Kein Unternehmenskauf bzw. Unternehmensverkauf, keine bedeutende Unternehmenstransaktion finden ohne die Ermittlung des Marktwerts eines Unternehmens statt. Der Unternehmenswert „…stellt einen Zukunftserfolgswert dar“ und wird durch die Diskontierung von zukünftigen Cashflows mit einem risikoangepassten Kapitalisierungszinssatz auf den Bewertungsstichtag ermittelt. Der Kapitalisierungszinssatz repräsentiert dabei die Renditeerwartung der Anleger aus einer Investition in ein vergleichbares Objekt. Diese Alternativinvestition muss hinsichtlich des Risikos, der Besteuerung und der Fristigkeit dem Bewertungsobjekt entsprechen. Bis 1997 war die Relevanz persönlicher Steuern auf der Anteilseignerebene umstritten und fand bei der Ermittlung der Eigenkapitalkosten aufgrund der Komplexität kaum Berücksichtigung in der Praxis.
Seit dem Jahr 2000 sind persönliche Ertragsteuern der Investoren im Rahmen der objektivierten Unternehmensbewertung im IDW S 1 kodifiziert. Die Notwendigkeit der Existenz von Steuern im Bewertungskalkül ergibt sich bereits aus ihrem Einfluss auf die Rückflüsse des Anteilseigners und damit auf die Mittel, über die er verfügen kann. Steuern sind somit eine wertbildende Komponente des Unternehmenswerts, deren Weglassen zu verzerrten Ergebnissen führt.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Unternehmenssteuerreform 2008 auf die Ermittlung der Eigenkapitalkosten auswirkt.
Zu Beginn wird das Tax-CAPM im HEV vorgestellt, gefolgt von einer knappen Einführung in die Steuerreform. Den Schwerpunkt bildet die Darstellung des Tax-CAPM unter dem Einfluss der Abgeltungssteuer, sowie den damit verbundenen Folgeerscheinungen. Ein kurzes Resümee rundet die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Tax-CAPM als Grundlage für die Ermittlung der Kapitalkosten
2.1 Das Standard-CAPM versus Tax-CAPM
2.2 Die Darstellung des Tax-CAPM
3. Das Tax-CAPM unter neuen steuerlichen Rahmenbedingungen
3.1 Eckpunkte der Unternehmenssteuerreform 2008
3.2 Unmittelbare versus mittelbare Typisierung nach IDW S 1
3.3 Auswirkungen der Abgeltungssteuer auf das Tax-CAPM
3.3.1 Das einperiodige Tax-CAPM
3.3.2 Das mehrperiodige Tax-CAPM
3.3.2.1 Der effektive Kursgewinnsteuersatz
3.3.2.2 Ausschüttungspolitik der Unternehmen
3.3.2.3 Stochastische Dividenden
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform 2008 auf die Ermittlung der Eigenkapitalkosten im Kontext der Unternehmensbewertung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse des Tax-CAPM unter Berücksichtigung der durch die Abgeltungssteuer veränderten steuerlichen Rahmenbedingungen sowie der damit verbundenen methodischen Herausforderungen.
- Grundlagen und Weiterentwicklung des Tax-CAPM
- Einfluss der Unternehmenssteuerreform 2008 auf das Bewertungskalkül
- Methodik der unmittelbaren versus mittelbaren Typisierung nach IDW S 1
- Analyse des einperiodigen und mehrperiodigen Tax-CAPM unter der Abgeltungssteuer
- Behandlung von stochastischen Dividenden und effektiven Kursgewinnsteuersätzen
Auszug aus dem Buch
3.3.2.1 Der effektive Kursgewinnsteuersatz
Der effektive Kursgewinnsteuersatz ist abhängig von der Höhe thesaurierter Kursrenditen und der Haltedauer des Anlegers. Damit ist die Haltedauer die investorspezifische Komponente und muss geschätzt werden. Mit der Berücksichtigung des effektiven Kursgewinnsteuersatzes, der unter dem nominellen Abgeltungssteuersatz liegt, ergibt sich die Gleichgewichtsrendite:
E(Rin.St.) = ki × (1 - τkeff.) + di × (1 - 0,264) = Rf × (1 - 0,264) + [km × (1 - τkeff.) – dm × (1 - 0,264) - Rf × (1 - 0,264)] × βi (Gl. 6)
Um den effektiven Kursgewinnsteuersatz zu bestimmen, ist neben Angaben zur Haltedauer, auch die Wertentwicklung des Wertpapiers notwendig. Mit der Annahme, dass der Kurs des betrachteten Wertpapiers mit einer Rate wk wächst und die Haltedauer H bekannt ist, ist die Ableitung dieses effektiven Steuersatzes möglich: τeeff = 1 - [(1 - τe) × ((1 - wk)H - 1) / wk]1/H - 1 (Gl. 7)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Steuerberücksichtigung in der Unternehmensbewertung und stellt die Forschungsfrage zur Auswirkung der Steuerreform 2008.
2. Das Tax-CAPM als Grundlage für die Ermittlung der Kapitalkosten: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Tax-CAPM und dessen Abgrenzung zum Standard-CAPM.
3. Das Tax-CAPM unter neuen steuerlichen Rahmenbedingungen: Der Hauptteil analysiert die steuerlichen Änderungen durch die Reform 2008 und deren Integration in das Tax-CAPM bei einperiodiger sowie mehrperiodiger Betrachtung.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Auswirkungen der Reform und konstatiert, dass trotz der theoretischen Verfeinerungen eine praktische Anwendung hochkomplexer Modelle aufgrund restriktiver Prämissen oft unwahrscheinlich bleibt.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Tax-CAPM, Unternehmenssteuerreform 2008, Abgeltungssteuer, Kapitalkosten, Eigenkapitalkosten, Grenzsteuersatz, Steuerkorrekturfaktor, Haltedauer, Kursgewinnsteuersatz, IDW S 1, Dividendenrendite, Steuerstundungseffekt, Stochastische Dividenden, Typisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Anpassung der Unternehmensbewertung an das deutsche Steuerrecht nach der Reform 2008, insbesondere mit dem Tax-CAPM.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Integration der Abgeltungssteuer, die Problematik der Grenzsteuersätze und der Vergleich zwischen einperiodigen und mehrperiodigen Bewertungsmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie sich die steuerlichen Neuregelungen konkret auf die Ermittlung der Eigenkapitalkosten mittels Tax-CAPM auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse auf Basis der Finanzierungstheorie und der offiziellen IDW-Standards zur Unternehmensbewertung durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Tax-CAPM im Rahmen des HEV, die Eckpunkte der Steuerreform 2008 sowie die spezifischen Auswirkungen der Abgeltungssteuer auf das Kalkül detailliert hergeleitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Tax-CAPM, Abgeltungssteuer, Unternehmensbewertung, Eigenkapitalkosten und Steuerkorrekturfaktor.
Warum wird im mehrperiodigen Tax-CAPM ein effektiver Kursgewinnsteuersatz benötigt?
Da Kursgewinne nicht periodisch realisiert werden müssen, weicht der effektive Steuersatz aufgrund von Steuerstundungseffekten vom nominellen Abgeltungssteuersatz ab.
Wie unterscheidet sich die unmittelbare von der mittelbaren Typisierung nach IDW S 1?
Die unmittelbare Typisierung berücksichtigt die Einkommensteuer direkt im Bewertungskalkül, während bei der mittelbaren Typisierung davon ausgegangen wird, dass sich die Steuerbelastung in der Alternativinvestition neutralisiert.
Warum ist die Integration stochastischer Dividenden in der Praxis schwer umsetzbar?
Die Integration führt zu einer massiven Zunahme der Modellkomplexität, da empirisch kaum bestimmbare Kovarianzen in das Kalkül einfließen müssen.
- Arbeit zitieren
- Olga Beckmann (Autor:in), 2010, Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform 2008 auf die Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183058