5 Anhang: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen zur Untersuchung.
Schlüsselwörter
Initiationsritus, Väterchen Frost, Russische Volksmärchen, Märchenforschung, Pubertätsritus, Transformation, Vladimir Propp, Zaubermärchen, Übergangsritual, Volksglaube, Motiv, Personifikation, Waldgeist, Überlieferung, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Initiationsritus als zentralem Motiv in russischen Volksmärchen, insbesondere am Beispiel verschiedener Erzählungen um die Figur des ‚Väterchen Frost‘.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Märchenforschung, die Struktur von Initiationsriten, das Konzept der Transformation nach Vladimir Propp sowie die Verbindung zwischen volkskundlichen Traditionen und ihrer literarischen Verarbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Initiationsritus ein grundlegendes Motiv in den betrachteten Märchen ist und wie dieses den Aufbau der Geschichten und die Rolle der handelnden Figuren bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der drei verschiedene Märchenfassungen analysiert und auf ihre strukturellen Parallelen sowie ihre Übereinstimmung mit dem theoretischen Konzept des Übergangsritus geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Märchenforschung und des Initiationsritus erläutert, gefolgt von einer detaillierten inhaltlichen Analyse und dem Vergleich der Märchen ‚Junker Frost‘, ‚Der gestrenge Frost‘ und ‚Der Frostmann‘.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Initiationsritus, Väterchen Frost, Russische Volksmärchen, Märchenforschung und Transformation charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst die Stiefmutter als Figur den Initiationsritus im Märchen?
Die Stiefmutter agiert als zentrale Gegenspielerin, die durch ihre Feindschaft das Aussenden der Tochter in den Wald initiiert, was den Beginn des notwendigen Übergangsrituals markiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle des ‚Frosts‘ in den verschiedenen untersuchten Märchen?
Der Frost tritt als wertneutraler Waldgeist oder Personifikation des Winters auf, der als Aufgabensteller fungiert, die Mädchen prüft und sie je nach Verhalten entweder belohnt oder als Bestrafung für das Scheitern ihren Tod herbeiführt.
Warum wird im Rahmen dieser Arbeit von einem Pubertätsritus ausgegangen?
Da die Märchen meist Protagonisten im Kindes- oder Jugendalter zeigen, die durch das Bestehen einer Prüfung einen Wandel vollziehen, ist die Einordnung unter den Begriff des Pubertätsritus zur Verdeutlichung der Wandlungsphase sinnvoll.
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- Julia Steinborn (Author), 2011, Das Motiv des Initiationsritus im russischen Märchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183120