Das Seeschloss Monrepos befindet sich am nordöstlichen Ufer des künstlich angestauten Eglosheimer Sees bei Ludwigsburg. Das Gebiet wurde, schon lange bevor 1714 Herzog Eberhard Ludwig dort den Jagd- und Fischereipavillon (das "Seehäuslein") von Johann
Friedrich Nette errichten ließ, vom württembergischen Herzoghaus zum Jagen benutzt. 1755 veranlasst Herzog Carl Eugen Umgestaltungen an der Anlage, welche unter Philippe de La Guêpière ausgeführt werden. Von 1760 – 1765 wird unter dem französischen Architekten auch ein neues Jagdschloss errichtet, das heute unter dem Namen "Seeschloss
Monrepos" bekannt ist, diesen Namen aber erst unter König Friedrich von Württemberg erhält. Bis 1765 können an dem Seeschloss der Außenbau und teilweise auch Innenausstattungen vollendet werden, doch wendet sich das Bauinteresse des Herzogs seit 1763 immer stärker der Solitude zu, so dass der Bau des Seeschlosses schließlich
unvollendet abgebrochen wird. Erst 1801 – 1804 kommt es unter Herzog Friedrich II., späterer König von Württemberg, und seinem Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret zu einer zweiten Bauphase. Thouret gestaltet nahezu die gesamte Anlage im
klassizistischen Geschmack um und verzerrt somit die von La Guêpière intendierten Gedanken. Aus der Zeit Thourets stammen z.B. die drei aufgeschütteten Inseln, die gotisierende Kirche von Reinhard Fischer auf einer der Inseln und der englische Landschaftsgarten. Heute wird die Anlage Monrepos als Naherholungsgebiet für den Raum Ludwigsburg genutzt.
Das ursprüngliche Lustschloss nach La Guêpière geht auf den Typus der Maison de Plaisance zurück, der im 18. Jahrhundert von Frankreich ausgehend auch in Deutschland zur Mode wurde. Das Seeschloss gilt dabei als der Bau, bei dem La Guêpière sich am
deutlichesten äußerst und in dem überdies seine Architektur am ausgereiftesten zur Sprache kommt.
Ziel der Hausarbeit ist es herauszuarbeiten, wie der Künstler La Guêpière sich dem Typus der Maison de Plaisance annimmt und ihn umsetzt. Dabei wird zunächst der Architekt selbst und dann der Typus der Maison de Plaisance vorgestellt, bevor das Eglosheimer
Seeschloss nach La Guêpière behandelt wird. In einem abschließenden Fazit wird eine kurze Zusammenfassung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Philippe de La Guêpière
2.1. Leben, Werk und Würdigung
2.2. Künstlerische Einordnung und stilistische Merkmale
3. Die Maison de Plaisance
3.1. Zum Begriff
3.2. Zum Grundriss
4. Das Seeschloss bei Eglosheim nach Philippe de La Guêpière
4.1. Allgemeines
4.2. Umgebung des Schlosses
4.3. Pläne
4.4. Äußeres
4.5. Inneres
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die architektonische Entwicklung und Umsetzung des Typus der "Maison de Plaisance" am Beispiel des Seeschlosses Monrepos bei Ludwigsburg unter der Leitung des Architekten Philippe de La Guêpière, um dessen künstlerischen Ansatz und seine Arbeitsweise im Kontext der damaligen Bautheorie zu analysieren.
- Biografie und Wirken von Philippe de La Guêpière
- Definition und architektonische Merkmale der Maison de Plaisance
- Baugeschichte und städtebauliche Einbettung von Schloss Monrepos
- Analyse der Entwurfsplanung, Grundrissgestaltung und Fassadenarchitektur
- Zusammenspiel von architektonischer Theorie und praktischer Umsetzung
Auszug aus dem Buch
3.1. Zum Begriff
Die Maison de Plaisance, zu Deutsch das "Lustgebäude" oder das "Lustschloss", bezeichnet ein fürstliches Schloss, dass außerhalb der Stadt auf dem Land für einen kürzeren Aufenthalt angelegt ist. Es ist von einem Garten, einem Park oder einer Landschaft umgeben, steht in einer engen Beziehung zur Natur und soll mit ihr eine harmonische Einheit eingehen. Das Gebäude sollte dabei die Bedürfnisse seines Bewohners bezüglich der Natur zufriedenstellen. Es ist kein Residenzschloss, sondern ein Ort des Vergnügens, des privaten Amüsements und der Intimität. Die "plaisir" ist damit also die Hauptfunktion eines solchen Baus, nicht die "oeconomia", womit landwirtschaftliche Gebäude nicht zu einer Maison de Plaisance zuzurechnen sind. Einen solchen Luxus konnten sich freilich nur wenige Menschen leisten, wodurch der Kreis derer Personen, die als Bauherren in Frage kommen, sehr eingeschränkt ist.
Besonders zum Verständnis der Maison de Plaisance in Deutschland ist es wichtig zu wissen, dass der Fürst im Lustschloss einen Ort fand, an dem er sich vom absolutistisch strukturierten Hof zurückziehen konnte und dort "eine weitgehend als sorglos imaginierte Sphäre" genoss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Geschichte des Seeschlosses Monrepos ein und umreißt die Zielsetzung, den Architekten La Guêpière sowie den Bautypus der Maison de Plaisance zu untersuchen.
2. Philippe de La Guêpière: Dieses Kapitel widmet sich der Biografie des Architekten, seiner Ausbildung sowie seinen künstlerischen Prinzipien und seinem stilistischen Umgang mit Vorgaben.
3. Die Maison de Plaisance: Hier werden die theoretischen Grundlagen und die architektonische Definition des Bautypus "Maison de Plaisance" sowie dessen typische Grundrissgestaltung erörtert.
4. Das Seeschloss bei Eglosheim nach Philippe de La Guêpière: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die konkrete Entstehung, die Umgebung, die verschiedenen Planungsphasen, das äußere Erscheinungsbild und die innere Raumstruktur von Monrepos.
5. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die architektonische Bedeutung des Schlosses sowie La Guêpières Rolle im Übergang zwischen Spätbarock und Klassizismus.
Schlüsselwörter
Philippe de La Guêpière, Maison de Plaisance, Schloss Monrepos, Ludwigsburg, Architekturtheorie, Herzog Carl Eugen, Lustschloss, Grundrissgestaltung, Baugeschichte, Klassizismus, Spätbarock, Gartenarchitektur, Eglosheim, Fassadengestaltung, Residenzarchitektur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Baugeschichte und architektonischen Analyse des Seeschlosses Monrepos bei Ludwigsburg, entworfen von Philippe de La Guêpière.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Biografie des Architekten La Guêpière, die Theorie der "Maison de Plaisance" und die architektonische Dokumentation von Monrepos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszuarbeiten, wie La Guêpière den Bautypus der Maison de Plaisance interpretierte und praktisch am Seeschloss Monrepos umsetzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse, die Quellenstudien, Architekturtheorie und die Untersuchung von Entwurfsplänen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Architekten, die theoretische Definition des Bautypus sowie die detaillierte bauhistorische Untersuchung von Monrepos, inklusive seiner Pläne, Umgebung, Fassade und Innenraumkonzeption.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Maison de Plaisance, Schloss Monrepos, Architekturtheorie und Philippe de La Guêpière charakterisiert.
Warum musste der Bau des Seeschlosses laut Arbeit unterbrochen werden?
Das Bauinteresse des Herzogs verlagerte sich 1763 stark auf die Solitude, was dazu führte, dass die Arbeiten am Seeschloss unvollendet abgebrochen wurden.
Welche Rolle spielte der Grundriss für La Guêpière?
Der Grundriss war für La Guêpière ein zentrales Instrument der Distribution, wobei er Wert auf Symmetrie, klare Bezüge und die Verbindung von Umgebung und Innerem legte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Halle (Autor:in), 2011, Das Lustschloss Monrepos bei Ludwigsburg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182757