Die soziale Entwicklung hat den Jugendlichen nicht nur neue Perspektiven geschaffen, um ihre Individualität zu entfalten, sondern auch hohe Anforderungen und Erwartungen gesetzt. Demnach erleben in der heutigen Gesellschaft bereits Kinder- und Jugendliche physische und psychische Störungen, die ihr Alltagsleben beeinflussen können. Die Stressopfer werden immer jünger und sind bereits in dem Primarbereich zu finden (Hampel 2003, S. 1). Die Folgen von Dauerstress können zu psychosomatischen und funktionellen Krankheiten beitragen, die das Gesundheitssystem und die psychosoziale Entwicklung des heranwachsendes Kindes ungünstig beeinflussen sowie das Erreichen von Lebenszielen behindern kann (Entwicklungspsychologie 2006, S. 1); (Scharf & Rupprecht 2010, S. 5). Dieses Problem wurde seit vielen Jahren nur bei Erwachsenen oder Berufstätigen, wie z.B. Lehrkräften betrachtet und in der Stressforschung untersucht. In dieser Arbeit sollten demzufolge die alltäglichen Vorgänge des Schülers analysiert werden. Lernende erleben immer häufiger Stress müssen ihre Gedanken und das Verhalten ständig regulieren und mit Belastungssituationen umgehen können. Um die kognitiven Prozesse der Schüler genauer zu analysieren bzw. zu verstehen sowie die Arbeitsbelastung und -zufriedenheit in Unterrichtssituationen zu erhellen, wird die Studie von dem Psychologen Grimm, der die kognitive Bewegungslandschaft der Lehrer untersuchte, vorgestellt. Daraufhin wird von der Studierenden Olga Ritter eine qualitative Interviewstudie in drei Grundschulen durchgeführt, die tägliche Stressoren von Schülerinnen und Schülern im Schulleben untersucht und den Zusammenhang zwischen wahrgenommenen Unterrichtsituationen sowie die Schülerzufriedenheit beleuchtet. Ziel der Datenerhebung ist es, zu erfahren, wie die Schüler die unterschiedlichen Unterrichtsituationen bzw. das Schulleben wahrnehmen und attribuieren. Die Zufriedenheit der Schüler ist ebenfalls ein Aspekt, der in diesem Kontext näher betrachtet wird (Grimm, 1996, S. 11). Die Wahrnehmung von Schülern hängt nicht nur von äußeren Zuständen ab, sondern ist das Resultat kognitiver Prozesse, die mit Hilfe von drei verschiedenen Stressmodellen (Lazarus, Hobfoll und Siegrist) die in dieser Arbeit im Fokus stehen, verständlich gemacht werden sollen. Zunächst wird das Transaktionsmodell nach Lazarus veranschaulicht, welches eine dynamische Beziehung zwischen Situation und Person vorstellt.....
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage und Problemstellung-Schülerstress
1.2. Überblick über das kognitive Landschaftsmodell von Lehrern- Grimm
2. Stressverarbeitungsmodelle
2.1. Transaktionistischer Ansatz von Lazarus
2.1.1. Stressrelevante Personen-Umwelt-Beziehung
2.1.2. Stress als mehrstufiger Bewertungsprozess
2.1.3. Bewältigung (Copings)
2.2. Die Theorie Ressourcenerhaltung nach Hobfoll
2.3. Gratifikationskrise nach Siegrist
2.3.1. Extrinsische Verausgabung
2.3.2. Intrinsische Verausgabung
3. Motivationstheorien
3.1. Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan
3.2. Theorie der Arbeitszufriedenheit von Oldham und Hackman
3.3. Zweifaktoren Theorie von Herzberg
4. Stressquellen von Kindern und Jugendlichen
4.1. Positiver und negativer Stress
4.2. Stress aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen
4.3. Kritische Lebensereignisse
4.4. Entwicklungsprobleme
4.5. Schule
4.6. Selbst
4.7. Das Zusammenwirken mehrerer Stressoren
5. Stresswirkungen
5.1. Physische Stresssymptome
5.2. Psychische Stresssymptome
6. Vorgehensweisen der Datenerhebung
6.1. Vorgehensweisen
6.2. Methode und Funktion
7. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
7.1. Angenehme Unterrichtssituationen
7.2. Unangenehmen Unterrichtssituationen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die alltäglichen Belastungen (Daily Hassles) und positiven Erlebnisse (Daily Uplifts) von Grundschülern und analysiert den Zusammenhang zwischen wahrgenommenen Unterrichtssituationen und der Schülerzufriedenheit. Ziel ist es, durch eine qualitative Interviewstudie ein tieferes Verständnis für die Stressoren und Ressourcen der Kinder im Schulalltag zu entwickeln.
- Analyse von Stressoren im Grundschulalltag
- Untersuchung von Coping-Strategien von Kindern
- Erforschung des Einflusses der Unterrichtsgestaltung auf die Schülerzufriedenheit
- Anwendung theoretischer Modelle (Lazarus, Hobfoll, Siegrist) auf kindliches Stressempfinden
Auszug aus dem Buch
1.2. Überblick über das kognitive Landschaftsmodell von Lehrern- Grimm
Der Psychologe Matthias Alexander Grimm führte ab dem Jahr 1985 bis Mitte 1992 eine empirische Forschungsuntersuchung mit den Lehrkräften durch. Diese Studie untersuchte die kognitive Landschaft der Lehrkräfte, um zu verstehen, wie diese ihr Berufsleben attribuieren und welche Bewältigungsmaßnahmen diese verwenden, um den ganzen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Ursache für diese wissenschaftliche Untersuchung waren nicht nur die kritischen Medien, Wirtschaft, Eltern und Gewerkschaften (Grimm 1996, S. 9), sondern auch die hohen Anforderungen der Lehrkräfte sowie frühe Pensionierung aufgrund des hohen Burnout-Anteils (Sieland 2011, S. 7). Die Schulträger wurden von der Medienwelt kritisiert und unter Beschuss genommen, es erschienen kritische Zeitschriftenartikel wie z.B. „Volle Klassen und Lehrermangel-Düstere Zukunft für Unterricht“ oder „Verbummelte Zeit-Deutscher Bildungstrott, zu viel Schule, zu lange Studium“ (Grimm 1996, S. 9).
Die Lehrkräfte wurden „Opfer einer schwerfälligen Administration, mal als die Schuldigen verheerender Qualifikationsdefizite bei den Schülern, mal als Handlanger der Wirtschaft“ (ebd.). Der Psychologe Grimm verfolgte mit seiner Studie die Absicht, den komplexen Lehrerberuf darzustellen und seine hohen Anforderungen zu analysieren. Dabei ist es zunächst wichtig die Attribution der Lehrer in ihrem Berufsleben darzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den zunehmenden Stress bei Kindern im Primarbereich und führt das Ziel ein, Schülerzufriedenheit mittels qualitativer Interviews und etablierter Stressmodelle zu untersuchen.
2. Stressverarbeitungsmodelle: Es werden grundlegende Theorien zur Stressentstehung und -bewältigung wie das Transaktionsmodell von Lazarus, die Ressourcenerhaltungstheorie von Hobfoll und die Gratifikationskrise nach Siegrist dargelegt.
3. Motivationstheorien: Dieser Abschnitt erläutert die Selbstbestimmungstheorie, Arbeitszufriedenheitsmodelle und Zweifaktoren-Theorien, um intrinsische und extrinsische Motivatoren für Lernprozesse zu differenzieren.
4. Stressquellen von Kindern und Jugendlichen: Hier werden spezifische Stressoren im Schulalltag sowie das unterschiedliche Stressempfinden von Kindern und Erwachsenen analysiert.
5. Stresswirkungen: Das Kapitel beschreibt physische und psychische Symptome, die aus einer dauerhaften Stressbelastung bei Schülern resultieren können.
6. Vorgehensweisen der Datenerhebung: Die methodische Durchführung der qualitativen Interviewstudie an drei Grundschulen wird erläutert.
7. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse: Die erhobenen Schülerdaten werden kategorisiert und unter Rückgriff auf die eingangs vorgestellten Theorien interpretiert.
8. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine stärkere Förderung der Autonomie und eine aktive Auseinandersetzung mit Stressfaktoren zur Verbesserung des Schulklimas beitragen.
Schlüsselwörter
Schülerstress, Daily Hassles, Daily Uplifts, Grundschule, Stressverarbeitung, Motivationstheorien, Lazarus-Modell, Ressourcenerhaltung, Gratifikationskrise, qualitative Interviewstudie, Schülerzufriedenheit, Leistungsdruck, Coping-Strategien, schulische Sozialisation, Attributionstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit den alltäglichen Belastungsfaktoren und positiven Momenten von Kindern in der Grundschule sowie deren Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Schüler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Stressforschung im Bildungsbereich, der Motivation von Schülern, dem Einfluss der Unterrichtsgestaltung auf das Wohlbefinden und der Rolle von sozialen Beziehungen im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer qualitativen Befragung zu erfahren, wie Grundschüler Unterrichtssituationen wahrnehmen, wie sie diese attribuieren und welchen Einfluss dies auf ihr Empfinden von Stress oder Zufriedenheit hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf offenen Interviewfragen in Kleingruppen basiert und durch die Anwendung von stress- und motivationstheoretischen Modellen interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch verschiedene Stresstheorien und Motivationstheorien sowie eine empirische Analyse, in der die Ergebnisse der Schülerbefragung in zwölf Kategorien ausgewertet werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Begriff des Schülerstress sind dies vor allem Coping, Resilienz, Lernmotivation, Gratifikationskrise sowie das Verhältnis von Lehrerverhalten und Lernumfeld.
Wie unterscheidet sich das Stressempfinden von Kindern im Vergleich zu dem von Lehrern?
Die Studie vergleicht das Stressempfinden, wobei deutlich wird, dass Kinder oft anders auf Stressoren reagieren und diese stärker impulsiv oder subjektiv wahrnehmen als Erwachsene.
Welche Rolle spielen Hausaufgaben als Stressfaktor?
Hausaufgaben werden von vielen Schülern als zentrale Quelle für Stress und Leistungsdruck genannt, da sie oft mit Freizeitverlust und Konflikten in der Familie einhergehen.
Was zeigt die Studie in Bezug auf die Geschlechterunterschiede beim Stress?
Es zeigt sich, dass Mädchen häufiger über ihr Stressempfinden kommunizieren, während Jungen oft ein externalisierendes Verhalten (wie Aggression) zeigen, das von Eltern und Lehrern teilweise anders wahrgenommen wird.
Welche Rolle spielt die Unterstützung durch Lehrer?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Lehrkräfte durch eine strukturierte, interessante Unterrichtsgestaltung und eine wertschätzende Rückmeldung wesentlich zur Reduktion von Stress und zur Steigerung der Lernfreude beitragen können.
- Arbeit zitieren
- Master of Educ. Olga Ritter (Autor:in), 2011, Daily Hassles und Daily Uplifts von Schülerinnen und Schülern im Primarbereich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182906