Anhand der doch sehr gegensätzlichen politischen Philosophien von Hannah Arendt und Carl Schmitt wird hier dargelegt, inwiefern ein Primat der Politik über die Ökonomie gerechtfertigt werden kann. Eine Frage, die aufgrund der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise wieder an Aktualität gewonnen hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schmitts Theorie der Politik
2.1 Schmitts Politikverständnis
2.1.1 Unterscheidung zwischen Freund und Feind
2.1.2 Anthropologie, Staat und Politik
2.1.3 Internationale Ordnung
2.1.4 Souveränität und Dezisionismus
2.2 Schmitts Liberalismuskritik
2.2.1 Theorie der Zentralgebiete und deren Neutralisierungen
2.2.2 Die Auflösung des Politischen
2.2.3 Demokratie, Parlamentarismus und Diktatur
2.2.4 Schmitts Leviathan
2.3 Fazit
3 Arendts Theorie der Politik
3.1 Arendts Politikverständnis
3.1.1 Was ist Politik (nicht)?
3.1.2 Vorurteil und Urteil
3.1.3 Die Kriegsfrage und die Rolle von Macht und Gewalt in der Politik
3.1.4 Revolution und Rätesystem
3.2 Arendts Liberalismuskritik
3.2.1 (Markt-)Liberaler Imperialismus
3.2.2 Arendts Kritik an Hobbes’ politischer Theorie
3.2.3 Kapital und Mob und der Charakter des Imperialismus
3.2.4 Revolution, die soziale Frage und das öffentliche Glück
3.3 Fazit
4 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die politischen Theorien von Hannah Arendt und Carl Schmitt mit dem spezifischen Ziel zu klären, welche Argumente sich aus diesen Theorien für die Legitimation eines Primats der Politik vor der Ökonomie ableiten lassen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich das Verhältnis von politischem Handeln und wirtschaftlichen Interessen angesichts der Krisenanfälligkeit kapitalistischer Systeme philosophisch begründen lässt.
- Vergleich der Politikverständnisse von Hannah Arendt und Carl Schmitt
- Kritische Analyse des Liberalismus und dessen Auswirkung auf die politische Sphäre
- Untersuchung des Verhältnisses von Souveränität, Macht und Gewalt
- Hinterfragung der Dominanz ökonomischer Logiken im modernen Staat
- Erarbeitung der Grundlagen für ein Primat der Politik
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Als während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 eine Vielzahl von Banken kollabierte, wurden Zweifel über die Verlässlichkeit und die Nachhaltigkeit des gegenwärtigen kapitalistischen Systems laut. Im Zentrum stand eine Debatte über die Rolle des Staates und dessen Pflicht, marode oder bankrotte Finanzinstitute vor dem Untergang zu retten. Die gegenseitige Abhängigkeit von Politik und Ökonomie auf nationaler und internationaler Ebene wurde klar, dass grosse Banken sich in einem solchen Masse als volkswirtschaftlich relevant erwiesen, dass deren Kollaps schwerwiegende Konsequenzen für Arbeitnehmende und Staatskassen nach sich gezogen hätte. Den Regierungen blieb also gar nichts anderes übrig, als jene Banken, die „too big to fail“ waren, vor dem Bankrott zu bewahren und staatliche Gelder zur Verfügung zu stellen.
Kritisiert wurde dabei, dass die vor der Krise erzielten Gewinne in private Hände geflossen waren, während die Öffentlichkeit danach für den Schaden aufkommen musste und die Verluste sozialisiert wurden. Nach den Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 war für Hans Morgenthau, den Theoretiker des Realismus in den Internationalen Beziehungen, ein solcher Vorgang undenkbar, weswegen er in seinem Werk Politics among Nations konstatierte, dass „historical evidence points to the primacy of politics over economics, and ‘the rule of the financier ... over international politics’ is indeed, in the words of Professor Schumpeter, ‘a newspaper fairytale, almost ludicrouslv at variance with facts’” (Morgenthau 2006: 62f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Verhältnisses von Politik und Ökonomie anhand der Finanzkrise 2008 und formuliert die Forschungsfrage zur Legitimation eines Primats der Politik bei Arendt und Schmitt.
2 Schmitts Theorie der Politik: Dieses Kapitel analysiert das Politikverständnis und die Liberalismuskritik von Carl Schmitt, wobei besonders die Freund-Feind-Unterscheidung sowie der Dezisionismus im Kontext des Leviathan-Begriffs hervorgehoben werden.
3 Arendts Theorie der Politik: Hier werden Arendts Begriffsbestimmungen von Politik, Handeln und Freiheit sowie ihre kritische Auseinandersetzung mit Imperialismus und modernen Gesellschaftsstrukturen untersucht.
4 Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel führt die Analysen zusammen und diskutiert die unterschiedlichen Ansätze von Arendt und Schmitt im Hinblick auf die heutige politische Gestaltbarkeit gegenüber ökonomischen Imperativen.
Schlüsselwörter
Politik, Ökonomie, Carl Schmitt, Hannah Arendt, Liberalismuskritik, Freund-Feind-Unterscheidung, Souveränität, Dezisionismus, Imperialismus, Handlungsfreiheit, Räterepublik, Staat, Macht, Gewalt, Primat der Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die politischen Philosophien von Carl Schmitt und Hannah Arendt dazu beitragen können, die Vorherrschaft der Politik gegenüber wirtschaftlichen Interessen (Ökonomie) theoretisch zu rechtfertigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Definition des Politischen, die Kritik am liberalen Parlamentarismus, die Analyse von Imperialismus und totalitären Tendenzen sowie die Rolle von Macht und Gewalt im Staat.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Argumente aus den Theorien beider Denker zu destillieren, die aufzeigen, warum und wie ein Primat der Politik gegenüber ökonomischen Sachzwängen legitimiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende politikwissenschaftliche und ideengeschichtliche Untersuchung, die zentrale Werke und Konzepte beider Autoren systematisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Schmitts dezisionistisches Politikmodell und seine Liberalismuskritik dargelegt, gefolgt von Arendts auf Handeln und Pluralität basierendem Politikverständnis und ihrer Kritik an imperialistischen Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Politik, Ökonomie, Souveränität, Dezisionismus, Imperialismus, Freund-Feind-Unterscheidung, Räterepublik und Macht sind zentrale Begriffe.
Wie unterscheidet sich Schmitts Sicht auf den Souverän von Arendts Verständnis?
Schmitt sieht den Souverän als denjenigen, der über den Ausnahmezustand entscheidet und somit die politische Ordnung stiftet, während Arendt politische Macht im gemeinsamen, pluralen Handeln der Bürger verortet.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Primats der Politik?
Der Autor schlussfolgert, dass trotz der unterschiedlichen Ansätze beide Denker die Notwendigkeit betonen, die politische Sphäre aus ihrer Unterordnung unter ökonomische Logiken zu befreien, um eine echte demokratische oder politische Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.
- Quote paper
- M.A. Manuel Irman (Author), 2011, Hannah Arendt, Carl Schmitt und die Theorie der Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182716