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Die barocken Goldledertapetenbestände des Schweriner Schlosses

Kam russisches Leder nach Schwerin?

Title: Die barocken Goldledertapetenbestände des Schweriner Schlosses

Diploma Thesis , 2011 , 123 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Linda Tschöpe (Author)

Museum Studies

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Summary Excerpt Details

Die in fünf Kapiteln gegliederte Diplomarbeit vermittelt ein umfangreiches Bild der Schweriner Goldledertapetenbestände, welche in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Raumausstattung der Kleinen Audienz und des Ministerzimmers Verwendung fanden. Beide Raumprogramme sind zu Beginn des 18. Jahrhunderts gefertigt worden, entstammen aber verschiedener Herkunftsländer. Zur Kontextualisierung der barocken Wandbespannungen wird die Entwicklungsgeschichte der Ledertapetenherstellung aufgezeigt. Anschließend folgen ausführliche Beschreibungen, sowie das Anstellen von Vergleichen zu ähnlichen Lederpaneelen in anderen Sammlungen. Auch werden textile Beispiele herangezogen, die den Dekoren als Vorlage dienten. Laut Überlieferung besteht ein Bezug zwischen den Schweriner Goldledertapeten und Zar Peter dem Großen. Dieser soll sie Carl Leopold von Mecklenburg zu seiner 1716 geschlossenen Ehe mit Katharina Iwanowna, seiner Nichte, geschenkt haben. Dass für diese These keine Belege vorliegen, führte zum Erforschen der Geschichte der Ledertapeten im Schweriner Schloss und zur Umsetzung dieser Arbeit. Weitere Kapitel dienen der Analyse des Baugeschehens in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Schweriner Schlossinsel, sowie der Bedeutung der Ledertapeten in dieser Zeit. Ergänzt werden die Ergebnisse aus der Erforschung der Literatur und den Archivbeständen des Landeshauptarchives Schwerin durch einen Überblick konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen. Diese Arbeit führte zu dem Ergebnis, dass eine Verbindung zu Russland nicht nachweisbar ist, sogar in Teilen widerlegt werden kann. Die Geschichte der Schweriner Ledertapeten erwies sich als weitaus spannungsloser, als sie in der Vergangenheit dargestellt wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. HISTORISCHER KONTEXT

1. Zur Geschichte europäischer Ledertapeten

II. SCHWERINER GOLDLEDERTAPETEN

2. Beschreibung der Raumprogramme

2.1 Kleine Audienz

2.2 Ministerzimmer

2.3 Parallelen zu Ledertapeten anderer Sammlungen

2.3.1 Kleine Audienz

2.3.2 Ministerzimmer

III. GESCHICHTE DER SCHWERINER GOLDLEDERTAPETEN

3. Quellenlage: Fakten und Erklärungsmodelle

3.1 Kleine Audienz

3.2 Ministerzimmer

3.3 Zar Peter der Große, Westeuropa und Schwerin

3.4 Kam „russisches Leder“ nach Schwerin?

IV. SCHLOSSBAUMASSNAHMEN IM 19. JAHRHUNDERT

4. Neugestaltung des Schweriner Schlosses

4.1 Einbau der Goldledertapeten

4.2 Historischer Aussagewert

V. ERHALTUNG DER LEDERNEN RAUMAUSSTATTUNGEN

5. Schadensbilder und ihre Ursachen

5.1 Überblick konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen

5.1.1 Kleine Audienz

5.1.2 Ministerzimmer

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Herkunft und Geschichte der barocken Goldledertapeten im Schweriner Schloss, um die historisch belegte "russische" Herkunft kritisch zu hinterfragen und den Zusammenhang der Tapeten mit der Hochzeit des Herzogs Carl Leopold mit Katharina Iwanowna zu prüfen.

  • Entwicklungsgeschichte europäischer Goldledertapeten
  • Detaillierte Analyse der Raumausstattungen (Kleine Audienz und Ministerzimmer)
  • Kritische Quellenanalyse zur Provenienz und Erwerbsgeschichte
  • Vergleich der Schweriner Bestände mit anderen europäischen Sammlungen
  • Dokumentation des Erhaltungszustands und restauratorischer Maßnahmen

Auszug aus dem Buch

3.4 Kam „russisches Leder“ nach Schwerin?

Zur Klärung dieser Frage muss eine Definition des Terminus „russisches Leder“ bzw. „russische Tapete“ erfolgen, wie er in der „Festschrift“ von 1869 verwendet wurde. Die Autoren selbst geben keinen Hinweis zum Ursprung des von ihnen gewählten Begriffs. Mehrere Untersuchungsansätze werden nachfolgend erörtert.

Wie bereits in Abschnitt 3.1 und 3.2 beschrieben, nimmt Alsleben eine mögliche Herleitung im Rückschluss auf die Herkunft der Ledertapeten vor. So beschreibt er 1988 erstmals, „[e]s handelt sich hierbei [gemeint sind die Ledertapeten der Kleinen Audienz und des Ministerzimmers, L.T.] um ein Hochzeitsgeschenk des russischen Zaren Peter der Große an den Herzog Carl Leopold von Mecklenburg.“ Fehlende Belege Alslebens konnten auch bei den Recherchen zur vorliegenden Arbeit nicht ermittelt werden, was diese These grundlegend schwächt. Hinzu gelangt die Tatsache, dass bereits Thomas Dann für sein Werk von 2007 ausgiebige Forschungen vorgenommen hat und offenbar auf keine Hinweise gestoßen ist. Hervorzuheben ist der hohe Wahrheitsgehalt der „Festschrift“, die von den unmittelbar am Baugeschehen beteiligten Baumeistern verfasst wurde. Darin ist eindeutig belegt, dass „[d]ie aus russischem Leder gepreßte, goldene Tapete [für das Ministerzimmer, L.T.] mit roth und hellblau verziertem Muster [..] früher in dem großherzoglichen Schloß zu Neustadt [war].“ Somit ist die Herkunft dieser Tapete, unmittelbar vor ihrem Einbau in Schwerin, geklärt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Geschichte europäischer Ledertapeten: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Entwicklung und Verbreitung der Goldlederkunst im europäischen Barock als Grundlage für das Verständnis der späteren Exponate.

2. Beschreibung der Raumprogramme: Hier werden die Goldledertapeten der Kleinen Audienz und des Ministerzimmers in ihrer historischen und gestalterischen Einbettung vorgestellt.

3. Quellenlage: Fakten und Erklärungsmodelle: Dieses Kapitel widmet sich der kritischen Prüfung der historischen Quellen, insbesondere der Legende um das russische Hochzeitsgeschenk, und vergleicht diese mit aktuellen Erkenntnissen.

4. Neugestaltung des Schweriner Schlosses: Die Umbaumaßnahmen im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Georg Adolph Demmler und Friedrich August Stüler werden hier im Hinblick auf ihre Auswirkung auf die Innenraumgestaltung analysiert.

5. Schadensbilder und ihre Ursachen: Das Kapitel dokumentiert die historischen und aktuellen Schäden an den Ledertapeten, die durch unsachgemäße Nutzung und klimatische Bedingungen entstanden sind.

Schlüsselwörter

Goldledertapeten, Schweriner Schloss, Kleine Audienz, Ministerzimmer, russisches Leder, Carl Leopold von Mecklenburg, Provenienz, Historismus, Friedrich August Stüler, Restaurierung, Goldlederkunst, Wandbespannung, Innenausstattung, Quellenanalyse, Zar Peter der Große

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der Herkunft, Geschichte und Erhaltung der barocken Goldledertapeten im Schweriner Schloss, wobei der Fokus auf der kritischen Überprüfung des Begriffs "russisches Leder" liegt.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Die Arbeit behandelt die Entwicklung europäischer Ledertapeten, die detaillierte Analyse der Schweriner Raumausstattungen, die Quellenkritik bezüglich ihrer Provenienz sowie die Konservierungsgeschichte.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die wissenschaftliche Klärung der Herkunft der Schweriner Ledertapeten und die Widerlegung oder Bestätigung der langjährigen Vermutung, sie seien ein Hochzeitsgeschenk des russischen Zaren gewesen.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?

Es wurde eine quellenkritische Analyse primärer und sekundärer Literatur, eine Auswertung von Archivdokumenten des Landeshauptarchivs sowie eine vergleichende kunsthistorische Analyse der Tapetenmotive durchgeführt.

Was ist Gegenstand des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert die historischen Raumprogramme, vergleicht diese mit anderen Sammlungen, hinterfragt die Quellen zur Erwerbsgeschichte und beleuchtet die Restaurierungsmaßnahmen, insbesondere seit der DDR-Zeit.

Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?

Zentrale Begriffe sind Goldledertapeten, Provenienzforschung, Historismus, Schweriner Schloss sowie die technologischen Aspekte der Goldlederherstellung und deren Konservierung.

Ist der Zusammenhang zu Russland tatsächlich nachweisbar?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die Verbindung zu Russland nach aktuellem Quellenstand nicht nachweisbar ist und die Bezeichnung "russisches Leder" in diesem Kontext als historisch ungenau eingestuft werden muss.

Welchen Einfluss hatten die Schlossumbauten des 19. Jahrhunderts?

Die Umbauten durch Architekten wie Stüler prägten die heutige Form der Räume maßgeblich und führten zur Integration historischer Ausstattungselemente, die teilweise aus anderen Residenzen stammen.

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Details

Title
Die barocken Goldledertapetenbestände des Schweriner Schlosses
Subtitle
Kam russisches Leder nach Schwerin?
College
Leipzig University of Applied Sciences  (Medien)
Grade
1,0
Author
Linda Tschöpe (Author)
Publication Year
2011
Pages
123
Catalog Number
V182964
ISBN (Book)
9783656070290
ISBN (eBook)
9783656070474
Language
German
Tags
goldledertapetenbestände schweriner schlosses leder schwerin Ledertapeten Kunstgeschichte Historismus Karl Leopold Katharina Iwanowna Zar Peter Tapeten Goldleder Restaurierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Linda Tschöpe (Author), 2011, Die barocken Goldledertapetenbestände des Schweriner Schlosses, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182964
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